SNOWDOGS: Hunde, wollt ihr ewig rocken?!

Auch wenn die SNOWDOGS auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Punkband aussehen, erkennt man beim genaueren Hinschauen, dass das Trio alles andere als gewöhnlich ist. Dementsprechend ist es nicht weiter verwunderlich, dass Ville Leppanen im Interview einiges zu erzählen hat.

Auch wenn die SNOWDOGS auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Punkband aussehen, erkennt man beim genaueren Hinschauen, dass das Trio alles andere als gewöhnlich ist. So lernten die Brüder Ville und Mat Leppanen schon als Kinder in ihrem finnischen Elternhaus allerlei Instrumente spielen, ehe sie beschlossen nach London zu ziehen, um dort eine Band zu gründen. Den Bandnamen inspirierte dann nicht etwa eine Biermarke, sondern ein RUSH-Song. Es folgten unzählige Gigs und ein durchaus ansprechendes Debüt namens Animal Farm. Vor einigen Wochen erblickte das zweite Album Deep Cuts, Fast Remedies das Licht der Musikwelt. Darauf haben sich die SNOWDOGS mächtig gesteigert und präsentieren 12 mitreißende Tracks, die direkt ins Ohr gehen und sich nicht um Stilgrenzen scheren.

Dementsprechend war es nicht weiter verwunderlich, dass Ville Leppanen im Interview einiges zu erzählen hatte…

Zuallererst muss ich euch zu Deep Cuts, Fast Remedies gratulieren! Es ist lange her, dass ich ein so frisches und zugleich tightes Album gehört habe. Gute Arbeit!

Kommt es dir angesichts der Tatsache, dass das Album bereit vor einem knappen Jahr aufgenommen wurde, so vor, als würdest du in der Vergangenheit leben?

Hey Jutze, ich hoffe dir geht`s gut. Hier ist Ville, der Gitarrist und Sänger der `DOGS. Zuerst einmal vielen Dank für deine netten Worte. Wir haben hart an dem Album gearbeitet und alles reingesteckt, was wir konnten. Folglich ist es großartig zu hören, dass andere Leute es mögen. Die Reaktionen waren bislang wirklich super positiv.

Wir haben das Album letzten Sommer fertig gestellt. Genau genommen ist es also noch kein ganzes Jahr alt. Aber ich weiß, worauf du anspielst. Das ist eben Rock`n`Roll in einer wirtschaftlichen Umgebung. Die große Geldmachmaschinerie, also eine Plattenfirma, braucht eine Weile, um ihre Räder in Bewegung zu setzen. Wir sind bei einem Indie-Label unter Vertrag, und wir haben trotzdem eine Weile warten bis zur Veröffentlichung müssen. Stell dir vor, wir wären bei einem Major-Label! Ein paar Kumpels von mir, die Major-Verträge hatten, haben Alben gemacht, die niemals veröffentlicht wurden. Das wäre mies!

Jetzt, da das Album veröffentlicht wurde, sind wir sehr aufgeregt und sehen zu, dass wir es promoten bis es Zeit ist, ein neues zu machen.

Ich lebe nicht in der Vergangenheit. Mein Gedächtnis ist viel zu kurz dafür.

Was hat es mit dem Titel Deep Cuts, Fast Remedies auf sich?

Er basiert auf einer Werbung, die ich auf einem Londoner Doppeldeckerbus gesehen hatte, als ich gerade auf dem Weg ins Studio war. Die Werbung war für eine Verdauungsmedizin, die ein schnell wirkendes Mittel versprach. Nunja, Musik ist schon immer ein schnell wirkendes Mittel in jeder Not gewesen. Wenn ich schlecht drauf bin, höre ich Musik, um meine Stimmung zu heben. Wenn ich gut gelaunt bin, lege ich Musik zum Feiern auf. Tiefe Schnitte fügt einem das Leben bisweilen zu. Und ich habe als schnelles Mittel dagegen die Musik. Sie ist schnell, effektiv und hinterlässt keinen Nachgeschmack oder Kater. Dafür verursacht sie aber manchmal Ohrenpfeifen…

DeepIch mag euer neues Album wie gesagt. Deshalb auch dieses Interview. Allerdings kann ich wirklich nichts mit dem grauen Cover anfangen. Warum habt ihr dieses graue Bild genommen. Meinst du nicht, dass es etwas kontrastreicher hätte ausfallen können?

Aber sieh es mal so, das ist unsere typische englische Bescheidenheit… nicht, dass wir Engländer wären, aber vielleicht haben wir hier einfach zu lange gelebt! Oder vielleicht ist das Grau eine Metapher, die mit dem englischen Wetter zusammenhängt.

Was auch immer es sein mag, ich mag es jedenfalls.

Ihr habt nach Animal Farm eine Menge neuer Songs geschrieben. Wie habt ihr daraus die Stücke für Deep Cuts, Fast Remedies ausgewählt? Was ist mit den Stücken passiert, die es nicht aufs Album geschafft haben?

Wir haben sie WESTLIFE gegeben. Sie haben die CD aufgelegt, Angst bekommen und sich in die Hosen gemacht. Somit betrachtete ich meine Arbeit als getan…

Wir schreiben ständig Sachen. Songwriting ist unsere zweite Natur. Manche Ideen werden später vielleicht verwendet, manche landen im Abfalleimer der nicht-so-tollen Ideen.

Wir haben die Stücke für das Album zusammen mit unserem Produzenten Steve Brown rausgesucht. Er ermutigte uns, sehr unterschiedlich klingende Lieder zu nehmen. Ich denke, das war eine guter Zug. Ich hasse die Tatsache, dass heutzutage so viele Alben wie diese sauber verarbeiteten und gut durchdachten Marketing-Vehikel sind, anstatt einfach nur gute Musik.

Ich hasse es, dass sich so viele Bands einer vorgeformten Vorstellung, wie eine Band ihres Genres klingen sollte, anpassen. Ich nenne sie IKEA-Bands, denn egal welche man nimmt, es ist immer oberflächlich und klingt immer gleich.

Unsere Aufgabe war es also ein Album zu machen, das den Hörer etwas aus der Bahn wirft, oder ihn zumindest hier und da überrascht. Ich denke, das haben wir geschafft.

Eins meiner Lieblingsstücke ist Popstars (Love This!). Hattet ihr die Textidee bereits im Kopf, als ihr die Musik geschrieben habt?

Tatsächlich ist beides zusammen entstanden. Es war ein älterer Text und Riff. Ich kann dir schwören, dass wir so Sachen, wie dass die Band von Happy Cola gesponsert wird und Handys bekommt und so, lange vor den Fernsehshows Popstars und Popidol geschrieben haben. Und dann sahen wir es hier im wirklichen Fernsehen letztes Jahr. Wir konnten es einfach nicht glauben! Als hätten die Produzenten dieser erfolgreichen Fernsehshows unsere Gedanken gelesen. Dermaßen ähnelte es dem, was wir in dem Lied geschrieben haben.

Es ist ein spaßiger Song und geht live richtig ab.

SNOWDOGS:

Wurde Your Sorry Ass von eurem ehemaligen Schlagzeuger inspiriert, der die Band verließ um sich einen `richtigen` Job zu suchen?

Cool, du kennst unsere Geschichte!

Um ehrlich zu sein war unser Ex-Schlagzeuger wirklich nicht der Typ, der einen inspirierte. Man muss ihm zugute halten, dass er ein guter Schlagzeuger war. Aber er hatte einfach erkannt, dass er nicht dafür geeignet war, ein arbeitender Musiker zu sein. Wirklich traurig.

Jeder hat schon mal irgendwann einen Scheißjob gehabt. Ich habe an einem Punkt in meinem Leben die Entscheidung getroffen, nichts zu tun, was ich nicht ausstehen kann. Infolgedessen bin ich manchmal am Verhungern. Aber zumindest ist das Brot, das ich esse, etwas, auf das ich unglaublich stolz sein kann.

Immer wenn ich dabei bin am Musikerleben zu verzweifeln, erinnere ich mich daran, dass die Dinge wesentlich schlechter sein könnten. Ich denke an die Zeit zurück, als ich einen beschissenen, gewöhnlichen Job hatte, und dann schätze ich mich glücklich, dass ich meinen Lebensunterhalt mit diesem Rock`n`Roll-Zeug verdiene.

Die Gesangsdarbietung auf dem Album ist sehr beeindruckend. Deshalb frage ich mich, welchen Stimmumfang du hast? Wie sieht es mit Mat und Benjy aus?

VilleDanke!

Die Hormonbehandlungen beginnen endlich zu wirken…

Ich komme mit meiner vollen Stimme bis zum hohen C. Mat ebenfalls. Manchmal muss er wirklich seine Eier quetschen, um die hohen Zweitstimmen zu singen.

Nach einer durchsoffenen Nacht kann ich bis zum tiefen E kommen… und das Gebäude zum Wackeln bringen. Benjy hingegen könnte nicht mal singen, wenn sein Leben davon abhängen würde. Er ist Schlagzeuger, er lebt davon, dass er auf tote Kuhfelle draufhaut. Du würdest auch nicht wollen, dass er singt. Schlagzeuger können immer nur eine Sache auf einmal machen…

Ihr benutzt digitale Aufnahmegeräte und ihr habt im Drumbereich bereits etwas mit Triggern gearbeitet. Werdet ihr bei zukünftigen Aufnahmen verstärkt elektronische Klänge verwenden? Oder werdet ihr versuchen, möglichst nah an eurem Livesound zu bleiben?

Ich weiß wirklich nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich bin kein großer Elekro-Fan. Deshalb werden wir uns vermutlich nicht in diese Richtung bewegen. Ich mag meine Rockmusik live, energievoll und auf den Punkt gebracht.

Wir haben eine Protools-Anlage und man kann damit genauso gut aufnehmen wie mit allen anderen Geräten. Ich wünschte, wir hätten eine nette 2-Bandmaschine und ein teures Neve oder SSL-Pult… die Sachen würden dann noch viel besser klingen. Aber ich denke, dass heutzutage eh die meisten Aufnahmen mit Protools gemacht werden.

Wir haben die Basisspuren komplett live und ohne Clicktrack aufgenommen. Deswegen klingt es so live. Da wurde nicht rumgetrickst. Mat und ich haben uns heute unterhalten und wir meinten lachend, dass unser nächstes Album wie VAN HALENs Women And Children First klingen sollte; ein tolles Album aus den frühen 80ern. Einfach komplett live und vermutlich auch besoffen aufgenommen. Es besitzt einfach eine unglaubliche Energie.

Wir haben bereits 12 Stücke für das nächste Album geschrieben. Momentan klingen sie sehr dreckig und laut. Ich glaube, es ist eine Gegenreaktion zu all der Popmusik, die wir fortwährend hören müssen. Immer wenn ich dieses Zeug höre, steigt in mir das Verlangen auf, etwas Idiotisches, Fürchterliches zu schreiben. Einfach nur um den Leuten auf die Nerven zu gehen, hehe.

Wir werden weiterhin Sachen schreiben, und wenn es an der Zeit ist, die Lieder für das nächste Album auszuwählen, werden wir hoffentlich eine Menge Songs zur Auswahl haben. Vielleicht werden ein paar davon sogar Melodien enthalten, haha!

Wann und in welchem Zusammenhang hast du zum letzten Mal Deep Cuts, Fast Remedies komplett angehört?

Letzte Woche. Wir saßen in unserem Studio mit ein paar Freunden von einer anderen Band. Sie hatten das Album noch nicht gehört, und wollten ein Ohr riskieren. Also haben wir Bier getrunken und nebenher SNOWDOGS gehört. Ich mache das nicht sonderlich oft. Ich mag es eigentlich nicht so sehr, unser eigenes Zeug anzuhören. Es ist halt dann so, dass ich das mal gemacht habe, es jetzt abgeschlossen ist, und ich zusehe, dass wir weiterkommen. Aber ich muss sagen, dass das Album in meinen Ohren wirklich gut klingt. Die andere Band hat es tierisch gemocht. Sehr schön!

SNOWDOGS:

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands betreut ihr eure Homepage selbst. Seid ihr zufrieden damit? Oder werdet ihr euch einen Profi leisten, sobald genug Geld in der Kasse ist?

Hätten wir mehr Geld, würden wir jemanden damit beauftragen ein paar schöne Sachen zu gestalten um die Sache optisch etwas ansprechender zu machen. Aber um ehrlich zu sein kommt es auf das ganze Drumherum nicht so sehr an. Für mich ist das Internet ein tolles Werkzeug um sich auszudrücken und sich zu verbreiten, um Meinungen kund zu tun und zu interagieren. Mir würde etwas fehlen, wenn wir das nicht selber machen würden. Besonders heutzutage, wo fast alle Medien von großen Firmen und deren Dienern, den hohen Politikern, kontrolliert werden. Es ist erschreckend, wenn man die ganze Propaganda bei uns im Fernsehen und in der Presse sieht.

Wenn wir also ein paar Leute beeinflussen können, indem wir sie auf Seiten wie www.zmag.org aufmerksam machen, dann ist es auch unsere Aufgabe, das zu tun. Würden wir jemand anders mit dem Inhalt unserer Homepage betrauen, ginge dieser Aspekt sicherlich verloren.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

(lacht) Fuck off…..

Okay, wenn du es unbedingt wissen willst: Es ist das Blau und das Weiß der finnischen Flagge. Ich bin halt ein patriotischer Kerl.

Wer von euch ist am redseligsten?

Nach ein paar Drinks lassen wir dich nicht mehr zu Wort kommen. In Benjys Gesellschaft ist man immer gut aufgehoben, er hat immer was zu erzählen. Es hat wohl etwas mit dem Süden zu tun, er kommt aus Atlanta, Georgia. Wir sind allesamt ziemlich locker drauf. Mat ist wahrscheinlich derjenige, der nur den Mund aufmacht, wenn er wirklich was zu sagen hat.

Hast du je mit dem Gedanken spielt, mal einen Song mit einem finnischen Text zu schreiben?

Nicht wirklich. Mein Finnisch ist ziemlich schlecht geworden in letzter Zeit. Ich würde wohl allerlei dumme Grammatikfehler machen. Tatsächlich mache ich weniger solche Fehler im Englischen. Aber noch wichtiger ist, dass das Schreiben von Texte – so wie alle Künste – sich entwickeln muss. Und ich habe schon immer auf Englisch geschrieben. Ich kann mich also wesentlich besser auf Englisch ausdrücken. Lustige Sache.

Letztes Weihnachten war ich in Helsinki um meine Eltern zu besuchen, und ich habe mich über mich selbst aufgeregt, als ich merkte, dass ich Probleme hatte mich auf Finnisch zu unterhalten. Natürlich spreche ich wie ein Einheimischer, aber ich fange an Worte zu vergessen. Und dann verwende ich schließlich englische Worte und Redewendungen. Das ist schon verdammt peinlich.

Mat und du, ihr habt sehr früh damit begonnen Musik zu schreiben. Wann habt ihr denn den ersten SNOWDOGS-Song geschrieben? Wie war er?

Wir schreiben Lieder seit wir 8 und 10 Jahre alt sind. Der erste SNOWDOGS-Song war Here`s Me. Er befindet sich auf unserem ersten Album Animal Farm.

Gibt es Momente, in denen du es als einschränkend empfindest, dass ihr ein Trio seid? Habt ihr schon mal ernsthaft überlegt einen vierten Mann in die Band zu holen?

Wir haben uns überlegt einen zweiten Gitarristen für Liveauftritte zu engagieren. Einfach um ich ein wenig zu unterstützen. Aber ich glaube nicht, dass wir jemals zu viert in der Band sein werden. Wir sind wirklich glücklich mit unseren Posten und dem Bewegungsfreiraum innerhalb der Band. Ein Trio zu sein ist keine Einschränkung, es ist eine Herausforderung. Man kann sich in einer Dreierbesetzung nicht einfach verdrücken, man muss immer voll da sein.

SNOWDOGS

Magst du Schneehunde? Hast du Haustiere? Welches Tier ist deiner Meinung nach am meisten Rock`n`Roll?

Ja, ich mag Schneehunde. Ich mag alle Tierarten, aber ich selbst habe keine Haustiere. Am meisten Rock`n`Roll ist wohl eine Python á la ALICE COOPER, oder vielleicht eine Fledermaus á la OZZY OSBOURNE.

Alles hat ein Ende. Sollte die Band sich einmal trennen, was wäre wohl der wahrscheinlichste Anlass dafür?

Man gibt nur zwei Dinge, die man tun muss: Steuern zahlen und sterben.

Ich glaube nicht, dass wir uns trennen werden, weil wir uns zerstritten haben. Wir sind viel zu zivilisiert, als dass wir etwas derartig Dummes machen würden.

Wenn die SNOWDOGS sich einmal auflösen, dann hoffe ich, dass es am Ende einer großartigen Karriere voller seltsamer Entwicklungen, Zwischenfälle und Beschuldigungen sein wird. Ein paar Millionen auf der Bank wären auch nicht schlecht, verdammt noch mal!

Alles hat ein Ende, auch dieses Interview. Ich hoffe, dass meine Fragen nicht zu langweilig waren. Was hast du denn heute noch vor?

Vielen Dank für dein Interesse. Die Fragen waren gut, mal abgesehen von der nach meiner Lieblingsfarbe…

Heute Abend wird mein Nachbar auf ein paar Drinks vorbeikommen. Aber bevor das passiert, werde ich noch ein paar neue Mixe anhören. Wir produzieren gerade das Album einer englischen Band namens AUDIOGENE. Produzieren ist mein normale Arbeit, ein toller Job.

Being a Snowdog rules!