GRAND MAGUS: Vertraue deiner eigenen Kraft!

GRAND MAGUS: Vertraue deiner eigenen Kraft!

Mit Iron Will haben GRAND MAGUS vor zwei Jahren mächtig Staub aufgewirbelt. So viel, dass Roadrunner Records auf die Schweden aufmerksam geworden ist und die Band unter Vertrag genommen hat. Und mit Hammer Of The North haben GRAND MAGUS erneut ein erstklassiges Metal-Album abgeliefert, dass sich nicht im großen Schatten, den sein Vorgänger geworfen hat zu verstecken braucht. Wir sprachen mit Bassist Fox und Schlagzeuger Seb im Roadrunner-Büro in Köln.

Hey ihr zwei! Erst mal vielen Dank für Hammer Of The North, ein weiteres großartiges Album!

Fox: Danke! Wir sind auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es war harte Arbeit. Der Produzent hat uns wirklich an unsere Grenzen gepusht und es hat funktioniert.

Seb: Als wir den Mix gehört haben konnten wir gar nicht glauben wie gut es geworden ist.

Fox: Hoffentlich gefällt es den Leuten.

Seb: Wir mögen es auf jeden Fall!

Mit Iron Will habt ihr ein sehr starkes Album veröffentlicht, welches auch von der Presse sehr gut aufgenommen wurde. Es war ja Album des Monats in allen möglichen Magazinen, auch in Heften bei denen ich nie gedacht hätte, dass die eine GRAND MAGUS-CD anfassen. Hat euch die Aufmerksamkeit, die ihr für Iron Will bekommen habt, überrascht?

Seb: Natürlich!

Fox: Album des Monats-Auszeichnungen haben wir mit den vorherigen Alben auch schon gewonnen aber mit Iron Will wurde das noch mehr und das hat uns schon etwas überrascht.

Iron Will scheint ja auch kommerziell recht erfolgreich gewesen zu sein, denn immerhin habt ihr jetzt einen Plattenvertrag mit Roadunner Records.

Fox: Iron Will hat unser Leben nicht verändert, da wir trotzdem nicht so viele Platten verkaufen, aber momentan ändert sich unser Leben schon, da wir mehr Zeit in die Band investieren und auch deutlich mehr Konzerte spielen und bessere Positionen auf Festival bekommen.

Seb: Wir haben mit Iron Will deutlich mehr Leute ereicht als vorher.

Ich habe euch vor ein paar Jahren auf Tour mit CATHEDRAL und ELECTRIC WIZARD gesehen, wo ihr den Opener gemacht habt und letztes Jahr auf dem ROCK HARD FESTIVAL. Man hat deutlich gemerkt, dass ihr als Band deutlich an Selbstvertrauen gewonnen habt, was das allgemeine Auftreten und Stageacting angeht.

Fox: Ich glaube die CATHEDRAL-Tour war 2006.

Seb: Das war vor meiner Zeit, das war die letzte Tour mit dem alten Drummer.

Fox: Man wird besser, wenn man übt und wenn man öfter live spielt.

Wie seid ihr in Kontakt mit Roadrunner gekommen?

Seb: Sie sind an uns heran getreten.

Fox: Iron Will war das vierte Album für Rise Above und damit war der Vertrag erfüllt. Roadrunner waren nicht das einzige Label, welches mit uns in Kontakt getreten ist, wir hatten noch einige andere Angebote und haben uns letztendlich für Roadrunner entschieden.

Inwieweit habt ihr beim Songwriting für Hammer Of The North Druck verspürt? Hattet ihr Angst, dass ihr eventuell die Erwartungen der Fans und eures neuen Labels nicht erfüllen könntet?

Seb: Wir hatten definitiv Druck. Wir mussten Iron Will toppen.

Fox: Wir haben immer Druck, schon von uns aus. Wir wollen keine schlechten Alben veröffentlichen, nur um vielleicht aus einem Vertrag raus zu kommen oder so. Wir wollen hinter dem Ergebnis stehen können. Von daher ist der Druck den wir uns selbst auferlegen viel größer als jeglicher Druck von außen.

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Geiles Album, geiles Cover: Das Artwork von Hammer Of The North wurde von Kristian Necrolord Wåhlin angefertigt.


Auf euren früheren Alben hattet ihr mehr Doom-Einflüsse in eurem Sound. Mit Iron Will habt ihr euch mehr in Richtung klassischer Heavy Metal gewandelt. Habt ihr GRAND MAGUS je als wirkliche Doom-Band gesehen?

Fox: Nein, eigentlich nicht. Monument war das Album mit den meisten Doom-Einflüssen. Das selbstbetitelte Album war eher so eine Heavy Blues Rock Sache. Diese ganze Kategorisierung geschieht eher durch Außenstehende, wir haben uns nie wirklich als Doom-Band gesehen. Aber wir wurden von Doom-Bands beeinflusst und mochten es so zu spielen, zu der Zeit als Monument rauskam. Wir wollten uns mehr auf die Songs fokussieren und mit einem guten Sänger wie JB wollten wir einfach Songs schreiben, die dem auch Rechnung tragen.

Das Cover von Hammer Of The North wurde von Kristian Necrolord Wåhlin. Wieso habt ihr euch für ihn entschieden?

Fox: Dafür ist JB verantwortlich, er ist an ihn heran getreten und hat ihm seine Ideen für das Bild mitgeteilt. Dann kam Kristian mit dem Artwork.

Seb: Arik Roper hat das Cover für Iron Will gezeichnet und er hat wirklich großartige Arbeit geleistet aber wir wollten etwas neues probieren.

Er ist sehr bekannt für seine Arbeit, speziell mit schwedischen Bands, insbesondere aus dem Death Metal-Bereich. Wie ist eure Beziehung zur schwedischen Death Metal-Szene? Immerhin seit ihr ja auch aus Stockholm.

Fox: Ich habe viele Freunde in der Stockholmer Death Metal Szene. Ich bin erst 1993 nach Stockholm gezogen, da lief das ganze ja schon eine Weile. Ich habe mit vielen von den Jungs von ENTOMBEDDISMEMBERUNLEASHED und so weiter gefeiert und gesoffen, das sind gute Freunde. Wir spielen diese Musik zwar nicht selber aber sie ist ein großer Einfluss, was die Agression angeht, die sie in ihre Musik stecken. Wir haben mit Niko (Elgstrand, ENTOMBED) ja als Produzenten gearbeitet.

Ich mag die Produktion von Hammer Of The North wirklich sehr gerne, insbesondere den Bass-Sound.

Fox: Wir haben uns nicht hinter irgendwelchen Effekten versteckt, es ist eine sehr ehrliche Produktion. Man kann jedes Instrument sehr gut heraus hören.

Seb: Es gibt keine getriggerten Drums, alles ist echt.

Wie meine Kollegin Arlette sagen würde Trigger sind kein Heavy Metal. Was sagst du dazu?

Seb: Ich mag keine Trigger. Es töten den natürlichen Sound des Schlagzeugs, es tötet die Dynamik. Mit Triggern klingt alles gleich, du hast keinen eigenen Sound mehr. Es klingt unnatürlich. Es passt zu anderen Bands, die können so viele Trigger benutzen wie sie wollen. Es gibt auch Bands die Trigger benutzen die ich mag, aber ich möchte keine benutzen. Man kann einen guten Drumsound bekommen wenn man in ein großes Studio geht. Natürlich ist das teuer aber wir haben es diesmal trotzdem gemacht weil wir es konnten.

Der Wolf ist ein wichtiger Bestandteil eurer Cover. Welche Bedeutung hat er für euch?

Fox: Er ist wie ein Symbol für Stärke, Individualität. Der Wolf ist ein Tier der sowohl im Rudel lebt aber auch ein starkes Individuum ist.

Seb: GRAND MAGUS sind auch so etwas wie ein Wolfsrudel.

Stärke und Individualität sind Themen die ich aus einigen euerer Songtexte heraushöre, wie zum Beispiel bei Northern Start, der auf der einen Seite ein Song gegen Religion ist, aber es geht auch darum an sich selbst zu glauben und auf seine innere Stärke zu vertrauen, dass man keinen Gott braucht, wenn man an sich selbst glaubt.

Fox: Wenn du deine eigene Kraft nutzt, genau! Das ist unsere Hauptphilosophie: Vertraue deiner eigenen Kraft!

Im Song Savage Tales gibt es diese Textzeile those who walk against the wind will always walk alone die ich sehr mag. Ist das auch auf euch als Band bezogen?

Fox: Ja, aber auch auf alle Leute die sich dazu entscheiden, nicht dem Mainstream zu folgen. Es ist kein einfacher Weg aber manchmal muss man für seine Überzeugungen kämpfen.

Seb: Es geht darum du selbst zu sein, anstatt jemand anderes, nur weil du nicht den Mut hast, du selbst zu sein.

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Live inzwischen deutlich selbstsicherer als noch vor ein paar Jahren – GRAND MAGUS 

Black Sails handelt von Wikingern?

Fox: Das kann man so sehen, ja. Die Sache ist, dass JB alle Texte schreibt. Wir geben mit den Texten keine Antworten, du musst dir deine eigene Meinung bilden. Ich kann dir zu der Bedeutung dieses Textes nichts sagen weil ich ihn nicht geschrieben habe. Man lernt mehr davon, Wissen zu suchen als davon, Wissen gezeigt zu bekommen. Er der sucht, wird finden!

Hammer Of The North ist aggressiver als Iron Will mit noch mehr schnellen Parts. Einige Stellen erinnern mich an JUDAS PRIEST, besonders einige Gesangsparts von JB.

Fox: Ja, das ist wahr. Wir haben uns nicht hingesetzt und geplant so oder so zu klingen aber das ist dabei heraus gekommen.

Seb: Natürlich wurden wir von JUDAS PRIEST beeinflusst, das ist eine natürliche Sache und es passt zu den Songs.

Fox: Aber wir klingen eher nach alten JUDAS PRIEST, nicht nach Nostradamus oder so. Das ist die Art von Metal die wir uns gerne anhören.

Wie sieht es eigentlich mit der staatlichen Unterstützung für Bands aus? Früher habe ich oft gelesen, dass man als Band in Schweden vom Staat Unterstützung bekommt, ist das immer noch so?

Fox: Man bekommt etwas Geld aber das ist nicht viel. Es reicht um die Proberaum-Miete zu bezahlen. Es sind vielleicht etwa zwanzig Euro pro Person oder so. Es ist nicht so, dass du Kohle vom Staat bekommst wenn du irgendetwas Kulturelles machst.

Sie haben also nicht das Studio gezahlt.

Fox: Nein, wir haben quasi garnichts vom Staat bekommen.

Seb: Nur die Miete für den Proberaum, das wars.

Es ist also eigentlich wirklich nur für sehr kleine Bands von Nutzen.

Seb: Ja, für Anfänger ist das eine gute Sache.

Fox: Für das Opernhaus oder das große Theater in Stockholm geht viel Geld drauf.

Seb: Viele schwedische Bands sind außerhalb Schwedens sehr erfolgreich aber in Schweden kennt man sie kaum. AMON AMARTH um Beispiel.

Allen Ernstes? AMON AMARTH?

Seb: Ja. Wenn du in Schweden Radio hörst wird dort nur Pop Musik gespielt.

Na ja, das ist bei uns nicht anders.

Seb: Ok, aber AMON AMARTH touren auch kaum in Schweden. Das selbe gilt für uns, wir sind in England oder Deutschland viel bekannter als in Schweden.

Seb: Es war sogar schon was völlig anderes als wir in Finnland gespielt haben. Die Leute dort kannten uns und sind extra zu unseren Konzerten gekommen obwohl wir keine Promotion für die Auftritte hatten.

Fox: Ich denke die Schweden folgen lieber den aktuellen Trends und schauen nach Amerika oder England. Es gibt viele tolle Musiker und Bands aus Schweden die aber in Schweden kaum jemand kennt. Außer vielleicht EUROPE. Jeder kennt EUROPE.

Ihr spielt morgen ja hier im Underground in Köln. Leider kann ich mir die Show nicht ansehen weil ich zum DOOM SHALL RISE-Festival fahre. Ich hoffe, dass ihr bald wieder hier in die Gegend kommt!

Fox: Das hoffen wir auch. Wir haben geplant erst mal die Sommer-Festivals zu spielen und dann im Herbst für eine Tour nach Deutschland zu kommen. Es steht aber noch nichts fest – bis auf ein paar Festivals. Wir müssen sehen, ob wir mit einer großen Band als Support auf Tour gehen oder eine eigene Headliner-Tour durchziehen. Wir müssen auf jeden Fall auf Tour und ich denke Roadrunner wollen das auch.

Seb: Ja, wir müssen das Album promoten, wir müssen auf Tour!

Habt ihr je darüber nachgedacht einen zweiten Gitarristen für die Live-Shows in die Band zu holen, um JB zu entlasten? Es ist sicher nicht einfach für ihn live auf diesem Level Gitarre zu spielen und zu singen.

Wir haben darüber nachgedacht aber dann haben wir geprobt und festgestellt, dass wir keinen zweiten Gitarristen brauchen. Man hat einen bestimmten Sound wenn man als Trio spielt.

Wie fühlst du dich, Fox, jetzt wo Hammarby nicht mehr in der ersten schwedischen Liga spielt?

Fox: Das ist echt scheisse aber was will man machen. Ich hoffe, dass sie nächstes Jahr wieder aufsteigen.

Werdet ihr mit BAJEN DEATH CULT etwas neues aufnehmen um den Spirit von Hammarby wieder zu beleben?

Fox: Wir haben tatsächlich etwas aufgenommen um das Eis Hockey-Team zu unterstützen aber die sind pleite gegangen, bevor wir die Songs veröffentlichen konnten. Die Songs sind fertig geschrieben und aufgenommen, wurden aber nicht veröffentlicht. Wir konnten das Team nicht retten. Aber wir müssen mal sehen. Es ist immer der eine oder andere von uns auf Tour weil wir ja in verschiedenen Bands spielen.

So, ich bin mit meinen Fragen durch. Wollt Ihr noch etwas loswerden?

Seb: Wir sehen uns auf Tour. Kauft unser Album!

Danke für eure Antworten, ich wünsche euch weiterhin alles Gute mit GRAND MAGUS!

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.