FANTASY FILMFEST 2012, 06. bis 13. September 2012 im CINEDOM, Köln

26. FANTASY FILMFEST vom 06. bis 13. September 2012 im CINEDOM, Köln

So sicher wie das Amen in der Kirche ist das FANTASY FILMFEST im Spätsommer. Dieses Jahr ist der Termin für Köln noch ein Stück weiter nach hinten gerutscht, von Ende August auf Anfang September. Urlaub war für mich mal wieder nicht drin (den hatte ich in den drei Wochen NACH dem FANTASY FILMFEST), also musste ich das Programm mal wieder um nutzlose Tätigkeiten wie Arbeit und Schlaf herum legen. Für sechzehn Filme hat es dieses Jahr gereicht und im Vergleich zum Vorjahr war das Gesamtniveau eine ganze Ecke höher. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück mit der Filmauswahl, aber dieses Jahr wurde mir neben einem Totalausfall und einem durchschnittlichen Film eigentlich nur beste Unterhaltung geboten.

 Der Anteil der eher lustigen Filme in meiner Auswahl war dieses Jahr vergleichsweise hoch. Was mir fehlte, war mal wieder ein richtig nihilistisches Werk wie der grandiose Deliver Us From Evil oder gar Martyrs, einer dieser Filme, die einem die Luft aus den Lungen pressen und regungslos im Kinosessel zurücklassen. Mein Programm war dieses Jahr eher leicht und bekömmlich – natürlich nach FANTASY FILMFEST-Maßstäben – aber trotzdem hervorragend. 


Sightseers (GB / 2012 / 95min)

Sightseers

Sightseers ist eine rabenschwarze, sehr englische Komödie. Tina fährt mit ihrem neuen Freund Chris auf einen Camping-Trip durch England. Tina, die sich mit ihrer eigenwilligen Mutter rumschlagen muss, deren Hund sie zu allem Überfluss kürzlich auch noch versehentlich um die Ecke brachte, hat diesen Ausbruch aus dem Alltag dringend nötig. Doch unterwegs entdeckt sie ganz neue Seiten an ihrem Partner, der Störenfriede auch gerne mal ganz unbürokratisch um die Ecke bringt. Erst noch ein wenig ängstlich beginnt sie sich mit dieser kleinen Macke ihres Freundes zu arrangieren – besser als es diesem lieb ist. Sightseers ist eine wirklich schwarze Komödie über einen Camping Road-Trip, bei dem Leichen den Weg des Camper-Pärchens pflastern. Für Fans des schwarzen, trockenen englischen Humors genau der richtige Film und ein mehr als solider Opener.

V/H/S (USA / 2012 / 116min)

Es gibt immer noch Filme, die mich überraschen können. V/H/S hatte ich nach dem Trailer als mittelmäßigen weiteren Beitrag zum Found Footage Horror-Genre abgehakt. Nebenbei ist das ganze aber auch noch ein Episodenfilm, der von einer Rahmenhandlung lose zusammen gehalten wird. Sowohl diese als auch die Handlung der einzelnen Episoden sind an Redundanz und Einfallslosigkeit kaum noch zu unterbieten. Das Found Footage-Genre ist ja an sich schon nicht gerade reich an wirklich zwingenden Beiträgen, V/H/S ändert daran nichts – er macht es sogar eher noch schlimmer.

Denn leider – der Name ist Programm – hielten die Filmemacher es für eine super Idee, das ganze Bildmaterial so unscharf und grobkörnig wie nur eben möglich aufzunehmen. Dazu kommt der Ton, der zeitweise so blechern und übersteuert ist, dass es in den Ohren weh tut. Dann noch ein paar krachende Störungen rein, damit auch bloß keiner ob der mäßig spannenden Episoden einschläft. Nach zehn Minuten des verwackelten Grauens hatte ich Kopfschmerzen und mir war übel – und der Film war fast zwei Stunden lang.

V/H/S

Wenn diese körperliche Misshandlung wenigstens durch einen überzeugenden Plot wieder gut gemacht worden wäre, vielleicht hätte dies meinen Kopf und Magen wieder mit dem Film versöhnt. Stattdessen gibt es als Rahmenhandlung ein paar Einbrecher, die ein VHS-Tape aus einem Haus klauen sollen, leider aber nicht wissen welches und sich die Kassetten deswegen anschauen – was uns dann zu den jeweiligen Episoden führt, die klassisches Horror-Terrain abgrasen – Jungs-Clique macht Party, Teenies im Wald, junges Paar auf Road-Trip, Frau ist alleine und bei ihr spukt es während ihr Freund über Video-Chat zusieht und zu guter letzt Party im Spukhaus.

Alles so oder so ähnlich schon mal da gewesen, was prinzipiell kein Problem ist, wenn die Klischees dann qualitativ gut bedient werden. Aber genau das schafft V/H/S bis auf ganz wenige Ausnahmen viel zu selten. Dazu dann eben die völlig auf die Spitze getriebene Ausreizung der Found Footage-Bildqualität – fertig ist etwas, dass man selbst mit das ist Kunst und soll schockieren/anders sein/weh tun nicht mehr rechtfertigen kann. Denn hier treffen einfach nur redundante Plots auf gewollt miese Bild und Tonqualität. Schade, das war verschwendete Zeit und tatsächlich der Tiefpunkt in meiner persönlichen FANTASY FILMFEST-Historie, allenfalls noch erreicht von Norwegian Ninja.

The Suicide Shop – 3D (F/CDN/B / 2012 / 79min)

Nachdem der Vortag so katastrophal endete, freute ich mich auf den heutigen Tag, der mich mit drei absoluten Highlights nicht enttäuschen sollte. Der erste im Bunde war The Suicide Shop, ein französischer Animationsfilm. Nein, das Leben ist nicht schön in der Großstadt. Lauter Menschen, die ihrem Leben gerne ein Ende setzen möchten. Kein Wunder, dass der Laden der Familie Tuvache floriert, denn hier findet der Lebensmüde alles, was er für den stilvollen Abgang braucht. Friedlich mit Gift einschlummern? Das Schwert in den Bauch? Oder doch lieber der klassische Galgenstrick? Familie Tuvache hat alles da und ist der Kunde zufrieden, kommt er nicht mehr wieder.

The

Die Arbeit verpflichtet natürlich zu depressivem Charakter und den haben die Eltern bestens an Ihre beiden Kinder weiter gegeben. Mama, Papa, können wir uns bitte umbringen? Nein, ihr müsst doch das Familiengeschäft übernehmen. Ja, das Familienidyll könnte besser nicht sein. Doch dann platzt der kleine Alan als drittes Kind in das Leben der Tuvaches und dieser ist von geradezu penetranter Fröhlichkeit. Sowas sorgt im Laden für die ganz falsche Stimmung bei der Kundschaft. Man stelle sich vor, da lässt sich einer von Alans Heiterkeit anstecken und meint plötzlich weiterleben zu wollen!

Solch schwarzen Humor kennt man sonst vor allem von der Insel, doch auch jenseits des Kanals ist man zu morbiden Meisterleistungen in der Lage. Dieser Film von Patrice Leconte, der hier ein Buch von Jean Teule umsetzt ist sicher kein Animationsfilm für die ganze Familie aber trotzdem ein großer Spaß! Die wunderschöne Retro-Optik, die wunderbaren Figuren und gesungen wird natürlich auch. Lediglich das 3D-Brimborium war, wie so oft, relativ unnötig, hat den Film aber natürlich auch nicht schlechter gemacht.

Killer Joe (USA / 2011 / 103min)

Matthew McConaughey kannte ich bisher vor allem aus seichteren Filmen. Als richtig talentierter Schauspieler war er mir bislang eher nicht aufgefallen. Das änderte sich an einem Freitag Abend im September 2012. Chris hat ein Problem. Er hat Schulden beim ortsansässigen Drogenboss und seine White Trash-Verwandtschaft ist ihm dabei keine große Hilfe. Da fasst er den Plan, seine Mutter umbringen zu lassen um die Versicherung zu kassieren. Sein Vater ist nach anfänglicher Skepsis durchaus angetan von der Idee, seine Ex über den Jordan zu schicken, wenn dabei etwas raus springt.

Killer

Den Job erledigen soll Joe, ein Cop, der nebenbei auch Leute umbringt. Bezahlen wollen Sohn und Vater ihn mit dem Geld der Versicherung, welches sie natürlich erst bekommen, wenn der Job erledigt ist. Dumm nur, dass Joe im Voraus bezahlt wird. Aber der Mann lässt mit sich verhandeln und will als Pfand Chris´ kleine Schwester Dottie, die bei seinem Vater Ansel und dessen neuer Frau lebt. Verzweifelt wie sie sind lassen die beiden sich auf den Deal ein, so dass sich eine schräge Beziehung zwischen den beiden entwickelt. Dass das alles nur eskalieren kann, ist klar und so schlittern die Protagonisten mitten in die Katastrophe.

Killer Joe ist ein moderner Film Noir, getragen vor allem von der starken schauspielerischen Leistung  McConaughey´s. Doch auch Thomas Haden Church als stoischer White Trash-Papa Ansel muss man erwähnen, denn auch dieser spielt hier großartig. Und dann ist da noch Juno Temple, welche als Dottie ebenfalls bleibenden Eindruck hinterlässt. Besonders im dramatischen, spannungsgeladenen Finale brilliert das Ensemble und fesselt das Publikum an die Leinwand. Ganz großes Kino!

Detention (USA / 2011 / 93min)

Detention war mein letzter Film am Freitag und beendete einen überragenden Festival-Tag mit einem Knall. Der Film nimmt den klassischen High School Teen Movie als Grundlage, ergänzt um Slayer, Body.Switching, Zeitreisen, Aliens und mehr popkulturelle Anspielungen als in sämtlichen Gilmore Girls-Staffeln zusammen. Kann so eine irre Mischung funktionieren? Sie kann! Als erstes lernen wir Taylor Fisher kennen, die es innerhalb weniger Minuten als typisches, hippes High School-Girl schafft, mir gewollt unsympathisch zu werden. Aber hey, kurz darauf wird sie von einem Psycho-Killer abgeschlachtet. Alles ist gut.

Detention

Schnitt zu Riley Jones, der eigentlichen Protagonistin des Films und einer ziemlichen Außenseiterin. Natürlich, hier werden alle Klischees bedient – und durch den Kakao gezogen. Die Charaktere sind die typischen High School-Movie Charaktere. Der Sportler, der Streber, die Chearleaderin, der Slacker und so weiter. Ach ja, und der Kanadier! Natürlich gibt es Schulalltag, Football, Partys und Nachsitzen. Derweil geht das meucheln weiter.

Zwischendurch hauen sich die Protagonisten einen oneliner nach dem anderen um die Ohren und von den Achtzigern über die Neunziger bis heute bekommt jede Dekade ihr Fett weg. Detention ist einfach nur völlig irrwitzig, rasant und zum brüllen komisch. Breakfast Club trifft auf Scream und Faculty plus einen ganzen Haufen mehr. Für mich einer der besten Filme dieses Jahres.

Game Of Werewolves (ESP / 2011 / 104min)

Dieser Film heißt eigentlich Lobos De Arga, hat aber aus irgendeinem Grund als internationalen Titel Game Of Werewolves verpasst bekommen. Ob da jemand ein paar Fans der erfolgreichen Serie Game Of Thrones abgreifen wollte? Eigentlich unwahrscheinlich, denn zwischen dem gigantischen Fantasy-Epos und dieser Werwolf-Komödie liegen Welten. Arga ist der Name des kleinen Dorfes aus dem der eher nicht so erfolgreiche Schriftsteller Tomas stammt. Für sein neues Buch Back To The Roots tut er genau das, er fährt nach Arga, zu seinen Wurzeln. Dort verspricht man ihm einen großen Empfang, schließlich ist er als Schriftsteller ja eine Art Promi. Aber irgendwie wird das warme Willkommen anders, als Tomas sich das vorgestellt hat.

Lobos

Da gibt es noch diesen alten Fluch, der auf dem Dorf liegt und an dem Tomas´ Ahnen nicht ganz unschuldig sind. Dessen letzte Phase soll in Kürze eintreten, was im Dorf für emsige Betriebsamkeit sorgt, während Tomas und sein alter Jugendfreund ganz aus Versehen das unter dem Friedhod schlummernde Grauen wieder zum Leben erwecken. Und schon schleicht der pelzige, knurrende Tod wieder durch die Gassen von Arga. Doch die Dörfler wissen sich zu wehren und wollen Tomas der Bestie zum Fraß vorwerfen, um dem Fluch ein Ende zu machen. Das erweist sich allerdings als nicht so einfach wie geplant und so beginnt die lustige Hatz, bis der Fluch in seine letzte Phase eintritt und die Dörfler ganz andere Probleme bekommen. Handwerklich mit viel Liebe umgesetzt und mit jeder Menge Schenkelklopfer ist Lobos De Arga eine der besten Horror-Komödien der letzten Jahre.


The Tall Man (USA/CDN / 2012 / 102min)

Das Drehbuch zu The Tall Man stammt aus der Feder von Pascal Laugier, der mit Martyrs vor vier Jahren für verdammt harten Stoff sorgte. Diesmal verschlägt es uns in das kleine Städtchen Cold Rock, welches wirtschaftlich am Boden liegt und, noch schlimmer, von einem grauenhaften Fluch heimgesucht zu werden scheint. Immer wieder verschwinden Kinder in Cold Rock und tauchen nie wieder auf. Eine mysteriöse Gestalt, von den Bewohnern nur Tall Man genannt, scheint dafür verantwortlich zu sein.

The

Die Krankenschwester Julia Denning – gespielt von Jessica Biel – ist seit dem Tod ihres Mannes die einzige Person, die sich um die Kranken der Stadt kümmert. Eines Tages wird auch ihr Sohn David von der schwarzen Gestalt entführt und Julia versucht panisch, dem Entführer auf die Schliche zu kommen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Und wenn man nach dem ersten Handlungstwist noch zustimmend, aber nicht all zu beeindruckt mit dem Kopf nickt, aufgrund der nicht neuen aber solide umgesetzten Idee, da zaubert Laugier eine weitere Wendung aus dem Hut, die den Zuschauer überrascht und mit einer unangenehmen Frage zurücklässt. Doch in den letzten Sekunden, wird diese dann aber wieder ein wenig relativiert, als habe man sich doch ein wenig gefürchtet, ob der Reaktionen auf eine solch kontroverse Idee. Ich will hier nichts vorweg nehmen, da dies den Genuss des Films definitiv einschränken würde.

Man fragt sich, welche Aussage der Film nun treffen will. So oder so, das Ende ist fraglos kontrovers, damit kennt sich Pascal Laugier ja aus. Trotzdem bleibt The Tall Man ein nicht mehr als solider Thriller, der es weder in Sachen Kontroverse noch Eindringlichkeit mit dem pechschwarzen Martyrs aufnehmen kann. Muss er zugegebenermaßen auch nicht, da beide Filme in völlig andere Richtungen gehen. Allerdings wird The Tall Man sicher nicht als Highlight in die Filmographie Laugiers eingehen.

God Bless America (USA / 2011 / 104min)

Reality TV mit verzogenen Gören, Casting Shows, die talentfreie Menschen zur Schau stellen und demütigen, politische Hassprediger, seine lauten Nachbarn samt dauerhaft schreiendem Baby – Frank ist genervt von der Welt um ihn herum. Dass seine, bei seiner Ex-Frau lebende Tochter sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, ihn besuchen zu kommen, trägt nicht zur Besserung seiner Stimmung bei. Als er dann auch noch seinen Job verliert und einen unheilbaren Hirntumor diagnostiziert bekommt, reicht es Frank. Er will seinem Leben ein Ende setzen. Doch vorher will er es dieser verzogenen Göre aus dem Reality TV noch zeigen. Dabei bekommt er unfreiwillig Publikum in Person der sechzehnjährigen Schülerin Roxy. Nach vollendeter Tat sitzt Frank in einem Motel und steckt sich die Waffe in den Mund. Doch plötzlich steht Roxy vor seiner Tür, die er offensichtlich schwer beeindruckt hat – und inspiriert. Wäre es nicht eine schöne Idee durchs Land zu ziehen und all diese Leute hinzurichten, die unsere Gesellschaft schlechter machen? Rechtskonservative Kommentatoren, Reality TV-Teilnehmer? Falschparker?

God

Und so machen sich Frank und Roxy auf ihren blutigen Kreuzzug, um mit dem modernen Amerika abzurechnen. Eine Art Natural Born Killers mit gesellschaftskritischer Agenda, der so ganz nebenbei noch den Bogen zu Lolita schlägt. Wenn Sightseers schon schwarz war, dann ist God Bless America das neue, noch dunklere Schwarz. Das ungleiche Killerpärchen hat sofort die Sympathien des Publikums, denn seien wir ehrlich – wer würde bei all dem Grauen, das man in den Medien ertragen muss, manchmal nicht gerne zur Selbstjustiz greifen? God Bless America ist eine schonungslose Abrechnung mit allem, was in den heutigen Medien und der Gesellschaft falsch läuft, ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, denen ihr iPhone wichtiger ist als ein freundlicher und friedlicher Umgang mit seinen Mitmenschen, mit allen, die glauben eine politische Agenda mit Angst und Lügen durchsetzen zu müssen – und nebenbei noch unglaublich unterhaltsam. Man fühlt mit den beiden Hauptpersonen, deren Zusammenspiel einfach großartig ist. Besonders Tara Lynne Barr, welche in die Rolle der Roxy schlüpft, spielt hier erstklassig. Eines der ganz großen Highlights des diesjährigen FANTASY FILMFEST!

Chained (USA / 2012 / 98min)

Danach wurde es wieder deutlich ernster. Chained ist der neue Film von Jennifer Lynch, Tochter des gefürchteten und verehrten David Lynch. Der kleine Tim und seine Mutter werden nach einem gemeinsamen Kinobesuch entführt. Der Entführer bringt die beiden zu sich nach Hause, wo er Tims Mutter tötet und dem Jungen eröffnet, dass er ab sofort als Diener für ihn arbeiten wird. Er macht ihm Essen, öffnet die Tür und darf die Leichen seiner folgenden Opfer im Keller verscharren. So wächst Tim als Sklave eines Monsters auf, gefangen in einem Haus ohne Tageslicht, angekettet als Gehilfe eines mordenden Wahnsinnigen, der gleichzeitig seine einzige Bezugsperson ist.

Chained

Chained bietet harten Stoff. Langsam baut Lynch scheinbar eine kranke Beziehung zwischen Tim und dem Killer, sehr gut gespielt von Vincent D´Onofrio, auf. Chained ist psychologischer Horror par excellence, lediglich der Twist am Ende ist fragwürdig. Sicher ist er schockierend, doch irgendwie wirkt er auch konstruiert. Davon abgesehen ist der fünfte, unter Lynch´s Regie entstandene Film ein sehenswertes Stück Kino, welches sicher nicht leicht verdaulich ist.

Vamps (USA / 2012 / 89min)

Vampire treffen auf Sex And The City? Klingt vollkommen abwegig? Nun, vielleicht. Andererseits, wenn im Tageslicht golden funkelnde Vampire Millionen-Umsätze generieren, wieso nicht? Die beiden Vampir-Mädels Goody und Stacy leben zusammen in einer Wohnung in New York. Goody wurde bereits vor über 100 Jahren in einen Vampir verwandelt, Stacy erst in den Achtzigern. Menschenblut trinken die beiden nicht, dann lieber mal eine Ratte mit Strohalm in der Halsschlagader.  Ab und zu mal ein Treffen der kein Menschenblut trinkenden Vampire, wo man mit gleichgesinnten wie dem schon etwas in die Jahre gekommen Vlad Tepes über die eigenen Erfahrungen mit der Enthaltsamkeit nach Menschenblut redet. Ansonsten haben die beiden die völlig normalen Probleme, die man als Sex And The City-Vampir so hat, also vor allem die Liebe. Dieser Typ aus Stacys Uni-Kurs ist aber auch süß, der Name von Helsing schreckt sie da auch nicht ab. Goody wiederum tut sich schwer mit all dem modernen Schnick Schnack, der die jungen Leute heutzutage so beschäftigt, versucht sich aber nichts anmerken zu lassen, denn Stacy weiß nicht, wie alt ihre Mitbewohnerin wirklich schon ist.

Vamps

Ärger macht den beiden zum einen ihre Vampir-Mutter Cisserus, gespielt von der unverwüstlichen Sigourney Weaver. Die Dame ist, was ihre Nahrungsbedürfnisse angeht, eher noch alte Schule- Sprich: Wenn Essen bestellt wird, ist der Lieferant der Hauptgang. Dann wäre da noch der Vater von Stacys neuem Schwarm, der ihr gegenüber irgendwie misstrauisch ist. Und diese Alltagsprobleme menschenfreundlicher Großstadtvampirinen sind verdammt unterhaltsam anzuschauen. Vamps ist eine einfache, unterhaltsame Komödie mit romantischem Touch und – Achtung, schlechte Anspielung – Biss.

Cockneys VS Zombies (GB / 2012 / 95min)

Die erste goldene Regel des FANTASY FILMFESTs: Zombies gehen immer! Wir haben die süßen, untoten Strolche einfach ins Herz geschlossen, obwohl sie unsere Art seit Jahrzehnten immer wieder auszulöschen versuchen. Neben ernsten Zombiefilmen wie The Dead aus dem letzten Jahr oder natürlich Klassikern wie Dawn Of The Dead ist auch das Genre der Zombiekomödie inzwischen etabliert. Allgemein ist in den letzten Jahren ein echter Zombie-Boom ausgebrochen, der neben großartigen Werken wie The Walking Dead (Sowohl die TV-Serie, vor allem aber die grandiose Videospielumsetzung der Comic-Reihe) auch eine Menge Durchschnittsware hervorbrachte. Daher ging ich mit gemischten Gefühlen in Cockney VS Zombies, auch wenn der Trailer, in dem rüstige Rentner die untoten mit Rollatoren und Sturmgewehren bekämpften, durchaus Hoffnung schürte.

Cockneys

Diese wurde nicht enttäuscht. Cockneys VS Zombies ist lustig, actiongeladen und schön blutig – alles was man sich als Genre-Fan wünscht. Die drei Protagonisten sind gerade dabei eine Bank zu überfallen. Natürlich nur um ihren Großvater und dessen Freunde aus dem Altersheim, das bald abgerissen werden soll, eine neue Heimat zu kaufen. Nun ja, kaum sind sie aus der Bank raus, ist mal wieder die Zombie-Apokalypse über die Stadt hereingebrochen und so macht man sich kurzerhand mit zwei Geiseln auf die Flucht. Was nun? Irgendwie kämpft man sich zum Altenheim durch, wo die älteren Damen und Herren sich schon verzweifelt gegen die untoten Horden zur Wehr setzen.

Doch vorher geht es unter anderem an einer Horde aufeinander einschlagender Hooligan-Zombies (blau gegen rot) vorbei und schließlich mit dem klassischen Londoner Doppeldecker-Bus zum Altenheim. Von dort aus geht es weiter zum Hafen – Wasser beziehungsweise Boote sind ja immer gern genommene Fluchtziele bei Zombie-Apokalypsen. Neues bietet Cockneys VS Zombies nicht, doch hier wird das klassische Schema mit viel Liebe aufbereitet und somit ist der Film für Genre-Fans definitiv eine Empfehlung. Ich habe hier jedenfalls noch mehr gelacht als bei Shaun Of The Dead.

The Hidden Face (ESP/COL / 2011 / 97min)

Wenn es einen Preis für den dämlichsten Trailer gibt, der für The Hidden Face würde ihn gewinnen. Da wird im Trailer doch mal eben einer der Haupt Plot-Twists verraten. Schade, denn das hat dem Film einiges an Spannung genommen, was eine Schande ist, denn The Hidden Face, der vor kurzem auch im regulären Kino unter dem Titel Das verborgene Gesicht anlief, ist ein wirklich sehenswerter Thriller. Adrián ist Dirigent des Orchesters in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Eines Tages lässt seine Freundin Belen ihn einfach sitzen, hinterlässt ihm lediglich eine aufgezeichnete Videobotschaft. Daraufhin betrinkt er sich, was wiederum dazu führt, dass er die Kellnerin Fabiana kennenlernt und mit ihr in der Kiste landet. Kurze Zeit später zieht sie auch schon bei ihm ein.

Doch plötzlich sind da diese merkwürdigen Geräusche im Haus… Und das Wasser in der Badewanne schlägt Wellen. Irgendetwas geht vor, in diesem Haus und Hans der Schäferhund benimmt sich auch merkwürdig. Mehr will ich mal nicht verraten, denn das würde dem Film einen guten Teil seines Reizes nehmen. Der Film ist auf jeden Fall ein mehr als solider Mystery Thriller, der mit sehr kleiner Besetzung auskommt. Schaut ihn euch an, aber lasst vorher die Finger vom Trailer, sonst wird es nur halb so spannenend!

Cleanskin (GB / 2012 / 108min)

Zwischen Zombies, Vampiren, Werwölfen und suizidalen Franzosen ist so ein klasssicher Action Thriller eine gern genommene Abwechslung, vor allem, wenn auch noch Sean Boromir Bean mitspielt. Dieser schlüpft hier in die Rolle von Ewan, einem knallharten Agenten im Auftrag des englischen Geheimdienstes. Als UK Jack Bauer geht er ähnlich hart und skrupellos mit Gegnern und möglichen Informanten um wie die gerade genannte Hauptperson aus der Serie 24. Eigentlich sollte er einen Sprengstoff-Deal zwischen einem Waffenhändlern und ein paar Terroristen vereiteln und so an die Hintermänner ran kommen, doch das geht gründlich in die Hose. Der Waffenhändler wird erschossen und der Sprengstoff fällt den Terroristen in die Hände. Da ist man beim Geheimdienst erst mal nicht erfreut und die Stimmung wird nicht besser, als der erste Anschlag mit dem Sprengstoff verübt wird. Immerhin stehen Wahlen an und man will ja nicht den Eindruck erwecken, seine Bürger nicht schützen zu können.

Cleanskin

Im Folgenden sehen wir sowohl Ewan und seinen Partner als auch den jungen, von Hasspredigern auf den falschen Weg gebrachten Terroristen Ash, die beide alles tun um ihr jeweiliges Ziel zu erreichen, dabei aber auch beide bis zu einem gewissen Grad fremdgelenkt werden. Am Ende fragt man sich, auf welcher Seite die größeren Monster sitzen und wem ein erfolgreicher Terroranschlag vielleicht am meisten nutzt. Cleanskin ist ein knallharter Polit-Thriller, der ein paar unangenehme Fragen stellt, dabei aber nicht belehrend daher kommt. Nach Four Lions die nächste, wenn auch völlig andere Auseinandersetzung Englands mit dem Thema Terrorismus. Cleanskin ist inzwischen hierzulande auch auf DVD erhältlich.

Grabbers (GB/IRL / 2012 / 94min)

Kurzfristig entschied ich mich gegen den vielversprechend aussehenden Psycho-Thriller Compliance und für Tentakelmonster und besoffene Iren in Grabbers. Viel unterschiedlicher konnten die Alternativen wohl kaum sein. Lisa Nolan kommt als Polizistin auf das kleine, irische Eiland Erin Island, auf dem nicht all zu viel los zu sein scheint. Ihr neuer Kollege Ciarán O´Shea ist neben seinem Beruf als Polizist passionierter Hobby-Alkoholiker und wirkt mit seiner rauen Art erst mal etwas abschreckend auf Lisa.

Grabbers

Aber natürlich kommen sich die beiden im Laufe des Filmes näher, so ein Kampf gegen unheimliche Tentakelmonster schweißt schließlich zusammen. Diese sind erst kürzlich von ihrem Heimatplaneten gekommen, vor Erin Island ins mehr gestürzt und dementsprechend sauer. Nachdem die ersten Bewohner der Insel den Viechern zum Opfer gefallen sind, erledigt der alte Paddy – ebenfalls zur Vernichtung nicht geringer Mengen Alkohol in der Lage – ein Exemplar und bringt es zu dem, was auf der Insel einem Wissenschaftler am nächsten kommt. Anscheinend sind die Wesen gegen Alkohol allergisch – was für ein angenehmer Zufall! Also ruft man die Inselbevölkerung im örtlichen Pub zum Gelage zusammen – als reine Sicherheitsmaßnahme natürlich! Wie ihr seht nimmt Grabbers sich nicht all zu ernst. Stattdessen serviert uns Regisseur Jon Wright eine kauzig-lustige Monsterjagd der feuchtfröhlichen Art. Ein unterhaltsamer Kandidat für den nächsten Videoabend mit viel Alkohol!

Ace Attorney (J / 2012 / 135min)

Seien wir mal ehrlich: Die Verfilmung von Videospielen hat bislang noch nicht zu wirklich zwingenden Filmen geführt. Die Resident Evil-Reihe ist vom Spiel-Kanon weit entfernt, an sich aber zumindest solides, hirnloses Popcorn-Kino. Silent Hill nahm die Vorlage auch nicht zu genau, war aber in der Tat ein ziemlich guter Horror-Film. Und dann sind da noch die Schandtaten des Uwe B. über die ich hier kein weiteres Wort verlieren will. Und nun kommt da plötzlich diese Verfilmung eines ominösen Spiels für den Nintendo DS, von dem ich bisher noch nie gehört hatte und in dem es um Anwälte geht. Dass deren Treiben durchaus unterhaltsam in Szene gesetzt werden kann, weiß ich ja nicht erst seit Boston Legal.

Ace

In Ace Attorney hat sich die japanische Rechtsprechung eine einfache Methode gesucht, um die Gerichte von der Flut an Verfahren zu entlasten: Jeder Prozess dauert höchstens drei Tage, dann fällt der Richter ein Urteil. Dementsprechend zackig geht es vor Gericht zu, die Anwälte hauen sich die Beweise und Aussagen geradezu um die Ohren – im wahrsten Sinne des Wortes. Mittendrin steckt Phoenix Wright, ein blutiger Anfänger der in einem Mordprozess gegen seinen alten Schulfreund und bislang ungeschlagenen Staatsanwalt Miles Edgeworth antreten muss, um die Schwester seiner Kollegin zu verteidigen, der der Mord an Ihrer Schwester vorgeworfen wird.Kurz darauf wird Edgeworth selber wegen Mordes angeklagt und wieder übernimmt Phoenix die Verteidigung. Diesmal tritt er gegen den in vierzig Jahren ungeschlagenen Manfred von Karma (ja, der heißt in der englischen Übersetzung wirklich so) an. Die Ermittlungen bringen ihn auf die Spur eine fünfzehn Jahre alten Mordfalles, in dem auch seine Kollegin ermittelte bevor sie ermordet wurde.

Ace Attorney ist zumindest für mich persönlich der bisher beste Film, der aus einer Videospiel-Adaption entstanden ist und laut meiner nerdigen Freunde auch ziemlich nah am Spiel. Ein sehr eigenwilliges, sehr unterhaltsames, brüllend komisches Gerichtsdrama bei dem auch vor Papageien im Zeugenstand nicht halt gemacht wird.

The Baytown Outlaws (2012 / USA / 98min)

Das FANTASY FILMFEST endet mit einem Knall. War es letztes Jahr Attack The Block, so läuteten dieses mal die Baytown Outlaws den Schluss-Gong. Brick, MacQueen und Lincoln erledigen für den ortsansässigen Sheriff gerne mal die Drecksarbeit. Warum soll man sich auch mit polizeilichem Mühsal herumschlagen, wenn man das Gesindel von den drei Brüdern einfach wegpusten lassen kann? Ärgerlich wird es nur, wenn die Jungs die Hausnummern verwechseln und in der falschen Bude ein Massaker veranstalten. Nein, mit diesen drei jungen Südstaaten Rednecks ist nicht zu spaßen.

The

Celeste, gespielt von Eva Longoria, die man vor allem aus Desperate Housewives kennt, muss also schon ziemlich verzweifelt sein, sich an diese verranzten Typen zu wenden, mit der Bitte, ihren Sohn aus den Händen ihres kriminellen Ex-Manns zu befreien und ihn umzunieten (Den EX, nicht das Kind!). Die Jungs erledigen den Job dann auch fast vollständig und machen sich mit dem, an den Rollstuhl gefesselten Sohn ihrer Auftraggeberin aus dem Staub. Leider überlebt ihr Verflossener und hetzt den drei Rednecks nun eine Killerbande nach der anderen auf den Hals, von Biker-Nutten über schwarze Piraten bis zu indianischen Psycho-Killern.

Das klingt nach einem erstklassigen Trashfest? In der Tat! The Baytown Outlaws schmeisst dem Zuschauer die Kugeln, Messer und markigen Sprüche im Dutzend um die Ohren. Knallharte Action und coole Sprüche – Hirn aus, Film ab! Ja, auf die Closing Night kann man sich beim FANTASY FILMFEST verlassen, auch dieses Jahr. Popcorn-Kino der verschwitzten, blutigen Art.