ENSIFERUM: Das enigmatische Wesen des Finnen

ENSIFERUM: Das enigmatische Wesen des Finnen

So ganz sicher kann man sich nie sein: Sind die Finnen nun ein todernstes, finsteres Völkchen oder eine Ansammlung von böse tuenden Schelmen und Trollen? Zeuge des nicht immer ganz durchschaubaren finnischen Humors durfte ich auch werden, als ich Jari und Markus von ENSIFERUM anlässlich ihres exquisiten, selbstbetitelten Debütalbums mit Fragen malträtierte…



Hallo, Jungs! Erzählt mir doch zu Beginn, was ihr heute mit etwas zeitlichem Abstand von eurer Scheibe haltet…

Jari: Um ehrlich zu sein, wir finden sie beschissen! Hehe, nein, Quatsch. Hätten wir mehr Zeit und besseres Equipment zur Verfügung gehabt, hätte man sicher hier und da Verbesserungsmöglichkeiten finden können. Aber was will man machen? Vielleicht gönnt unser Label Spinefarm uns beides bei den nächsten Aufnahmen, wobei ich da skeptisch bin. Für ein erstes Album ist Ensiferum jedoch vollkommen o.k., ich mag es noch immer und höre es mir nach wie vor von Zeit zu Zeit an.

Wenn man sich so eure Bandhistory anschaut, fällt auf, dass ihr eine ganze Weile gebraucht habt, bis ihr euer Labeldebüt rausbringen konntet. Wie hieltet ihr die Motivation aufrecht all die Jahre über?

Jari: Das war gar kein Problem, da es stets neue Songs zu üben galt und wir auch die ganze Zeit über sicher waren, dass der Tag kommen würde, an dem wir einen Plattenvertrag bekämen. Aufgeben kam somit nie in Frage. Im Moment hängen wir ein wenig in den Seilen, da es wenig neue Songs zu üben gibt, doch die Gigs, die wir gerade hier in Finnland runterreißen, halten uns bei der Stange.

War es vielleicht auch besser für euren Reifeprozess, dass euch Zeit zur Entwicklung gegeben wurde, bevor die erste Labelveröffentlichung anstand?

Jari: Das dürfte schon so sein. Wir hatten genug Zeit, jeden Teil der Songs auf Hochglanz zu polieren und die Tracks so nahe wie möglich an die Perfektion heran zu bringen. Außerdem hatten wir die Zeit, unsere instrumentellen Fähigkeiten auszubauen.

Ihr seid doch aber immer noch ziemlich jung. Wie alt wart ihr denn, als ihr mit der Band begonnen habt? Was war für euch der Grund, ENSIFERUM zu gründen?

Jari: Ich war 18, die anderen 16. Unser Bassist war zu der Zeit gerade mal zwölf, er kam aber erst zwei Jahre später, also mit 14, zu uns. Unsere Beweggründe waren einfach: Musik machen und mit Freunden rumjammen. Und die Magie, eigene Songs zu schreiben und in einer Heavy Metal-Band zu sein.



Erstaunlich finde ich das hohe musikalische Niveau auf Ensiferum. Hattet ihr alle Unterricht? Und wie oft übt ihr?

Jari: Naja, ein paar Gitarrenstunden hatten wir mal, aber davon abgesehen haben wir uns alles selbst beigebracht. Ich übe mittlerweile weniger als früher, was daran liegen mag, dass ich nichts Neues zum Lernen mehr finde. Mit der Band proben wir ein bis zwei Mal die Woche; wenn ein Gig ansteht, auch mal öfter.

Das wohl auffälligste Element eurer Musik sind die fetten Chöre. Wie habt ihr gelernt, Chöre derart bombastisch zu arrangieren?

Jari: Das ist ein Geheimnis, hehe…Nein, ganz einfach: du singst einige Harmonien übereinander oder auch nur die gleiche Gesangslinie auf mehrere Spuren nebeneinander und fertig ist der Chor, immer wieder genial und überraschend, was man dabei rausholen kann.

Wie entstehen eure Songs für gewöhnlich?

Jari: Das variiert von Mal zu Mal. Meistens kommt Markus mit Melodien oder Riffs an, die wir dann gemeinsam zusammenbasteln. Als Nächstes versuche ich mich in die Grundstimmung des betreffenden Songs einzufühlen, um einen passenden Text dafür zu schreiben. Bei Token Of Time wiederum geht der komplette Songs allein auf meine Kappe.

Wie ernst nehmt ihr denn eure Texte?

Jari: Sehr ernst.

Jari, du nennst in deiner Dankesliste Devin Townsend als eine Inspiration. Wo genau hat der stilistisch ja ganz woanders angesiedelte Tausendsassa Einfluss auf dich gehabt?

Jari: Ah, mein Lieblingsthema! Devin ist einfach ein faszinierender Musiker, er bläst mich total weg. Sein Einfluss wird natürlich nicht direkt in der Musik deutlich, sondern vielmehr in kleinen Details und meinen Gesangsarrangements. Ein Beispiel dafür wäre der Kanon bei Treacherous Gods, bei dem Devins Einfluss voll durchschlägt.

Devin arbeitet momentan ja mit SOILWORK an deren neuem Album. Wäre er denn auch für euch ein Wunschproduzent?

Jari: Ich wäre begeistert, die anderen Jungs in der Band dagegen weniger, da sie vermutlich denken, dass sein Stil nicht mit unserer Musik zu vereinbaren wäre. Aber die Frage stellt sich wohl eh kaum, da er ein sehr beschäftigter Typ sein dürfte.

Ein weitaus deutlicherer Einfluss bei euch ist die finnische Volksmusik. Wo genau holt ihr euch da die Inspirationen her? Hört ihr auch reine Volksmusik?

Jari: Ja, Folk und mittelalterliche Musik ist einfach spitze! Vor allem das traditionelle finnische Volkslied Väinämöinen bedeutet uns sehr viel.

Wie kommt es, dass finnische Bands einen derart hohen Standard mitbringen? Ich habe zumindest den Eindruck, dass man bei einer finnischen Band fast zu 100 Prozent sicher sein kann, dass exzellente Musiker am Werk sind und dass die Musik etwas Spezielles hat. Hast du dafür eine Erklärung?

Jari: Ich glaube, das ist nur dein Eindruck, und den kann ich nicht teilen. Meiner Meinung nach gibt es viel Mist hier und nur wenig gute Acts. Namen nenne ich natürlich nicht, hehe…

Welche kannst du uns denn dann empfehlen?

Jari: Jukka-Pekka und ich, wir spielen auch in ARTHEMESIA, während Markus noch bei SOULSTREAM aktiv ist. Ansonsten wären da noch MOONSORROW und die coolen und witzigen Zeitgenossen von FINNTROLL. Empfehlen kann ich dir ansonsten HIM.

So wird´s sein, hehe. Wie steht´s denn mit ELÄKELÄISET?

Jari: Die verdammten Götter! Die sind zum Umfallen komisch und spielen die perfekte Partymucke!

Werdet ihr die Möglichkeit haben, das neue Album auch live vorzustellen?

Jari: Noch nicht, momentan beschränken wir uns auf Einzelgigs hier in Finnland, aber ich bin mir sicher, dass wir irgendwann die Möglichkeit bekommen werden, zu euch zu kommen und euch live einen fetten Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.



Welche drei CDs haben sich als Letztes in eurer Anlage gedreht?

Jari: Terria von DEVIN TOWNSEND, außerdem die Bonus-CD von Terria, und dann noch Voimasta ja Kunniasta von MOONSORROW.

Stichwortspiel. Verratet mir, was euch als Erstes in den Kopf kommt bei den folgenden Stichworten:

BATHORY

Jari: MANOWAR

Markus: Kein Einfluss für uns, wobei wir aber nichts gegen ihre Musik haben.

Alkohol

Jari: Meine grosse Liebe

Markus: Blödsinn rausquatschen und 24 Stunden am Stück singen…

HAMMERFALL

Jari: Iiiiiiiek!

CHILDREN OF BODOM

Jari: Tilulilulei.

Markus: Nintendo Heavy Metal.

Internet

Markus: Zeitverschwendung.

Jari: Interviews.

Verratet uns abschließend noch eure Zukunftspläne, könnt ihr da schon Genaueres verraten?

Jari: Neues Killermaterial schreiben und gut abgehende Shows spielen.

Irgendwelche letzten Worte?

Jari: Kauft unser Hitalbum, drei Millionen zufriedene Käufer können nicht irren, hehe!