KÆLAN MIKLA Undir Köld Norðumljósum Album Cover

KÆLAN MIKLA: Undir köldum norðumljósum

KÆLAN MIKLA auf Kuschelkurs: „Undir köldum norðumljósum“ ist ein sanftes Album an der Schwelle zum Gothpop mit ausgesprochen starkem Songwriting.

Unter kalten Nordlichtern bewegen sich KÆLAN MIKLA seit fast zehn Jahren und spätestens jetzt sollte ihnen der Sprung aus dem Geheimtipp-Status heraus sicher sein. Das Trio aus Reykjavik spielt ihren Post Punk mit Darkwave-Schlagseite mittlerweile so souverän, dass „Undir köldum norðumljósum“ fast als Gothpop-Album gelten dürfte. Freunde der früheren Alben von KÆLAN MIKLA könnte das alles deutlich zu glatt wirken. Fakt ist aber, dass die drei Isländerinnen noch nie so klar und strukturiert geklungen haben.

„Undir köldum norðumljósum“ strahlt immer noch eine tiefschwarze Basis aus, daneben schimmert das Album aber wie die titelgebenden Nordlichter in einer geheimnisvollen Schönheit. Alles wirkt weicher und nicht mehr so kratzig wie ein Islandpulli. Passend dazu ist das verstörende Geschrei fast verschwunden, dafür hält mehr subtile Elektronik Einzug. KÆLAN MIKLA sind als Songschreiberinnen in den vergangenen drei Jahren seit „Nótt Eftir Nótt“ gereift und bieten – verzeiht die Plattitüden – eher Elfenzauber statt Hexenflüche.

KÆLAN MIKLA sind zugänglicher geworden: „Undir köldum norðumljósum“ bietet Elfenzauber statt Hexenflüche.

Die Stücke sind teils wahnsinnig prägnant und haben Hitqualitäten, ohne sich anzubiedern: „Örlögin“, „Ósýnileg“ und das unglaublich schöne, abschließende „Saman“ sind beinahe Dreampop-Songs, die eher beglücken als runterziehen. Und doch wird es manchmal etwas ungemütlicher, wie „Sólstöður“ zeigt. Und weil „Undir köldum norðumljósum“ so wunderbar abwechslungsreich ist, gibt es auch ein sphärisches, ruhiges Stück wie „Sírenur“ oder das mit folkiger Flöte versehen „Stormurinn“, das im weiteren Verlauf zu einer gelungenen SISTERS OF MERCY-Verneigung wird.

Für all diesen Islandzauber (mit britischem Goth-Fundament versteht sich) braucht es nur diese drei Frauen, die mit Keyboards inklusive Drumcomputer, Bass und Stimme das Panorama einer Polarnacht entfalten. Und trotzdem bauen KÆLAN MIKLA in ihr musikalisches Gerüst gerne vielschichtige Arrangements ein. „Óskasteinar“ fällt da natürlich auf, das zu einem großen Popsong wachsen darf, ohne jedoch platt zu wirken. Und auch Gitarren gibt es zu hören, wenn auch nur einmal: ALCEST sind als Gäste auf „Hvítir Sandar“ zu hören und bringen Postrock-Gefiedel und echtes Drumming auf das Album. Das eigentlich bemerkenswerte an diesem bewegenden Stück ist aber, dass es zu keiner Sekunde Gefahr läuft, von ALCEST annektiert zu werden.

Zum Fürchten schön: KÆLAN MIKLA entfalten mit „Undir köldum norðumljósum“ das Panorama einer Polarnacht.

KÆLAN MIKLA ist mit ihrem fünften Album ein wirklich großer Sprung gelungen: Kompositorisch waren die Isländerinnen nie kohärenter, und das bei gleichzeitigem hohen Abwechslungsreichtum, sodass diese Dreiviertelstunde wie im Flug vergeht. Es mag nicht jedes Stück ein Volltreffer sein, aber Ausfälle gibt es keine und die überwiegende Mehrheit der zehn Songs ist schlicht großartig. Statt zu schockieren, geht „Undir köldum norðumljósum“ sanft und zart unter die Haut und ist zum Fürchten schön. Es mag fast so wirken, als wären KÆLAN MIKLA erwachsen geworden – und niemals wirkt es so, als würde sich das Trio an irgendwen oder irgendwas anbiedern, wie es seinerzeit ZOLA JESUS mit „Taiga“ passierte. Die Transition ist also geglückt; willkommen im nächsten Level, KÆLAN MIKLA.

Wertung: 8 von 10 Islandpullis

VÖ. 15. Oktober 2021

Spielzeit: 45:56

Line-Up:
Soffía Þórsdóttir – Vocals
Sólveig Matthildur Kristjánsdóttir – Keyboards
Margrét Rósa Dóru-Harrysdóttir – Bass

Label: Artoffact

KÆLAN MIKLA “Undir Köld Norðumljósum” Tracklist:

1. Svört Augu
2. Sólstöður (Official Video bei Youtube)
3. Örlögin
4. Halastjarnan
5. Ósýnileg
6. Sírenur
7. Stormurinn (Official Video bei Youtube)
8. Óskasteinar
9. Hvítir Sandar (feat. ALCEST) (Official Video bei YouTube)
10. Saman

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