YOSEMITE RAIN: Journey [Eigenproduktion]

YOSEMITE RAIN: Journey [Eigenproduktion]

Wenn sich eine Band nach dem ersten US-Amerikanischen Nationalpark benennt, der bekannt ist für tolle Naturlandschaften und idyllische Wasserfälle, und dann noch ein paar warme Regentropfen ins sonnige Kalifornien packt, dann wird es sich hier wohl kaum um Brachialsound handeln. Die Band YOSEMITE RAIN aus Südbaden hat sich dem ruhigen Prog-Rock mit stark britischer Prägung verschrieben. Seit Anfang der 90er unterwegs, präsentiert man nun das zweite Album Journey und hat gleich noch einen neuen Sänger in der Reisegruppe. Das Album und auch die Pressemappe sind sehr gut aufgemacht, man sieht sofort, dass hier keine Rock-Kids am Werkeln sind.

Dass die Herren Musiker alle nicht mehr ganz jung sind, das hört man den Songs sofort an. Immer sehr anspruchsvoll, durchdacht und interessant gespielt, verfällt man nicht zu sehr in Gefrickel und konzentriert sich auf den Song als Gesamtbild. Dabei sind die großen Vorbilder schnell ausgemacht, ganz oben stehen hier definitiv MARILLION. Die introvertierten, teils melancholischen Klänge, Songsaufbau, Gitarrenmelodien, die Kuschel-Progger sind allzeit präsent. Auch die Stimme und Gesangslinien von Alex Hanafi klingen deutlich nach deren Steve Hogarth. Dazu gesellen sich noch Anleihen an Größen wie GENESIS oder auch eher dezent die FLOWER KINGS und mal ein eingestreuter PINK FLOYD-Part bis hin zu neueren, ruhigen FATES WARNING. Die Songs laufen meistens etwas gebremst, eine nachdenkliche Stimmung macht sich schnell breit. Dazu passen die persönlichen und fühlbaren Texte. Zurücklehnen und Zuhören fällt hier leicht, zahlreiche Ideen bemerkt man erst dann. Die Songs sind spannend arrangiert, hier und da mal ein dynamischer Ausbruch hätte aber nicht geschadet. Der selbstproduzierte Sound ist ok, ausreichend transparent, aber natürlich weit weg vom Hochglanzsound der Genregrößen. Es gibt keine nervigen Ego-Eskapaden, die Band zeigt sich als Einheit, flechtet gelegentliche Leistungsbeweise geschickt in die Songs ein. So prog-rockt man gepflegt auf hohem Niveau, ohne mit großen Höhepunkten, dafür mit gelungenen Songs. Da fügen sich auch die Vocals ein, die genau das mitbringen, was die gebotenen Songs abrundet. Leider liegt man da auch oft mal etwas neben der Spur, sodass es im Verlaufe des Albums auch mal etwas anstrengend wird. Ausdruck, Emotionalität und Klangfarbe passen perfekt, liegen nur halt manchmal arg neben der erwünschten Tonlage. Da hätte man beim Aufnehmen doch etwas genauer hinhören sollen. Aber sein wir mal ehrlich, Demo-und Live-Aufnahmen der großen Prog-Sänger klingen oft auch nicht viel besser. Rundum ist Journey also eine Reise wert, gern auch unter dem Kopfhörer. Wer Prog-Rock, vor allem Richtung MARILLION mag, der sollte YOSEMITE RAIN durchaus mal antesten. Bestellen kann man Journey für 10,-Euro inklusive Versand auf der Bandhomepage.

Veröffentlichungstermin: Dezember 2009

Spielzeit: 66:56 Min.

Line-Up:
Alex Hanafi – Vocals
Philipp Heidtmann – Guitars, Backing Vocals
Lin Hog – Acoustic Guitar, Guitar, Synthesizer, Backing Vocals
Alexander Gromann – Bass
Ralf Rübin – Drums

Gäste:
Daniel Perrey – Keyboards
Lara Schlumberger – Backing Vocals (2)

Produziert von Yosemite Rain
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.yrain.de

Tracklist:
1. Rolling Down The Hill
2. Perfect Island
3. Rollercoaster Overload
4. Perfect Island Reprise
5. Snowblind
6. Your Heart Is Yours
7. Circus Seraphina

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.