VUG: Onyx

VUG rücken auf „Onyx“ vom fuzzy Doom Rock rüber zum 70er Hard Rock

Die Berliner Jungs von VUG hatten 2018 ihr Debüt vorgelegt und konnten mit ihrem Doom-Rock absolut gefallen. Ende 2019 stand nun das neue Werk an. Änderungen waren unvermeidbar, Drummer Nick DiSalvo war als Sänger/Gitarrist bei den US-Psychedelic-Rockern ELDER sehr eingebunden. Auch VUG wollten einen Zahn zulegen, man trennte sich in Freundschaft. Neuer Mann an den Trommeln ist Leonard Vaessen (Ex-WHITE DUKES), der auch gleich die Produktion von „Onyx“ übernommen hat. Aber auch der Sound der Band hat sich ein wenig verändert.

Statt fuzzy Doom/Stoner Rock begrüßt uns mit „Blue Onyx“ ein entspannter 70er Rocker. Eine verspielte Gitarrenmelodie, ein relaxter Groove, nicht nur die Vocals von Felix tragen einen Hauch sehr frühe THIN LIZZY. Dafür spricht auch der trockene, unverfälschte Sound. Die Gitarren werden nicht durch den aufgedrehten Verzerrer gejagt, das hier klingt nach Oldie-Amp knapp an der Zerrgrenze. Und ja, das klingt gut! Dieser Ruck weg vom Doom hin zum klassischen Retro Rock zieht sich durch das ganze Album. So macht dann auch „Easy“ mit lustigem Video gleich Spaß. Ein kurzer AC/DC-Auftakt, aber statt nach Australien geht es wieder Richtung Irland. Hier gibt es gar eine ordentliche Portion RORY GALLAGHER, bis wieder ein typischer LIZZY-Groove einsetzt. Und der geht schnell in die Beine, live sicher ein Garant für tanzende und schwitzende Menschen.

VUG rücken auf „Onyx“ vom fuzzy Doom Rock rüber zum 70er Hard Rock

Neben dem Ruck im Gesamtsound ist auch das Songwriting ausgefeilter und abwechslungsreicher geworden. Beim entspannten Schlußteil von „Tired Of“ schwebt man davon, die psychedelische Orgel trägt einen empor und schubst einen in einen garstigen Ausbruch. Sehr cool! Sie können auch noch entspannter, wie die Ballade „On My Own“ zeigt. Viel 70er, vielleicht ein Hauch der ruhigen Momente von BLACK SABBATH. Der Gesang gepflegt etwas daneben, aber die tiefe, raue Stimme verleiht dem Song Leben. „Palace Of Sin“ scheint noch aus früheren Zeiten zu stammen, hier gibt sich auch Nick Disalvo nochmals die Ehre an den Drums. Es wird doch nochmal ruppig doomig, angenehm kauzig, alles wirkt energischer und heavier. Was für ein cooler Groove bei „Grief“, auch die Vocals kommen hier sehr cool rüber. Später gibt es zum Abschluss nochmal eine Ballade, reduziert, schön, mit wieder fühlbarem 70er Flair. Auch hier sind die Vocals nicht meisterlich, aber tragen genau so den Song.

VUG bieten coole Grooves und geschmeidige 70er-Gitarren

VUG haben mich überrascht, wo das doomige Debüt schnell gezündet hat, war es bei „Onyx“ eher Liebe auf den zweiten Blick. Der Ruck zum geschmeidigen Retro Rock steht den Jungs gut, zumal sie nicht platt all die Klischees erfüllen, mit denen selbst die guten Bands so langsam langweilen. Es gibt genug Feinheiten rauszuhören, die zeigen, wie viel Liebe für Kleinigkeiten sie in die Songs gepackt haben. Da macht es auch Spaß, einfach mal unter dem Kopfhörer zu verschwinden. Es gibt keine Gitarrenorgien, aber das Zusammenspiel der Jungs gefällt und passt. Das gilt auch für Bass und Drums, die sich durchgehend als eingespieltes Team zeigen, auch wenn Leonard noch gar nicht so lange an Bord ist.

Ein kurzweiliges Album, das Spaß macht und weitaus öfter im Player liegt, als ich es anfangs vermutet hätte. Wer klassischen 70er Hard Rock mag, der wird seine Freude haben an „Onyx“. Wer die Band von der Doom-Seite in Erinnerung hat, der sollte aber erstmal Probe hören. Mir gefällt der neue Sound, der hier auf CD unverfälscht genauso klingt, wie VUG sicher auch live auf der Bühne rüberkommen.

Veröffentlicht am 29.11.2019

Spielzeit: 39:35 Min.

Lineup:
Felix Scholl – Vocals, Guitar
Maximilian Raine – Guitar
Philipp Hennermann – Bass
Leonard Vaessen – Drums
Nick Disalvo – Drums (5)

Produziert von Leonard Vaessen

Label: Noisolution

Mehr im Web: https://www.facebook.com/vugrock

Die Tracklist von „Onyx“:

1. Blue Onyx
2. Easy (Video auf youtube)
3. Tired Of
4. On My Own
5. Palace Of Sin
6. Grief
7. Inferno
8. Todbringer