USER NE: Tarantos

USER NE ist mit "Tarantos" eine abwechlsungsreiche, unterhaltsame Scheibe gelungen, die aufgrund der in diesem Zusammenhang nie zuvor gehörten spanischen Folklore erfrischend unverbraucht klingt und mit der für exotischere Klänge offene Freunde von CRUACHAN oder WAYLANDER nichts verkehrt machen können.

Ein paar einleitende Worte vorweg: Da das erste Album von USER NE, Nîbelum Das Uhört, beim Label der Herausgeber von Black Light, einem Zine, das laut Presseinfo hinter dem Black Metal-Image Nazi-Ideologien verbirgt, veröffentlicht wurde, war für uns zunächst nicht klar, ob wir dieser Band überhaupt eine Plattform bieten sollten. Da uns jedoch konkret von USER NE auch nach langer Recherche keinerlei braune Tendenzen bekannt geworden sind, entschieden wir uns, die nun folgende Rezension zu veröffentlichen und der Band im Interview die Möglichkeit zu geben die Vergangenheit näher zu beleuchten, so dass ihr euch selbst ein Bild von ihnen machen könnt. Nun aber zur eigentlichen Rezension:

Vor einigen Jahren noch war die Vermengung von extremem Metal mit den folkloristischen Klängen der Heimat etwas völlig Neuartiges, als die Iren CRUACHAN auf ihrem Debütalbum Tuatha Na Gael eine Mixtur aus Black Metal und tradtioneller keltischer Musik darboten. Mittlerweile ist so etwas nicht mehr wirklich innovativ, und man wird von zahlreichen Epic Folk Pagan Metal-Alben erschlagen, die aber oft nicht an die Werke der Vorreiter heranreichen oder den Folk nur im Namen tragen, weil einmal eine Flöte auftaucht.

Auch USER NE haben sich daran gewagt, Folk und extremen Metal zu vereinen, heben sich aber schon dadurch von all den anderen Combos ab, dass sie weder vom Inselreich noch aus Skandinavien stammen, sondern aus dem Süden Spaniens – und die andalusische Folklore klingt nun einmal völlig anders als die gewohnten Celtic- oder Pseudo-Viking-Klänge. Vor allem beim Intro und den immer wieder zwischen den metallischen Songs ertönenden kurzen Zwischenspielen, bei denen ausschließlich von tradtionellen Instrumenten Gebrauch gemacht wird, fühlt man sich sogleich nach Andalusien versetzt und sieht dessen wunderbare Landschaft sowie die arabisch geprägten Bauwerke vor seinem geistigen Auge. Hier sind Flöten, akustische Gitarren, Klarinetten sowie ein Dudelsack zu hören und versprühen mit ihren exotischen Melodien ein düsteres Flair, welches Authentizät versprüht und den Hörer auf eine Reise durch Raum und Zeit mit nimmt. Dass Andalusien eine bewegte Geschichte hinter sich hat, hat sich auch in dessen Musik niedergeschlagen, die teilweise gar nicht so weit entfernt von mitteleuropäischem mitelalterlichen Liedgut ist, dann aber wieder leicht orientalische Einflüsse zeigt. Ganz zentral in der andalusischen Folklore ist natürlich der Flamenco. Hier zeigt sich denn auch die Virtuosität des Gitarristen, gehört die Flamenco-Spieltechnik doch zu den wohl am schwierigsten zu meisternden.

Zwar ist der Übergang zwischen den kurzen Zwischenstücken und den (auch) mit Metal-Instrumentarium aufgenommenen Songs nicht immer fließend, aber insgesamt gelingt es den Spaniern doch gut, die folkloristischen Elemente und den Metal nicht nur nebeneinander stehen zu lassen, sondern diese beiden so unterschiedlichen Genres symbiotisch zu vereinen. Denn auch in letzterem scheinen immer wieder die folkloristischen Einflüsse durch, erklingen Flöten- und Dudelsackmelodien. Die Basis dieser Songs bildet aber solider, recht rauh produzierter Death/Black Metal, der sich zumeist im Midtempo bewegt, aber auch mal in die ein oder andere Raserei ausartet (…And Ape Ar) oder sich in doomigen Gefilden bewegt, wie etwa beim Anfang von Nivel-Um Cix. Vielfalt wird besonders in gesanglicher Hinsicht geboten. Von Grunts und Gekreische über klare männliche Vocals und Chöre (die beide jedoch noch verbesserungswürdig sind, was die Treffsicherheit angeht) und mit Inbrunst vorgetragenen gesprochene Passagen bis hin zu den ergreifenden, opernhaften Sangesdarbietungen von Sopranistin Anna (man höre sich nur mal Al-Minzorth an), die aber nicht ständig in den höchsten Tonlagen unterwegs ist, wird hier ein breites Spektrum abgedeckt.

USER NE ist mit Tarantos eine abwechslungsreiche, unterhaltsame Scheibe gelungen, die aufgrund der in diesem Zusammenhang nie zuvor gehörten spanischen Folklore erfrischend unverbraucht und irgendwie einzigartig klingt und bei der sich Metal und Folk gut, aber noch nicht perfekt zusammenfügen. Dass die andalusische Folklore nicht eben von Fröhlichkeit gesegnet ist, ist bei der Kombination selbiger mit extremem Metal natürlich von Vorteil. Wer die alten Sachen von CRUACHAN und WAYLANDER immer wieder gerne auflegt, exotischeren Klängen aber nicht abgeneigt ist, der kann mit Tarantos eigentlich nichts verkehrt machen.

Spielzeit: 49:07 Min.

Line-Up:
Hils Ver III ° – Bass & Literature

Bossu Morbious El Tolerante – Vocals

Xalen D Kharnash – Vocals

Ashkar – Synthesizers

Trollberg Al-Haizary – Guitars

Kyrtan – Crossing Flute & percussion

El Zamut – Drums

DeBog – Bagpipe

Zree-Oclock – Clarinet & Carrilón
Label: Xtreem Music

Homepage: http://www.userne.net

Email: userne@userne.net

Tracklist:
1. Taranto

2. Viola Dobozy

3. Okankene 22

4. Tras El IV Caos

5. Andalucí

6. …And Ape Ar

7. An Mis Theimous

8. Nivel-Um Cix

9. Pobo De Lenda

10. Main Ört

11. Corcubión

12. Naím, Yhazura, Derval…

13. Al-Minzorth