TORTUGA: Flying Dutchman [Eigenproduktion]

In der Schnittmenge aus Heavy Metal, Hard Rock und Folk hissen TORTUGA die Segel, um mit “Flying Dutchman” der sorglosen Freibeuter-Fantasie zu huldigen.

Die Freibeuter-Fantasie war schon immer irgendwie ein Gegenentwurf unseres geregelten Lebens – und wahrscheinlich auch deshalb nie so anziehend wie dieser Tage, wo ein Virus die Welt plagt, während wir uns nichts mehr wünschen als die Freiheit, die früher so selbstverständlich war. Exakt diesem Sehnen gehen die Saarländer von TORTUGA nach, indem sie die schwarze Flagge hissen und die Segel gen Karibik setzen. Besonders originell ist das Seeräuber-Gimmick heutzutage natürlich nicht mehr, die damit verbundene Romantik fängt das Quintett dafür gut ein.

Einmal die sieben Weltmeere unsicher machen, in der Spelunke auf den Putz hauen und den Naturgewalten trotzen: Mit Schalk im Nacken und einer ganzen Portion Frohsinn strahlt „Flying Dutchman“ von Anfang bis Ende eine gewissen Lebensfreude aus. Das liegt nur bedingt an den Folk-Instrumenten wie der Geige in „Pirates Of Saaribia“ oder dem Akkordeon in „Code Of Conduct“, sondern zieht sich wie ein roter Faden auch durch die rockigeren und metallischeren Stücke des Albums. Was einerseits die größte Stärke TORTUGAs ist – der guten Laune kann man sich meist nur schwer entziehen -, bedeutet im Gegenzug auch, dass die sympathischen Hobby-Piraten nie wirklich bedrohlich anmuten.

“Flying Dutchman” ist ein durch und durch lebensfrohes Album

„Stowaway“ tritt beispielsweise direkt die Flucht nach vorne an, während die Gitarren „Stormriders“ mit klassischen Heavy-Metal-Anleihen die Wellen reiten. Das ist spaßig, keine Frage, im Gesamtbild jedoch mehr frisches Lüftchen als tosender Orkan. In Teilen mag das auch dem an sich soliden Gesang geschuldet sein, der einerseits in den Vordergrund gemischt wurde und doch präsenter sein könnte. Hier darf Kapitänin Mary Read durchaus so selbstbewusst agieren, wie sie es schon jetzt in den folkigen Stücken tut, um die raueren Seiten der Piratenwelt entsprechend glaubwürdig zu verpacken.

Klammern wir die nachdenkliche Schunkel-Ballade „A Place Behind The Sun“ aus, ist „Flying Dutchman“ ein durch und durch lebensfrohes Album, das sich in der Schnittmenge aus unbeschwerten Folk-Zitaten und dem traditionellen Heavy Metal- / Hard Rock-Fundament („Rackham’s Revenge“) wie zu Hause fühlt. Gerade Letzteres steuert immer dann entgegen, wenn TORTUGA etwas vom Kurs abzukommen drohen; so halten die fünf Musiker dann doch die Balance und mit ihr die Idee des bewegten Seeräuber-Lebens aufrecht. Da verzeihen wir dann sogar die holprigen Texte voller Zweckreime, für die wir so manch anderen schon lange über die Planke gejagt hätten.

Veröffentlichungstermin: 9.7.2021

Spielzeit: 39:49

Line-Up

Captain Mary Read – Gesang
Blackbeard – Gitarre
Jack the Knife – Gitarre
Threefinger Bill – Bass
Woodleg Willy – Schlagzeug

Produziert von Gernot Gebhard

Label: Eigenproduktion

Homepage: https://tortuga-band.de/
Facebook: https://www.facebook.com/TortugaSaarRockPiraten

TORTUGA “Flying Dutchman” Tracklist

1. Above The Clouds
2. Stowaway
3. Pirates Of Saaribia
4. Parley
5. Stormriders
6. Code Of Conduct
7. A Place Behind The Sun
8. Rackham’s Revenge
9. FSM (Video bei YouTube)
10. Shark Of The Dark
11. Stowaway (TDHK Version) – Bonustrack