SWAN CHRISTY: Julian

Ein Zwitterwesen dunkler Musik, das von faszinierenden Klangwelten bis hin zu schnöder Inspirationslosigkeit alles zu bieten hat.

Als Soundtrack will die Band SWAN CHRISTY ihr aktuelles Album verstanden wissen. Sphärische Klänge und weite Soundlandschaften sind da obligatorisch, während die Gitarren eher ein Schattendasein fristen, doch viel mehr als Filmmusikheroen wie Ennio Morricone, Danny Elfman und John Williams standen PINK FLOYD für „Julian“ Pate. Ähnlich wirr und psychedelisch wie die Briten in ihren Anfangstagen agiert auch die frühere Gothicmetal-Combo aus Griechenland mittlerweile. Man weiß nie so recht, was einen hinter der nächsten Arrangementecke erwartet, vom hypnotischen Mollklavier bis hin zur schrägen Swing-Einlage kommt so ziemlich alles auf „Julian“ zum Einsatz, was Puristen egal welcher Couleur zur Weißglut bringt. Doch ein derart ausladendes, breitgefächertes musikalisches Konzept verlangt enorme Fähigkeiten vom Songwriter, da die große Kunst beim Versuch, etwas Neues zu kreieren, nicht darin besteht, einen stilistischen Zehnkampf zu bestreiten, sondern all den unterschiedlichen Einflüssen einen gemeinsamen, schlüssigen Rahmen zu geben. Und an diesem Punkt liegt die Schwierigkeit von „Julian“ begraben: Viele der Songs – „Great Day, Great Day“ etwa, oder „Sense and Possibilities“ – bieten eine hervorragende Umsetzung verschiedenster Grundideen, die in ihrem Zusammenwirken eine völlig eigene, einzigartige Stimmung entstehen lassen, die dennoch seltsam vertraut wirkt…doch dann sind da auch wahrlich stümperhafte Liedchen wie der Opener „Comedy/Drama“, die beim besten Willen keine Einbindung ins Gesamtkonzept erkennen lassen und textlich ebenfalls den von der sonst so faszinierenden Musik geweckten Anspruch nicht im geringsten zu halten vermögen. Hinzu kommt, dass Sänger Iraklis Gialantzidis in solchen Momenten prätentiös und unsicher zugleich klingt, während er ansonsten durchaus eine gute Figur abgibt mit seiner klaren Stimme. Glücklicherweise überwiegen die positiven Anteile auf diesem fast schon zwitterartigen Album. Neben den erwähnten Songs sind vor allem das schwebende „Old Man´s Ego“, das fast durchgehend auf einem Pianolauf beharrende „But…that Was before“ und das sich zwischendurch langsam in Kakophonie auflösende Instrumental „The Audition“ hervorragend geeignet, um den im eigenen Kopf stattfindenden Film nicht nur zu untermalen, sondern ihm auch neue Impulse zu verleihen. Freunden der letzten THE THIRD AND THE MORTAL-Scheibe oder von PINK FLOYD-Alben wie „Meddle“, „More“ oder „Obscured by Clouds“, die sich eine elektronischere Variante dieser ebenfalls gewöhnungsbedürftigen Werke vorstellen können, kann sich daher beim Hören von „Julian“ ein eigener Kosmos erschließen, der weit über die Schnelllebigkeit sonstiger Platten hinaus Bestand hat. Der Durchschlagskraft jedoch hätte etwas mehr kritische Selbstsicht gerade beim Quasi-Titelsong Julian Just Died, dem erwähnten Opener und dem ironischerweise inspirationsfreien „Pure Inspiration“ gut getan. Und wenn man schon eine so ausgefallene Idee wie die Gleichsetzung der Musik mit einem Film bis ins schmucke Inlay durchzieht und nicht nur bei einer bloßen Andeutung belässt, hätten konsequenterweise auch ähnlich außergewöhnliche, aussagekräftige Lyrics an den Start gehört, denn musikalisch schreit „Julian“ geradezu nach einem Konzeptalbum der besonderen Art, während die Texte sich mit pseudointellektuellen Allgemeinplätzen aus der Affäre zu ziehen versuchen.

Spielzeit: 40:02 Min.

Line-Up:
Iraklis Gialatsidis – Gesang, Klavier, Snythies

Kostas Makris – Gesang

Spiros Pagiatakis – Programmierung

Dimitris Georgiou – Programmierung

Produziert von SWAN CHRISTY
Label: Black Lotus/Soulfood

Tracklist:
Comedy/Drama

Second Opinion

But…that Was before

Great Day, Great Day

Pure Inspiration

Old Man´s Ego

Juian Just Died

Sense and Possibilities

The Audition