STIGMATA IV: Solumn Mente Infirmis

Die Progressive-Metal-Szene scheint sich langsam wieder vom DREAM THEATER-Schock zu erholen, womit ich zum Ausdruck bringen will, dass es doch wieder die ein oder andere Band gibt, die sich nicht nur darin übt, den Szene-Göttern nachzueifern, sondern ihr ganz eigenes Ding durchzuzieht. Als Beispiele möchte ich mal die vor kurzem besprochenen ETERNITY X oder nun STIGMATA IV benennen.

Als ich ‘Solum Mente Infirmis’ zum ersten Mal hörte, wollte ich gar nicht glauben, dass es sich bei dieser Band tatsächlich um Österreicher handelt, vielmehr hätte ich die Jungs mal kurz nach Amerika eingeordnet. Hierzu trägt in erster Linie Sänger Ritchie Krenmaier bei, dessen powervolle Vocals wirklich die Krönung auf diesem Meisterwerk darstellen. Selten hab ich deutschsprachige Sänger gehört, die tatsächlich so undeutsch klingen. Mal erinnert er mich an Dee Snider (Ex-TWISTED SISTER, WIDOWMAKER), mal an Bruce Dickinson (Ex-IRON MAIDEN) oder sogar an Ronnie James DIO, großartig klingt er auf jeden Fall zu jedem Zeitpunkt der CD.

Auch bei langen Songs verlieren STIGMATA IV nie die Power

Okay, ganz DREAM THEATER-frei ist auch der Sound von STIGMATA IV nicht, aber die Einflüsse sind so gering, dass sie nicht weiter ins Gewicht fallen und vergleichen möchte ich die beiden Bands in erster Linie in ihren musikalischen Fertigkeiten. Außerdem gehen die Österreicher um einiges powervoller zu Werke, so dass man die Musik eher als powermetal-lastiger Prog-Metal bezeichnen muss, oder auch umgekehrt, was immer ihr wollt.

Gleich der Opener ‘Greed Machine’ bläst einen wirklich von der Socken und hat absolutes Hitpotential. Mit seinen 5:52 min. Spielzeit handelt es sich jedoch um einen der kürzesten Songs auf diesem Album, was darauf deuten läßt, dass STIGMATA IV eindeutig einen Hang zu langen, epischen Stücken haben. Manch einer wird sich bei dieser Beschreibung natürlich gleich das Gähnen verkneifen müssen, aber all jenen sei gesagt, daß STIGMATA IV auch bei 13-minütigen Songs nie die Power verlieren und stets die Aufmerksamkeit des Hörers wecken können.

STIGMATA IV zeigen, dass es auch anders geht

Brettharte Riffs, kleine Frickeleien, gut gesetzte Breaks, schöne Instrumental- oder Akkustik-Parts, emotionaler und gefühlvoller Gesang, all das bildet den Stoff, aus dem ‘Solum Mente Infirmis’ gemacht ist und so richtig will ich gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus kommen. Songs, wie das gefühlvolle ‘Bleeding Within’ oder ‘just a nautic tale’, das an der ein oder anderen Stelle an FATES WARNING erinnert, gehen viel zu schnell vorüber, und nach dem Zehnminüter ‘The Fool’, der der Dramatik alter DIO-Werke in nichts nachsteht und in dem es die Band sogar schafft, eine kleine Prise WATCHTOWER mit einfließen zu lassen, hock ich völlig geplättet auf meinem Sessel und freu mich wieder darüber, dass ich vor Jahren den Progressive-Metal für mich entdecken durfte.

Und mit einer Spielzeit von über 72 Minuten und einem Kampfpreis von unverbindlichen 24,99 DM zeigt die Band dem ganzen Rest der Musikwelt, dass es eben auch anders geht…

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Spielzeit: 72.35 min.

Line-Up:

Ritchie Krenmaier – Lead und Backing Vocals
Günter Maier – Electric & Acoustic Guitars, Keyboard programming
Herb Greisberger – White Drums
Ali Hilzensauer – 6-string electric fretted & frettless bass guitars

Produziert von Günter Maier

Erschienen bei Noise Records

E-Mail: Office@rtn.merlin.at

STIGMATA IV “Solum Mente Infirmis” Tracklist

  1. Greed Machine
  2. Solum Mente Infirmis
  3. Bleeding Within
  4. Ground Zero
  5. Sacred Man
  6. Just a Nautic Tale
  7. In your Eyes
  8. Last Victory
  9. The Fool