SIMPLE EXISTENZ: Das Leben vor dem Tod

SIMPLE EXISTENZ: Das Leben vor dem Tod

Beim Bandnamen SIMPLE EXISTENZ erscheinen sie sofort vor meinem geistigen Auge, die fünf Maxime des Mannes: Fressen, Saufen, Schlafen, Paaren, Kämpfen. Und warum auch nicht, manchmal liegt in der Simplizität doch die tiefste Wahrheit. Diese Regionen erforscht Zorn, der früher bei NAGELFAR in die Saiten haute, nun im Alleingang. Sein Debütalbum unter dem Banner SIMPLE EXISTENZ lotet dabei schon so ziemlich alle Grenzen aus, die man sich vorstellen kann. Weder vor atmosphärischem Metal, der ein wenig mit Gothic liebäugelt, Neuer Deutscher Härte noch vor Black Metal macht der Multiinstrumentalist halt und wird zu dem grimmigen Desperado auf dem Cover. Denn hier gibt es keine Gesetze, an die man sich halten muss, hier wird die Musik gespielt, die gerade zum lyrischen Gedanken passt.

So sind die Songs von SIMPLE EXISTENZ mal düster und melancholisch bis frostig, wie in Der sterbende Mann und Im Frühjahrsschnee, dann wieder episch und heroisch angehaucht, siehe Die See und Helden dieser Welt. Natürlich wird es bei Auf der Jagd, Mein Licht und Schaben etwas impulsiver und gegen Ende auch primitiver, was aber dem ansonsten recht rockigen Album die Ecken und Kanten verleiht und eine gewisse Boshaftigkeit beweist. Rein instrumental geht die Arbeit auf Das Leben vor dem Tod voll in Ordnung. Zwar gibt es keine Meisterleistungen zu hören, aber Bandkopf Zorn braucht auch gar nicht frickeln, um packende Songs zu schreiben. Allerdings dauert es seine Zeit, bis die Songs von SIMPLE EXISTENZ beim Hörer auch wirklich zünden und das Album als Ganzes Sinn macht, eben durch die vielen verschiedenen Einflüsse.

Und doch, ein roter Faden zieht sich durch Das Leben vor dem Tod. Das ist ist die Handschrift Zorns in seinen Songs einerseits, aber auch der Gesang von Jander, der mit seiner rauen und kräftigen Stimme die Lyrics gut wieder gibt, aber auch ordentlichen Klargesang bietet. Schade nur, dass die hysterischen Black Metal-Vocals eher nerven als begeistern, hier hätte man von SIMPLE EXISTENZ viel mehr erwarten dürfen. Aber das ist auch das einzig wirklich Störende an diesem Debütalbum, das ansonsten sehr originell und spannend geworden ist und auch nach einigen Durchläufen immer wieder neu zu überraschen weiß. Die Produktion, für die sich Aufnahmeneuling Zorn selbst verantwortlich zeigt, ist vielleicht nicht gerade fett, passt aber mit ihrem rauen Charme zur manischen Musik.

Dieses Album ist ganz klar ein Seelenstriptease. Es ist so persönlich und manisch, dass Texte, Liner Notes, Musik und Artwork als Gesamtpaket vielleicht für Außenstehende nicht immer Sinn machen, aber für Zorn garantiert totale Läuterung bedeuten. Wer offen ist, viel Geduld und Zeit mitbringt und sich eine rockige, rohe Version von BETHLEHEMs Mein Weg vorstellen kann, der sollte diesem außerdem wirklich schön aufgemachten Album eine Chance geben.

Veröffentlichungstermin: 12. März 2010

Spielzeit: 43:44 Min.

Line-Up:

Zorn – Instrumente

Gäste:
Jander
Sturm
Jasmin

Label: Ván Records

Homepage: http://www.simple-existenz.de
MySpace: http://www.myspace.com/simpleexistenz

Tracklist:

1. Der sterbende Mann
2. Die See
3. Auf der Jagd
4. Helden dieser Welt
5. Im Frühjahrsschnee
6. Harren und hoffen
7. Mein Licht
8. Schaben