SHATTERED DREAM: Returned (Eigenproduktion)

SHATTERED DREAM: Returned (Eigenproduktion)

Es gibt erfreulichere Momente im Leben eines Musik-Rezensenten als die, in denen er sich gezwungen sieht, Eigenproduktionen junger Nachwuchsacts auf`s Heftigste zu kritisieren. Denn was wäre leichter, als einer Band, die – naturgemäß – mit geringstem Etat und nur beschränkten zeitlichen Resourcen zurecht kommen muß, um ihre musikalischen Gehversuche der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, in Grund und Boden zu stampfen? Aber das Wörtchen Öffentlichkeit ist der Knackpunkt: Entschließt sich jemand, seine geistige Schöpfung aller Welt zugänglich zu machen, verläßt er den Schutzraum, den ihm die bloße Proberaum-Existenz noch gewährt und muß sich demzufolge dem kritischen Urteil der Medien stellen. Insofern komme ich meiner Aufgabe nach, ungern zwar, aber in der Hoffnung, man möge die folgende Kritik als eine konstruktive verstehen.

Und diese Kritik setzt zunächst am eklatantesten Manko dieses Albums an: An der Produktion. Das einzig Positive, das ich dieser bescheinigen kann, ist eine angenehme Transparenz. Leider geriet sie dafür um so druckloser. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt derart schwachbrüstige Gitarren vernehmen mußte. Auch der Hall, der Schlagzeug und Gesang zu mehr Volumen verhelfen soll, entpuppt sich als zweischneidiges Schwert und unterstreicht letztlich nur die klinisch-sterile, gleichzeitig aber auch leicht muffige Proberaum-Atmosphäre des Gesamt-Klangbildes. So begrenzt finanzielle Mittel im Untergrund auch sein mögen: Die Zahl real-existierender Hörbeispiele, die belegen, daß es auch mit Minimal-Etat besser machbar ist, geht in die Hunderte.

Traurig, aber wahr: Die musikalisch hochklassigen Momente der Band, die fraglos vorhanden sind, kranken mehr als nur ein wenig an ihrem klanglichem Umfeld. Der melodische, melancholisch-gefärbte, gemäßigt progressive Heavy Metal, der nicht zuletzt dank der Vocals von Sängerin Ulrike Altfelder an BATTLEFIELD ab `Still And Ever Again` erinnert, könnte in den Highlights des Albums, dem wehmütigen `Graveyard`, dem energischen `Daily Pain` und dem 6 Minuten-Track `Inevitable` voll und ganz überzeugen, wären da nicht eben besagte Soundschwächen, die jeden Anflug atmosphärischer Dichte im Keim ersticken.

Die übrigen vier Songs offenbaren gar weitere Defizite: Abgedroschene Standard-Riffs (speziell in `Return Of The Dwarf`), wenig packendes Songwriting und vor allem Background-Vocals, die – von mehreren männlichen Bandmitgliedern im Chor geshoutet (das Verb singen wäre hier vollkommen unangebracht) – ganz und gar nicht zur Gesamtgestaltung der Songs passen wollen. Auch Sängerin Ulrike sollte sich mit den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten ihrer Stimme noch besser vertraut machen und auf Ausflüge in allzu hohe Gefilde, in denen sie die Töne schlicht und einfach nicht mehr präzise zu treffen vermag, verzichten (Sie hat allerdings ohnehin vor, die Band in Kürze zu verlassen. Welche stimmkräftige Dame sich zur Sangeskarriere berufen fühlt, mag sich bitte auf der Homepage der Band – Adresse s. unten – umsehen).

Fazit: Bedauerlich, aber ich werde das Gefühl nicht los, daß die Entscheidung, mit vorliegender CD an die Öffentlichkeit zu treten, zu früh kam und sich SHATTERED DREAM weit unter Wert verkaufen, was dem Ruf einer Untergrund-Band, die fraglos Potential in sich birgt, unnötig schlechte Reputation einbringen kann. Eine Kaufempfehlung kann ich nicht guten Gewissens aussprechen, wer sich aber ein eigenes Urteil bilden möchte, der wende sich an Kutten Koch Entertainment, Finkenstr. 8, 36179 Bebra und halte 19 DM (all inclusive) bereit.

Spielzeit: 28:14 Min.

Line-Up:
Ulrike Altfelder – vocals

Time Eckhardt – guitar

Marco Reidelbach – guitar

Heiko Richter – bass

Andreas Kallée – drums

Produziert von Stephan Boppert
Label: Eigenproduktion

Homapage: http://www.shattered-dream.notrix.de

Tracklist:
Curiosity

Return Of The Dwarf

Graveyard

Daily Pain

You`re Gone

Outbreak

Inevitable