PINKISH BLACK: Razed To The Ground

PINKISH BLACK: Razed To The Ground

„Razed To The Ground“ verspricht Gewaltiges. Doch es ist keine Explosion, kein Erdbeben und kein riesiges Gummimonster aus Japan, das unsere fiktive Metropole bis auf die Grundfeste abträgt. PINKISH BLACK zelebrieren keine Zerstörungsorgie, sie gehen subtiler vor: Langsam und stetig höhlen sie den Boden aus, auf dem wir unser Tagwerk verrichten, während sich in beängstigend langsamem Tempo ein unwirtlicher Rauchwall vor die Sonne schiebt. Wir ersticken in Zeitlupe, wenn sich der dumpfe Doom aus den Synthesizer-Teppichen schält und die Gothic-Anleihen undurchsichtigem Post Punk weichen. Wie der Bandname will das Gebräu auf dem Papier nicht so recht zusammenpassen und doch formt sich eine zähe Symbiose, welche einen hypnotischen Sog entwickelt.

„Razed To The Ground“ geht einen unbequemen Weg

Kontraste spielen eine große Rolle auf „Razed To The Ground“. Vor dem Hintergrund eines rohen Schlagzeugs mit Punk- / Hardcore-Schlagseite und des raspelnden Basses drängen warme Synthesizer in ein weiches Licht. Die dadurch entstehende Spannung wird durch Ambientpassagen bekräftigt, dem instrumentalen Industrie-Rocker „She Left Him Red“ folgt etwa ein langer und sanfter Songaufbau mit getragenen Keyboards und reduziertem Rhythmusgerüst.

Klar, PINKISH BLACK sind ein Duo, anders lassen sich die Freiheiten, die sich das Material nimmt, nicht erklären. Und vermutlich liegt es nur daran, dass „Razed To The Ground“ einen so unbequemen Weg der Demontage geht: In melancholischen Momenten wie „Ashtray Eyes“ zerbricht Daron Becks Stimme fast an seiner Last, als würde er sich der bevorstehende Aufgabe nur mit Widerwillen beugen. Dann aber bricht sein Kollege Jon Teague am Schlagzeug mit Hartnäckigkeit über uns herein, der beißende Rauch füllt unsere Lungen, wir ergeben uns unserer Ohnmacht.

PINKISH BLACK schaffen eine schmutzige wie lebensfeindliche Atmosphäre

Immer zielführend sind die Songideen auf „Razed To The Ground“ derweil nicht. „Kites And Vultures“ sprüht etwa vor Ungeduld und Eifer – die Nummer hat sicherlich ihre Rolle auf dem Album, bringt uns allerdings kaum weiter. Vor knarrendem Bass und melancholischem Piano zeigt „Bad Dreamer“ in doomigem Tempo, wie es besser geht: MY DYING BRIDE lassen grüßen. Der Titeltrack drückte uns zuvor mit den hypnotisierenden Songschleifen CULT OF LUNAs gegen die Wand, weshalb der gegenläufige Schwermut zu einem günstigen Zeitpunkt kommt.

Was letztlich aber weit mehr Gewicht hat als die Einzelpotenziale der Songs, ist die Art und Weise, wie diese zusammengeführt werden. „Razed To The Ground“ überzeugt als komplettes Werk, vielleicht und gerade, weil die schmutzige sowie lebensfeindliche Atmosphäre extrem unbequem werden kann. Das Material wird dann bedrohlich – Angstzustände setzen ein. Im Entzug sagen sie dazu Cold Turkey, PINKISH BLACK nennen es ganz unverhohlen „Razed To The Ground“.

Veröffentlichungstermin: 13.09.2013

Spielzeit: 43:42 Min.

Line-Up:
Daron Beck – Vocals, Synthesizers
Jon Teague – Drums

Produziert von PINKISH BLACK und Matt Bernhart
Label: Century Media

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/pinkishblackband

PINKISH BLACK „Razed To The Ground“ Tracklist

1. She Left Him Red
2. Ashtray Eyes (Audio bei YouTube)
3. Kites and Vultures (Audio bei YouTube)
4. Razed to the Ground
5. Bad Dreamer
6. Rise
7. Loss Of Feeling Of Loss

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.