LUNATICA: Fables & Dreams

LUNATICA: Fables & Dreams

Mit LUNATICA hat nun auch die Schweiz eine Symphonic Metal Combo am internationalen Markt, die sich vor anderen mitteleuropäischen Bands à la EDENBRIDGE und AFTER FOREVER nicht zu verstecken braucht. Denn mit Fables & Dreams liefern die Eidgenossen ein durchwegs professionell arrangiertes und produziertes Album ab, das an manchen Stellen die Handschrift Sascha Paeths (unter anderem Produzent von RHAPSODY und KAMELOT) erkennen lässt.

Nach einer vierminütigen, erzählten Einleitung, die musikalisch VANGELIS-like an einen Filmsoundtrack erinnert, bricht das Album zu einer nicht unbedingt abwechslungsreichen, jedoch bunt ausgemalten Reise auf, die niemals überfordert und trotzdem nicht langweilig wird. Der Sound wird hauptsächlich von den symphonischen Arrangements getragen, die dafür Sorge tragen, dass das Album nicht zu hart ausfällt. Dass LUNATICA in ihrer Genre-Klassifizierung dann doch das Beiwort Metal führen dürfen, dafür sorgen die Stromgitarren, die sich zumeist im Hintergrund halten, sich jedoch manches Mal durch Soli in den Vordergrund spielen, sowie das Schlagzeug, das entgegen einer ersten Vermutung sogar über eine Doublebass verfügt.

Einen großen Anteil am schließlich fürs Genre doch eigenständigen Klang hat die Stimme Andrea Dätwylers, die ihre Stimmbänder nicht so klassisch, sopranhaft geschult zum Schwingen bringt, sondern sich mehr in Richtung Pop bewegt. À propos Pop: Fables & Dreams hat unverkennbar auch kommerzielles Potenzial – abgesehen vom bereits vorhandenen, lokalen Erfolg in den eidgenössischen Kantonen. Denn der Großteil der Songs könnte auch ohne weiteres im normalen Radioprogramm laufen. Und da allerorts schon wieder die Vorausscheidungen für den Eurovision Song Contest laufen, drängt sich geradezu die Möglichkeit auf, LUNATICA nach Kiev zu entsenden. Ein Song wie Fable Of Dreams, das ein wirklich klebrig süßes Duett zum Besten gibt, wäre dort sicherlich besser aufgehoben als in irgendeinem Heavy Metal Format.

Um eventuellen Missverständnissen hier gleich vorzubeugen, LUNATICA liefern gute Musik mit bewegenden Momenten, die ich nicht missen möchte. Und gerade bei den sanfteren Tönen, die das Sextett anschlägt, zeigen sie der Pop-Welt, wo der langhaarige Bartel den Most herholt. Hingegen klingen die Versuche, durch härtere Passagen das Augenmerk der Metal Liebhaber auf sich zu ziehen, etwas erzwungen. So wirken etwa die männlichen Hardcore-Vocals in The Spell schlicht und ergreifend deplaziert. Viel besser ins Klangbild passt da das Chor-Arrangement in The Neverending Story oder auch die flotten Passagen in Silent Scream. Subjektiver Höhepunkt ist zum Abschluss A Little Moment Of Desperation, das beschwingt die Qualitäten der Band herausstreicht, sogar ein gewisses Maß an Härte mit sich bringt und mit Polka-ähnlichen Rhythmen zum Tanzen, ja sogar zum Moshen auffordert.

Veröffentlichungstermin: 18.10.2004

Spielzeit: 51:43 Min.

Line-Up:
Andrea Dätwyler – Vocals

Alex Seiberl – Keyboards

Sandro D´Incau – Guitar

André Leuenberger – Guitar

Ermes Di Prisco – Drums

Olaf Retmeyer – Bass (guest)

Produziert von Sascha Paeth
Label: Frontiers Records

Homepage: http://www.lunatica.ch

Email: info@lunatica.ch

Tracklist:
1. The Search Goes On

2. Avalon

3. Elements

4. Fable Of Dreams

5. Still Believe

6. The Spell

7. The Neverending Story

8. Hymn

9. Silent Scream (2004)

10. A Little Moment Of Desperation

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.