LIFEFORMS: Multidimensional

LIFEFORMS: Multidimensional

Es gibt Djent, Baby! Auf den Teller der Progressive-Nation kommen dieses Jahr krumme Rhythmen und verkopfte Riff-Irrgärten. Während aber Szeneköche wie MONUMENTS oder PERIPHERY ihre Gerichte mit hellem Klargesang bis zu einem gewissen Grad wieder verwässern, bleibt „Multidimensional“ eine deftige Angelegenheit. Komplexes Drumming, Stakkatoriffing und vielschichtige Polyrhythmik verorten LIFEFORMS in der Nähe von MESHUGGAH und nicht im Fahrwasser der Djent-Pioniere PERIPHERY.

Die Gitarren sind tief gestimmt, die Growls verzehrend – anders formuliert, „Multidimensional“ gleicht einer Reise in die Tiefen des Unterbewusstseins. Die Amerikaner fördern Triebe und Begierden zu Tage, an denen Sigmund Freud nächtelang zu deuten hätte. Da wären die unheilvoll im Hintergrund schwebenden Gitarrenspuren im Titeltrack, welche sich so fein und klar durch den Song spannen, als hielten sie bedrohlich das Damoklesschwert von unseren Hälsen fern. Aber da ist auch der verschränkt aufgebaute Death-Metal-Albtraum „Illogical“, der an WAR FROM A HARLOTS MOUTH erinnert.

LIFEFORCE spielen mit unserer Klaustrophobie

„Multidimensional“ ist düster, pechschwarz und gleichzeitig ein bizarres Spiegelkabinett unseres Verstandes. Wir graben tief, finden dabei wie durch Zufall angenehme Erinnerungen; traumhafte Szenerien wie das beruhigende Instrumentalstück „Interlude“ oder das trendbewusst intonierte „Reflections II“ mit seinem sanften Klargesang. Zumeist bringen wir aber unsere dunkle Seite ans Licht – verquere Harmonien und bedrohliche Gitarren-Overdubs greifen nach uns, verstörende Effekte lassen im dichten „Digitize“ die Wände immer näher kommen. LIFEFORMS verstehen es in dieser halben Stunde prächtig, mit unserer Klaustrophobie zu spielen. Erst im letzten Drittel lösen die fünf Jungs aus Sacramento den Griff und zeigen uns kurzzeitig eine lichterfüllte Vision, die das Gemüt mit der zuvor konfrontierten Dunkelheit versöhnt.

Mögen böse Zungen den Djent-Zug als MESHUGGAH-geschwängerten Emocore abtun, treffen die Kompositionen im Fall von LIFEFORMS mit einer ganz anderen Wucht. „Multidimensional“ fehlt natürlich die Originalität eines „I“ und die Boshaftigkeit eines „Catch Thirtythree“ – das bringt dieses ansonsten achtbare Full-Length-Debüt auf den Boden der Tatsachen zurück. Dafür birgt die Scheibe den genannten Wermutstropfen zum Trotz genug Wucht für zwei bis drei hartnäckige Magengeschwüre in sich – guten Appetit.

Veröffentlichungstermin: 10.05.2013

Spielzeit: 30:06 Min.

Line-Up:
Howie – Vocals
Arik – Guitar, Vocals
Erick – Guitar
Michael – Bass
Josh – Drums

Label: Lifeforce

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/wearelifeforms

LIFEFORMS „Multidimensional“ Tracklist

01. Descent Into Madness
02. Multidimensional
03. Illogical
04. String Theory (Lyric-Video bei YouTube)
05. The Ones
06. Digitize
07. Reflections II
08. Paradox
09. Interlude
10. Home (Audio bei YouTube)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.