KORY CLARKE: Opium Hotel

Kory Clarke-Fans sollten…nein, müssen und da bin ich sicher werden zugreifen – auch wenn dieses Mal einige Songs dabei sind, die nicht hätten sein müssen. Trotzdem „Danke“ für die Rückmeldung! Wurde ja auch langsam Zeit…

Mann, als mein Blick auf das Cover fiel, dachte ich erst, ich hätte die neue HELGE SCHNEIDER-CD bekommen. Aber der auf dem Cover stehende Name war es, der mich elektrisierte. KORY CLARKE, einer meiner allerallerallerallerallerliebsten Lieblingskünstler hat – nach fünf Studioalben mit den genialen WARRIOR SOUL (1990 – 1994, des weiteren erschienen noch eine Demo-Kollektion namens „Fucker“ und eine „Classics“ betitelte Scheibe mit Neueinspielungen bekannter Tracks) und nur einer nicht minder überzeugenden Studio-Scheiblette mit den SPACE AGE PLAYBOYS (1999) – nun sein erstes Soloalbum vorgelegt, dass in Deutschland bisher leider nur über den Importweg zu beziehen ist. Der ehemalige L7- und RAGING SLAB-Drummer zeigt sich auf „Opium Hotel“ (14 Songs, 51:47 Min.) einmal mehr als begnadeter Texter und wie immer lohnt es sich, einen Blick (mehr) auf seine lyrischen Ergüsse zu werfen, die nichts von ihrer Bissigkeit, Schärfe und Ironie verloren haben, aber oft genug auch eher schwer zu interpretieren sind. Lässt man kurze Samples wie „Mr.Harris“ oder das kurze Intro „Jihad Vs. McWorld“ ausser Acht, so bleiben zwölf Songs, die es nun zu beurteilen gilt. Abstriche sollte man sicherlich beim Sound der Songs machen. Ich gehe zwar davon aus, dass Kory wollte, dass die Songs so klingen sollen, wie sie das auch tun, aber oftmals geht es eben nicht über einen Demosound hinaus (allerdings wie ein wirklich gut produziertes Demo). Aber die Songqualität hat über weite Strecken die Klasse, die ich von einem Kory Clarke (der das Album zusammen mit dem mir unbekannten Gitarristen/Keyboarder Alex Edwards produzierte, abmischte, komponierte und zum Großteil auch einspielte) aber einfach erwarte. Fakt ist, dass „Opium Hotel“ das mit Abstand abwechslungsreichste Album unter Korys Aufsicht geworden ist, was den Verdacht natürlich erhärtet, dass es sich hier lediglich um eine Art Resteverwertung handeln könnte. So erinnern „Corporate Genocide“ und „Dream Japan“ etwas an alte und ruhige JOHN LENNON-Songs, während “Reverse” doch stark an die beiden ersten WARRIOR SOUL-Scheiben erinnert. Eher ruhig, spartanisch instrumentiert und arrangiert klingen dagegen der Titeltrack und „Sky High“. Das krasse Gegenteil zu diesen beiden Beispielen ist dagegen „Boom Ka Boom, ein extrem nerviger Cyber-Thrash-Song mit gesprochenen Textpassagen, der vom Nervfaktor gut auf das „Chill Pill“-Album (1993 – und für mich der bisher einzige schwarze Fleck auf Korys ansonsten blütenweißer Veröffentlichungsweste) gepasst hätte. Das gute „Religion Buzz“ klingt wie WARRIOR SOULmit dem Sound von KYUSS, während der „Penguin Song“, „Another War“ und „The City Today“ mit Loops und elektronischen Spielereien verziert wurden und in eher getragener Atmosphäre erklingen. Ihr merkt, die stilistische Bandbreite ist dieses Mal wirklich groß. Clarke-Fans sollten…nein, müssen und da bin ich sicher werden zugreifen – auch wenn dieses Mal einige Songs dabei sind, die nicht hätten sein müssen. Trotzdem „Danke“ für die Rückmeldung! Wurde ja auch langsam Zeit.

Veröffentlichungsdatum : 12.01.2004

Spielzeit: 51:47 Min.

Line-Up:
Kory Clarke (Vocals, Drums, Bass)

and some friends

Produziert von Kory Clarke
Label: Livewire / Cargo Records

Homepage: http://www.koryclarke.com

Tracklist:
Jihad vs. McWorld

Corporate Genocide

Without Guns

Yummy House

Reverse

Mr. Harris

Religion Buzz

Dream Japan

Penguin Song

Boom Ka Boom

Opium Hotel

The City Today

Sky High

Another War