JESS MORGAN: Langa Langa

JESS MORGAN: Langa Langa

Kennst Du diese Tage, wo man morgens aufsteht und sofort weiß, dass es nur ein sch**ß Tag werden kann, und jeder andere kann nur alles falsch machen, weil Du eh drauf wartest? Wo Du am liebsten die Anlage aufdrehen würdest und zu Battle Hymns das Plastikschwert schwingen musst oder beim VIth Crusade alles plattwalzen willst? Nun, Jungmetaller haben da sicher andere Vorlieben, wie auch immer, hier kommt JESS MORGAN ins Spiel. Die junge Frau aus Norwich im Osten Englands bringt alles mit, um oben erwähnte Aggressionen in Watte zu legen und ratzfatz ist das Leben wieder richtig schön und alle noch so nervige Mitmenschen können einen mal…

Auch auf ihrem dritten Album bietet die schnuckelige Engländerin einen Mix aus Singer/Songwriter, Folk, Roots-Music und einer großen Portion Americana und Country. Sowas kann kopflastig sein, selbstverliebt, kitschig, oder – man macht es wie JESS MORGAN: ehrlich und ergreifend! The Last Song, passend als Auftakt gesetzt, zieht einen sofort positiv runter, zarte, ruhige Folkklänge mit Wellnessfaktor. Die niedliche, unaufdringliche Stimme von JESS MORGAN wickelt einen sofort um den kleinen Finger, wirklich schön anzuhören. Dezente Streicher begleiten die ebenso dezente Akustikgitarre, das ganze Album ruht auf dem meist entspannten Gitarrenspiel, das hier und da mal mit Streichern oder Percussion aufgepeppt wird. Aber hauptsächlich leben die Songs durchgehend von der bezaubernden Stimme der Engländerin. Die Songs haben oft einen 70er Singer/Songwriter-Touch, ohne dabei in die damals typischen Protestsongs zu verfallen oder gar altbacken zu klingen. Viele Lieder bleiben dabei eher britisch, ohne in ausgetretenen Celtic-Pfaden zu wandern, andere haben eine große Portion amerikanischen Folk und kitschfreien Country. Das eingängige, locker-flockige Modern World hat einen fast poppigen Touch. Aber ihre Musik ist Beleg dafür, dass sie mit der schnelllebigen, Gefühlskalten neuen Zeit nichts anfangen kann. Sie sagt es ja selber: Maybe I´m an old soul – I don’t think I belong in your modern world. Willkommen im Club, Mrs. MORGAN! Das schöne Annie Of Greyfriars, das swingende The Lone Cashier, kleine Hits gibt es reichlich. Ganz groß sind gerade die ruhigsten Momente, das wunderschöne, sentimentale Silver Dagger gibt ne fette Gänsehaut. Bei Freckles In The Sun werden auch melancholische Country-Fans glücklich, das Lied trottet wie ein müdes Maultier über endlos weite Steppen, Hektik oder Alltagsstress werden gnadenlos weggefegt. Die Geschichten der Sängerin laden zum Zuhören ein, aber viel mehr ist man entzückt von der schönen Stimme. Ok, irgendwann könnte man sich etwas mehr Abwechslung in den Gesangsmelodien und der Stimmlage wünschen. Aber während man darüber nachdenkt hat sie einen schön längst wieder zum Träumen gebracht. Lässt man sich nicht ganz so einwickeln, dann fällt auch schnell die gute, abwechslungsreiche Gitarrenarbeit auf und die stimmige Begleitung der anderen Instrumente. Oft hat man das Gefühl, JESS zupft ihre Gitarre wie einen Blue Grass-Song auf halber Geschwindigkeit, das ist spannend und erfrischend eigenständig. Auch das Albumcover hat sie selbst gemalt.

Die entspannte, oft sentimentale Grundstimmung wird immer wieder aufgelöst durch dezent fröhliche Momente. Gefühlsmenschen werden sich dem sonnigen Charme der Songs und der tollen Stimme von JESS MORGAN kaum entziehen können. Da kann man auch an übelsten Tagen die Metal-Scheiben mal im Schrank lassen und sich der Entschleunigung und den fast zärtlichen Klängen von dieser Frau hingeben. Das funktioniert beim Autofahren, richtig laut beim Hausputz und natürlich einfach so zum Entspannen und Träumen. Zum Song Freckles In The Sun kann man sich auch ein Video anschauen. Gedreht wurde am Happisburgh Beach in Norfolk, wo nachweislich die ersten Menschen im britischen Raum auftauchten. Da zieht die zeitlose Musik von JESS einen schönen Bogen in unsere moderne Welt.
JESS MORGAN: Freckles In The Sun-Video bei YouTube

Wer auf ergreifenden Folk/Americana steht mit melancholischer Grundstimmung, tollem Gitarrenspiel und einer schlichtweg bezaubernden Stimme, der hat mit JESS MORGAN´s neuem Album einen klaren Pflichtkauf. Wer die Schottin KARINE POLWART, die Tennessee-Folksängerin LAURA CANTRELL, die in Amerika lebende Engländerin LINDSAY FULLER, die ruhigen Songs von NEKO CASE mag und ähnliche Sängerinnen, der ist hier genau richtig. Wobei das nur eine grobe Richtung ist, denn JESS MORGAN macht ihren ganz eigenen, bezaubernden Sound. Schaut man sich ein Live-Video an, dann kann man sich nur ärgern, die gerade gelaufenen Auftritte bei uns verpasst zu haben. Aber die Frau ist permanent auf Tour, da gilt es sicher noch die ein oder andere Show zu genießen.
JESS MORGAN: The Last Song – live Video bei Youtube

Veröffentlichungstermin: 08.08.2014

Spielzeit: 43:29 Min.

Line-Up:
Jess Morgan – Acoustic Guitars, Tenor Guitar, Banjo, Mandolin
John Parker – Double Bass
Sarah Smout – Cello
Prue Ward – Fiddle
Stephen Maclachlan – Percussion
Sarah Howells – Backing Vocals (10)
Stu Hanna – Backing Vocals (11)

Produziert von Jess Morgan und Stephen Maclachlan
Label: Amateur Boxer / Broken Silence

Homepage: http://www.jessmorgan.co.uk

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/jessmorganmusic

Tracklist:
1. The Last Song
2. The Missionary
3. Modern World
4. Silver Dagger
5. Annie Of Greyfriars
6. Adam & Genevieve
7. Round And Round
8. The Lone Cashier
9. Movie Scene
10. Freckles In The Sun
11. Cavalier

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.