IBARAKI: Rashomon

„Rashomon“ geht getrost als erstklassiges Debüt durch. Es ist nur schade, dass IBARAKI live wohl nicht so umtriebig sein werden, ist der TRIVIUM Frontmann doch viel zu sehr mit seinen anderen Projekten beschäftigt.

Matt Heafy ist mit Sicherheit einer der aktivsten Musiker seiner Zeit. Hat er gerade noch mit seiner Hauptband TRIVIUM das zehnte Studioalbum „In The Court Of A Dragon“ (2021) veröffentlicht, so begibt er sich jetzt auf Solopfaden. IBARAKI nennt sich das Projekt, mit welchem er in schwarzmetallische Gefilde vordringen möchte. Unterstützt wird er dabei von niemandem geringerem als Ihsahn (EMPEROR & Solo) und anderen Künstlern, die mit Gastauftritten ihren Teil dazu beisteuern. Inwiefern es den Protagonisten gelingt, in die Untiefen des Black Metal abzutauchen wird uns das Debüt „Rashomon“ zeigen.

IBARAKI mischt Black Metal mit japanischer Folklore

Heafy verleugnet seine japanischen Wurzeln nicht, viel mehr stellt er sie nun in den Vordergrund. Das fängt beim Bandnamen an – IBARAKI beschreibt eine alte japanische Dämonenlegende – und hört bei der Musik auf. Denn das Intro „Hakanaki Hitsuzen“ besteht aus folkloristischen Instrumenten und leitet die Klangreise ein. In „Kagutsuchi“ bleiben japanische Elemente erhalten, in den gut sieben Minuten Spieldauer bleibt genügend Zeit für Abwechslung. So kommen progressive Elemente zum Einstz und man dringt nur vorsichtig in den Black-Metal-Kosmos vor. Heavys Stimme wirkt zu Beginn doch noch sehr hardcorelastig bzw. erinnert an TRIVIUM-Zeiten. Obwohl der japanische Anteil in den Nummern einen großen Teil einnimmt und die Songtitel in asiatischer Sprache gehalten werden, singt der Mastermind die Lyrics in Englisch.

Die erste Singleauskoppekung „Tamashi No Houkai“ hat in gewisser Form doch einen nostalgischen Touch. Nicht nur ganz zu Beginn des Titels, sondern auch mittendrin lockern Computerspiel-Samples à la Game Boy den Reigen auf. Nichtsdestotrotz ist der Titel sehr gut.  Der Sänger shoutet wie wild, um beim Refrain in cleane Gesangslagen abzudriften. Das gibt dem Song einen nachdenklichen Touch und die schwarzmetallische Affinität bleibt noch außen vor.  Zu sehr erinnern die Songstrukturen an den klassischen TRIVIUM-Sound.

Gastmusiker wie Nergal, Gerard Way und Ihshan geben sich auf “Rashomon” die Klinke in die Hand

Das ändert sich aber mit dem Gastauftritt von Nergal und da wird auf „Akumu“ von Anfang an in bester Black-Metal-Manier drauflos gespielt. Wohl gesagt, sprechen wir hier nicht von rauen, misanthropischen Klängen. Viel mehr zelebriert die Band melodischen, symphonischen Schwarzmetall und da Nergal ein Meiser seines Faches ist, drückt er dem Song seinen Stempel auf.

Richtig hart zur Sache geht es im Titel „Rōnin“. Da darf man sich nicht vom stark melodischen Gesang Heafys zu Beginn beirren lassen. Denn auch progressive Anteile bauen das Stück zu einem neunminütigen Opus aus. Kein Wunder, ist doch der MY CHEMICAL ROMANCE-Frontmann Gerard Way mit von der Partie, der in pechschwarzer Manier die Vocals teilweise übernimmt, während die Musikfraktion alles in Grund und Boden prügelt. Ein sehr abwechslungsreicher Song, der sowohl melodische, progressive und auch Schwarzmetall-Elemente zu einem Ganzen verbindet.

Doch es wäre nicht Matt Heavy, wenn er ein Black-Metal-Album ankündigt und diese Elemente völlig außen vor lässt.  Man muss sich nur „Ibaraki-Dōji“ oder „Komorebi“ zu Gemüte führen und findet genügend Black-Metal-Anteile. Von der Kollaboration mit Ihshan bei „Susanoo No Mikoto“ braucht man erst gar nicht lange überlegen – großartige Kunst.

„Rashomon“ geht getrost als erstklassiges Debüt durch. Es ist nur schade, dass IBARAKI live wohl nicht so umtriebig sein werden, ist der TRIVIUM Frontmann doch viel zu sehr mit seinen anderen Projekten beschäftigt.

Veröffentlichungsdatum: 06.05.2022

Label: Nuclear Blast

Spielzeit: 61:49

IBARAKI “Rashomon” Tracklist

  1. Hakanaki Hitsuzen
  2. Kagutsuchi (Video bei YouTube)
  3. Ibaraki-Dōji
  4. Jigoku Dayū
  5. Tamashii No Houkai (Video bei YouTube)
  6. Akumu (Feat. Nergal) (Video bei YouTube)
  7. Komorebi
  8. Rōnin (Feat. Gerard Way) (Video bei YouTube)
  9. Susanoo No Mikoto (Feat. Ihsahn)
  10. Kaizoku”

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