HELLOWEEN: Live in Sao Paulo

HELLOWEEN: Live in Sao Paulo

Seit 13 Jahre heißt der Sänger von HELLOWEEN Andi Deris. Und seit 13 Jahren schafft es dieser nicht, die alten Songs der Band live überzeugend zu singen. Das kann man jetzt einmal mehr auf dem aktuellen Doppelalbum Live In Sao Paulo nachhören. Deris bemüht sich wirklich und die Lieder der ersten beiden Keeper-Alben haben immer noch etwas Magisches an sich. Sogar die Mischung aus alten und neuen Liedern klingt erstaunlich schlüssig. Trotzdem frage ich mich unweigerlich, warum die Band sich das antut. Die Antwort auf diese Frage gibt vermutlich die parallel erschienene DVD: Die Fans sind zahlreich und feiern die Band nach allen Regeln der Kunst ab. Kiske hin, Deris her, HELLOWEEN erfreuen sich gerade im Ausland ungebrochen großer Beliebtheit. Die Nachfrage ist eindeutig vorhanden, auch ohne Kiske am Mikro. Eine Abkehr von der eigenen Vergangenheit käme entsprechend einer kommerziellen Gabel-Steckdosen-Begegnung gleich. Die meisten Alben mit Deris sind zwar auch gelungen, haben aber keinen Klassiker-Status. Eine Tour mit lediglich neuerem Songmaterial (I Can, Midnight Sun, Where The Rain Grows, Push, Before The War usw.) bleibt deshalb ein frommer Wunsch. Dabei haben GAMMA RAY doch vorgemacht, dass ein derartiges Unterfangen durchaus machbar ist.

Hört man sich das Konzert aus der Konserve an, kommt die Atmosphäre recht gut rüber. Das Quintett und sein Phantomkeyboarder sind bestens eingespielt. Gerade die zweistimmigen Gitarren klingen richtig klasse. Da Schlagzeuger Dani Löble hauptsächlich die Sachen von Ingo Schwichtenberg bzw. sich selbst spielen muss, fällt nicht weiter auf, dass HELLOWEEN mit Uli Kusch zwischendurch mal absolut tight und wasserdicht klangen. Beim ersten Hördurchgang macht Live In Sao Paolo richtig Spaß. Doch nach und nach treten Verschleißerscheinungen auf, bis man unweigerlich die Liveaufnahmen aus den 80ern rauskramt. Spätestens wenn man I Want Out und Future World in der Live In The U.K.-Fassung hört, wird schließlich klar, wie überfordert Deris mit den Kiske-Gesangslinien ist. Bei den neueren Stücken, die überwiegend von Keeper Of The Seven Keys – The Legacy stammen, macht der ehemalige PINK CREAM 69-Frontmann dagegen eine wesentlich bessere Figur. Besonders Power und Mrs. God klingen geradezu hitverdächtig. Bei den längeren Stücken schwächelt das Songwriting allerdings.

Wie schon bei den früheren Live-Alben wird wohl jeder etwas an der Songauswahl auszusetzen haben. Dass gleich vier überlange Stücke mit von der Partie sind, stört dabei erstaunlich wenig. Sie stehlen allerdings den kürzen Nummern ein wenig die Show. Insgesamt hat Live In Sao Paolo vor allem dokumentarischen Wert und ist am ehesten als Andenken für Konzertbesucher interessant. Für Außenstehende hält sich der Unterhaltungswert sehr in Grenzen, selbst wenn die Musik für sich genommen – sprich: in den Studiofassungen – gelungen ist.

Wer weiß, vielleicht lassen HELLOWEEN in der jetzigen Besetzung nach dieser Keeper-Überdosis die Geister der Vergangenheit ruhen und spielen tatsächlich eine Tour ausschließlich mit Songs der Post-Kiske-Ära. Und vielleicht erleben wir auch noch den Tag, an dem ein ordentlicher Mitschnitt aus dem Frühjahr 1987 (mit I´m Alive, Judas, Guardians, Twilight Of The Gods, Halloween, Starlight usw.) regulär veröffentlicht wird.

Veröffentlichungstermin: 23.02.2007

Spielzeit: 118:16 Min.

Line-Up:
Andi Deris: Gesang
Michael Weikath: Gitarre
Sascha Gerstner: Gitarre
Markus Großkopf: Bass
Dani Löble: Schlagzeug

Label: SPV

Homepage: http://www.helloween.org

Tracklist:
1. Intro
2. The King For A Thousand Years
3. Eagle Fly Free
4. Hell Was Made In Heaven
5. Keeper Of The Seven Keys
6. A Tale That Wasn´t Right
7. Mr. Torture
8. If I Could Fly
9. Power
10. Future World
11. The Invisible Man
12. Mrs. God
13. I Want Out
14. Dr. Stein
15. Occasion Avenue (Live in Tokyo)
16. Halloween (Live in Vicovice)

Jutze
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