HATEBREED: For The Lions

HATEBREED: For The Lions

Vor ein paar Wochen erst veröffentlichten HATEBREED ihre DVD „Live Dominance„, schon legen sie keine zwei Monate später mit einer neuen CD nach. „For The Lions“ stellt aber nicht etwa den regulären Nachfolger von „Supremacy“ dar, sondern ist vielmehr ein waschechtes Coveralbum, mit dem die Jungs in rund 50 Minuten 18 verschiedenen Bands huldigen, die in der Vergangenheit in irgendeiner Weise Einfluss auf die Hardcoremaschinerie aus Connecticut genommen hatten.

Die beiden wichtigsten Faktoren, mit denen ein Coveralbum steht und fällt, sind zum einen die Songauswahl und zum anderen deren Umsetzung. An letzterer gibt es bei „For The Lions“ wenig bis gar nichts auszusetzen. Dass HATEBREED ihr Handwerk verstehen, muss man wohl nicht erwähnen, und so passt das Quartett auch genrefremde Klänge wie die MISFITS-Punknummer „Hatebreeders“ oder METALLICAs „Escape“ souverän an das eigene Klangbild an. Bei beiden Tracks zeigt sich zudem die Anpassungsfähigkeit Jamey Jastas, der auch punkige oder clean gesungene Töne überzeugend anschlägt, ohne sich selbst untreu zu werden. In „Escape“ und auch beim gelungenen SLAYER-Cover „Ghosts Of War“ finden sich konsequenterweise sogar richtig feine Gitarrensoli wieder, die auch bei der Interpretation einer Band wie HATEBREED alles andere als fehlplatziert wirken. Selbst wenn ich damit vermutlich den Zorn der Hardcoreszene auf mich ziehe, aber von mir aus könnten die Jungs so etwas auf ihrem nächsten Studioalbum gerne ebenfalls probieren.

Auf bekanntem Terrain wird „For The Lions“ unspektakulär

Im Vergleich zu den interessanten Coverversionen genrefremder Gruppen fallen die Verbeugungen vor den Hardcore-Kollegen leider ziemlich unspektakulär aus. Im Prinzip klingen Nummern wie MADBALLs „Set It Off“ oder MERAUDERs „Life Is Pain“ wie ganz normale Hardcore-Titel, die so auch aus der Feder HATEBREEDs hätten stammen können. Mit Jamey Jastas markantem Organ vorgetragen, verdeutlicht sich dieser Eindruck nur noch mehr. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Songs schlecht wären, aber da sich die Combo hier auf nur allzu bekanntem Terrain bewegt, hält sich der Facettenreichtum bei den Interpretationen der betroffenen Nummern stark in Grenzen.

HATEBREED geben sich keine Blöße

„For The Lions“ ist im Großen und Ganzen ein gutes Album geworden, bei dem zwar nicht jeder Track gleichermaßen begeistern kann, aber das dafür auch keinen qualitativen Schnitzer zulässt. Das Material ist einerseits immer noch zu 100% bandkompatibel, zeigt jedoch zugleich, dass ein Blick über den Tellerrand für den eigenen Sound hin und wieder sehr bereichernd sein kann. Bleibt zu hoffen, dass dieser Blick beim nächsten Album Früchte tragen wird.

Veröffentlichungstermin: 22.05.2009

Spielzeit: 47:50 Min.

Line-Up:
Jamey Jasta: Vocals
Wayne Lozinak: Guitar
Frank 3 Gun Novinec: Guitar
Chris Beattie: Bass
Matt Byrne: Drums

Produziert von Chris Harris
Label: Century Media

Homepage: http://www.hatebreed.com

HATEBREED „For The Lions“ Tracklist

01. Ghosts of War (SLAYER) (Video bei YouTube)
02. Suicidal Maniac (SUICIDAL TENDENCIES)
03. Escape (METALLICA)
04. Hatebreeders (MISFITS)
05. Set It Off (MADBALL)
06. Thirsty And Miserable (BLACK FLAG) (Video bei YouTube)
07. All I Had I Gave (CROWBAR)
08. Your Mistake (AGNOSTIC FRONT)
09. I´m In Pain (OBITUARY)
10. It´s The Limit (CRO-MAGS)
11. Refuse/Resist (SEPULTURA)
12. Supertouch (BAD BRAINS)
13. Evil Minds (D.R.I.)
14. Shut Me Out (SICK OF IT ALL)
15. Sick Of Talk (NEGATIVE APPROACH)
16. Life Is Pain (MERAUDER)
17. Hear Me (JUDGE)
18. Boxed In (SUBZERO)

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.