ERYN NON DAE.: Hydra Lernaia

ERYN NON DAE.: Hydra Lernaia

Lass uns gleich mal eines klar stellen. Glaube der Werbeanzeige eines Labels nicht. Das Label von ERYN NON DAE. will uns nämlich glauben lassen, dass Hydra Lernaia ein einzigartiges, noch nie da gewesenes Album darstellt, das so viele Nachahmer finden wird, wie Ride the Lightning. Fakt ist, ERYN NON DAE., bis vor kurzem bekannt als END., spielen keinen Durchschnittsmetal. Sie spielen eine brutale Mischung aus THE OCEAN, GODFLESH, frühen THE END und MESHUGGAH, aber das war eben auch schon ein paar Mal da. Und dieses Album kannst du dann am besten genießen, wenn du deinen Kopf freimachst und einfach nichts erwartest. Hydra Lernaia bläst dich dann nämlich einfach um.

Dieser biomechanische, pechschwarze Hybrid aus Frankreich glänzt mit seiner dichten Atmosphäre, mit seinen tiefen Songs und mit seinen krassen Stimmungswechseln, von verzweifelt bis hin zu unbändig wütend. ERYN NON DAE. schaffen es, eine knappe Stunde die Daumenschrauben anzulegen, werden aber erst richtig intensiv, wenn die Metalseite der Band schläft und sich rein die dunkle Atmosphäre über den Hörer ergießt. So werden Songs, die etwas abwechslungsreicher arrangiert sind und leisere Stellen parat haben, zu vertontem Schmerz. Im Gegensatz zu brutalen, technischen Songs wie Blistering Hate und Echoes of Distress, hat das folgende Existence Asleep, das pulsiert, atmet und sich aufbäumt klar die besseren Karten.

Auch The Decline and the Fall und das abschließende Pure haben den richtigen Mittelweg zwischen unbändiger Aggression und brodelnder Atmosphäre gefunden. ERYN NON DAE. erzielen daraus eine gnadenlose Endzeit-Atmosphäre, eigentlich wie geschaffen für die Untermalung zur erneuten Lektüre von 1984. Aber etwas zu untermalen ist für diese Musik eine recht undankbare Aufgabe, und dagegen wehrt sie sich auch mit Händen und Füßen. Denn nebenbei kann Hydra Lernaia eigentlich nicht laufen. Zu sehr strengen ERYN NON DAE. den Hörer mit ihrem Riffgewitter an. Und neben den ungeheuer massiven, vertrackten Riffs gibt es immer wieder sehr dissonante Gitarrenleads, einen krass verzerrten Bass, sowie ein Schlagzeug zwischen hektischem Ausflippen, Blast und leichten Polyrhythmen. Auch das barbarische Geschrei geht durch Mark und Bein, da fühlen sich die ungemütlichen Ambient-Elemente geradezu wohlig warm an.

Ganz klar, Hydra Lernaia ist schwere Kost, für ein Debütalbum aber eine verdammt gute Angelegenheit. Die Songs sind durchdacht, auch wenn sie manchmal noch in Sachen Brutalität über das Ziel hinaus schießen und etwas mehr griffige Momente haben könnten. ERYN NON DAE. befinden sich definitiv auf dem richtigen Weg und werden mit der nötigen Tour- und Songwriting-Erfahrung sicherlich noch den einen oder anderen musikalischen Albtraum wahr werden lassen, den Hydra Lernaia jetzt schon recht bizarr nachgezeichnet hat.

Veröffentlichungstermin: 19. Juni 2009

Spielzeit: 55:05 Min.

Line-Up:
Mathieu B. Nogues – Vocals
Franck Quintin – Guitar, Vocals
Yann Servanin – Guitar
Mickael André – Bass
Julien Rufié – Drums
Label: Metal Blade Records

Homepage: http://www.erynnondae.com

MySpace: http://www.myspace.com/end1freefr

Tracklist:
1. When Time Elapses
2. Blistering Hate
3. Existence Asleep
4. The Decline and the Fall
5. Lam Tsol Oua
6. Through Dark Skies
7. Opposites from Within
8. Echoes of Distress
9. Pure

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle