ENSLAVED: RIITIIR

ENSLAVED: RIITIIR

Nachdem ENSLAVED 2008 mit Vertebrae ein verhältnismäßig sperriges Album veröffentlichten, mit dem nicht jeder – mich eingeschlossen – so richtig warm wurde, ging es mit Axioma Ethica Odini wieder einen Schritt zurück in Richtung des Meisterwerks Isa, ohne allerdings wirklich an dessen Qualität anknüpfen zu können. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Sowohl Vertebrae mit seiner reduzierten, basischen Produktion und dem sehr progressiven Songwriting als auch Axioma Ethica Odini waren gute Alben, bei ENSLAVED jammern wir auf hohem Niveau.

Nun steht mit RIITIIR also das nächste ENSLAVED-Album an, auf dem die Norweger ihre generelle Ausrichtung der letzten Jahre beibehalten. Sie schaffen es aber doch wieder, ein wenig anders zu klingen, als auf den vorherigen Alben. Es ist kein Auf Nummer sicher-Album, wie es der Captain nicht ganz unbegründet bei Axioma Ethica Odini empfunden hat. Es ist auch keine Kehrtwende zurück auf den Weg, den ENSLAVED auf Vertebrae eingeschlagen haben. Nein, die Norweger finden im gewohnten Terrain einen weiteren, neuen Weg. Auf insgesamt fast siebzig Minuten Spielzeit kommt RIITIIR, nur zwei der insgesamt acht Songs sind kürzer als sieben Minuten. Herband Larsens Klargesang umscheichelt die Seele, während Grutles Keifer die Urinstinkte ansprechen. ENSLAVED verstehen es wie kaum eine andere Band diese Wechsel, sowohl zwischen den beiden Gesangsstilen aber auch zwischen den verschiedenen musikalischen Ausrichtungen, perfekt ineinander greifen zu lassen. Nie klingt es so, als hätte man plötzlich einen Black Metal-Part an einen Prog-Part dran geklatscht, die Übergänge sind stets nahtlos.

Thoughts Like Hammers beginnt chaotisch mit einer Soundwand, dann folgt ein langsames, simples Riff und ebensolches Drumming, Herbrand und Grutle wechseln sich gesanglich ab. Ein starker Einstieg, der ja bereits vorab schon veröffentlicht wurde. Ein großer Moment ist auch der Refrain des hypnotischen, wunderschöne Death In The Eyes Of Dawn. Veilburner serviert zu Beginn ein grandioses, eingängiges Headbanger-Riff und ist auch sonst ein vergleichsweise straighter Song. Roots Of The Mountain beginnt mit hektischem Black Metal, bevor Herbrand Larsens Gesang den Song in einem großen Refrain explodieren lässt. Dazu passt auch das schöne Gitarrensolo nach etwa drei Minuten. Bei etwa sieben Minuten dann ein Akustik-Gitarrenpart, der in epischen Breitwand-Rock übergeht. Storm Of Memories wiederum enthält Passagen, die in Richtung Industrial gehen, abgelöst von klassischer, norwegischer Black Metal-Raserei, und die letzten Minuten von Forsaken lassen RIITIIR ruhig und reduziert ausklingen, völlig im Gegensatz zum lauten, chaotischen Beginn des Albums.

Auch RIITIIR schafft es – zumindest für mich persönlich – nicht, dem gigantischen Isa gleichzukommen, übertrifft allerdings die beiden vorherigen Alben. Vielleicht hätte man einige Songs noch etwas straffen können, ansonsten ist RIITIIR ein weiteres hervorragendes Album, weit ab von der grauen Masse der sonstigen Veröffentlichungen, so verschroben und eigen und doch so schön – wie man es eben von ENSLAVED gewohnt ist.

Veröffentlichungstermin: 28.09.2012

Spielzeit: 67:16 Min.

Line-Up:
Grutle Kjellson – vocals, bass
Herbrand Larsen – vocals, keyboards
Ivar Björnson – guitar
Arve Isdal – guitar
Cato Bekkevold – drums

Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.enslaved.no

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/enslaved

Tracklist:
01. Thoughts Like Hammers
02. Death In The Eyes Of Dawn
03. Veilburner
04. Roots Of The Mountain
05. Riitiir
06. Materal
07. Storm Of Memories
08. Forsaken

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.