ENOCH: Graveyard Disturbancees

ENOCH: Graveyard Disturbancees

Nachdem NECROPHAGIA ja bereits mit ihrem aktuellen Album schon weit in die Horrorfilm-Soundtrack-Ecke gegangen sind, machen die beiden Bandmitglieder Mirai und Killjoy mit ihrem Projekt ENOCH gleich noch den nächsten Schritt und liefern ein Album frei von jeglichem Metalballast ab, mit dem man tatsächlich ohne Probleme einen B-Streifen untermalen könnte. Dabei hat sich das Duo gar nicht so sehr auf einen bestimmten Stil eingeschossen, auf Graveyard Disturbances hört man genauso den Einfluss alter Italo-Filme der 80-er heraus, wie auch Elemente des gerne zitierten John Carpenter. La Chiesa di Anime Perse könnte man sich zum Beispiel sehr gut für einen Film wie Ein Zombie hing am Glockenseil vorstellen, während When Wings lie broken durch seine düsteren Keyboardchorteile gut zu Die Fürsten der Dunkelheit passen würde. Gerade bei letztgenanntem Song teilen ENOCH zudem noch ein Faible für wabernde und stellenweise in an den Nerven zehrende Höhen vordringende Synthiesounds. Als Einflüsse gibt die Band selbst Größen wie Fabio Frizzi, Ennio Morricone, John Carpenter und Jerry Goldsmith an und diesen Einfluss spürt man deutlich, wenngleich ENOCH noch ein ganzes Stück davon entfernt sind, derart ergreifend zu agieren. Mit den experimentellen Sounds von Tribute to Sanity schafft man zudem noch den Sprung in die Gegenwart und zollt den neueren japanischen Horrorwerken Tribut – nicht zuletzt durch den auf der CD befindlichen verstörenden Videoclip zu diesem Song lässt sich das Nennen von Ringu nicht vermeiden. Insgesamt gehen ENOCH sehr vielfältig zu Werke, die Glockenspiele kombiniert mit dem Metronom des Eingangssongs Dominion kommen fast schon TripHop-mäßig, Morning Star Reborn hingegen verbindet Bachgeplätscher mit Synthieexperimenten, Mönchschorälen, Orgelsounds und Babygeschrei – eine Linie ist dabei allerdings nicht zu erkennen. Einfache und wirkungsvolle Melodielinien bleiben auf Graveyard Disturbances zwar nicht aus, dennoch sind es die verschiedenen Klangcollagen, mit denen man die eigentliche Wirkung erzielt – wenn es sein muss, arbeiten ENOCH dabei auch gerne mit den soundlichen Schwächen früherer 80er-Synthie-Produktionen. Hoch lebe das B.

Graveyard Distrubances ist nicht wirklich ein Album, das man stets und bei jeder Gelegenheit einlegt. Wie bereits dargestellt, könnte man sich einen kompletten Film mit der Musik untermalt hervorragend und effektvoll vorstellen. Als purer Soundtrack funktioniert das Ganze allerdings nicht so ganz und so wird man dieses Album vermutlich nur in sehr großen Zeitabständen einlegen, um sich in diese Gruselstimmung fallen zu lassen. „Graveyard Disturbances“ hat Charakter, ein echtes Kultalbum ist Killjoy und Mirai allerdings nicht ganz gelungen.

Veröffentlichungstermin: 15. März 2004

Spielzeit: 39:05 Min.

Line-Up:
Mirai

Killjoy
Label: Baphomet / Sure Shot

Tracklist:
01. Dominion

02. La Chiesa di Anime Perse

03. At The Gates of Misery

04. Oracle

05. When Wings Lie Broken

06. Paranormal Eyes

07. A Tribute To Sanity

08. Morning Star Reborn

09. Only a Shadow Remains

10. Another Hell

11. Chasing the Dragon

12. Graveyard Disturbances

Bonus: A Tribute to Sanity (CD-Rom video)

Fierce
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