ELECTRIC POISON: Live Wire

ELECTRIC POISON: Live Wire

Bei manchen Bandnamen fragt man sich ja schon, wie der wohl zustande gekommen ist. Was genau ELECTRIC POISON nun bedeuten soll ist mir nicht klar. Vielleicht dachten die Jungs aus Salvador in Brasilien einfach, dass der Name cool klingt und einen netten Schriftzug ergibt. Man muss ja nicht aus allem eine Doktorarbeit machen. Auch beim Cover verzichtet man auf allzu Tiefgründiges und sorgt lieber für klare Verhältnisse. Ein bisschen trashig sieht das schon aus, das muss aber ja nicht zwingend schlecht sein. Ursprünglich erschien “Live Wire” bereits letztes Jahr über das brasilianische Label Classic Metal. Für Europa haben sich Doc Gator Records aus der Schweiz des Albums angenommen und veröffentlichen “Live Wire” hier auf CD und Vinyl. Die Band, die 2014 gegründet wurde, ist seit letztem Jahr im aktuellen Line Up unterwegs und hat ebenfalls in 2019 bereits eine EP mit drei Songs veröffentlicht, die allerdings auch allesamt auf “Live Wire” vertreten sind.

Heavy Metal so unoriginell wie unterhaltsam

Musikalisch hat man sich dem klassischen Heavy Metal verschrieben. Entsprechend unoriginell spielt die Band sich auch durch die gute halbe Stunde ihres Debütalbums. Aber nach Originalität hat ja auch keiner gefragt, richtig? Richtig! Die im Bandinfo genannten Einflüsse wie ACCEPT oder JUDAS PRIEST geh ich mit, genau wie TANK, die sich in einer gewissen Heavy Rock-Rotzigkeit äußern. Die ebenfalls genannten EXCITER kann ich weniger nachvollziehen, denn trotz einiger schneller Stücke wie dem Opener “Fast Way To Hell” oder “Running Like A Beast” dringt man nie in die rumpeligen Speed Metal-Gefilde der Kanadier fort. Der flottere Instrumentalteil im letzten Drittel des ansonsten eher als Mid Tempo Hymne ausgelegten “Desert Nights” hat dann wieder ein wenig von IRON MAIDEN.

Songs zwischen Fistraiser Hymne und Up Tempo Headbanger

Spielerisch sind ELECTRIC POISON durch die Bank sattelfest. Die Gitarristen spielen songdienlich, hauen eine Menge cooler Soli raus, ohne dabei zu viel zu gniedeln. Frontmann Thauan Rodrigo ist ebenfalls ein grundsolider Kandidat, der sicher kein BRUCE DICKINSON oder ROB HALFORD ist, aber auch gar nicht versucht gesanglich in Dimensionen vorzustoßen, in denen er nichts zu suchen hat. Seine mittelhohe und sein melodischer, aber auch etwas rotziger Gesang passen perfekt zum Sound der Brasilianer. ELECTRIC POISON erfinden den Metal nicht neu, soviel ist klar. Man könnte ihren Stil auch als etwas altbacken bezeichnen. Mag alles sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass “Live Wire” eine mehr als ordentliche Scheibe ist, die einfach gute Laune macht und den Fuß zum wippen bringt. Neunmal klassischer Heavy Metal zwischen Fistraiser Hymne und Up Tempo Headbanger, keine Balladen. Ein sauberer Einstand für ELECTRIC POISON.

Veröffentlichungsdatum: 06.05.2020

Spielzeit: 34:59

Line Up:
Thauan Rodrigo – vocals
Valter Musael – guitars
Leo Kim – guitars
Rodrigo Araújo – bass
Renato Leal – drums

Label: Doc Gator Records

Facebook: https://www.facebook.com/electricpois0n

ELECTRIC POISON „Live Wire“ Tracklist

01. Intro
02. Fast Way to Hell
03. Desert Nights
04. Running Like a Beast
05. You Better Hide
06. Live Wire
07. Burn the Town
08. Dynamite
09. Death Row
10. Voices from Beyond

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.