DOMINICI: O³ A Trilogy – Part 2

DOMINICI: O³ A Trilogy – Part 2

Eine kleine Enttäuschung ist für mich der Labeleinstand von Charlie Dominici geworden. Da es sich immerhin um den Sänger handelt, der mein absolutes Lieblingsalbum aller Zeiten, nämlich das DREAM THEATER-Debüt „When Dream And Day Unite“ mit seiner Stimme und göttlichen Gesangslinien veredelt hat, bestand meinerseits logischerweise eine gewisse Erwartungshaltung, die jedoch leider zu keinem Zeitpunkt erfüllt wird.

Musikalisch orientiert man sich wie erwartet schon ein wenig am ehemaligen Brötchengeber, bzw. auch an den ganzen Heerscharen anderer Prog Metal Bands, eine gesunde Portion Eigenständigkeit hätte aber einfach sein müssen! Natürlich verstehen alle Musiker ihr Handwerk, natürlich ist die Produktion gelungen, das Songwriting hat selbstverständlich auch ein gewisses Niveau, aber auf der ganzen CD ist nicht ein einziger Ton, den ich nicht schon von irgendeiner anderen Band in diesem Genre so oder so ähnlich gehört habe. Die Klampfen spielen die typischen Prog-Riffs und Stakkato-Geschichten, die Keys begleiten mit den üblichen Sounds, ohne Wagnisse einzugehen, Bass und Drums sind technisch perfekt, setzen aber ebenfalls kaum Akzente. Dem Meister selbst ist auch anzumerken, dass die letzten 18 Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind. In den höheren Lagen klingt er erschreckend dünn und teilweise wackelig, was er durch rauhere Tonlagen und viele mehrstimmige Passagen größtenteils erfolgreich versucht zu kaschieren. Die tieferen Linien klingen durchaus kompetent, aber leider auch nicht wirklich herausragend. Natürlich ändert das nichts daran, dass Mr. Dominici ein sehr starker Sänger war/ist, aber diese gewisse Magie, die seine Stimme zu etwas Besonderem machte, fehlt mir ganz einfach. Obwohl ich „When Dream And Day Unite“ mindestens 1000 mal gehört habe, hätte ich ihn ohne Vorwissen wahrscheinlich nicht einmal erkannt.
Was die Gesangslinien angeht, so klingen diese zwar routiniert, aber der Gänsehautfaktor tendiert leider gen Null, mir klingt das einfach zu normal und vorhersehbar.
Die CD mit dem über 8-minütigen Instrumentaltrack „The Monster“ beginnen zu lassen, war meiner Meinung nach ebenfalls nicht die beste Entscheidung, zumal einfach zu wenig passiert, das nachfolgende „Nowhere To Hide“ hätte da besser gepasst, obwohl ich auch diesen Song nicht unbedingt als Killer bezeichnen würde. Mit dem ruhigeren, melodischen „Captured“ und dem abschließenden, verschachtelten „A New Hope“ sind durchaus auch Highlights vorhanden, insgesamt ist mir das aber definitiv zu wenig.

Ich denke, man liest trotz der eindeutig negativen Tendenz aus den bisherigen Zeilen heraus, dass „O³ A Trilogy – Part 2“ (der erste, rein akustische Teil erschien bereits 2005 in Kleinauflage) nicht wirklich schlecht ist und jüngeren, nicht vorbelasteten Progfans vielleicht sogar richtig gut reinlaufen wird. Gäbe es keine glorreiche Vorgeschichte, wäre mein Gesamturteil wahrscheinlich auch positiver ausgefallen, aber da DOMINICI eben DOMINICI heißen und nicht PROGBAND X, beschwören sie den Vergleich mit der Vergangenheit ihres Frontmannes herauf und müssen auch mit den Konsequenzen leben. Ein nettes Progalbum mit einigen guten Ideen, das ist „O³ A Trilogy – Part 2“ geworden, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt wesentlich schlechtere Bands, aber eben auch bessere und vor allem innovativere.

Veröffentlichungstermin: 23.02.2007

Spielzeit: 54:32 Min.

Line-Up:
Charlie Dominici – vocals
Brian Maillard – guitar
Erik Atzeni – bass
Americo Rigoldi – keys
Yan Maillard – drums

Label: InsideOut

Homepage: http://www.dominici.com

Tracklist:
01. The Monster
02. Nowhere To Hide
03. Captured
04. Greed, The Evil Seed
05. School Of Pain
06. The Calling
07. The Real Life
08. The Cop
09. A New Hope

Ulle