DIVINE HERESY: Bleed the Fifth

DIVINE HERESY: Bleed the Fifth

Es gab eine Zeit, in der ich von Dino Cazares nicht mehr viel erwartet habe. Als FEAR FACTORY nach dem Split und der anschließenden Reunion das Fehlen ihres Gitarristen und Gründungsmitgliedes mehr als gut kompensiert haben und aus dem Hause Cazares überhaupt nichts zu hören war, habe ich ihn sogar schon für die Musikwelt abgeschrieben. Bis ich im letzten Jahr die Platte Christo Satanico von seinem Spanisch-sprachigen Projekt ASESINO in die Finger bekam. Ein dermaßen herrliches und gandenloses Geschrote von hasserfülltem Death-Metal – herrlich! Somit konnte ich es kaum erwarten, seine Variante der Nachfolge-Band zur Angstfabrik in meinen Player zu bekommen. Und hier ist sie nun – und erfüllt alle Erwartungen!
Neben dem schon bei ASESINO verstärkt durchgetretenen Gaspedal, das neben den altbekannten Stakkato und Groove-Riffs auch jede Menge Blast-Beats zu bieten hat, wird hier auch endlich wieder der großen Kunst der Refrain-Melodie ausgiebig gefrönt, die bei den Meuchelmördern etwas zu kurz kam. Und mit Nobody Tommy Vext wurde auch ein Sänger gefunden, der wie Burton C. Bell in seinen (offenbar vergangenen) besten Tagen singen kann, ohne wirklich so zu klingen. So gibt es dann auch die großen 80er Wave-Melodien und Gitarrenriffs mit cleanem Gesang und jede Menge Gänsehaut-Refrains.
Mit Tim Yeung (Ex- VITAL REMAINS ) wurde, um die Sache rund zu machen, dann noch ein Drummer gefunden, der Raymond Herrera definitiv das Wasser reichen kann. Und somit kann die große Stärke von Dinos Songwriting, nämlich das ultra-tighte Zusammenspiel von Drums und Gitarre, um eben jene Cyber-Metal-Androiden-Marsch-Riffs zu schaffen, im Kontrast zu großen Melodien voll zur Geltung kommen. Nebenbei wird dann noch geblastet wie Hölle.
Allerdings ist nur mit dem natürlich nahe liegenden und auch durchaus berechtigten Vergleich zu FEAR FACTORY die Platte nicht in ihrer Gänze beschrieben, denn sie ist zum einen härter und schneller, auch im Vergleich zu der Zeit, als Dino in der Fabrik noch mitgewirkt hat, zum anderen gibt es deutlich mehr klassischen Death-Metal in Form von Single-Note-Riffing mit Blast-Beats und sogar Gitarren-Soli. Eine Mischung, die auf dem Papier vielleicht kalkuliert klingt, im Gehörgang aber vollkommen homogen und natürlich zur Entfaltung kommt. Dino versucht nicht seinen Songwriting-Stil in die Zukunft zu überführen, sondern er tut es einfach. 12 Jahre nach Demanufacture klingt DIVINE HERESY so gut wie das Original, aber trotzdem auch wie eine komplett neue Band. Dino kopiert sich nicht selbst, sondern hat sich weiterentwickelt, seinen Stil erweitert und verbessert. Wenn dafür die lange Pause notwendig war, sei sie ihm zehnfach gegönnt.
Aber vor allem ist diese Platte eines, nämlich verdammt schnell. Nicht so sehr, was die Grundgeschwindigkeit angeht, die allerdings stellenweise auch manches Tempolimit überschreitet, sondern in erster Linie was das Songwriting angeht. Die Arrangements sind reduziert und erstaunlich effektiv, die einzelnen Parts recht kurz gehalten und die Songs auf diese Weise von Leerlauf befreit und sehr straff. Teilweise im Sekundentakt wird ein genialer Part an den anderen geschrotet, dass man als Hörer mit der Begeisterung fast nicht mehr nachkommt. Ein Song wie Failed Creation, mein Favorit auf der Platte, mit unglaublich kraftvollem Riffing und fast schon Black Metal-artigen Part in Strophe und Bridge, die in einem Orhwurm-Refrain münden, um dann noch einen draufzusetzen und in einem fast schon breitwand-kinoartigem Melodie-Part zu kulminieren, sind schon ganz große Songwriting-Schule. Das Ganze serviert in gerade mal dreieinhalb Minuten. Und von diesem Kaliber sind einige Kracher auf der Platte. Die Band klingt wie aus einem Guss und versprüht einen Enthusiasmus wie ein paar Kiddies auf der ersten Bandprobe oder als hätte jeder der Mitwirkenden nur drauf gewartet, endlich diese Platte machen zu können. Trotzdem merkt man natürlich, dass hier zum größten Teil alte Hasen am Werk sind, die genau wissen,was sie tun. Man kann nur hoffen, dass sie in dieser Besetzung (+ dem noch fehlenden Bassisten) lange zusammen bleibt.
Bleed the Fifth verkörpert alle Trademarks, die man erwarten konnte und sogar noch vieles mehr. Insgesamt ist diese Platte ein Indiz, dass sich Dino besser von FEAR FACTORY gelöst hat, als diese von ihm. Eine Entwicklung, die ich so nicht erwartet hätte. DIVINE HERESY fegen mit dieser Platte einen Großteil der jungen Konkurrenz im modernen Metal mit einem Handstreich von der Bildfläche, seien es nun MNEMIC oder THREAT SIGNAL oder wer auch immer. Und in der Angstfabrik können schonmal Sonderschichten gefahren werden, um hier noch einen drauf zu setzen.
Definitiv eine der Platten des Jahres!

Veröffentlichungstermin: 24.08.2007

Spielzeit: 38.55 Min.

Line-Up:
Tommy Vext – Vocals
Dino Cazares – Guitars + Bass
Tim Yeung Drums

Produziert von The Dirty Icon
Label: Roadrunner Records

Homepage: http://www.myspace.com/divineheresyband

Tracklist:
1. Bleed the Fifth
2. Failed Creation
3. This Threat is real
4. Impossible is nothing
5. Savior Self
6. Rise of the Scorned
7. False Gospel
8. Soul Decoder (Now and forever)
9. Royal Blood heresy
10.Closure