DIE APOKALYPTISCHEN REITER: Wilde Kinder

DIE APOKALYPTISCHEN REITER können auf eine lange, turbulente Zeit zurückblicken. Was 1995 mit wildem Grindcore begann, änderte sich über die Jahre zu einer Mixtur aus extremen, folkloristischen und symphonischen Klängen. Das Doppelalbum „The Divine Horsemen“ (2021) aus dem Vorjahr zauberte Fans der ersten Stunde ein Lächeln auf die Lippen, fiel es doch um eine Ecke härter, dreckiger und anarchischer aus, als man es von den Deutschen in letzter Zeit gewohnt war. Ein Jahr später steht mit „Wilde Kinder“ das nunmehr neunte Studioalbum der REITER in den Startlöchern und man darf gespannt sein, ob und wie sie uns anno 2022 überraschen.

Zwischen Grindcore & Folklore

Die erste Single „Volle Kraft“ überzeugt in gewohnter Manier mit stimmungsgeladenem Refrain und harten Riffs und Doublebass. Die Lyrics können als Art Kampfansage interpretiert werden und sind ein Motivator für jeden, der was Großes erreichen will. Die zweite Singleauskoppelung ist zugleich der Titeltrack „Wilde Kinder“. Hier wird der Härtegrad nochmals höhergeschraubt. Die Stakkato-Gitarrenriffs, gepaart mit den wilden Drums zu Beginn, könnten live schon den einen oder anderen Moshpit auslösen.

Die dritte Single hingegen schlägt schon wieder in eine ganz andere Kerbe. Die schwarzmetallischen, messerscharfen Gitarrenriffs werden leider von Gesangsparts unterbrochen, bevor wieder drauf los geknüppelt wird. Das macht „Euer Gott Ist der Tod“ wohl eher zu einem Dark-Metal-Track denn zu einer Black-Metal-Nummer.

Kommen wir nun mal zum Opener „Von Freiheit will ich singen“: Grundsätzlich ein starker Song, doch wirkt er etwas vorhersehbar. Ich erinnere mich nur zu gern an „Friede sei mit dir“ (2006) und da er thematisch in dieselbe Kerbe schlägt, wird es schwer diesen Titel zu toppen. Die Reiter philosophieren in ihren Texten gerne im folkloristischen Style, diesmal zu finden bei dem Track  „Blau“. Die Strophen werden mit akustischen Gitarren begleitet, bevor verzerrte Klänge versuchen, den Härtegrad nach oben zu schrauben. Doch schon allein bei Fuchs’ Gesang, verglichen mit dem Vorgänger „The Divine Horsemen“, gibt es einen Unterschied wie zwischen Tag und Nacht: Die extremere Phase der Reiter scheint leider nur ein kurzes Aufflackern gewesen zu sein – das schadet der Qualität von „Wilde Kinder“ nicht, es ist halt nicht mehr ein lupenreines Extreme-Metal-Album geworden. Ehrlich gesagt hatte das wohl auch kaum jemand erwartet.

Zwischen Genie Und Wahnsinn

Wenn die Thüringer Band ein neues Album am Start hat, steht es eigentlich konstant für neue Elemente, extremen Sound und das Kunststück, diese beiden Stilelemente auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Doch in der langen Bandgeschichte und den vielen Veröffentlichungen ist seit „All You Need Is Love“ ein stetiger Abwärtstrend festzustellen: Zu vorhersehbar und berechnend quillt das Soundgemisch aus den Boxen. Nur beim Vorgänger „The Divine Horsemen“ keimte so etwas wie Hoffnung auf, dass die Band wieder zu ihren Anfangstagen zurückfindet. Nichtsdestotrotz kann sich „Wilde Kinder“ problemlos in die Diskographie der APOKALYPTISCHEN REITER eingliedern: Auch dieses Album wird die Reitermania wieder aufleben lassen und die Hallen füllen.

Veröffentlichungsdatum: 22.04.2022

Label: Nuclear Blast

Spieldauer: 43:09

Line Up:

  • Fuchs – Gesang, Gitarre
  • Ady – Gitarre, Keyboard
  • Volk-Man – Bass
  • Sir G. – Schlagzeug Programming, Keyboard

DIE APOKALYPTISCHEN REITER “Wilde Kinder” Tracklist

  1. Von Freiheit will Ich singen
  2. Volle Kraft (Video bei YouTube)
  3. Alles ist gut
  4. Wilde Kinder (Video bei YouTube)
  5. Leinen los
  6. Euer Gott ist der Tod (Video bei YouTube)
  7. Nur frohen Mutes
  8. Blau
  9. Der Eisenhans
  10. Ich bin ein Mensch

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