DIARY ABOUT MY NIGHTMARES: Forbidden Anger

Solider Death Metal mit coolen Vocals, der sich jedoch nicht vom momentan Überangebot abgrenzen kann.

Das nennt man wohl einen klassischen Fehlstart. Anstatt Appetit auf die folgenden Minuten zu machen, erweckt das überlange Instrumental-Intro “Urt La Bu Tal” den Eindruck, eine Ansammlung von aneinander gereihten Riffs zu sein, die man nach den Aufnahmen noch übrig hatte und nicht wegwerfen wollte. Aber man soll ja nicht vorschnell urteilen. Das wäre auch nicht fair, da die übrigen Songs auf DIARY ABOUT MY NIGHTMARES‘ Zweitwerk “Forbidden Anger” alles andere als unfertig oder gar konstruiert wirken.

Schwedischer Death Metal ist das Stichwort: Brutal, groovend und von dezenten Melodien durchzogene Riffs sind Umschreibungen, die bei DIARY ABOUT MY NIGHTMARES wie die Faust aufs Auge passen. Eigenschaften, die so allerdings ebenfalls auf eine Unmenge anderer Bands zutrifft. Und das ist letztlich der springende Punkt, der dem Quintett vermutlich keinen leichten Stand in der Szene verschaffen wird.

Sängerin Antonie Mrusek beweits auf “Forbidden Anger” ein beachtliches Volumen

Spieltechnisch ist “Forbidden Anger” auf der Höhe, Songs wie “Hate”, “Lost In Lines” und “Forbidden Anger” mehr als annehmbar und stets mit der richtigen Balance zwischen Dampfhammer und Zugänglichkeit gesegnet, nur eben zeitgleich alles andere als revolutionär. Nun mag das sicherlich auch nicht der Anspruch von DIARY ABOUT MY NIGHTMARES sein, die Crux ist jedoch, dass dies unweigerlich die Argumente dezimiert, warum man sich beim aktuell herrschenden Überangebot ausgerechnet für die Braunschweiger entscheiden sollte.

Uptempo-Songs samt Blastattacken und eingestreute Tempowechsel, wie man sie beide in “Deathinfection” findet, haben andere Bands ebenso im Repertoire wie die Death Metal-Walzen mittleren Tempos à la “Ewigkeit”. Was man dort meist nicht findet, ist hingegen eine Sängerin wie Antonie Mrusek. So mächtig und inbrünstig hat sich schon lange keine Frau mehr durch ein Metal-Album gebrüllt. Als einziges definitives Kaufargument ist ihr Organ trotz eines beachtlichen Volumens zwischen Growls bis hin zu frostigen Screams indes natürlich nicht ausreichend.

DIARY ABOUT MY NIGHTMARES machen zu wenig aus ihren Möglichkeiten

Ich will “Forbidden Anger” keinesfalls schlecht reden, denn qualitativ sind DIARY ABOUT MY NIGHTMARES ohne Frage über dem Durchschnitt anzusiedeln, nur machen sie bislang noch zu wenig aus ihren Möglichkeiten. In der Formation steckt großes Potenzial, das Freunde von DISMEMBER oder vergleichbaren Bands schon jetzt erkennen sollten und das die Band auf ihrem nächsten Album hoffentlich vollständig abrufen kann. Und das ist im Übrigen eine Beobachtung, die weder ein Fehlstart noch eine zwar saubere, aber zu sehr auf die Bass Drum fixierte, Produktion widerlegen kann.

Veröffentlichungstermin: 19.02.2010

Spielzeit: 47:53 Min.

Line-Up:

Antonie Mrusek – Vocals
Daniel Thunig – Guitars
André Epp – Guitars
Mat Rahlmeyer – Bass
Regi Sukopp – Drums

Produziert von Jakob Hansen
Label: Unexploded Records

Homepage: http://www.damnmetal.de

DIARY ABOUT MY NIGHTMARES “Forbidden Anger” Tracklist

01. Urt La Bu Tal
02. Lost In Lines
03. Close To The Border
04. Deathinfection
05. Hate
06. Ewigkeit
07. First Class Suicide
08. Forbidden Anger
09. Across The Street
10. Hall Of Fame