CULTED: Below the Thunders of the Upper Deep

Fertigster und finsterster Doom, allerdings mit nicht unerheblichen Schwächen.

Willkommen im einundzwanzigsten Jahrhundert. Die Aussichten sind pechschwarz, die Prophezeiungen verschiedenster dystopischer Romane bewahrheiten sich auf die eine oder andere Weise und die Menschen kommunizieren nicht mehr auf greifbaren Ebenen miteinander. So wie CULTED. Eine Band, deren Musiker sich noch niemals im wahren Leben begegnet sind. Und diese Band veröffentlicht jetzt ihr Debütalbum, das so schwarz ist, dass angeborene Blindheit wie ein schillerndes Lichtermeer wirk.

Below the Thunders of the Upper Deep klingt dabei so weit, wie die Entfernung der Wohnorte der einzelnen Musiker. Von Schweden nach Kanada kommst du nicht mal eben in einer halben Stunde, alles läuft virtuell ab, jeder kocht sein eigenes Süppchen. Ganz so schlimm klingt dieser üble Brocken fertigsten Dooms allerdings nicht. Aber CULTED scheinen eben doch weniger eine Einheit zu sein, als viel mehr vier einzelne Individuen. Und doch trifft sich die Musik stilistisch sehr gut in der Mitte, mit kellertiefen Riffs, leisen, verzweifelt klingenden Leadgitarren, mit bizarren Synthesizern, mit aus verlassenen Räumen polterndem Drumming und mit dem nihilistischem Geschrei des Black Metal. Das mit anderen Bands zu vergleichen fällt schwer, aber hier und da wirst du doch mal an ESOTERIC erinnert und dann wieder an BURNING WITCH.

In den sechs größtenteils überlangen Songs von Below the Thunders of the Upper Deep kannst du dich allerdings nicht so sehr verlieren, wie in den spannenden Kompositionen anderer Bands. Auch wenn sich oft eine ungeheuer dichte Atmosphäre aufbaut, einem unheimlichem Nebel gleich, ist das, was in diesem Nebel ist, oftmals ernüchternd. Wie in Social Control und Gunburn, die verdammt spannend beginnen, dann zu wenig bieten, um durchgehend spannend zu bleiben. Denn die Riffs in diesem Dunkel könnten intensiver und spannender sein, bizarrer, wie bei KHANATE beispielsweise. Auch das kurze Heel on Your Neck, sowie Place of Skulls haben keine wirklichen greifbaren Stellen, sie doomen viel zu sehr vor sich hin, ohne Auflockerung und Highlights. Richtig gelungen sind nur der frostige Opener Tyrant Cold und der ultrafinstere Ausklang The Latter Fire mit seinen morbiden Klavier-Einsprengseln.

Zu einem gewissen Teil liegt dieser gespaltene Eindruck an der schwachen Produktion, die vielleicht rau und erdig klingt, aber leider eher für ein zerfahrenes Klangbild sorgt. Einerseits ist diese recht originell und unheimlich, andererseits wirkt sie so unnahbar, dass die Musik nicht immer berührt, gerade die Gitarren klingen nach LoFi, aber eben nicht gekonnt. Below the Thunders of the Upper Deep enttäuscht somit doch ein wenig, vor allem nach den vollmundigen Ankündigungen des Labels. Fakt ist, nach vielen Durchläufen ist einige gewisse Ernüchterung, und kein Eintauchen in eine verrauchte, doomige Drogenhölle angesagt. CULTED beweisen Potenzial, können das aber in keinster Weise ausschöpfen. Was sich vielleicht ändern könnte, wenn sie künftig zusammen in einem Raum neues Material erschaffen würden. Bis dahin kann in dieses Debütalbum reingehört werden, 2009 gibt es aber – so leid es mir tut – wichtigere Doom-Alben.

Veröffentlichungstermin: 24. Juli 2009

Spielzeit: 46:23 Min.

Line-Up:
Daniel Jansson – Vocals, Ambience
Michael Klassen – Guitar, Bass, Percussion, Noise
Matthias Friesen – Guitar, Bass, Percussion, Noise
Kevin Stevenson – Drums

Label: Relapse Records
MySpace: http://www.myspace.com/culted

Tracklist:
1. Tyrant Cold
2. Social Control
3. Place of Skulls
4. Heel on Your Neck
5. Gunburn
6. The Latter Fire