AMARANTHE: Amaranthe

AMARANTHE: Amaranthe

Die Unsitte, langweilige Bandfotos auf das Albumcover zu klatschen, ist lange nicht mehr auf den Pop-Bereich beschränkt, sondern hat zusehends auch im Metal Fuß gefasst. Jedenfalls im Modern Metal, der ja ohnehin stark mit poppigen Anleihen flirtet. AMARANTHE sind, obwohl noch Neulinge im Geschäft, nicht nur musikalisch so etwas wie der Prototyp dieses Subgenres und tragen auf ihrem Debüt die Trademarks, die zuvor SONIC SYNDICATE schon im großen Stil ins Kinderzimmer gebracht haben, ganz unverhohlen zur Schau.

Dass die sechs Musiker aus Göteborg stammen, ist ob der schwedischen, nicht selten an neuere IN FLAMES erinnernden, Riffs nur logisch, während das unablässige Synthesizer-Bombardement wesentlich zum eingängigen Fundament AMARANTHEs beiträgt. Tatsächlich gibt es in „1.000.000 Lightyears“, „Leave Everything Behind“, dem tanzbaren Discostampfer „Call Out My Name“ und dem Albumhit „Serendipity“ kaum einen Moment, an dem es nicht im Hintergrund zischt, summt oder klimpert. Im Grunde ist also alles wie gehabt, wenn die beiden Sänger Jake und Elize sich gegenseitig mit zuckersüßen Melodien und radiotauglichen Refrains wie in „Automatic“ übertrumpfen und Andy, der das Frontergespann zum Trio komplettiert, mittels ergänzender Screams einen Hauch von Aggressivität beisteuert.

„Amaranthe“ entstammt der Feder einer Band, die von möglichst vielen gehört werden will

Doch ist die selbstredend nur Fassade; ein kleines Stilmittel, um die Livetauglichkeit zu untermauern. Denn eine kalkuliert-kitschige Ballade wie „Amaranthine“ entstammt der Feder einer Band, die gehört werden will – und zwar am besten von möglichst vielen Leuten. Ein Vorhaben, dessen Erfolg nicht unwahrscheinlich ist, denn bei aller Oberflächlichkeit, die dieses von Natur aus seichte Genre mit sich bringt, triefen die zwölf Songs nur vor Hitpotenzial und sind im Vergleich zu SONIC SYNDICATE in jeder Hinsicht konkurrenzfähig. Das mag keine allzu große Kunst sein – da brauchen wir uns nichts vormachen – doch ist das rundum professionell produzierte „Amaranthe“ für das, was es ist, nämlich ein antreibendes Pop-Metal-Album, durchaus einen kurzen Blick hinter das einschläfernde Frontcover wert, bevor man seine Aufmerksamkeit wieder wichtigeren Dingen widmet.

Veröffentlichungstermin: 29.04.2011

Spielzeit: 42:53 Min.

Line-Up:
Jake – Vocals
Andy – Vocals
Elize – Vocals
Olof – Guitar, Keyboards
Johan – Bass
Morten – Drums

Produziert von Jacob Hansen
Label: Spinefarm Records / Soulfood

AMARANTHE „Amaranthe“ Tracklist

01. Leave Everything Behind
02. Hunger (Video bei YouTube)
03. 1.000.000 Lightyears (Video bei YouTube)
04. Automatic
05. My Transition
06. Amaranthine (Video bei YouTube)
07. Rain
08. Call Out My Name
09. Enter the Maze
10. Director’s Cut
11. Act of Desperation
12. Serendipity

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.