Jahresrückblick 2018 von Andrea

at-the-gates-mirror-black-rob-millerMein Album des Jahres: AT THE GATES: To Drink From The Night Itself

Wenn AT THE GATES etwas machen, dann machen sie es richtig. Ohne Kompromisse, ohne Zugeständnisse. AT THE GATES sind die Streber unter den skandinavischen Death Metal-Bands. Raffinierter, eigenständiger, klüger als die anderen – und spätestens mit “Slaughter Of The Soul” stilprägend und Inspiration für unzählige Death Metal-Bands. Und ich bleibe dabei, mit „To Drink From The Night Itself“ haben sie sich selbst übertroffen.

 

 

The-Crown-Cobra-Speed-venomTHE CROWN „Cobra Speed Venom“

Meine Lieblingsband ist wieder da – und diesmal in alter Stärke. THE CROWN nehmen sich alles, was ihnen gefällt und mischen aus Blastbeats, MORBID ANGEL-Riffs und AT THE GATES-Leads, einer großen Portion Punk-Attitude und MOTÖRHEAD-Rock ‘n’ Roll einen Brandsatz, der sofort in die Luft geht. “Cobra Speed Venom” ist praktisch ein Best-of aus dem unbekümmerten Fuck-You-Mentalität von “Deathrace King“, der Vielseitigkeit und Abwechslung von “Possessed 13” sowie der schieren Brutalität von “Crowned In Terror

 

 

abhorrence_cover_MegalohydrothalassophobicABHORRENCE: Megalohydrothalassophobic

ABHORRENCE brauchen nicht mal eine halbe Stunde, um den ewigen Schlaf von Cthulhu zu beenden. H.P. Lovecrafts mythologische Gestalt mit dem Tentakelgesicht erhebt sich aus dem Meer und bringt das Verderben – und im Hintergrund lärmen ABHORRENCE und zeigen, wie man Old-School-Death Metal mal schleppend, mal im Grindcore-Tempo spielt und dabei alles und jeden mitreißt.

 

 

black-royal-lightbringer-coverBLACK ROYAL: Lightbringer

BLACK ROYAL haben einen schmutzigen, kleinen und gemeinen Bastard aus Death ’n‘ Roll, Sludge und alles niederdrückenden Doom-Riffs erschaffen, der mal eben alles weggroovt. Mal eben herhören, ENTOMBED und ENTOMBED A.D.: So  könntet ihr inzwischen auch klingen, wenn ihr euch in den letzten Jahren auf neue Songs statt eure Namensstreitigkeiten konzentriert hättet.

 

 

es-war-mord-tod-im-garten-coverES WAR MORD: Tod im Garten

ES WAR MORD sind eine dieser schlauen und dadurch noch viel unbequemeren Punk-Bands: Sie sind angepisst, üben Kritik und zeigen Haltung – aber eben nicht mit altbekannten Parolen, sondern mit neuen Wörtern und neuen Metaphern. Da dürfen’s dann auch mehr als drei Akkorde pro Song sein. Und deshalb sind sie nach 2017 auch 2018 in meiner Jahresbestliste.

 

 

bloodbath-arrow-of-satan-coverBLOODBATH: The Arrow of Satan Is Drawn

BLOODBATH haben sich für dieses Album nicht nur eines der gruseligsten Cover der letzten Jahre ausgesucht, sie zeigen vielen jungen Bands auch, wo’s in Richtung Death Metal langgeht.

 

 

tribulation-down-below-cd-coverTRIBULATION: Down Below

Mit “Down Below” haben TRIBULATION ihre magische Formel perfektioniert: Da ist noch ein bisschen vom rauen, ungestümen Blackend Death Metal der ganz frühen Alben, da ist ein bisschen Dark Rock, und da ist richtig viel Atmosphäre, dunkel, spooky, unheimlich, und trotzdem unwiderstehlich, eingängig und packend. Das ist Gothic wie aus dem 18. Jahrhundert – ohne Samt, Seide und Spitze in Schwarz, dafür mit finsteren Verliesen, verlassenen Friedhöfen und übernatürlichen Horrorerlebnissen fern vom Hollywood-Hochglanz Dracula.

 

CHAPEL-OF-DISEASE-and-as-We-Have-SeenCHAPEL OF DISEASE: And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye

Ich liebe Death Metal und ich liebe FIELDS OF THE NEPHILIM. Das ganze Album ist bemerkenswert, absolut überragend ist der letzte Song: Mit „The Sound Of Shallow Grey“ haben mich CHAPEL OF DISEASE zum Fan gemacht. Hier traut sich endlich mal wieder eine Band, etwas Neues und Unerhörtes zu machen!

 

 

mantar-the-art-of-setting-coverMANTAR: The Modern Art Of Setting Ablaze

Krach machen, Krawall machen, kaputt machen: Das können MANTAR! Was 2014 von MANTAR selbst noch als Schnittmenge aus DARKTHRONE, MOTÖRHEAD und den MELVINS bezeichnet wurde, ist inzwischen etwas ganz und gar Eigenständiges. Da steckt viel dreckiger Punk drin, rasender Black Metal, wuchtigster Sludge – zusammengeschmolzen zu einem Klumpen, der hier und da noch grobe Einschlüsse seiner Einzelelemente zeigt, im Ganzen aber unter seinen rauhen, unpolierten Oberfläche eine faszinierende Schönheit hat.

 

septic-tank-rotting-civilisation-coverSEPTIC TANK: Rotting Civilisation

Noch so ein Allstar-Ding: Lee Dorian und Kollegen mischen eine ordentliche Schippe Dreck, schweißtreibenden Punk und aggressiven Hardcore und zeigen eine generelle Gleichgültigkeit gegen über Weiterentwicklung, progressiven Strukturen und elaborierten Songs. Stattdessen gibt’s einen wüsten Hardcore-Thrash-Mix, der herzerwärmend altmodisch aus den Boxen rumpelt.

 

 

Enttäuscht war ich von AMORPHIS:  „Queen Of Time“ gefällt mir einfach nicht. AMORPHIS hatten bislang das seltene Kunststück geschafft, von Album zu Album etwas anders zu klingen und gleichzeitig ihren eigenen Stil zu behalten. Auf “Queen Of Time” haben AMORPHIS aber ihre Seele irgendwo im Orchestergraben versenkt – jeder Song ist vollgestopft mit unnötigem Geschwurbel, und bin der Meinung, dass AMORPHIS einfach keine Orchester-Begleitung brauchen.

Und auch eine zweite Band, die ich sehr schätze, machte es mir 2018 schwer: VOIVOD klingen auf „The Wake“ zwar nach VOIVOD, aber die Kanadier waren schon mal viel besser. Da haben auch alle Versuche, sich das Album schön zu hören, nichts gebracht. Und ich bin verdammt gut im Schönhören!

 

Es war ein Fest für Fans: THE CROWN spielen in Mannheim vor gerade mal 80 Leuten (wo bitteschön wart ihr alle?!) und lassen sich davin nicht im Geringsten beeindrucken, sondern geben alles. Wo andere Bands im Alter ein wenig ruhiger werden und der Zeiger der Waage auch gerne mal weiter nach rechts ausschlägt, wirken THE CROWN auf jeder Tour fitter.

Absolut beeindruckend waren MANTAR in Stuttgart, zwei Mann, eine Gitarre, ein Schlagzeug und eine PA – mehr braucht’s nicht für eine Orgie der (Selbst)Zerstörung.

Ein besonderes Erlebnis waren NEW MODEL ARMY in London: Eigentlich wollten wir zu einem ganz anderen Konzert, das wurde aber abgesagt. Mit einer unfassbaren Portion Glück (und ein bisschen Durchhaltevermögen) haben wir dann Karten für Night Of A Thousand Voices in der The Round Chapel, einer alten Kapelle, ergattert. Das Besondere: 500 Zuschauer bekamen die Songtexte in die Hand gedrückt und die Aufforderung während des Akustk-Sets mitzusingen. Das war tatsächlich magisch.

AHAB-Konzertfoto_Stuttgart800Einen ungewöhnlich intensiver Konzertabend erlebte ich schon im Januar: AHAB und NAILED TO OBSCURITY verzauberten den Club Cann.

 

Man fährt für ein Wochenende nach Hamburg, trifft dort zufällig (!!) Stef und Karin (die nicht etwa im Norden, sondern auch im Süden leben) und erlebt im Schlemmereck einen der lässigsten Abende der letzten zwölf Monate. Und: Nach etlichen Jahren schaffen es das vampster-Team endlich mal wieder fast vollzählig zu einem Treffen!

 

Die überraschendste Erkenntnis kam im Dezember: RAMMSTEIN sind schlauer als ich dachte, hinter dem ganzen KnallBumPeng steckt ein sehr schräger Humor. Hat zwar Jahre gedauert, bis ich das geschnallt habe, hat mir aber aber gerade während der Vorweihnachtszeit unglaublich viel Spaß gemacht.

 

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...