THE MISSING: Staffel 1 [3DVD bzw. 2Bluray]

THE MISSING: Staffel 1 [3DVD bzw. 2Bluray]

Hat schon eine Weile gedauert, Hauptdarsteller James Nesbitt kam mir total bekannt vor. Erst als ein zweites vertrautes Gesicht auftauchte hat es Klick gemacht: DER HOBBIT! Der Nordire hat dort den Zwerg Bofur gespielt, und später taucht halt auch noch Zwergensenior Balin auf. Während jedoch die tapferen kleinen Gesellen spannende Abenteuer in der großen Welt von Mittelerde erleben, bricht im BBC-Drama „The Missing“ die kleine Welt von Tony Hughes (James Nesbitt) und seiner Frau Emily (Frances O´Connor) komplett zusammen, als der fünfjährige Sohn Oliver beim Urlaub in Frankreich verschwindet.

Kein ganz neues Thema, Filme mit verschwundenen Kindern gibt es einige. Aber so intensiv wie in „The Missing“ hat man das noch nicht erlebt. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, einmal 2006 direkt zum Zeitpunkt des Geschehens und in der aktuellen Zeit 2014. Denn Vater Tony Hughes findet sich nicht mit dem Verschwinden seines Kindes ab, jagt fanatisch und zerrissen jeder noch so kleinen Spur nach. Die Ehe mit Emily ist bereits daran zerbrochen, auch ist Tony mittlerweile alles andere als der leidende, tieftraurige Heul-Papa. Ihm steht – fantastisch gespielt von Nesbitt – der Wahnsinn ins Gesicht geschrieben, und er verliert sich immer mehr in seinem Wahn und der Manie, seinen Sohn zu finden. Unterstützung findet er beim erfahrenen Ermittler Julien Baptiste (Tchéky Karyo). Und ja, irgendwann tuen sich Spuren auf, die Tony Hughes Recht geben. Von vielen Seiten werden ihm Steine in den Weg gelegt, jede neue Person gibt Rätsel auf, Ex-Frau Emily ist überfordert und sucht Halt in eine neuen Beziehung. Selbst der scheinbar einzig hilfreiche Baptiste hat seine privaten Dramen, die es ihm schwer machen, den Fall weiterzuführen. Und trotzdem steht er Hughes auch nach seiner Pension zur Seite. Immer neue Kontakte tauchen auf, die werden immer undurchsichtiger, und irgendwie scheint jeder mehr zu wissen als er vorgibt, sehr viel mehr! Dass die Serie hauptsächlich in Belgien gedreht wurde und nur wenige Elemente in den dargestellten Schauplätzen Paris und London fällt nicht ins Gewicht. Produktion und Optik der Serie wirken trotzdem passend wie ein Mix aus typisch französischem Drama und düsteren britischen Krimis. Dass es bereits eine zweite Staffel gibt soll nicht verwirren, beide Staffeln haben eine eigene, abgeschlossene Handlung. Hier stimmen Bildtechnik, der ausdrucksstarke, subjektiv gar nicht so auffällige Soundtrack und auch die Synchronisation. Wo man bei britischen Produktionen doch gern die Originalspur vorzieht, passt hier wirklich alles.

Es macht nicht wirklich Sinn, tiefer auf die Story und ihre Entwicklung einzugehen, zu viel passiert, verwirrt, lässt erahnen, dass es um viel mehr geht als um den verschwundenen Oliver. Zunehmend wird es erschreckender, zermürbender und auch brutaler. Daher diese Rezension auch vor der finalen Folge, hier zum Ende der vorletzten hat man schon so viel durchlebt, dass man den Showdown ohne Kopfarbeit fürs Review durchleben möchte. Eben jener letzte Teil lief kürzlich im ZDF, ausgestrahlt wurde die Serie in vier Folgen. Aber die Serie ist so intensiv und lässt so viele Fragen entstehen, auch weil die Emotionen von den Schauspielern so intensiv aus dem Fernseher zum Zuschauer getragen werden, dass für das eigene Mitdenken oft kein Raum bleibt, sodass man mit einmal anschauen nicht weit kommt. Dazu kann man sich als Zugabe interessante Kommentare anschauen und sich zwei Dokus zur Serie ansehen. Das beigelegte Blatt mit den Folgen hingegen gibt nicht viel her.

Wer selber Kinder hat, der wird vielleicht die emotionale Intensität verstehen, die diese Serie so hart vermittelt. Dies ist definitiv kein Hollywood-Heulstreifen und nichts für schwache Gemüter, eben weil es so brutal echt erscheint und schlimme Dinge passieren. Wirklich jeder, auch abseits des Kreises der Hauptpersonen, spielt als lebten sie dieses Drama tatsächlich. Und wie krank alles auch wirkt, man ist sich durchgehend bewusst, dass so etwas tatsächlich um uns herum passieren könnte. Nach dem „Genuss“ der ersten Folgen schaut man schon mal genauer auf die eigenen Kinder. Nicht viele Serien berühren und fesseln so sehr wie „The Missing“. Wer mit wirklich schwerer Kost klar kommt sollte sich mit „The Missing“ einen fesselnden Thriller mit typisch französischem Drama und düsterem britischen Krimifeeling zulegen!

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Studio: Edel Germany GmbH
Regisseur: Tom Shankland

Erscheinungstermin: 21. April 2017
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 480 Minuten

Folgen:
1. Eden
2. Bete für mich
3. Die Versammlung
4. Schuld
5. Molly
6. Beton
7. Rückkehr nach Eden
8. Bis dass der Tod …

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!