IN EXTREMO: Am Goldenen Rhein [DVD]

IN EXTREMO: Am Goldenen Rhein [DVD]

Ich muss gestehen, ich war im Vorfeld sehr skeptisch, ob eine DVD wie Am goldenen Rhein überhaupt eine Daseinsberechtigung hat, schließlich liegen zwischen ihr und dem Vorgänger Raue Spree zeitlich zwar drei Jahre, aber eben nur ein richtiges Studioalbum. Nun, da mir das gute Stück endlich vorliegt, darf ich guten Gewissens feststellen, dass meine Zweifel unberechtigt waren. Denn Am goldenen Rhein ist nichts weniger, als eine Verbesserung in nahezu allen Bereichen.

Herzstück der DVD ist ein 112-minütiger Mitschnitt der Sängerkrieg-Tour vom 17. Dezember 2008 aus dem Kölner Palladium. Dieses ist auch gut gefüllt und bietet somit die besten Rahmenbedingungen für eine gelungene Konzert-DVD. Die Show selbst ist glücklicherweise keine bloße Kopie der Mein Rasend Herz-Tour, sondern bietet neben einer umgekrempelten Setliste auch einen generalüberholten Bühnenaufbau. Das Schiff der vergangenen Jahre ist einer schlichteren, mehrstöckigen Aufbaut gewichen, die ab Ave Maria von emporfahrenden LED-Panels im Hintergrund ergänzt wird. Diese neue optische Komponente sorgt für frischen Wind im Set von IN EXTREMO und generiert zusammen mit der neu gestalteten und endlich richtig guten Lichtshow einige wunderbare Schauwerte. Natürlich gibt es diese auch in Form von zahlreichen Pyroeffekten, die im Vergleich zur letzten Tour noch einmal an Quantität zugenommen haben. So wurden die großen Flammenwerfer an der vorderen Bühnenkante von vier auf sechs Stück aufgestockt und liefern unter anderem bei Sängerkrieg und dem obligatorischen Rausschmeißer Villeman Og Magnhild ein Bild, das man nicht so schnell wieder vergisst. Insgesamt knallt es auf Am goldenen Rhein bei sage und schreibe 13 von 23 Liedern – mehr wäre pure Angeberei. Die Songauswahl konzentriert sich logischerweise stark auf das letzte Album, hat mit Ai Vis Lolop, Hiemali Tempore, Nymphenzeit und Krummavísur aber auch eine ganze Reihe Klassiker im Programm, die auf Raue Spree nicht zum Zuge kommen durften. Die gemeinsame Schnittmenge beider DVDs entspricht zehn Stücken; gut über die Hälfte ist auf Am goldenen Rhein somit neu. Aber all das Drumherum nützt natürlich wenig, wenn der Auftritt selbst langweilt. Doch keine Sorge, auch hier kann Entwarnung gegeben werden. IN EXTREMO präsentieren sich so spielfreudig wie nie, sind motiviert und untereinander nie um ein paar Späßchen verlegen. Vor allem Dr. Pymonte ist mit kleinen Blödeleien beim Zuschauer und sogar bei Frontmann Micha immer wieder für einen Lacher gut. Kein Wunder, dass diese Energie schnell auch aufs Publikum übergreift. Beste Konzertstimmung ist garantiert!

Das Bild der DVD ist im Großen und Ganzen gut gelungen und eine Steigerung zum arg blassen Transfer von Raue Spree. Die Farben sind satt und kräftig, die Bildschärfe gut, wenngleich auch ein Stück entfernt vom Referenzmaterial von SCHANDMAULs Sinnfonie. Getrübt wird der sonst überzeugende Eindruck einzig von der stark körnigen Krankamera, die im Vergleich zum Rest qualitativ deutlich zurückfällt. Positiv sticht vor allem der Ton, wahlweise in Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1 oder DTS 5.1, hervor. Der Mix ist hervorragend, klingt satt und dabei doch wesentlich natürlicher als die Abmischung des stark nachbearbeiteten Vorgängers. Auf zusätzliche Overdubs, ob mit Gitarre oder beim Gesang, haben IN EXTREMO diesmal verzichtet. Stattdessen wird Authentizität groß geschrieben und das, obwohl bereits im Vorfeld angekündigt wurde, dass ein missglückter Pyroeffekt bei Ai Vis Lolop nachgedreht wurde. Dessen Einbindung wurde jedoch geschickt vorgenommen und da man zudem von weiteren Änderungen abgesehen hat, ja sogar die verfrüht gezündeten Funkenfontänen bei Poc Vecem unangetastet ließ, kann bei Am golden Rhein von der sympathischsten und insgesamt auch besten Live-DVD der Mittelalter-Rocker sprechen.

IN EXTREMO-Fans machen mit einem Kauf also rein gar nichts falsch. Wer bereits zufriedener Besitzer von Raue Spree ist und nicht nach weiteren Live-Dokumenten lechzt, muss Am Goldenen Rhein nicht zwingenderweise haben. Bereuen dürften es diejenigen aber trotzdem nicht, da das Kölner Konzert toll eingefangen wurde und auch das Bonusmaterial mit einer 25-minütigen Hintergrunddoku sowie allen bisherigen Videoclips (in leicht komprimierter Form) zu gefallen weiß.

Veröffentlichungstermin: 15.05.2009

Spielzeit: 166 Min.

Line-Up:
Das letzte Einhorn: Gesang, Cyster
Flex der Biegsame: Sackpfeifen, Drehleier, Schalmeien, Uilleann Pipes, Tin Whistle
Yellow Pfeiffer: Sackpfeifen, Nyckelharpa, Schalmeien
Dr. Pymonte: Dudelsäcke, Pommer, Harfe, Hackbrett, Trumscheit
Van Lange: Gitarren, Cyster
Die Lutter: Bass
Der Morgenstern: Schlagzeug

Produziert von QFilm
Label: Universal Music Group

Homepage: http://www.inextremo.de

MySpace: http://www.myspace.com/officialinextremo

Tracklist:
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Ton: DTS 5.1, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0 Stereo

Konzert ca. 112 Min.:

01. Des Sängers Einzug
02. Sieben Köche
03. Frei Zu Sein
04. Liam
05. Hiemali Tempore
06. Sängerkrieg
07. Nymphenzeit
08. Ave Maria
09. Spielmannsfluch
10. Poc Vecem
11. Vollmond
12. En Esta Noche
13. Ai Vis Lolop
14. Zauberspruch
15. In diesem Licht
16. Flaschenpost
17. Mein Rasend Herz
18. Mein Sehnen
19. Omnia Sol Temporat
20. Auf´s Leben
21. Küss Mich
22. Krummavísur
23. Wind
24. Villeman Og Magnhild

En Esta Noche – Auf Tour mit IN EXTREMO – ca. 23 Min.
Videoclips – ca. 31 Minuten
– This Corrosion
– Vollmond
– Wind
– Küss Mich
– Erdbeermund
– Nur Ihr Allein
– Horizont
– Frei Zu Sein

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