DAVID GILMOUR: Live At Pompeii [Blu ray]

DAVID GILMOUR: Live At Pompeii [Blu ray]

Klar, PINK FLOYD live, da denkt man sehr schnell an das besondere Konzert „In Pompeii“, wo die Band im Oktber 1971 ohne Publikum spielte und sich musikalisch recht frei in den Songs bewegte. Dass nun DAVID GILMOUR im Juli 2016 dorthin zurückkehrte und an zwei Abenden vor jeweils 3000 Fans spielte, begleitet von einer großen Produktion und mit einer hervorragenden Begleitband – mit seinen bei diesen Shows 70 Jahren will es der Mann nochmal wissen. Und wie üblich bei den Live-Shows von den späten PINK FLOYD oder eben GILMOUR selbst gibt es neben großartiger Musik auch was für Ohr und Auge, sprich einen tollen Sound und eine groß ausgelegt Licht- und Lasershow.

Im letzten Licht des Tages liegt der Himmel im farblosen Grau, bedrohlich im Hintergrund der Vesuv. Beeindruckend die ersten Bilder aus der Luft, während es auch im Amphitheater ganz groß wird. Beim Intro „5 A.M.“ liegt der Fokus gleich auf dem Mann, der aus dem Pool der großen Musiker so sehr herausragt, obwohl er als reifer Herr im Einkaufszentrum unerkannt an einem vorbeischlendern könnte ohne Superstar-Gehabe. So passt es, das er gleich den Titelsong seines letzten Albums präsentiert, groovy und gutgelaunt gibt es „Rattle That Lock“. Unfair, wo ich doch das Album in schicker limitierter Auflage schlichtweg nicht wiederfinde, es ist ein Drama. Dramatisch setzt sich auch der Mond in Szene, toll eingefangen für das ruhige „Faces Of Stone“. Überhaupt sind es die Aufnahmen des Großen, des Amphitheaters und der Umgebung, die begeistern können. Die Lichtspiele auf der Bühne und die Ausleuchtung des antiken Ortes sind durchweg wunderschön. Dazu gibt es den gigantischen runden Monitor, der immer wieder mal statt Bildern von der Bühne passende Filme und Bilder zu den Songs zeigt oder einfach als zentrales Lichtwerk dient. Das alles stimmig, nie überzogen oder gar zu viel, gerade wenn die Kamera weit zurück fährt gibt es immer wieder Wow-Momente.

Das lenkt aber selten ab von den Musikern und den dargebotenen Songs. Wer PINK FLOYD´s „Live At Pompeii“ kennt, der weiß, dass die Band sich hier ausgelebt hat und ihrer Musikalität und künstlerischem Wahnsinn freien Lauf gelassen hat. Und auch DAVID GILMOUR bewegt sich bei den PINK FLOYD-Songs erfreulich frei und nimmt sich und seinen fantastischen Mitmusikern die Freiheit, den vertrauten Songs einen eigenen Touch zu geben. Eben mit diesen Mitmusikern hat er wohl alles richtig gemacht. Jedem sieht man an, dass er/sie konzentriert, aber mit viel Spaß dabei ist und definitiv nicht nur einen Job erfüllen. Der Backing-Chor ist fantastisch, später kriegen die zwei Damen und der durchtrainierte Herr auch Gelegenheit, sich einzeln in den Fokus zu schieben. Total sympathisch Chester Kamen (u.a. PAUL MCCARTNEY, MADONNA, BRYAN FERRY, ROGER WATERS) an der zweiten Gitarre oder Guy Pratt am Bass (u.a. DAVID BOWIE, MICHAEL JACKSON, MADONNA). Irgendwie unpassend im Gesamtbild wirkt optisch Chuck Leavell, natürlich gehört dieses Gesicht zur ALLMAN BROTHER BAND. Ein echter reifer Saloon-Typ, Südstaaten-Rocker halt. Aber gerade dass er so anders ist macht ihn zu einem angenehmen Blickfang, der an seinen Keyboards natürlich einen super Job macht. Drummer Steve DiStanislao (u.a CROSBY, STILLS & NASH, DON FELDER, JOE WALSH) wirkt wie ein Jüngling zwischen den reifen Herren, Keyboarder Greg Phillinganes (u.a. ERIC CLAPTON, STEVIE WONDER, TOTO) wie ein ruhender Pol, der fast unauffällig einen wichtigen Part im Gesamtsound erfüllt. Hier und da taucht Joao Mello mal auf, meist am Saxophon, und dann richtig beeindruckend.

Trotz toller Musiker steht DAVID GILMOUR im Mittelpunkt

Man hat fast ein schlechtes Gewissen, sich meist auf den Hausherrn zu konzentrieren. Der zeigt sich als Typ bodenständig und sympathisch, den wünscht man sich als Nachbarn. Seine Stimme ist wirklich klasse, angenehm etwas angeraut, immerhin ist er hier auf der Bühne zarte 70 Jahre alt. Und wenn er zur Gitarre greift, dann ist Abflug angesagt, jeder Ton sitzt, dieser eine auftauchende etwas schräge Ton später ist fast ein willkommener Moment. Nett zu sehen, dass er selbst Herr seiner Töne bleiben will. Kein Stageman versteckt am Bühnenrand, der die Effekte für den Künstler bedient. Dem Alter entsprechend (sorry) hat GILMOUR seine Effektsammlung in Griffhöhe hinter sich stehen und bedient sie selber. Immer wieder greift er auch zur Pedal Steel Guitar, die gern ein wenig Country-Flair verbreitet. Und natürlich zur Akustikgitarre, natürlich schwebt man bei „Wish You Were Here“ davon. Natürlich singt das komplette Publikum mit. Man hört und sieht es nicht, aber man weiß es einfach.

Handy-Alarm selbst bei DAVID GILMOUR

Stichwort Publikum: die Kamerafahrten im nun komplett nachtschwarzen Umfeld zeigen es wieder erschreckend. In der überschaubaren Menge, bedingt durch den limitierten Platz in der Arena, leuchten überall die Smartphones. Da erlebt man ein so großartiges Konzert, und man verpasst es, weil man nur mit dem Handy beschäftigt ist, auf dem man sich später das verwackelte Konzert anschauen kann. Werd ich nie verstehen, man sollte doch die Größe und die Atmosphäre des Ereignisses spüren und leben. Aber mich fragt ja keiner… Egal, „Money“ kommt zu groß, um sich weiter aufzuregen. Die Lichtarrangements sind wieder unfassbar. Wieder schaut man Herrn Gilmour auf die Finger und stellt fest, dass er gar nicht viel macht. Aber was dabei rauskommt, das bleibt einzigartig. Das bedrückende, nachdenkliche „In Any Tongue“ vom letzten Soloalbum zeigt dann wieder die ausdrucksstarken Bilder des zum Song gehörenden Videos. Ein Song, der schlichtweg traurig stimmt, gekrönt von wunderschönen Gitarrenleads.

Die entfernt klingende Glocke einer Kapelle, hier live vom Schlagzeug, die tropfenden Klaviertöne, „High Hopes“, zuletzt auch auf „Song For A Friend“ von RAY WILSON toll präsentiert, hier nun wieder mit passender Videoshow auf dem Monitor. Eisiger Wind, der pumpende Bass, der zweite Teil der Sets beginnt mit „One Of These Days“, alle haben sichtlich Spaß auf der Bühne, die Lichtshow kann wieder nur begeistern. Jetzt ist auch die Stadt eingefangen, was für ein Bild, was für ein Klang, Gänsehaut wie ein Lavastrom, „Shine On You Crazy Diamond“! Was wäre die Welt ohne Gitarren? Aber was wären Gitarren, ohne dieses Spiel von DAVID GILMOUR? „Fat Old Sun“, weit zurück, „Atom Head Mother“ muss mal wieder auf den Plattenspieler! Die gebotenen PINK FLOYD-Songs decken angenehm alle Phasen der Bandgeschichte mit GILMOUR ab, aber auch frühere Soloalben werden nicht vergessen, auch wenn das aktuelle im Vordergrund steht. Bei „Sorrow“ trumpft wieder die Lichtshow auf, warum die Musiker bei „Run Like Hell“ alle Sonnenbrillen tragen wird auch schnell klar. Hier gibt es ein reines Lichtgewitter, Scanner tanzen überall in hellsten und schrillsten Farben, der passende visuelle Trip zur Musik. Der folgt etwas gemäßigter auch zum großen „Time / Breathe“-Spektakel, natürlich fliegen die Uhren über die Leinwand, natürlich sind wieder überall die Handys in der Luft. Aber statt Kopfschütteln gibt es Mitwippen zum fesselnden Groove, hier gehört der Gesang von Richard Wright nun Keyboarder Greg Phillinganes, bei „Comfortably Numb“ indes steht Chuck Leavell mit im Vordergrund, voll knuffig der Mann!

Während nun der lange Abspann läuft, der uns ausführlich alle Beteiligten auf, neben, hinter der Bühne und drum herum aufzählt, wird schnell bewusst, dass sich dieses Live-Werk ganz vorne einreihen wird, egal ob im PINK FLOYD-Katalog oder im Vergleich zu anderen ähnlichen Veröffentlichungen großer Rockmusiker. Das hier ist groß, fantastisch anzuhören und anzuschauen, oft drückt man einfach auf die Pause-Taste, um das gebotene Bild genauer zu betrachten. Und gerade die Kamerafahrten abseits der Bühne zeigen, welch monumentaler Ort dies ist, der mit großer Musik entsprechend gewürdigt wird.

In der Doku „Pompeii Now And Then“ fängt man Momente ein aus dem Vorfeld der Veranstaltung, von der Planung, der Begehung des legendären Ortes, auch und gerade für DAVID GILMOUR. Was fehlt ist der ebenso schöne Beitrag, den man in der Kino-Preview sehen konnte. Die schaut man sich halt online an, zu finden in unserer News zu „Live At Pompeii“!

VÖ: 29.09.2017

Spielzeit: ca. 305 Min.

Format: PAL, Blu-ray
Sprache: Englisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DTS 5.1), Englisch (PCM Stereo)
Untertitel: Italienisch
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: ohne Altersbeschränkung

Label: Sony Music Entertainment

Website: http://www.davidgilmour.com

mehr im Netz: https://www.facebook.com/davidgilmour

Das Lineup der Shows „Live At Pompeii“:

David Gilmour – Guitar, Vocals
Guy Pratt – Bass, Double Bass, Vocals
Steve DiStanislao – Drums, Vocals
Chester Kamen – Guitar, Vocals
Chuck Leavell – Keyboards, Vocals
Greg Phillinganes – Keyboards, Vocals
Joao Mello – Saxophone, Guitar
Bryan Chambers – Vocals
Louise Clare Marshall – Vocals
Lucita Jules – Vocals

Die Tracklist von „Live At Pompeii“:

1. 5 A.M.
2. Rattle That Lock
3. Faces Of Stone
4. What Do You Want From Me
5. The Blue
6. The Great Gig In The Sky
7. A Boat Lies Waiting
8. Wish You Were Here
9. Money
10. In Any Tongue
11. High Hopes

Part 2:
1. One Of These Days
2. Shine On You Crazy Diamond
3. Fat Old Sun
4. Coming Back To Life
5. On An Island
6. Today
7. Sorrow
8. Run Like Hell
9. Time / Breathe (In The Air) (reprise)
10. Comfortably Numb

Teilen macht Freude:

Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!