TAU CROSS: 4. August 2017, Hamburg Hafenklang


„Ich wollte unbedingt wieder in Hamburg im Hafenklang spielen“, sagte uns TAU CROSS– und VOIVOD-Drummer Michel „Away“ Langevin vor dem Konzert, „ich liebe das Publikum in diesem Club, ich erinnere mich sehr gut daran, dass wir hier mit VOIVOD vor ein paar Jahren drei Zugaben geben mussten, weil die Leute komplett ausgerastet sind.“ Für TAU CROSS blieb es diesmal bei einer Zugabe – der Auftritt war aber auch diesmal etwas Besonderes. Die Musiker von TAU CROSS leben in den USA, in Kanada und Schottland. Vor der kleinen Europatour mit zehn Konzerten, davon zwei in Deutschland, gab’s drei intensive Probentage zur Vorbereitung – TAU CROSS proben aufgrund der großen Entfernungen nicht gemeinsam, fürs Songwriting tauschen sie Demos aus und auch ihre beiden Alben „Tau Cross“ und „Pillar Of Fire“ haben sie getrennt voneinander aufgenommen.

TAU CROSS präsentierten sich in Hamburg trotzdem als Einheit, als richtige Band und nicht nur als zusammengewürfeltes Musikerkollektiv.  Sänger Rob „The Baron“ Miller (AMEBIX), die Gitarristen Andy Lefton (WAR/PLAGUE) und Jon Misery (MISERY), Bassist Tom Radio und Keyboarder James Adams hatten sich auf den vorangegangenen fünf Konzerten in Skandinavien aufeinander eingespielt – und es wurde ein magischer Abend.

Hafenklang und Rob „The Baron“ Miller: So geht Punk

Das Hafenklang, ein sympathisch abgerockter Schuppen direkt am Hamburger Hafen, umgeben von Edel-Restaurants und Einrichtungshäusern der obersten Preisklasse, war der perfekte Rahmen für die Crust-Legende Rob Miller: Der Club und der Musiker sind Überlebende einer Ära. Und offenbar ziehen die Namen TAU CROSS, AMEBIX und VOIVOD, denn der Club war voll – obwohl am selben Abend unter anderem ENTOMBED A.D. bei den parallel laufenden Weltturbojugendtagen spielten.

Live sind TAU CROSS deutlich punkiger als auf „Pillar Of Fire“

„On The Water“ von aktuellen Album „Pillar Of Fire“ war der Opener. Und sofort war klar, dass TAU CROSS nicht irgendeine Band sind. Rob Miller ist ein Frontmann mit Ausstrahlung, seinen starren Blick kann man fast körperlich spüren. Sein heißeres Bellen, aggressives Shouting und sein typischer, knarziger Gesang klingen live so intensiv wie auf Platte. Das Mikrokabel einmal um die Hand geschlungen erweckte er mit großen Gesten und ehrlicher Hingabe die Progressive-Post-Crust-Songs von TAU CROSS zum Leben. Live kommen die komplexem Tracks deutlich dreckiger und rauer als auf Platte rüber – es steckt halt doch eine ganze Menge (Crust)Punk drin.

Auf die Post-Punk-Nummer „On The Water“ folgte „Fire in The Sky“ – und auch die vielschichtigeren Songs funktionierten live hervorragend. Schon beim dritten Song „Midsummer“, dessen mehrstimmiger Refrain live klasse von Andy Lefton und Tom Radio umgesetzt wurde, war im Publikum richtig viel los, und die ersten Reihen bewiesen über das ganze Konzert  erstaunliche Textsicherheit.

Mit Ansagen hielt sich Rob Miller zurück, wer Killersongs wie „Raising Golem“,  „Stonecracker“ oder das unfassbar tight und straight runtergezockte „You People“ dabei hat, braucht nicht um die Gunst des Publikums zu buhlen. TAU CROSS spielten einfach und freuten sich sichtlich über die lauthals mitgesungene Textzeile „Sex. War. Science. Religion“ beim Song  „The Lie“. Besonders viel Spaß hatte offensichtlich Michel Langevin, der überglücklich hinter seinem Drumkit saß. Hinter Millers Bühnenpräsenz und Langevins Spielfreude verschwand der Rest der Band fast ein wenig, Keyoarder James Adams war auf der kleinen Bühne gar kaum wahrzunehmen.

Die Hits von TAU CROSS: „Hangman’s Hyll“ und „Lazarus“

Mit „Lazarus“ und „Hangman’s Hyll“ waren nochmal zwei richtige Hits am Start, die wieder von vorne bis hinten mitgesungen wurden. Nach einem Dutzend Songs endete das reguläre Set – TAU CROSS ließen sich nicht lange zur Zugabe bitten. Rob Miller kam mit Textblatt auf die Bühne und erklärte, er brauche bei „Deep State“ eine Gedächtnisstütze. War gelogen, denn der Zettel mit den Lyrics lag ziemlich schnell einfach nur auf der Bühne rum. Mir hätte eine der ruhigeren Nummern wie „What Is A Man“ noch gut gefallen – denn diese Facette zeigten TAU CROSS live nicht. Dafür entschädigte aber die unglaubliche Fannähe der Musiker, die sich nach dem Konzert unters Publikum mischten, ihren eigenen Merch (zu extrem fairen Preisen) verkauften, für Fotos posten und Fragen beantworteten. Verschwitzt und glücklich hieß es Abschied nehmen. Hoffentlich bis bald.

Tracklist TAU CROSS

On The Water
Fire In The Sky
Midsummer
Prison
The Lie
Raising Golem
You People
Stonecracker
RFID
Killing The King
Lazarus
Hangman’s Hyll
——-
Deep State

Bilder: TAU CROSS – Hamburg, Hafenklang, 04.08.2017

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andrea

Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin…