OF FIRE, LIK, DEMONICAL – Mannheim, 08.11.2018

Für dieses Package gab’s nur einen Weg, sich einzustimmen: alte DISMEMBER-Scheiben hören. Grundsätzlich gefiel mir DEMONICALS aktuelles Album „Chaos Manifesto“ einen Ticken besser als LIKs „Carnage“. Das hat sich nach dem Konzert in Mannheim allerdings geändert. Im MS Connexion Complex, einem weitläufigen Gebäudekomplex mit zwei Konzertvenues (in der zweiten spielen an diesem Abend AXXIS), war leider nur furchtbar wenig los.

OF FIRE machen Death Metal, 100 Prozent sortenrein nach schwedischem Schema

Der Opener OF FIRE stammt aus Stockholm und spielt Death Metal. Nichts anderes könne man tun, wenn man aus dieser Stadt komme – das behauptete zumindest Sänger Robin Joelsson. Das Quintett ließ sich von den wenigen Zuschauern nicht abschrecken, sondern gab sich Mühe, als ob die Hütte ausverkauft gewesen wäre.

Der beste Botschafter für schwedischen Death Metal sind OF FIRE allerdings nicht – es ist aber auch verdammt schwer, unter den ganzen guten schwedischen Bands überhaupt aufzufallen. Und Musikalisch setzen OF FIRE vielleicht einfach zu sehr auf Bewährtes. So blieb ihr Auftritt eine nette, aber unspektakuläre Einstimmung.

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LIK zeigen, wie das damals in den frühen 90ern in Stockholm war

Hach, das war wie früher. LIK sind alte Hasen, und als solche haben sie keine Effekthascherei nötig. Jeans, Turschuhe, Shirt – noch nicht mal alles in Schwarz, LIK sind praktisch die neuen Metaller von nebenan in Zivil. Evil ins Publikum schielen sollen andere, Sänger Tomas Åkvik kann das ohnehin nicht. Der Sympathieträger hat einfach Spaß am Old School Death Metal, das betonte er mehrfach und zu übersehen war es auch nicht. Immer wieder schob er seine verschrabbelte Flying V  zu Seite, trat ans Mikro und überbrückte die Distanz zum Publikum mit kleinen Späßchen. Der Sound sei schlecht? Das müsse so sein, schließlich gehe es hier um die Vergangenheit und Death Metal.

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LIKs Niklas Sandin hatte richtig Spaß auf der Bühne

Für ihre Setlist hatten sich LIK für eine ausgewogene Mischung aus Songs vom aktuellen Album „Carnage“ sowie dem  2015er Album “Mass Funeral Evocation” entschieden – wobei Tomas Åkvik mit den alten Songs genauso gut zurecht kam wie mit den neuen Stücken. “Mass Funeral Evocation” wurde 2015 ja nicht von ihm, sondern von Drummer Chris Barkensjö eingegrowlt. Highlights waren eindeutig „Dr. Duschanka“ sowie das überragende „Necromancer“.

LIK werden nie einen Innovationspreis gewinnen, müssen sie auch gar nicht. Sie verwalten das Erbe DISMEMBERS mit Respekt und ehrlicher Hochachtung – und hat selbst die größte Freude daran. Das spürte man auch vor der Bühne – und so war man für kurze Zeit gar nicht in Mannheim, sondern in einem schäbigen Proberaum in irgendeinem Vorort von Stockholm, ganz dicht dran am Gründungsgeist des Skandi-Death Metals.

Setlist LIK

To Kill
Ghoul
Death Cult
The Deranged
Necromancer
Only death is left alive
Dr. Duschanka
Cannibalistic Infancy
Embrace The End
Serum 141
Celebration Of The Twisted
Le Morte Homme
Skin Necrosis

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DEMONICAL – sympathisch geht anders

Mit „Chaos Manifesto“ sind DEMONICAL ein klein Weg von DISMEMBERS ausgetretener Erfolgsspur abgewichen und haben mit „From Nothing“ und „Välkommen Untergang“ zwei fast schon unverschämt eingängige Nummern geschrieben. Beide standen auf der Setlist – doch nicht mal bei diesen beiden Songs kam Stimmung auf. Nach LIK machten sich schon etliche der ja ohnehin nicht gerade zahlreich erschienen Schweden-Fans schon auf den Heimweg, gegen Ende hatte das Konzert schon fast die Atmosphäre einer öffentliche Probe. Dazu kam, dass Basser Martin Schulman nach dem ersten Song „Towards Greater Gods“ den Lichtmenschen äußerst unfreundlich anherrschte, er möge doch bitte das Licht von vorne ausmachen. Das tat der Angesprochene, mit dem Resultat, dass DEMONICAL in kargem blauem Nebel spielten und von der Band den Rest des Abends praktisch nichts mehr zu sehen war.

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DEMONICAL-Sänger Alexander Högbom hatte nicht seinen besten Tag

Irgendwie war der Wurm drin, Sänger Alexander Högbom versuchte gegen später schon gar nicht mehr, Kontakt zum Publikum aufzubauen, erstes funktionierte es nicht und zweitens waren ja ohnehin kaum noch Leute da. Sein extrem monotoner Gesang (war da ein Effekt drübergelegt?!) lockte dann die verbliebenen Fans auch nicht mehr vom Biertresen. Schade, denn die Setlist enthielt alles, was man sich von DEMONICAL wünschen konnte. Die Band selbst wollte dann offenbar auch schnell einfach alles nur noch hinter sich bringen – Rufe nach Zugaben warteten die Schweden gar nicht erst ab. Nach einer klitzekleinen Pause standen sie wieder auf der Bühne und spielten noch drei Zusatzsongs. Doch der Zug war längst abgefahren, das war alles andere als guter Tag für DEMONICAL, die an diesem Tag ganz klar alle Sympathiepunkte an LIK abgeben mussten.

Setlist DEMONICAL

Towards Greater Gods
The order
World Serpent
A Void Most Obscure
Sung To Possess
The Arrival Of Armageddon
From Nothing
Cursed Liberation
Välkommen Undergang
Unfold Thy Darkness
***
All Will Perish
Return In Flesh
Death Metal Darkness

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andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...