JUDAS PRIEST, MEGADETH in der Samsung Music Hall, CH-Dübendorf, 26. Juni 2018

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JUDAS PRIEST scheinen schon seit Jahrzehnten unkaputtbar und für mich ist es zudem an der Zeit, mal die Live-Lücke MEGADETH zu schliessen. Bei schönstem Sommerabendwetter ignoriert eine Masse Metaller kollektiv die Fussball-WM, um sich die britischen Metal Gods in der gediegenen Samsung Music Hall in Dübendorf reinzuziehen. Vom Bahnhof Zürich Stettbach sind es nur ein paar Gehminuten und die Location ist rasch gefunden – schon mal ein grosses Plus, da das postkonzertale Heimirren somit wegfällt. Gar nicht verirrt hingegen haben sich zwei Schweizer Berühmtheiten – auch Chris von Rohr (KROKUS) und Vorphalack (SAMAEL) lassen sich JUDAS PRIEST nicht entgehen.

Die Türöffnung um 18 Uhr nutzen viele, um sich ein gemütliches Feierabendbier zu leisten und es fällt auf, dass die Samsung Music Hall vor allem in Sachen Kulinarik wesentlich niveauvoller ist als das oftmals anzutreffende Fritten-Wurst-Programm. Die Essensausgabe ist strukturiert und effizient und rasch kann man sogar in so etwas Exotisches wie einen veganen Quinoa-Burger beissen. Mit CHF 10.- zwar für einen stolzen Preis, aber Qualität will schliesslich auch etwas kosten dürfen. Ebenfalls auffallend: Der Innenbereich vor der Konzerthalle wird während der Veranstaltung schon sauber gehalten – statt dass also ein Müllberg durch Achtlosigkeit heranwächst, sieht es immer aufgeräumt und müllbefreit aus.

Herr Mustaine, wir wissen, dass Sie die Bühne lieben, aber…

Gegen 19 Uhr wird es dann zum ersten Mal dunkel in der Samsung Music Hall – Zeit für MEGADETH. Und ja, jedes Mal, wenn man den Namen hört, denkt man unweigerlich an METALLICA und die Fehde zwischen Herrn Mustaine und seinen ehemaligen Mitstreitern – egal wie viele Alben in der Zwischenzeit produziert worden sind. Routiniert führen MEGADETH durch ihr Set, das einen passenden Querschnitt über die Diskographie der Amis bietet. Das Publikum ist entsprechend entzückt, da ältere und jüngere Fans gleichermassen auf ihre Kosten kommen. Gefüllt ist die Halle zu diesem Zeitpunkt indes noch nicht – eingefleischte JUDAS PRIEST-Puristen und Gitarristen, die Dave Mustaine für überbewertet halten, hängen lieber noch draussen rum und genehmigen sich nochmals ein Bier.

Die Ansagen von Dave Mustaine kommen beim Publikum gut an und vor allem der charismatisch-energievolle Gitarrist Kiko Loureiro gibt an diesem Abend alles. Bei Songs wie «Symphony of Destruction» gröhlen die Zuhörer auch genussvoll mit und am Ende des Gigs mag Dave Mustaine fast nicht mehr die Bühne verlassen. Picks, Schweissbänder (inklusive einer Extraportion Echtschweiss von der Stirn des Meisters) – alles ist «up for grabs» am Ende und Dave Mustaine kostet den Applaus bis zur allerletzten Sekunde sichtlich aus. Man mag über ihn sagen, was man will – eigenständig sind MEGADETH und viel Leidenschaft für ihre Live-Auftritte gibt`s oben drauf. Guter Gig!

Setliste MEGADETH in der Samsung Music Hall, CH-Dübendorf

  1. Hangar 18
  2. The Threat Is Real
  3. The Conjuring
  4. Take No Prisoners
  5. My Last Words
  6. Tornado Of Souls
  7. Dystopia
  8. Symphony Of Destruction
  9. Peace Sells
  10. Rattlehead
  11. Holy Wars.. The Punishment Due

Es gibt keine Zeit, es gibt nur JUDAS PRIEST

Schon bevor BLACK SABBATHs «War Pigs» als Intro durch die Halle geistert, ist es sichtlich voller geworden. Trotz der nun vollen Halle sind die Securities in der Samsung Hall extrem hilfsbereit und zuvorkommend – keine Selbstverständlichkeit. JUDAS PRIEST werden begeistert empfangen und legen mit «Firepower» los – Rob Halford ist in bester Sangeslaune und lässt einen einmal mehr daran glauben, dass der Zahn der Zeit von ihm lediglich mal sein Haupthaar gefordert hat – aber nichts mehr.

Soundtechnisch gibt es ebenfalls nichts zu mäkeln und JUDAS PRIEST können an diesem Abend auch noch gleich ihre farbenfrohe Backgroundshow präsentieren. Viel Feuer, viel Eisen, viel Metaaaaalll!!! Beim «Ripper» dürfen natürlich die mörderischen Schlagzeilen aus alten Zeitungen nicht fehlen – passend im Hintergrund flackern sie über die Wand. Andy Sneap, der als Gitarrist den erkrankten Glen Tipton ersetzt, liefert eine grandiose Performance ab, die selbst eingefleischte JUDAS PRIEST-Fans überzeugt. Natürlich darf auch Rob Halfords Harley-Huldigung nicht fehlen und spätestens bei alten Gassenhauern wie «Hell Bent for Leather» und «Painkiller» ist die Stimmung grandios.

Grandios ist auch der Ausblick von der Tribüne aus. Während im Zürcher Hallenstadion Sitzplätze generell verschmäht werden (aus klangtechnischen und visuellen Gründen), punktet die Samsunghalle mit «Balkonplätzen», die nicht nur eine wunderbare Sicht auf die Bühne, sondern auch guten Klang garantieren. Eine weitere Überraschung steht dann für den Zugabenblock von JUDAS PRIEST an: Glen Tipton kommt auf die Bühne und spielt für «Metal Gods», «Breaking the Law» und «Living after Midnight» mit seiner Band mit. Ein wunderbarer Abschluss eines tollen Konzerts, nach welchem man gleich wieder 666 Punkte mehr «Metal» ist als zuvor…

Setliste JUDAS PRIEST in der Samsung Music Hall, CH-Dübendorf

Intro «War Pigs» (BLACK SABBATH)

  1. Firepower
  2. Grinder
  3. Sinner
  4. The Ripper
  5. Lightning Strike
  6. Bloodstone
  7. Saints in Hell
  8. Turbo Lover
  9. Tyrant
  10. Night Comes Down
  11. Freewheel Burning
  12. Rising from Ruins
  13. You`ve Got Another Thing Comin`
  14. Hell Bent for Leather
  15. Painkiller

Zugaben

  1. Metal Gods (mit Glen Tipton)
  2. Breaking the Law (mit Glen Tipton)
  3. Living after Midnight (mit Glen Tipton)