INFERNO FESTIVAL 2006: Der Festivalbericht

INFERNO FESTIVAL 2006: Der Festivalbericht

Das Festival

Donnerstag, 13.4.2006
IMBALANCE | KEEP OF KALESSIN | WAKLEVÖREN | NIGHTRAGE | KHOLD | THE DEVIANT | CARPATHIAN FOREST | SAHG | USURPER

Freitag, 14.4.2006
RIMFROST | SYSTEM OBSCURE | FUNERAL | SUSPERIA | MANNGARD | DISMEMBER | ENDSTILLE | BORKNAGAR| EMPEROR

Samstag, 15.4.2006
THE LEGION | DISIPLIN | VESEN | MYRKSKOG | FACE DOWN | BOLT THROWER | BATTERED | MARDUK | WITCHCRAFT



Das alljährliche INFERNO FESTIVAL in Oslo ist gleich in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen ist es außergewöhnlich teuer: Gegen Ende berappte man für ein Drei-Tage-Ticket locker um die 200 Euro, die Merchandise-Preise waren ebenfalls norwegischer Standard, Bier kostete um die 7 Euro für 5 Deziliter und selbst die Ohrenstöpsel an der Bar schlugen mit 2 Euro zu Buche. Immerhin war die norwegische Musikergewerkschaft MFU vor Ort und verteilte die Lärmschützer gratis. Zum anderen sind die typischen Festivalgepflogenheiten – Dreck, Schlamm, Camping, rauchgeschwängerte Luft, sich überschneidende Auftritte von Bands, Verspätungen und überfüllte Dixies – am INFERNO FESTIVAL komplett inexistent. Sämtliche Gigs finden in der Rockefeller Music Hall und dem daran angehängten John Dee Pub statt. Mit anderen Worten: Man ist dem norwegischen Wetter während dem Festival nie ausgesetzt. Statt Dreck und Schlamm gibt es echten Parkettfussboden und dunkelgraue Spannteppiche, Rauchen ist im Gebäude verboten (dafür haben die Raucher eine eigene Terrasse) und statt Dixies gibt es saubere Klos mit immer genügend Toilettenpapier. Trotzdem findet sich ein interessantes, primär schwarzmetallisch angehauchtes Publikum am Festival ein, welches auch die einen oder anderen bizarren Freaks mit einschließt (zum Beispiel die Klingonenfrau mit Spinnenmanie) und einen äußerst aufgeschlossenen Eindruck hinterlässt.

Der Auftrittsplan wird penibel eingehalten und sämtliche Gigs laufen seriell ab – man kann also stets zwischen Rockefeller Music Hall und John Dee Pub mittels steiler Treppe hin- und herpendeln, ohne irgendwelche Welche Band soll ich jetzt anschauen-Dilemmas lösen zu müssen. Gewohnt wird entweder im Hotel oder in der Jugendherberge, jeder Festivaltag beginnt um 17:45 im John Dee Pub und endet um ca. 2 Uhr morgens in der Rockefeller Music Hall – so hat auch jeder Black Metaller genügend Zeit dazu, sich tagsüber die atemberaubenden, historischen Wikingerschiffe im Museum anzuschauen. Kommt man dann ans Festival, wird man von einer wahrlich überfreundlichen Security begrüßt und selbst die Aktion Ticket gegen Festivalbändel am Donnerstag wird kompetent und speditiv abgewickelt. Eine kostengünstige, bewachte Garderobe gibt es auch und zwischen den zwei Konzerthallen locken neben dem Band Merchandise-Stand auch Merchandise-Stände der Osloer Shops WOLFFS LAIR und BODYMAP, sowie vom Metal Künstler SPACEBRAIN (der unter anderem die Bühnenklinge von MAYHEMs Maniac ausstellte) und vom Kristiansander Gothic Shop DARKLANDS. Obschon die Preise relativ hoch sind, finden sich hier doch einige interessante Demos, CDs, Shirts und andere metallisch korrekten Kaufobjekte.

Donnerstag, 13.4.2006

17:45, John Dee: IMBALANCE

Traditionell wird das Festival von einem Newcomer eröffnet. Nachdem TAAKEFERD dies letztes Jahr in würdiger Art und Weise getan hatten, war es 2006 an IMBALANCE, den musikalischen Startschuss für das INFERNO FESTIVAL abzufeuern. Die vier Norweger boten trotz dem irreführenden Corpsepaint des Frontmannes old schooligen Death Metal mit einer Prise Thrash. Nachdem sie sich als We are the first stage of Hell and you are doomed vorgestellt hatten, bot das Quartett neue Songs und Material von ihrer 2004-EP Burial of Consciousness. Hier und da flochten die Jungs einige dissonante Klänge und langsamere, melodiösere Passagen mit cleanem Gesang ein, was die Mischung etwas auflockerte. Indes regierten eher simple Riffs und auch das mittelprächtige Stage Acting riss die Mehrheit nicht aus den Socken. IMBALANCE wurden dennoch mit wohlwollendem Applaus bedacht und schienen in den vorderen Reihen einige Anhänger gefunden zu haben.

18:15, Rockefeller Music Hall: KEEP OF KALESSIN

Nach IMBALANCE war es im Rockefeller Saal Zeit für den sehnsüchtig erwarteten Gig von KEEP OF KALESSIN. Gemütlich trottend kam man rechtzeitig in diese größere Location. Waren vor dem Festivalbeginn noch einige merkwürdig geschminkte Gestalten wie nekrophile Clowns und spinnenliebende Klingonen in einer bizarren, stummen Performance auf der Bühne zu sehen gewesen, verbarg nun ein blauer Vorhang die Bühne, vor der bereits ein durchmischtes Publikum wartete. Schon beim Intro mit Wind und Gitarren erklang ein erster Vorapplaus für KEEP OF KALESSIN. Als der Vorhang aufging, fiel der Blick sogleich auf das schöne Backdrop mit rotem Himmel, kaum betraten die Norweger die Bühne, fing es im Saal an zu brodeln. Diesem warmen Empfang trugen KEEP OF KALESSIN Rechnung – mit Pyros, Kreisbangen und einer mehr als gelungenen Vorstellung. Gitarrist Obsidian C. (SATYRICON) ließ sich von den an seiner Gitarre herunterhängenden Kettchen nicht stören und lieferte ein fantastisches Riffgewitter. Der Live-Sound befriedigte ebenfalls und die Begeisterung des Publikums hielt bis zum Ende. Egal ob Blastgewitter oder manische Gitarrenmelodien in verschiedenen Geschwindigkeitsregionen – KEEP OF KALESSIN zogen alle Register und boten melodiösen, hymnischen Black Metal vom Feinsten. Dabei ließen sie es sich nicht nehmen, ihr neues Armada-Material vorzustellen – sei es das groovige Crown of the kings, Winged Watcher, The wealth of darkness oder The black uncharted, welches mit einem geilen Gitarrensolo und spanisch angehauchten Akustikparts aufwartete und mit Pyros umrahmt wurde. Egal ob neue oder ältere Songs wie Reclaim – die norwegische Formation glänzte mit souveräner, leidenschaftlicher Spielweise und zog die Zuschauer in ihren Bann. So erschien es beinahe überflüssig, dass Obsidian C. Werbung für Armada machte – die Live-Visitenkarte, welche KEEP OF KALESSIN an diesem Abend präsentierten, sprach eine deutliche Sprache. Nicht nur die souveräne Gitarrenperformance von Obsidian C., sondern auch klasse Leistung vom Drummer und die zu spürende Leidenschaft rissen das Publikum mit. Als Zugabe boten die Jungs noch Come Damnation. Nach 45 Minuten war Schluss, aber die Gewissheit, dass KEEP OF KALESSIN locker zehn von zehn möglichen Punkten mit ihrer Vorstellung erreichten, hielt noch bis spät in die Nacht an.

19:15, John Dee Pub: WAKLEVÖREN

Nach dem musikalischen Feuerwerk von KEEP OF KALESSIN war es Zeit für die eher unbekannten WAKLEVÖREN, bei denen unter anderem Bølla Brandt (RED HARVEST) den Bass bearbeitet. Das Quintett ging reichlich ungeschliffen zu Werk und lieferte eine aggressive Mischung aus den Uralt-EXODUS-Tagen und den alten Zeiten von NAPALM DEATH. Sänger Gorgon V (Ex- FUCK YOU ALL) erwies sich als manischer Brüllwürfel mit HC-Einschlag, der das Publikum auf Norwegisch zum Bierkonsum anstachelte und Ansagen anderes Gehalts verzichtete. Die stumpfe Kost schien zumindest in den vorderen Reihen anzukommen, konnte bei den Schwarzmetallern jedoch nicht uneingeschränkt punkten. Gleichzeitig zeigte sich jetzt eine erste Schwäche an der Location – das John Dee Pub fasste lediglich 400 Leute, während in der Rockefeller Halle 1500 Platz finden. So entwickelte sich ein stockender Kolonnenverkehr auf der steilen Treppe, die Security schloss zeitweise den Gang, da sich in der unteren Passage zu viele Leute aufhielten. Ein weiteres Hin- und Herpendeln würde wohl v.a. bei Publikumsmagneten noch beschwerlicher werden.

19:45, Rockefeller Music Hall: NIGHTRAGE

Mit der schwedisch-griechischen Band NIGHTRAGE betrat die erste internationale Band die Bühne. Schwedischer Melodic Death Metal war in der Folge angesagt, doch die Mucke des Quintetts wurde wesentlich kühler aufgenommen als der norwegische Schwarzmetall von KEEP OF KALESSIN. Des Weiteren hatten die Schweden einen etwas dumpfen Sound erwischt und weder der geschenkte Drumstick noch die Mitklatschübungen schienen das Publikum wirklich mitzureißen. Immerhin erschien in den ersten Reihen eine Schwedenflagge und am Ende des Gigs gingen doch mehr Hände nach oben als noch zu Beginn. NIGHTRAGE boten eine breit gefächerte Übersicht über ihr Schaffen – sei es mit einem neuen Song namens Iconocult Club (keine Gewähr auf diesen Titel, da die Ansagen etwas unklar waren) oder mit älterem Material wie Reality Vs. Truth, Release oder Stücken vom Sweet Vengeance-Album. Hier und da ließen die Schweden ihre Songs auch nahtlos ineinander fließen, riskierten hier und da ein disharmonisches Solo oder pflügten die schleppenderen Gefilde um. Der Sänger erschien etwas atypisch mit seinem Irokesenschnitt (ein richtiger Irokese, kein David Beckham-Wannabe), meisterte jedoch aggressives Gebrüll genau wie Gekreische und übte in den Gesangspausen Lasso schwingen mit seinem Mikrophon. Insgesamt war es NIGHTRAGE jedoch nicht vergönnt, den Begeisterungsvorsprung von KEEP OF KALESSIN wett zu machen.

Unterdessen war die Location gut gefüllt, was besonders bezüglich Engpass Treppe offensichtlich wurde. Somit verpasste ich die belgischen Black Thrasher DEMONIZER und machte mich stattdessen auf die Suche nach Verpflegung. Während das angebotene gratis Eiswasser sehr mundete und ein trues Aussehen aufwies, sah die Speisekarte in Sachen Festivalverpflegung schon anders aus: Statt Rind und Schwein landete Walfleisch im Pitabrot oder Lachs im Hamburger – und für Vegetarier gab es höchstens die Spezialanfertigung Salat im Brot und einige Kartoffelchips. Und wer mal gehört hat, dass Walfleisch nicht fischelt – beim Verzehr selbst nicht, aber nachher werden ungewohnte Mägen drei Stunden lang von fischigem Aufstoßen gequält. Nun ja, immerhin war die Wartezeit bis KHOLD nicht allzu lange.

21:15, Rockefeller Music Hall: KHOLD

In Erwartung auf KHOLD war der große Saal unterdessen definitiv voll. Ein Industrial-artiges Intro untermalte den sich nun ergebenden Blick auf die Bühne, welche mit Fackeln beleuchtet war. In dieser unheimlich und bedrohlich wirkenden Atmosphäre sammelten sich die norwegischen Schwarzmetaller und eröffneten ihren Reigen sogleich mit dem zu erwartenden, leicht wummernden Bass-Sound, welcher dem dreckigen Black Metal von KHOLD den nötigen Groove verlieh. Fronter Gard erschien wieder in seinem charakteristischen Corpsepaint, welches auch das Cover des aktuellen Albums Krek verschönert. Und KHOLD machten gleich von Beginn an klar, dass sie würdige Corpsepaint-Träger sind und keine pseudobösen Pandabuben. Das Quartett gab sich distanziert und riss dennoch mit, sei es mit neueren Songs wie Innestengt I Eikekiste, Krek oder älteren wie dem flotten Dødens Grøde. Immer wieder durchbrachen Doom-lastige, tonnenschwere Riffs die schwarzmetallischen Passagen und das Publikum goutierte die mitreißenden Werke mit kollektivem Headbanging. Gard spie seine norwegischen Vocals beinahe aus und ergab sich völlig der wuchtigen KHOLD-Soundwand. Obschon die Riffs der Norweger simpel gestrickt sind, gibt es doch immer einen Kniff, der sie letzten Endes so speziell macht. Als Abschluss reichte die Formation Nattpyre vom Masterpiss of Pain-Album, welches mit einer erschlagenden Wucht auf das Publikum niederzugehen schien. Während diesem letzten Song kam dann auch noch eine große Portion Pyroeffekte zum Einsatz. Gitarrist Rinn steckte den Kopf seiner Gitarre in (den künstlichen) Brand, was die infernalische Qualität der KHOLD-Walze zusätzlich unterstrich. Alles in allem ein sehr überzeugender Abgang in die Auszeit – denn KHOLD liegt nach diesem Gig auf unbestimmte Zeit auf Eis und wird dieses Jahr auch nicht mit ENSLAVED und VREID auf Tour gehen.

22:15, John Dee Pub: THE DEVIANT

Beim Quartett THE DEVIANT handelt es sich um eine relativ junge norwegische Formation, bei der jedoch altgediente Herren von Bands wie 122-STABWOUNDS, GEHENNA und FORLORN an den Instrumenten tätig sind. Das corpsepaintlose Quartett wurde mit Ausrufen im John Dee Pub begrüßt und präsentierte eine Mischung aus old schooligen Black und Thrash Metal-Klängen. Die Performance des Sängers Dolgar erinnerte hierbei nicht selten an IMMORTAL und auch entfernte Parallelen zu SVARTSKOGG ließen sich ausmachen. Bereits im zweiten Song des Sets – Serpent – ergriff die IMMORTAL-Parallele auch von den Gitarristen Besitz. Das Publikum goutierte dies und zeigte seine Zuneigung zu THE DEVIANT, trotz herrschender Hitze und rappelvollem John Dee Pub. Hier und da machten sich auch chaotische Passagen breit, doch konnte man auch schleppende Parts wie in Sadosadistik ausmachen. Alles in allem lieferte die Formation also eine ordentliche Vorstellung, welche lediglich unter dem etwas unpräzisen Drumming und der fehlenden Originalität litt.

23:00, Rockefeller Music Hall: CARPATHIAN FOREST

Unterdessen wartete das Publikum in der großen Halle gierig auf den Auftritt der Black Metaller CARPHATIAN FOREST. Der DJ verköstige die Menge zwar mit appetitlichen Happen wie Under a Funeral Moon (DARKTHRONE) oder dem norwegischen Everblack Ea, Lord of the Depths (BURZUM), doch wenn es Zeit für das billige Keyboardintro von CARPATHIAN FOREST ist, wird auch ein Song von DARKTHRONE unerbittlich abgeklemmt. Der Begeisterung, als Nattefrost und seine Mannen auf der Bühne erschienen, tat dies jedoch keinen Abbruch. Das norwegische Quintett legte bekannt primitiv und roh los, was in der Meute wiederum zu kollektivem Headbanging führte. Nattefrost stachelte die Menge mit Black Metal-Ausrufen weiter an, konnte aber trotz intensivem Stage Acting nicht den grässlichen Kicksound des Drumkits vergessen machen. Die Norweger bretterten die oftmals ins Punkige driftenden Songs oft nahtlos aneinander. Spätestens bei Knokkelmann rastete das Publikum aus, doch auch kurze Kracher wie Carpathian Forest kamen sichtlich an. Der mit an Plastik erinnernden Spikes versehene Hellcommander Nattefrost verausgabte sich komplett, ließ sein Mikrophon kreisen und stellte sogar kurz die anderen Bandmitglieder vor. Im letzten Song – He´s turning blue – betätigte der Fronter sich sogar als Perkussionist mit Schellenkranz, doch auch solche vermeintliche Hippie-Attitüden täuschen nicht über die rauhe, punkige Note von CARPATHIAN FOREST hinweg. Obschon das Quintett beim Publikum sehr gut ankam, waren auf der Negativseite doch der nervige Drumsound und der etwas monotone Charakter der einzelnen Songs zu bemängeln. Trotz positiver Resonanz bei der Meute gingen die Norweger ohne Abschiedsgruß oder Zugabe von der Bühne – letzteres war wohl auf den rigiden Zeitplan zurückzuführen, welcher auch vor großen Bands nicht Halt machte.

24:00, John Dee Pub: SAHG

Nach diesem Marathon in rauher, schneller und primitiver Black Metal-Soundlandschaft enterten die norwegischen Doomer SAHG die kleine Bühne im Keller. Diese Vollbremsung in Sachen Tempo war indes eine eher unglückliche Aktion – denn melodiöse Rockriffs, welche auf einen garstigen OZZY OSBOURNE-Verschnitt treffen, hält man auch nach Mitternacht nicht aus. Nach einem Song ergriff ich somit angewidert die Flucht, um oben auf USURPER zu warten.

1:00, Rockefeller Music Hall: USURPER.

Die Warterei auf USURPER lohnte sich nicht. Zwar gaben die Death Metaller gleich von Beginn an Vollgas mit wildem Stageacting und professionellem Auftreten. Allerdings gab es ein großes Problem: Der Drummer fabrizierte im wahrsten Sinne des Wortes ein Triggergewitter. Der Drumsound war dermaßen klinisch, dass sogar die Technobeats von SCOOTER mehr mit Metal zu tun hatten als der USURPER-Sound. Trotz aktueller Songs von Cryptobeast ergriff ich nach kurzer Zeit die Flucht – denn CARPATHIAN FOREST waren trotz allem ein würdigerer Abschluss dieses ersten INFERNO-Abends.

Freitag, 14.4.2006

Der heutige Karfreitag stand ganz im Zeichen von EMPEROR. Bereits um 17 Uhr öffneten sich die Tore der Rockefeller Music Hall und bald war klar, dass die diesjährigen EMPEROR spielen am INFERNO FESTIVAL 2006-Shirts der Merchandise-Renner waren. Und eine weitere Besonderheit wies dieser Karfreitag auf: Am DJ-Pult thronte niemand geringeres als Nocturno Culto alias DJ Max Necro (DARKTHRONE). EMPEROR und die Hälfte von DARKTHRONE in einem Raum – ein ungeheuerlicher, ein Ehrfurcht einflössender Gedanke. Die Songauswahl für die Musikuntermalung zwischen den Umbaupausen war denn auch fulminant – Nocturno Culto legte nicht nur erneut den Everblack Ea, Lord of the Depths auf, sondern glänzte auch mit der eleganten Songauswahl von den Worship Him-Zeiten SAMAELs und anderen Old School-Kostbarkeiten. Insgesamt legte er von allen DJs des Festivals definitiv die interessanteste und passendste Palette an Musik auf.

17:45, John Dee: RIMFROST

RIMFROST
Winter als Hauptthema – RIMFROST

Als erste Band betrat heute das schwedische Trio RIMFROST die Bühne des John Dee Pubs. Wie der Name es bereits vermuten ließ, spielen Winter, Dunkelheit und Frost die Hauptrolle im lyrischen Themenkomplex dieser Black Metaller. In gepflegtem Corpsepaint präsentierten die Jungs ordentlichen, old schooligen Black Metal in gutem Soundgewand. Obschon nur ein Trio, boten sie doch einige gewollt gekonnte Gitarrenquietscher und schafften Abwechslung mit schleppenden Parts. Musikalisch ließ sich eine klare Parallele zu IMMORTAL ausmachen, was sich auch im Corpsepaint des Fronters widerspiegelte. Dieser gab sich klar am meisten dem Stage-Acting hin und schien ein Multi-Tasker zu sein: mal malträtierte er seine Gitarre, dann keifte er finster in die Meute und gab sich auch sonst alle Mühe, das Publikum gehörig anzuheizen. Dieses war ungewohnt still, selbst für ein schwarzmetallisches Klientel, doch als Fronter Hravn Decmiester verlauten ließ We are here to warm you up for EMPEROR schien die Menge endlich aufzutauen und mehr Gefallen an Songs wie dem zischigen Darken zu finden.

18:15, Rockefeller Music Hall: SYSTEM OBSCURE

SYSTEM
Elektrisierter Troll mit fesselnder Vocals-Leistung – Sänger Balfori von SYSTEM OBSCURE

Ein sonderbarer Name, ein Industrial-Intro und ein Sänger mit einer Frisur wie ein elektrisierter Troll. Dazu ein vergiftet aussehender Glatzkopf mit irrer Brille hinter einem Holzpult – ein verrückter Pyrotechniker? Nein, mir schwant bei SYSTEM OBSCURE nichts Gutes, auch wenn hier Musiker von prominenten Combos wie LUNARIS, SPIRAL ARCHITECT, des Live-Line Ups von SATYRICON und DIMMU BORGIR sowie Ex-Mitstreiter von NILE und ANGELCORPSE dabei sind. Doch SYSTEM OBSCURE wandeln sich bereits mit den ersten Tönen zur großen Überraschung des INFERNO FESTIVAL 2006-Programms. Auf das etwas künstlich klingende Drum treffen schwarzmetallische Klänge, die mit kurzen hymnischen Parts aufwarten. Und auch das Rätsel des obskuren Pults löst sich – es ist eine getarnte Hammondorgel, welche neben sich auch noch einen echten, analogen Synthie duldet. Kaum sind diese Infos erfasst, schlagen SYSTEM OBSCURE mit voller Wucht zu – technisch brillant, abwechslungsreich, bizarr, originell, frisch und frech. Progressive Passagen treffen auf schwarzmetallische Klänge, die neueren Zeiten von EMPEROR, MAYHEM und ARCTURUS werden flott zitiert, ohne dass SYSTEM OBSCURE an Eigenständigkeit einbüssen würde. Denn dazu kommt die infernalische Hammondorgel – ist John Lord in der Hölle gelandet und als abgedrehter Jazzer auferstanden? Warum kann diese Formation zwei Gospel-artige Akkorde in ihren Sound integrieren und es passt? Auf jeden Fall muss der Organist hier wirklich arbeiten. Denn eine Hammondorgel ist kein Keyboard für Mädchen und Weicheier, hier muss noch richtig geackert werden – ohne Fußpedal läuft schon mal nichts. Nichtsdestotrotz sind diese Tastenklänge perfekt integriert in den restlichen Sound, man merkt zu jeder Sekunde, dass hier Profis am Werk sind. Und diesen geht es primär um die Musik – so wird mit Ansagen gegeizt, damit man in den Genuss von mehr Material kommt. Seien es Songs wie The Cube Animist oder Spawn (keine Gewähr auf diese Titel), SYSTEM OBSCURE ziehen alle Register ihres Könnens, vereinen schleppende, düstere Passagen mit Thrash und kranken Black Metal-Riffs in unheiliger Disharmonie. Nach Spawn kommt dann auch der analoge Synthie zum Zug, ein abgefahrenes, ruhiges Intro à la TANGERINE DREAM ist die Folge. Trotz Abgefahrenheit erschafft das Quintett eine düstere Atmosphäre und Sänger Balfori äußert sich sowohl kreischend als auch tief grunzend.

Der Funke ihrer Darbietung sprang auch auf das Publikum über, obwohl die abgedrehte Formation keine Mitsinghymnen produziert, riss sie mit ihrer Originalität und Leidenschaft die Menge mit, obwohl sie nicht auf bereits bekannte Alben oder dergleichen bauen konnten. SYSTEM OBSCURE waren definitiv die Überraschung des Abends und ich kann es kaum erwarten, mehr von dieser Truppe zu hören!

19:15, John Dee Pub: FUNERAL

Beim Auftritt der Norweger FUNERAL zeichnete sich eine Premiere ab am INFERNO FESTIVAL: Zum ersten Mal überhaupt stand ein Keyboard auf der Bühne. Indes bot das Quartett keinen symphonischen Black Metal, sondern gepflegten Doom, welcher an die alten Zeiten von MY DYING BRIDE gemahnte. Besonders die Gitarrenstimmung ließ diese Erinnerung aufkommen, allerdings zeigten sich hier und da einige Schwedisch anmutende Passagen. Die etwas altmodisch wirkenden, epischen Keyboards erinnerten hingegen an SUMMONING. Interessanterweise wirkte der Gesang von Frode beinahe beruhigend, ja einlullend – von aggressiven oder allzu verzweifelten Stimmeskapaden wurde man folglich verschont. Hier und da streuten FUNERAL indes schiefe Gitarrenparts ein, welche nicht wirklich ins Gesamtbild passen wollten. Insgesamt boten die Norweger eine ordentliche, verträumte Doom-Vorstellung, der es allerdings ein bisschen an Einprägsamkeit und Originalität mangelte.

FUNERAL
FUNERAL markierten trotz ihres Namens eher die verträumten Doomer

19:45, Rockefeller Music Hall: SUSPERIA

Da DISMEMBER im Verkehr aufgehalten wurden, tauschten SUSPERIA kurzerhand den Programmplatz mit ihnen und standen so schon eineinhalb Stunden früher auf der Bühne. Wie auch schon bei ihrem Gig in Pratteln anno 2004 verließen sich die Norweger wiederum auf einen grässlich klinischen Triggersound, welcher die Gitarrenmelodien unsanft verdrängte. Ihrem Übernamen – Norwegens TESTAMENT wurden SUSPERIA trotz solider Vorstellung an diesem Abend nicht gerecht, denn die Amis haben einfach mehr Klasse im Gitarrenbereich. Ihr metallisches A-HA-Cover The Sun Always Shines On TV, welches auch auf der EP Devil May Care zu finden ist, kam indes gut an. Dennoch wurden die Norweger weitaus weniger abgefeiert als die vorher aufgetretenen SYSTEM OBSCURE.

20:45, John Dee Pub: MANNGARD

Danach war es Zeit für das norwegische Quartett MANNGARD. Mit dem Sound hatte es die Formation nicht am besten erwischt, die Gitarrenmelodien gingen unter und übrig blieb größtenteils eher uninspiriertes Death Metal-Geschredder. Dazu gesellte sich ein aggressiver, HC-lastiger Brüll-Gesang, so dass von den Circling Buzzards-Stücken nicht viel übrig zu bleiben schien. Da sich der obere Saal langsam wegen DISMEMBER füllte, zog ich es vor, auch lieber auf das Schweden Death-Brett zu warten, anstatt im heißen Keller weiterhin MANNGARD zu ertragen.

21:15, Rockefeller Music Hall: DISMEMBER

Trotz der Verspätung wurden DISMEMBER in der Halle frenetisch begrüßt – frei nach dem Motto: Ehre, wem Ehre gebührt. In der ersten Reihe wurde die Schwedenflagge wieder gehißt, DISMEMBER goutierten das nette Willkommen mit einem groovenden Schweden Death Metal-Brett und vollem Körpereinsatz beim Bangen. Dieser Bewegungsdrang sprang sogleich auf das Publikum über und es war Zeit, die Matten heftig kreisen zu lassen. Nach den letzten Klängen vom neueren Trail of the Dead ließ es sich Fronter Matti nicht nehmen, die Ansage für den nächsten Song mit einer speziellen Karfreitagswidmung zu versehen: Soon to be dead wurde somit Jesus Christus gewidmet. Das Publikum jubelte über die schwedischen Ansagen, die geballte Elchtod-Power entfesselte das Quintett in Casket Garden. Bei diesem Song rastete die Menge komplett aus und auch die sonst eher bewegungsscheuen Black Metaller ließen sich von DISMEMBER mitreißen. Das folgende flotte Tragedy of the Faithful widmeten die Schweden IRON MAIDEN. Wiederum stimmten Publikumsinteraktion und Mucke perfekt zusammen, Aufrufe zum Bierkonsum wurden lautstark goutiert und Kracher wie Autopsy, Reborn in Blasphemy, Skin her alive und das abschließende Dreaming in Red taten das Übrige für die anhaltende Begeisterung. DISMEMBER vereinten perfektes Zusammenspiel mit leidenschaftlicher Hingabe und vor allem: Sie rockten die Halle. Mit einem herzhaften Thanks Inferno – This is DISMEMBER verabschiedeten sich die sympathischen Todesmetaller. Nackenschmerzen ahoi!

DISMEMBER
Volle Schweden Death Power – DISMEMBER

22:15, John Dee Pub: ENDSTILLE

Die nun folgenden ENDSTILLE versprachen das pure Gegenteil ihrer schwedischen Kollegen. Wiederum wurde es im Kellerraum ziemlich voll, da viele an der einzigen deutschen Truppe an diesem Festival interessiert waren. Als das Ortungssignal-Intro von Navigator erklang, schnellten die Hände zum Metallergruss nach oben und Jubel bricht aus. Die Kieler Schwarzmetaller legten gleich los und übertrafen mit ihrem Live-Sound noch das rohe Klanggewand ihrer Alben: Denn live regierte bei ENDSTILLE der Staubsaugersound. Zwar hatte das Quartett schon vor langer Zeit begriffen, dass ein echtes Schlagzeug am besten tönt – in dieser Hinsicht konnte man ihnen also keine Vorwürfe machen.

ENDSTILLE
Wenn das Zischen die Bosheit übertönt – ENDSTILLE hinterliessen keinen überzeugenden Eindruck

Nur hört man relativ wenig vom Schlagzeug, wenn Staubsaugergitarren und Zischbass ebenfalls im akustischen Bild präsent sind. Das Publikum ließ sich von diesem Live-Sound, der eher an ein Demotape erinnert, indes nicht beirren und erfreut sich an Songs wie Bless you… god (vom Navigator-Album), Frühlingserwachen (vom Frühlingserwachen-Output) oder Worldabscess (vom Dominanz-Werk). Nichtsdestotrotz machte sich bald Monotonie breit – sowohl akustisch als auch visuell. Außer dem Sänger schien sich keiner für Bühnenpräsenz zu interessieren und im allgemeinen Rauschen ging auch noch das letzte Riff unter. Mittlerweile beschlich einen sogar das Gefühl, dass man sich ENDSTILLE auch zu Hause live reinziehen kann – denn ein weißes Rauschen kriegt man auch mit einem Radio bei 88 MHz hin. Insgesamt boten die Kieler eine eher enttäuschende Performance, welche man angesichts der vier Alben nicht so erwartet hätte.

23:00, Rockefeller Music Hall: BORKNAGAR

BORKNAGAR waren an diesem Abend die letzte Band, welche vom drohenden Ausnahmezustand infolge EMPEROR noch unbehelligt blieb. Die norwegische Formation wurde warm empfangen, selbst wenn der Sänger in seinem Streifenpulli eher atypisch für einen Metal-Frontmann wirkte. BORKNAGAR begannen sogleich, ihre typische epische, leicht wehmütige Atmosphäre aufzubauen, welche jedoch empfindlich durch das maschinell wirkende, getriggerte Drumkit gestört wurde. Gerade BORKNAGAR wäre ein warmer, authentischer Klang hier besser zu Gesicht gestanden und hätte die Stimmung positiv ergänzt. Das hymnische Oceans wise (vom The Archaic Course-Album) begeisterte das Publikum vor allem durch die akustischen Passagen. Die Keys erinnerten hier entfernt an die alten Zeiten von AMORPHIS, leider machte sich jedoch auch eine gewisse Dissonanz zwischen dem Gesang und den restlichen Klängen breit. Das folgende Inherit the Earth (vom Empiricism-Werk) überzeugte vor allem durch die souveräne Bassarbeit und wartete mit weiterem Viking Clean-Gesang auf. The Black Token wurde mit einem Blast-Gewitter eröffnet, welches den klinischen Schlagzeugsound wiederum in ein grelles Licht stellte. Der Sänger schien nun seine stimmlichen Grenzen ausloten zu wollen, was zu doch sehr weinerlichen Interpretation führte. Die Vocals lagen oftmals arg neben der Harmonielinie und hatten etwas sehr Gequältes – wurde jedoch gekreischt, flammten die alten BORKNAGAR-Zeiten wieder auf. Insgesamt boten die Norweger ein reichlich durchwachsenes Set – während neben Ad Noctum auch Songs wie Ruins of the Future mit einer leicht an FINNTROLL oder ENSIFERUM erinnernden Melodie überzeugten, nervten der Drumsound und die teilweise allzu waghalsige, harmoniemalträtierende Vocalsakrobatik.

Inzwischen hatte sich die Rockefeller Music Hall immer mehr gefüllt und bereits während des BORKNAGAR-Sets tummelten sich hier vermehrt sehr merkwürdige Gestalten, so etwa Fans mit spezifischem EMPEROR-Corpsepaint (das mittlere Logo E um das Auge herum) oder auch eine schwarze Lack-Krankenschwester. Die Norweger BLOODTHORN hatten so trotz der späten Spielzeit wohl die Arschkarte des Abends gezogen. Denn obwohl die Death Metaller direkt vor EMPEROR spielten, führte der Umstand, dass sie dies im anderen Konzertraum taten, dazu, dass die meisten Besucher eine Stunde in der Rockefeller Halle ausharrten, um auf die Black Metal-Legende zu warten und sich einen guten Platz zu sichern. Da Nocturno Culto mit seinem old schooligen Set die Leute ebenfalls nicht in die Flucht schlug, harrte auch ich für EMPEROR aus und verzichtete auf die Performance von BLOODTHORN.

We will teach you a lesson in black metal from Telemark, Norway – 1:00, EMPEROR

Bereits um 00:15 Uhr hatten sich im Rockefeller die fünf vordersten Reihen fest formiert. Alle schauten sie gebannt auf den schwarzen Bühnenvorhang, auf den ein Beamer das Festivallogo und die Aufschrift Inferno 2006 – Emperor 1:00 warf. Allen war klar, dass dies der Höhepunkt des Festivals werden würde. Kaum erklangen hinter dem Vorhang die ersten Klänge für den Drum-Soundcheck, skandierte das Publikum inbrünstig EMPEROR, EMPEROR. Kein Herumtollen und -prollen, nur gespanntes, ehrfürchtiges Warten. Jeder Ton von der verhüllten Bühne wurde gierig aufgenommen, Kraftnahrung für alle, die sich die Beine in den Bauch standen.

EMPEROR
We will teach you a lesson in Black Metal – Meister Ihsahn eröffnet den EMPEROR-Reigen majestätisch

Pünktlich um ein Uhr nachts erloschen langsam die Lichter und der Vorhang öffnete sich. Alle Hände schnellten zum Metallergruss nach oben, denn auf der Bühne standen erhaben die Black Metal-Götter. Zwei der legendären Logo Es umrahmten das teilweise löchrige Backdrop mit dem alten Reiter der Split: EMPEROR waren endlich wieder da. Feuer flammte auf, Ihsahn schien priestergleich eine schwarze Messe zu eröffnen. 1500 Leute hielten den Atem an, bis sie die Gitarrenklänge erlösten. Frisch wie in ihren alten Tagen bretterten EMPEROR Into the infinity of thoughts, um es nahtlos ins nicht minder geniale Cosmic keys to my creations & times überfließen zu lassen. Ihsahn zeigte sich noch einmal als extrem charismatischer Frontmann und souveräner Gitarrist. Doch auch Samoth & Co. versprühten pure Leidenschaft in blackmetallischer Vollkommenheit. Jede Pose, jeder Griff saß und wirkte stets echt und voller Emotionen. Gänsehaut und kalte Schauer liefen wohl nicht nur mir über den Rücken, der Saal schien zu pulsieren, die unvergleichliche Atmosphäre nahm von jedem einzelnen Besitz. Diese Stimmung mutete beinahe schon irreal an, doch Ihsahns norwegische Begrüßung zeigte die Realität auf: Die großen Meister EMPEROR erhoben sich für ihre letzte Schlacht in ihrer Heimat; oder anders formuliert: Der Anpfiff für das Black Metal-Heimspiel des Jahres war getan.

Mit einem Schrei Inferno! bändigte Ihsahn das Publikum und ließ sogleich verlauten: We will teach you a lesson in black metal from Telemark, Norway! Applaus und demütiges Aufschauen – abgesehen von Nocturno Culto hinter dem DJ-Pult waren ausschließlich Schüler und Schülerinnen anwesend, die jede Sekunde dieser Lektion in sich aufsaugen wollten. Diesem Wunsch trugen EMPEROR Rechnung. In perfektem Zusammenspiel boten sie Thus spake the night spirit dar, worauf nicht nur mir vor Ergriffenheit zum ersten Mal die Tränen kamen. Ja, auch der eine oder andere beinharte Schwarzmetaller konnte an diesem Auftritt seine Tränendrüsen nicht mehr beherrschen. Zu überwältigend die Performance, zu traurig der Gedanke, dass dies das letzte Mal sein würde. Der Saal tobte und bebte, jede Pause wurde mit EMPEROR, EMPEROR-Sprechchören gefüllt. Ihsahn bedankte sich bescheiden für den Applaus, was die Menge noch mehr anstachelte.

EMPEROR
EMPEROR entfachten das wahre Black Metal Inferno

Nach zwei Songs von IX Equilibrium – Analogy of my cross und Curse you all Men! – kündigte der Fronter einen Ausflug nach way, way back in der Zeitrechnung an und EMPEROR ließen mit Wrath of the Tyrant ihre Demotage wieder aufleben. Der Basser ergab sich dem gekonnten Kreisbanging, Trym bearbeitete souverän die Felle seiner eigens rangeschafften Drumküche. Ihsahn fragte (rhetorisch): Do you know the ´In the Nightside Eclipse´? It´s many years since we played this song… und stimmte The majesty of the nightsky an, was die Stimmung weiter anheizte. Weitere Schmankerl waren The Loss and Curse of Reverence und With Strength I burn.

Um 1:55 Uhr wurde kurz und knapp – man konnte gar meinen, als Pflichtübung – das schwächste Album Prometheus mit einer Darbietung von In the wordless chamber berücksichtigt, woraus eine Black Metallerin sogar Crowdsurfing betrieb. Angesichts dessen, dass an diesem Festival kaum ein Mosh Pit entstand also ein außergewöhnliches Ereignis, fürwahr. EMPEROR gaben ihren Anhängern, worauf alle sehnsüchtig gewartet hatten. Alle wussten, dass die Zeit für den Abschied nun bald da war und EMPEROR lieferten eine grandiose Inszenierung von Inno a Sathana. Rotes Licht flutete die Bühne, Ihsahn erschien als infernalischer Herrscher, der von seinen Jüngern mit frenetischen Chören von Inno a Sathana, Inno a Sathana gefeiert wurde. Eine unvergessliche, ja magische Szene, eine Welle überflutete die Sinne, eine würdige Karfreitagsmesse. Trotz des erklingenden Outros war klar, dass die Truppe nochmals die Ruhmesbretter betreten würde – denn ihre Hymne war an diesem Abend noch nicht erklungen.

Einige Minuten später erschien die norwegische Black Metal-Legende nochmals – für ihre zwei letzten Songs. Ihsahn hatte seine alte Spitzenrüstung angezogen und EMPEROR performten nun ihre Hymne – I am the black wizards. Obschon gecovert von x Bands, zeigten die Norweger zu jeder Sekunde, warum es eben ihr Song ist und lieferten eine perfekte und mitreißende Darbietung, ja, eine wahre Offenbarung. Mit dem Opener des Anthems to the welkin at dusk-Meisterwerks – Ye Entrancemperium und einem pyrotechnischen Funkenregen sondergleichen traten EMPEROR ab und damit eine der letzten Black Metal-Legenden. Stilecht mit Funken und Feuer – eben die schwarzmetallische Art, sich am Karfreitag zu verabschieden. R.I.P. EMPEROR og tusen takk!

Samstag, 15.4.2006

Der Abend nach dem Sturm. Es war klar, dass der gestrige EMPEROR-Auftritt nicht mehr getopt werden konnte, denn dieser hatte in einer eigenen Liga stattgefunden. Dieser Umstand zeigte sich auch in den Besucherzahlen – einige hatten bereits ihre Heimreise angetreten und so lichteten sich langsam die Reihen und eine erschöpfte Stimmung ergriff von manchem Besitz. Da half es auch wenig, dass der heutige DJ Nebel unter anderem alte CELTIC FROST-Songs und reichlich SLAYER auflegte.

17:45, John Dee Pub: THE LEGION

Die Schweden von THE LEGION hatten an diesem Samstag eher unerwartet die Position des Openers erhalten. Ihr Name war ihnen indes vorausgeeilt und der Kellersaal war bereits zu dieser frühen Stunde gut gefüllt. Das Quintett gab gleich von Anfang an Vollgas und feuerte vertrackte, schnelle und typisch schwedische Black Metal-Salven in die Meute. Diese schien noch übermüdet vom gestrigen Konzertmarathon und reagierte dementsprechend relativ passiv. Obschon THE LEGION auf ihren Werken Unseen to Creation und Revocation sehr routiniert und professionell agieren, schien sich dieser Eindruck nicht so recht auf ihre Live-Präsenz übertragen zu lassen. Zum einen wirkten die Schweden etwas holzig auf der Bühne, zum anderen klemmte Drummer Emil (MARDUK) hier und da die Ansagen des Fronters ab. Auch dass lediglich der Sänger und der Gitarrist Corpsepaint trugen, machte einen etwas unausgegorenen Eindruck. Musikalisch gab es an THE LEGION indes nichts zu bemängeln – die Breaks saßen perfekt und die Jungs verstanden es, ihr Material souverän herunter zu brettern. Hierbei wurde das Material beider Alben berücksichtigt und Songs wie Impious Gathering oder On Swift Wings schienen das Publikum doch etwas aufzuwecken und zu Applaus zu motivieren. Insgesamt also ein etwas durchwachsener Auftritt, bei dem der berühmte Funken nicht so ganz auf die Zuhörerschaft übersprang.

18:15, Rockefeller Music Hall: DISIPLIN

Als erster Act auf der großen Bühne standen die norwegischen Black Metaller DISIPLIN auf dem Programm. Obschon das Quartett auf seiner Homepage offen mit rechten Symbolen kokettiert und einen obskuren VIP-Club für Black Metaller namens AKBM betreibt (in der Bewerbung muss man lustigerweise unter anderem Stellung zum bandeigenen Drogenkonsum beziehen), erschien das Quartett auf der Bühne des INFERNO FESTIVALS politisch korrekt und zahm. Außer dem Schlagzeuger trugen alle Jungs DISIPLIN-Hoodies, die Klampfer waren zudem bis zu den Augen mit einer weißen, skimaskenähnlichen Bandage vermummt. Davon hob sich Kreischer Jonas ab, der zwar tätowierte Arme hatte, sein Haar jedoch in einem gegelten Seitenscheitel Marke Beamter trug.

DISIPLIN
Zur Abwechslung mal ungeschminkt gab Hellcommander Nattefrost bei DISIPLIN sein Gastspiel

Bezüglich Ansagen gaben sich die Norweger karg und die Publikumsinteraktion generell war beinahe inexistent. Dennoch konnten DISIPLIN bereits auf eine gewisse Fanbasis zurückgreifen und brachten mit ihrem relativ einfach gestrickten Black Metal Bewegung ins Publikum. Einige dissonante Gitarrenquietscher, welche wenig diszipliniert klangen, und punkige Anleihen machten das dargebotene Material wenig interessanter. Stilistisch ließen sich gewisse Parallelen zu den alten Zeiten von CELTIC FROST und KHOLD ausmachen, allerdings fehlte es den DISIPLIN-Songs sowohl an Abwechslung, Originalität als auch am gesunden Mass der Eigenständigkeit, welche man sich sonst von Moonfog-Labelbands gewohnt ist. Eine Überraschung boten die Norweger dennoch: Im fünften Song ging Jonas ab und statt ihm betrat der ungeschminkte und mit 70er Jahre-Fliegerbrille versehene Hellcommander Nattefrost (CARPATHIAN FOREST) die Bühne, um die Vocals-Sektion zu übernehmen. Nach einem gekreischten Hail DISIPLIN tauschte er mit Jonas wieder die Plätze und verschwand so rasch, wie er gekommen war. Das Quartett erntete schließlich einiges an Applaus, wurde aber dennoch von der Bühne geleitet – denn über dem Zeitplan standen auch DISIPLIN nicht.

19:15, John Dee Pub: VESEN

VESEN
Nicht so hässlich, wie angeschrieben – VESEN

Als nächstes standen die Norweger VESEN auf dem Programm, welche sich als hässlichste Band des Festivals bezeichneten. Ganz so garstig schauten die vier Jungs indes nicht aus, als sie die Bühne betraten. Außer dem Fronter, der gleichzeitig Vocals und Gitarrenarbeit übernahm und sich UGLY auf den Bauch geschrieben hatte, trug kein Corpsepaint. Musikalisch bot das Quartett ein old schooliges Black / Thrash Metal-Gebräu, welches hier und da eine gewisse SLAYER-Schlagseite aufwies, aber auch nicht an schwarzmetallischen Stampfriffs sparte. Um die Meute weiter anzuheizen, warf der energische Fronter sogar ein Band-Shirt in die vordersten Reihen, welche die Darbietung mit Headbanging und Applaus goutierte. Trotz einiger reizvoller Basslines vermochten VESEN nicht so recht zu überzeugen, da es auch ihnen schlicht an Eigenständigkeit mangelte und die präsentierten Songs rasch wieder vergessen waren.

19:45, Rockefeller Music Hall: MYRKSKOG

MYRKSKOG
Trotz Nebel ein greller Sound – MYRSKOG

Da die Polen von YATTERING ihren Auftritt am INFERNO FESTIVAL canceln mussten, sprangen die Norweger MYRKSKOG für sie ein. Das Trio legte sogleich los und bot eine technisch ausgefeilte, vertrackte Mixtur aus Black, Thrash und Death Metal an. Der Saal füllte sich rasch und MYRKSKOG verausgabte sich auf der Bühne mit manischem Stage-Acting. Einige Songs wurden mit langen Wind und Gewitter-Intros eingeläutet und mit Kunstnebel untermalt. Trotz weniger Ansagen fanden die Norweger den Draht zum Publikum welches in den vorderen Reihen begeistert mitbangte. Die Formation spielte unter anderem Blood Ejaculation und berücksichtigte beide ihre Alben, Superior Massacre und Death Machine, wobei sich wenig überraschende Parallelen zu ZYKLON ausmachen ließen. Leider hatten wie USURPER auch MYRKSKOG einen sehr klinischen Sound mit künstlich klingendem Drumkit erwischt, was in einem grellen Gedröhne gipfelte. Hörte man sich das Trio ohne Ohrenstöpsel an, fühlte man sich unweigerlich an eine CANNIBAL CORPSE-Produktion wie Tomb of the Mutilated erinnert. Vorausgesetzt, man hört sich das Werk der Kannibalen bei voller Lautstärke auf einer schlechten Stereoanlage an. Schade für die Mucke von MYRKSKOG.

20:45, John Dee Pub: FACE DOWN

Mit FACE DOWN war es wieder an der Zeit für eine schwedische Formation. Das Quartett enterte die Bühne mit dem Kampfschrei There is no God! und begann sogleich, das Publikum mit Death / Thrash-Stampfern zu bombardieren. Hier und dort ließ sich auch eine Tendenz in den Bereich Metalcore ausmachen, doch blieb die dargebotene Mucke insgesamt zu unspektakulär. Fronter Marco Aro (Ex-THE HAUNTED) erwies sich als reichlich aggressiver Brüllwürfel, was jedoch FACE DOWN auch nicht viel spannender machte. Immerhin nutzte die Band die Gelegenheit, auch Songs wie Blood Tiles vom am 4. November 2006 erscheinenden, neuen Album The Will to Power zu präsentieren. Nichtsdestotrotz zog es mich bereits frühzeitig wieder in die Rockefeller Music Hall zurück, um mir einen guten Platz beim folgenden BOLT THROWER-Auftritt zu sichern.

21:15, Rockefeller Music Hall: BOLT THROWER

BOLT
Sie kamen, sie spielten, sie siegten – BOLT THROWER bei ihrer Premiere in Norwegen

Die Halle war bereits eine Viertelstunde vor dem Auftritt von BOLT THROWER voll. Schließlich handelte es sich nicht einfach nur um einen BOLT THROWER-Gig, sondern um eine Premiere: Die Briten waren zum ersten Mal in Norwegen. Zu den symphonischen Klängen ihres Intros betrat das Quintett die Bühne und krönte sich gleich nach den ersten wuchtigen Tönen zu den Tagessiegern. Sowohl in Sachen Stage-Acting als auch musikalisch bretterten das Death Metal-Urgestein unter dem Banner volle Power. Das norwegische Publikum schloss die Formation gleich ins Herz und ließ manisch die Matten kreisen. BOLT THROWER waren sichtlich mit vollem Einsatz dabei und fielen auch durch die sympathische Interaktion mit der Menge positiv auf. Die Setliste wies eine gewisse Ähnlichkeit zu derjenigen der vergangenen Tour mit NECROPHAGIST auf und beinhaltete Kracher wie Mercenary, Cenotaph, World Eater, Sixth Chapter, Entrenched und Fourth Crusade. Die Briten verstanden es, in ihrem Set alte und neue Zeiten perfekt unterzubringen. Außerdem waren sie eindeutig mit dem besten Live-Sounds des ganzen Festivals gesegnet – druckvoll und transparent, mit authentischem Drumkit und zu jeder Zeit so, dass dem Mitreißfaktor von BOLT THROWERs Mucke nichts im Weg stand.

Am Ende versprach Fronter Karl, dass es dieses Mal keine 20 Jahre mehr dauern würde, bis sie wieder in Norwegen rocken würden und verabschiedete sich mit der Aufforderung Drink Hard!. Aufgrund des frenetischen Applauses ließen sich BOLT THROWER indes noch zu einer Zugabe motivieren – nach Where Cannons Fade war dann allerdings endgültig Schluss. Ein durch und durch gelungener Auftritt und definitiv der beste an diesem Samstagabend!

22:15, John Dee Pub: BATTERED

BATTERED
Überzeugten auch nach BOLT THROWER ordentlich – BATTERED

Nach BOLT THROWER auftreten? Ein waghalsiges Unterfangen. Die für SCUM eingesprungenen BATTERED hatten immerhin den Vorteil, dass sie nicht auf derselben Bühne spielen mussten und so eine gewisse räumliche Distanz zu den Briten geltend machen konnten. Als BATTERED jedoch die kleine Stage enterten, wurde gleich klar, dass sie die Hosen nicht voll hatten. Die aus den Überresten von EINHERJER formierte Band machte gleich schon zu Beginn klar, dass sie mit Wikingermucke wenig am Hut hat. Stattdessen lieferten die Norweger eine deftige Metal-Mixtur, welche sowohl saftige Thrashbretter Marke SLAYER als auch Parallelen zu den alten Zeiten von RAGE AGAINST THE MACHINE aufwies. Dazu gesellte sich hingebungsvolles Stage-Acting und besonders der charismatische Sänger Siggy wies eine extreme Bühnenpräsenz auf. Er gab sich komplett seiner Rolle als Frontmann hin, stachelte das Publikum an, kletterte auf die Monitorboxen, sprang wie ein HC-Gummiball auf und ab und schaffte es am Ende sogar, seine Zuhörer ebenfalls zum Mithüpfen zu motivieren – ein wahrlich unerwarteter und ungewohnter Anblick! Besonders Siggy, aber auch der Rest der Truppe legte einen Gig hin, als würden sie vor einem 20`000 Publikum in einem Stadion spielen. Man merkte der Band an, dass sie ob der positiven Reaktion der Meute überwältigt war und sich artig nach beinahe jedem Song bedankte. Und BATTERED genossen ihren Auftritt in vollen Zügen. Im Zentrum der Setliste stand ihr aktuelles Album Battered, welches unter anderem mit Songs wie Parasight, Perfect Illusion und Not One druckvoll vorgestellt wurde. Insgesamt also ein sehr gelungener, frischer und frecher Auftritt nach dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung. BATTERED machten an diesem Abend definitiv Lust auf mehr Live-Action.

23:00, Rockefeller Music Hall: MARDUK

Nach seinem Aufwärmprogramm mit THE LEGION betrat Drummer Emil an diesem Abend bereits zum zweiten Mal die Bühne. Diesmal einen Stock höher, im Rockefeller, zu orchestralen Introklängen, zusammen mit den bemalten Black Metal-Recken von MARDUK. Noch bevor die Schweden einen Ton von sich gegeben hatten, leisteten sie sich einen tiefen Griff ins braune Klo: Statt einem Logo-Backdrop prangte übergroß ein dem Totenkopf der deutschen SS nachempfundener Knochenschädel hinter der Band. Zu allem Überfluss fühlte sich dann ein Deutscher im Publikum auch dazu motiviert, den Hitlergruss vorzuführen – ein ärgerlicher Umstand, war das Festivalspublikum bis anhin doch gerade durch das Fehlen solcher Herrenmenschenidioten-Attitüden aufgefallen. Hier sollten MARDUK wohl mal in ihrem Propaganda-Ministerium ein bisschen ausmisten.

Musikalisch boten die Schweden die rasende schwarzmetallische Vorstellung, die man sich von ihnen gewohnt ist. Ein Lichtblick in dieser Hinsicht war eindeutig der neue Sänger Mortuus, der nicht nur mit stilvollem Keifen, sondern auch mit angepisst-fiesem Auftreten positiv auffiel. In Sachen Bühnenpräsenz kann man dem neuen Mann am Mikro auf jeden Fall ein gutes Zeugnis ausstellen und er erledigte seinen Vocals-Job um Längen besser als sein Vorgänger Legion. Musikalisch lieferten die Schweden einen rasanten Querschnitt über ihr Schaffen. Seien es die alten, grandiosen Those of the Unlight-Zeiten, welche mit On darkened wings und dem umjubelten Burn my coffin zelebriert wurden oder neueres Material wie With Satan and victorious weapons (vom World Funeral-Album) oder Seven Angels, seven trumpets (vom Plague Angel-Werk). Natürlich berücksichtigte das Set auch Material von Panzer Division Marduk, was mit MARDUK, MARDUK -Sprechchören und dem Hissen einer schwedischen Flagge vom Publikum goutiert wurde. Einziger Schwachpunkt beim sehr routiniert wirkenden Auftritt von MARDUK waren die häufigen Songintros – spätestens wenn der dritte Song ein ähnliches Rauschintro aufweist, kommt doch irgendwann mal die Frage nach dem Sinn solcher Intermezzi auf. Insgesamt also eine solide Vorstellung ohne große Überraschungen.

MARDUK
Neuer Sänger, neues Glück – MARDUK

0:00, John Dee Pub: WITCHCRAFT

Nachdem die bösen MARDUK-Jungs ihr Set absolviert hatten, war es einen Stock tiefer Zeit für ihre um einiges netter wirkenden Landsmänner WITCHCRAFT. Fronter Magnus trug einen Schlapphut und eine Art Teppichumhang. Nach einer kurzen, freundlichen Begrüßung der Meute zeigte sich gleich, dass die Mucke der Schweden ähnlich anachronistisch ausgerichtet war: Das Quartett bot fröhlichen Rock mit einigen Folk-Elementen, der genauso gut Ende der 60er Jahre hätte performt werden können. Hier und da ließen sich gewisse Parallelen zu JETHRO TULL und DEEP PURPLE ausmachen, in den eher doomigen Passagen gemahnten WITCHCRAFT an die alten Zeiten von BLACK SABBATH, wenngleich sie weniger düster wirkten. Gesanglich verließ man sich auf glatten Clean-Gesang, welcher ohne Dissonanzen gut mit den restlichen Instrumenten harmonierte und so einen guten Einblick in das Schaffen der Schweden vermittelte. Insgesamt boten WITCHCRAFT zwar keine Innovationen, die Menge jedoch von den MARDUK-Geschwindigkeitsgefilden sanft in den Tempobreich von CATHEDRAL hinunterzubremsen vermochte das Quartett allemal.

Eigentlich standen um ein Uhr morgens noch die Doomer von CATHEDRAL auf dem Programm in der Rockefeller Music Hall. Da jedoch drei Tage metallische Vollbedienung à la INFERNO FESTIVAL nicht so einfach wegzustecken sind und mein Flug am nächsten Morgen ziemlich früh irgendwo von einem Flughafen in der norwegischen Pampa aus startete, waren WITCHCRAFT mein Festivalabschluss. Einen Einblick in die aktuellen Live-Qualitäten von CATHEDRAL gibt allerdings der Bericht von Agony & Ecstasy.

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