ICED EARTH, FREEDOM CALL, METAPRISM: Live im Capitol Hannover 11.01.2018

ICED EARTH, FREEDOM CALL, METAPRISM: Live im Capitol Hannover 11.01.2018

So kann es gehen, dass man doch recht unvorbereitet eingeladen wird zu einem starken Package. FREEDOM CALL Sänger CHRIS RAY hat gerade die Single „Radio Starlight“ vom im Februar erscheinenden Soloalbum „Chasing The Sun“ am Start und lädt zum Wiedersehen ein. Mit einer DER Metal-Bands überhaupt, ICED EARTH auf Tour braucht man da nicht lange überlegen. Wenig überraschend ist zumindest nach dem Opener das Capitol ordentlich gefüllt.

Die Engländer METAPRISM sind ein guter Auttakt

Für einen guten Auftakt sorgen METAPRISM aus dem Süden Englands. Die Band aus Bournemouth bietet das bekannte Beauty And The Beast-Spiel. Mit Theresa eine Frau am Micro, bei der nicht nur die Männer genau hinschauen. Tolle Ausstrahlung und gute Stimme, die recht viel 80er Metal-Style mitbringt. Dazu ein böses Gegenstück mit fiesen Growls und Shouts, wobei Shouter Joey eher wie ein knuffiger Typ wirkt. Auch der Rest der bunt gemischten Band wirkt sympathisch und hat Spaß. Wobei man sich rein optisch die Gitarristen wahlweise auch in einer schwedischen Stonerband oder südeuropäischen Progressive Metal-Band vorstellen kann.

Die Songs sind ein guter Mix aus New-Metal und Melodic Metal, hier und da denkt man natürlich auch an Bands wie LACUNA COIL. Die Band hat einen guten Tag, alles passt. „Catharsis“ drückt gut nach vorn, das sehr melodische „Unleash The Fire“ haut Brüllbär Joey immer wieder zusammen, das gnadenlos nach vorn rockende „Reload“ macht Spaß. Das Debüt „The Human Encryption“ von 2015 wird abgearbeitet, dazu neue Songs, das neue Album „Cathalyst To Awakening“ erscheint am 26. Januar. Ein unterhaltsamer Opener, den man sich gern nochmal anschaut. Das neue Album sollte man im Auge haben.

FREEDOM CALL: Happy Power Metal der live total Spaß macht

Dann ist es Zeit für Happy Metal! FREEDOM CALL sind sicher nicht das, was zuhause in der Doom-Burg täglich läuft. Aber live macht sowas durchaus Spaß. Frontmann Chris ist und bleibt ein selbstverliebter Clown, aber wie soll man besser solch fröhliche Musik verkaufen. Mitsingmelodien und kitschig-schöne Gitarren ohne Ende, die Nürnberger haben leichtes Spiel und präsentieren auch hauptsächlich das aktuelle Album „Master Of Light“. „Union Of The Strong“ ist ein guter Auftakt, wir lieben uns ja eh alle. „We Are All“, „Union Of The Strong“, „Heart Of A Warrior“, „Metal Is For Everyone“. Helden-Metal mit genug Energie um noch Power Metal zu sein und genug Singsang und Kindermelodien um Happy Metal zu sein. Live ein toller und unterhaltsamer Mix, der halt Spaß macht. Das will die Band, das zeigt sie und präsentiert sich als perfekt eingespielt. Das trifft auch auf Kevin Kott zu. Der MASTERPLAN-Drummer sprang für Rami Ali ein, der aus „positiven privaten Gründen“ die Tour nicht mitfährt.

Das Publikum hat Spaß, Chris Ray ist gut drauf, ein überzogener aber witziger Entertainer. Seine eigene neue Single „Radio Starlight“ vom im Februar erscheinenden Soloalbum „Chasing The Sun“ bleibt außen vor, heute ist nur Platz für FREEDOM CALL. Und das ist gut so, das Set ist geprägt von positiver Energie, schaut man nach hinten gibt es nur fröhliche Gesichter. Eine coole Show von einer starken Band. Und live tut Happy Metal irgendwie gar nicht mal so weh!

 

 

ICED EARTH – Echter Metal kann so schön sein!

Dann ist es Zeit für die Band, die ich schon länger aus den Augen verloren habe. Was sie aber ohne zu zögern bestrafen und zeigen, warum sie seit jeher ein Aushängeschild des echten Metal sind. Natürlich steht erstmal das aktuelle Album „Incorruptible“ im Fokus, das es bisher nur auf eine Runde im Autoradio gebracht hatte. So dürfte der Opener heute der des Albums sein, „Great Heathen Army“. Und eigentlich reicht dieser Song um mich wieder zum Fan zu machen. Echter Metal kann so schön sein! Die Band bewegt sich, Stu Block zeigt sich als sympathischer Frontman, das Publikum ist sofort dabei und feiert die Amis. Es werden fette Songs abgefeuert, seit Ewigkeiten mal wieder in der ersten Reihe abzuhotten macht Spaß. „Black Flag“, der Piratensong des Albums, episch, heavy, geht gut nach vorn. Das kann noch besser „Seven Headed Whore“, das in bester SLAYER-Manier die letzten Haare wegfönt. Nicht Headbangen sagte die Physiotherapeutin … Egal, muss! Einmal Gefühle durchrühren, Alltime-Lieblingssong „I Died For You“! Fette Gänsehaut, Gedanken weit weg, wow! „Vengeance Is Mine“, ja auch schon ein Oldie nach 22 Jahren. Das macht einem wieder bewusst, dass ICED EARTH irgendwie schon ewig da sind. „Brothers“ vom neuen Album, diesen Geist der Zusammengehörigkeit gibt es nur im Metal! „Plagues Of Babylon“ mit vertrauten MAIDEN-Parts, „Something Wicked Comes“ wird mit seinen 20 Jahren ordentlich abgefeiert. „Among The Living Dead“, es gibt genug zu feiern.

Nicht nur live schlichtweg eine der ganz großen Metal-Bands: ICED EARTH

Die Band selbst ist natürlich fantastisch, Stu Block ein toller Frontmann, der als echter Metal-Kumpel rüberkommt. Immer wieder wird deutlich, dass es wohl Probleme mit dem In-Earing gibt, sein Gesang kommt nicht immer punktgenau. Das fiel wohl weiter hinten mehr auf, gerade bei den alten Songs. Die Muskelberge an Bass und Gitarre sind sehr aktiv, von Drummer Brent Smedley sieht man nicht viel, dafür spürt man sein präzises Drumming. Nun ja, aber ehrlich gesagt fällt es mir schwer, nicht durchgehend auf Bandkopf Jon Schaffer zu schauen. Optisch Biker-Typ, mit einer fantastischen Bühnenpräsenz. Wie er da fast als Außenseiter auf seiner Seite verweilt und mit unglaublicher Präzision seine Riffs runterschrubbt, als wäre das ganz normal, klasse! Wenn es dann wenig überraschend „Watching Over Me“ als letzte Zugabe gibt ist klar, dass ICED EARTH einfach zu den ganz Großen gehören. Und endlich auch bei mir wieder ganz vorn sind. Überall glückliche Gesichter außer bei der beleidigten Metal Queen, wer will schon angebaggert werden wenn so eine starke Band auf der Bühne steht! Ein klasse Abend mit drei wirklich starken Bands!

Fotos: Frank Hellweg

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!