ENTOMBED A.D., VOIVOD, LORD DYING (Stuttgart Club Cann, 25. November 2016)

ENTOMBED A.D., VOIVOD, LORD DYING  (Stuttgart Club Cann, 25. November 2016)

War das ein Abend! ENTOMBED A.D. waren in absoluter Topform, VOIVOD eine fette Überraschung, LORD DYING ein guter Opener – dazu der Club Cann, der das Zeug zur Lieblingsvenue hat und ein begeistertes Publikum. Überhaupt, die Atmosphäre war ziemlich toll – neben Leuten, die sich ENTOMBEDs Erstwerke Left Hand Path 1990 gekauft haben dürften, waren etliche Jüngere am Start. Ohne jetzt die Vergangenheit allzu sehr verklären zu wollen, es war fast ein bisschen wie früher.

Statt das Konzert über den Bildschirm des Smartphones zu verfolgen, vergnügte man sich im Moshpit oder beim Bangen. Handys wurden nur in der Pause gezückt (Erlebnis am Rande: Ich hab eines gesehen, dass so ungefähr gleichzeitig mit When In Sodom auf den Markt gekommen sein dürfte, das hat noch nicht mal eine Kamera!).

Der junge Mann, dem erst der Kreislauf und dann auch die Knie bei ENTOMBED A.D. wegklappten, wurde sofort von mehreren Leuten aus dem Publikum versorgt und aus der Gefahrenzone gebracht. Die Band unterbrach kurz ihr Set und belohnte seine Rückkehr, indem sie ihm ein Plec als Souvenir überreichte.

Die Musiker mischten sich nach dem Konzert unters Fanvolk, posieren für Fotos, beantworteten Fragen und tranken ganz normal einfach ein Bierchen.

Man freute sich erst gemeinsam auf die Bands, feierte sie gemeinsam ab und beschloss den Abend, indem man gemeinsam ein Resümee zog – so viel Einigkeit, Rücksichtnahme (sogar das Anstehen am Biertresen war eine Freude) und gute Laune habe ich in den letzten Jahren selten erlebt.

Und dann waren da ja auch noch die Bands. Der Opener MORBID EVILS fiel für uns dem recht zeitigen Beginn um kurz nach 18 Uhr zum Opfer – da es im Cann allerdings eine strikte Curfew gibt, kommen die Veranstalter nicht drumrum, pünktlich zu beginnen.

LORD DYING

LORD DYING mussten sich samt eigenem kleinen Schlagzeug auf das vordere Drittel der Bühne quetschen, machten aber das Beste aus der Situation. Musikalische sind sie nicht so weit von ENTOMBED weg – dreckiger Death N Roll mit Sludge-Attitüde und unwiderstehlichem Groove.

Die Band hat darüber hinaus einen ganz großen Trumpf im schmuddeligen Ärmel: Drummer Rob Shaffer ist ein ganz Großer, es macht einen Riesenspaß zuzusehen, mit welcher Wucht und Begeisterung er auf sein Drumkit eindrischt.

 

 

VOIVOD

Bei VOIVOD war es vom ersten Song „Killing Technology“ an voll in der Halle – das hat mich doch etwas überrascht – passt aber zum ganzen Abend. Vollkommen wurscht, welches Genre eine Band bedient, macht sie es gut, gibt’s dafür Applaus und Jubel. War früher so, kann auch heute noch so sein. VOIVOD räumten ziemlich ab und insbesondere Sänger Snake war eine ganz ungewohnte Abwechslung zum Metal-Standard-Posing. Wenn er in seiner Lederweste und seinem Kabelmikro über die Bühne schlenderte und tänzelte, wähnte man sich nicht unbedingt in einem Club – er könnte so auch fast gar im Möbelhaus auftreten. Und ein paar Minuten später dirigiert er die Fans und nimmt sie mit in die abgedrehte Welt von VOIVOD.

Gutgelaunt und gesprächig führte er durch das Set – das von der Bandhynmne „Voivod“ bis zu „Post Society“ von der aktuellen, gleichnamigen Tour-Split-EP alle Seiten dieser ungewöhnlich kreativen Band abdeckte. Er hatte auch die riesige Diskokugel an der Hallendecke entdeckt und bat den Lichtmenschen mit der Begeisterung eines Fünfjähren, diese doch zum Song „Fall“ bitte, bitte einzuschalten – denn das wäre einfach unglaublich toll und würde ihn ja so eine große Freude machen. Dazu die Aufforderung ans Publikum, ein wenig zu tanzen und es ergab sich das etwas schräge Bild einiger Dutzender Langhaariger, die sich im Rhythmus zu den Lichtspielen der Spiegelkugel verrenkten – oder die Halle verließen. Auch das gab es – VOIVOD sind eine Band mit einer ganz eigenen Art, damit muss man erstmal klarkommen. Für Fans war’s ein Highlight – eine Stunde voller verrückter Musik und extremst spielfreudigen Musikern, die unglaublich dicht am Publikum dran waren.

Setlist VOIVOD

Killing Technology
Tribal Convictions
Inner Combustion
Order of The Blackguards
Fall
The Prow
Korgull
Post Society
Chaosmongers
Voivod

 

ENTOMBED A.D.

Noch dichter dran waren ENTOMBED A.D. – nach ihrem letzten Song Supposed To Rot waren Sänger L.G. Petrov und seine Kollegen gar nicht von der Bühne zu bekommen. Jeder, der wollte, bekam einen Handschlag, die beiderseitige Begeisterung wurde direkt am Bühnenrand ausgetauscht und die Setlists im Publikum verteilt (wo sie nicht zerrissen wurden, sondern an jeweils einen glücklichen Besitzer gingen!) und L.G. gröhlt zusammen mit ein paar Fans von ein bisschen bei In League With Satan mit – der Song lief direkt nach dem Konzert über die Boxen.

Wer auf die unglaublich tolle Setlist von LEAFMEAL-Festival vor ein paar Wochen in Dortmund spekuliert hatte, war zunächst ein bisschen enttäuscht, Bandklassiker wie Damn Deal Done, Say It In Slugs oder Hollowman gab es in Stuttgart nicht – dafür das volle Brett mit etlichen alten Songs und einigen neuen wie Dead Dawn – die deutlich zeigten, wer denn nun die echten ENTOMBED sind! Spätestens bei Wolverine Blues, Left Hand Path und Chief Rebel Angel, den Zugaben Night Of The Vampire und Supposed To Rot war dann kollektives Ausrasten angesagt – die Jungs auf der Bühne sahen sich ob des Mobs vor ihnen ein paarmal ungläubig um.

Setlist ENTOMBED A.D.

Midas in Revenge
Stranger Aeons
Second To None
Eyemaster
Dead Dawn
Living Dead
Out Of Hand
Waiting For Death
The Winner Has Lost
Revel in Flesh
Wolverine Blues
Chief Rebel Angel
Night Of The Vampire
Supposed to Rot /Serpent Saint

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andrea
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