ENTER THE ETERNAL FIRE 2017, 21. – 22.07.2017, Volyne (CZ)

ENTER THE ETERNAL FIRE 2017, 21. – 22.07.2017, Volyne (CZ)

Tschechische Festivals haben doch immer wieder ihren ganz besonderen Reiz: Da sind die besonderen Locations – im Falle vom ETEF das Freibad von Volyne, wo sich die Festival-Besucher auch im Pool abkühlen konnten -, die tschechische Gastfreundschaft, die post-kommunistisch straffe Organsiation, als dass sämliche Bands pünktlichst starteten, das nahrhafte Essen mit seinen wenig Kalorien sparenden Würsten und selbstredend das gute und günstige Bier.

Doch auch im Speziellen zeichnete sich das ETEF-Festival durch seinen ganz eigenen Charme aus, als dass das kleine, aber feine Organisationsteam bei Schwierigkeiten rasch und mitunter unkonventionell reagierte, wenn zum Beispiel die Bassdrum zu wandern begann, Latten aus der Bühne brachen oder sonstiges. Zudem hatten die Veranstalter auch den Sound bestens im Griff und an der Ausschank kam es zu keinem einzigen Zeitpunkt zu Warteschlangen. Da nimmt es fast Wunder, dass das Festvial seitens der Besucher fast durchgehend in einheimischer Hand ist: neben mir als Österreicher kam mir lediglich ein einziges deutsches Auto unter die Augen… und das, obwohl Volyne bloß 100 Kilometer von Passau, 200 Kilometer von Regensburg oder 150 Kilometer von Linz entfernt ist.

Und trotz der geringen Entfernung gelang es mir wieder nicht, rechtzeitig vor dem Festival-Start vor Ort zu sein. Im Gegensatz zum ebenfalls tschechischen MADE OF METAL-Festival, als wir uns im beschaulichen Weinviertel verfahren hatten, musste ich diesmal in Tschechien einige Umwege auf mich nehmen. Vielleicht wird es ja wirklich einmal Zeit für ein Navigationsgerät, das meinem Bauchgefühl in Sachen Orientierungssinn den Rang abläuft. Aufgrund der Verspätung entgingen mir die Tschechen von DPK und die Schweden von ANGREPP, von denen aber die halbe Band am nächsten Tag eh noch bei IXXI im Einsatz war.

Freitag, 21.07.2017

NAHUM
So startete mein persönliches Festival-Programm mit NAHUM, einer tscheschischen Death / Thrash Metal-Band, die energisch und schnell nach vorne spielte. Die Songs versprühten dabei eine old-schoolige Note, ähnelten sich im Riffing mitunter aber doch zu sehr. Dennoch lieferte Sänger Pavel Balcar, der ganz gute Growls und selten auch Screams einsetzte, eine gute Show. Aber auch Gitarrist Tomash Nahum konnte mit dem einen oder anderen Solo überzeugen.

NAHUM – Enter The Eternal Fire Festival 2017

AUTHOR
Eine spektakuläre Performance folgte sodann von AUTHOR, das Solo-Projekt von Jussi Vähänummi, der sich für seine Live-Performance finnische Landsmänner für die Instrumente organisierte. Und seine Kollegen machten ihre Sache gut, als dass die durchgehend flotten Songs passend mit Gitarren-Melodien ausgestattet wurden. Aber auch der Rhythmus an sich passte gut, so dass das Publikum nicht umhinkonnte, mit den Songs mitzugehen. Sehr bezeichnend für AUTHOR waren jedoch die Vocals von Jussi Vähänummi. Zwar gab es stimmlich null Abwechslung, doch ging einem das Geschrei durch Mark und Bein. Als kleinen Bonus gab es von der Black Metal-Band zudem auch einen kurzen Punk-Song gereicht.

AUTHOR – Enter The Eternal Fire Festival 2017

INFEST
Bei einsetzender Dämmerung starteten INFEST ihr Set. Die Serben, die unter anderem mit einem PUNGENT STENCH-Cover (zumindest klang ein Song nach „I´m a Family Man“) für Stimmung sorgten, spielten ziemlich flotten Death / Thrash Metal, der mit viel Drive einem irgendwie ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Mit ein Grund für diesen Gesichtszug war auch die Bühnen-Performance von Gittarist und Sänger Zoran Sokolovic, der wie aufgezogen auf der Bühne herumgeisterte.

INFEST – Enter The Eternal Fire Festival 2017

DEMONICAL
Schaumgebremster war anschließend der Auftritt von DEMONICAL, einem der Hauptacts des Festivals. Das fing bereits beim Soundcheck an, für welchen die Schweden am längsten brauchten – und selbst dann funktionierte die Harmonie zwischen den Instrumenten und dem Gesang nicht perfekt. Musikalisch spielten die Routiniers ihr Set gut und gefällig herunter: schön schwedisch bratende Gitarren, guter Growl-Gesang und eingängige Songs. Doch irgendwie vermisste man die Leidenschaft. Auch wusste die Band nicht die Möglichkeiten der Lichtanlage zu nutzen – oder sie wollte es schlichtweg nicht.

DEMONICAL – Enter The Eternal Fire Festival 2017

SAILLE
Aber auch die folgenden SAILLE konnten nicht ganz überzeugen. Auch hier mangelte es an Emotionen, die dem Publikum weitergereicht hätte werden können. Vielleicht lag es auch an dem neuen Sänger der Belgier, Xavier De Schuyter, der seinen ersten Auftritt mit der mehr oder minder Symphonic Black Metal-Band absolvierte. Somit waren auch die Ansprachen vor den Songs eher einsilbig. Aber auch gesanglich tat er sich nicht besonders hervor – eine kurz einmal clean gesungene Passage ging sogar ganz daneben. Ja, und auch musikalisch kam nicht alles astrein rüber. Schade, denn auf Scheibe klang die Band besser.

SAILLE – Enter The Eternal Fire Festival 2017

AVENGER
Für den Tagesabschluss sorgten die Lokalmatadore und Mitveranstalter des Festivals AVENGER. Den Heimvorteil nutzte die Black / Death Metal-Band insofern aus, als dass sie die technischen Möglichkeiten zur Gänze ausreizten, was sich in einer gefälligen Lichtshow äußerte. Weiterhin agierten die beiden Gitarristen Petr Rámus Mecák und Jirka Kocián souverän und steuerten einige nette Soli bei. Aber auch Sänger Radek Popel (AFTER RAIN) war voll in seinem Element, wenn er seinen abwechslungsreichen Gesang einzusetzen wusste. Auch wenn die Tracks kompositorisch an sich nichts Besonderes darstellten, so wurde man doch der Leidenschaft der Musiker gewahr.

AVENGER – Enter The Eternal Fire Festival 2017

Samstag, 22.07.2017

IMPURITUM
Nur gute zwölf Stunden nach dem jüngsten Auftritt stand die Hälfte der AVENGER-Mannschaft erneut auf der Bühne, um den zweiten Festivaltag mit IMPURITUM zu eröffnen. Trotz der nur kurzen Pause waren es vor allem Drummer Honza Kapák (AFTER RAIN) und Gitarrist Petr Rámus Mecák, die der Musik der Death / Black Metal-Band ihren Stempel aufdrückten. Gesanglich war das Ganze aber etwas eindimensional – ganz im Gegensatz zu der erneut zum Einsatz gekommenen Lichtshow, deren Effekt aber angesichts des strahlenden Sonnenscheins verpuffte.

IMPURITUM – Enter The Eternal Fire Festival 2017

DEMIMONDE
Zum Verpuffen verdammt waren auch die Bemühungen der Experimental Metal-Band DEMIMONDE. Denn die Songs und Samples der Prager waren derart experimentell, dass kein Zusammenhang erkennbar gewesen wäre. Auch das Publikum tat sich sichtlich schwer, auch nur in Ansätzen mit der Musik mitzugehen. Da halfen auch die vielen Gesten von Sänger De.polar, der unter seiner Maske gehörig ins Schwitzen geriet, nichts. Für ein Unikum beim Festival sorgte jedoch der marginale Einsatz von Frauenvocals, schließlich war es die einzige Performance einer Frau auf der Festivalbühne.

DEMIMONDE – Enter The Eternal Fire Festival 2017

BEHEADED
Weit nachvollziehbarer präsentierten sich in der Folge BEHEADED. Die maltesische Brutal Death Metal-Band hatte aber noch mit den tanzunwilligen Festivalbesuchern zu kämpfen. Und das, obwohl die Songs der Band groovig und hart zum Besten gegeben wurden. Stark präsentierte sich dabei das Bass-Spiel von David Cachia und auch der Gesang von Frank Calleja, der neben Growls auch Genre bedingte Squeals einsetzte. Als Kontrast zum ansonsten recht flotten Tempo wurden zudem eher langsame Gitarrensoli eingesetzt. Ein guter Auftritt, der aber etwas unbeachtet blieb.

BEHEADED – Enter The Eternal Fire Festival 2017

MÖRKHIMMEL
Etwas mehr Bewegung kam mit MÖRKHIMMEL ins Publikum: Kein Wunder, handelt es sich bei der Crust / Thrash Metal-Band doch um Tschechen. Von der Musik her ließ sich das Ganze mit PUNGENT STENCH vergleichen, wenngleich die Songs an sich etwas mit Abwechslungsreichtum geizten.

MÖRKHIMMEL – Enter The Eternal Fire Festival 2017

RAMCHAT
So richtig ab ging das Publikum dann aber mit der slowakischen Pagan Metal-Band RAMCHAT. Und insbesodere die Herrschaften mit den etwas kürzeren Haaren fühlten sich der Band recht nahe. Dessen ungeachtet gab die Band rund um Gitarrist Pavel Baricák (Ex-LUNATIC GODS) kräftig Gas. Vor allem die Rhythmik der Songs und der Groove stimmte positiv – ebenso wie das Genre unübliche Grinsen von Pavel Baricák. Weniger lächelnd, aber dafür abwechslungsreich im Gesang erwies sich Frontmann Tomáš Jakubec.

RAMCHAT – Enter The Eternal Fire Festival 2017

HELSLAVE
Musikalisch einwandfrei präsentieren sich HELSLAVE. Die Italiener zeigten dabei vor allem mit den guten Growls von Diego Laino auf, der erst seit der heurigen „Divination“-EP bei der Band ist. Weiterhin zeigten die Musiker auch ein gutes Gespür für flottes Tempo und balancierten geschickt zwischen skandinavisch bratenden Gitarren und US-Death-Metal.

HELSLAVE – Enter The Eternal Fire Festival 2017

IXXI
Ein großes Geheimnis rund um ihre Maskierungen und Bemalungen machten IXXI, die ihren Soundcheck noch vor verschlossenem Vorhang durchführten. So richtig zum Fürchten waren dann die Bemalungen der Schweden nicht, wenngleich insbesondere Live-Gitarrist Linus Öhrn und Bassist Elias Niemi diabolische Posen und Gesten zum Besten gaben. Sänger Adrian Lawson hatte hingegen immer wieder ein Lächeln im Gesicht und ließ auch brav das Publikum mitsingen. In der Gesangs-Performance machte er allerdings gerade zu Beginn nicht die beste Figur, was allerdings nicht zwingend mit seinem Lispeln zusammenhing. Äußerst stark präsentierte sich dagegen Drummer Karl Tunander, der neben seiner rhythmischen Arbeit immer wieder auch Zeit fand, seine Sticks fingerfertig durch die Luft wirbeln zu lassen. Aber auch sonst hatte die Musik Pfiff und dank der publikumsnahen Bühnenarbeit wurde der Auftritt von den Fans mit positiven Reaktionen untermauert.

IXXI – Enter The Eternal Fire Festival 2017

QUASARBORN
Diese bekamen zuletzt auch QUASARBORN, die als positive Überraschung des Festivals herausstechen konnten. Schließlich sind die Serben über ihre Landesgrenzen hinweg kaum bekannt – zu Unrecht, wie der überaus spielfreudige Auftritt in Volyne bewies. Denn die Serben spielten erfrischenden, ein wenig an alte MEGADETH erinnernden Thrash Metal, der technisch sehr versiert wirkte. Darüber hinaus war Gitarrist Dorde Lukovic kaum zu bändigen und war auf jedem Quadratmeter der Bühne und auch darüber hinaus zu finden. Welch ein Energiebündel! Aber auch Sänger und Gitarrist Luka Matkovic stand ihm in nichts nach und brachte es zudem zu Wege, eine großartige und in der Stimm-Bandbreite beeindruckende Gesangsperformance abzuliefern.

QUASARBORN – Enter The Eternal Fire Festival 2017

VALGRIND
Ein hartes und routiniertes Set spielte die Grindcore / Death Metal-Band VALGRIND herunter, wobei vor allem das Gitarrenspiel von Massimiliano Elia überzeugen konnte, als dass der Italiener fast durchgehend solierte. Sänger Daniele Lupidi, der nebenbei – und das nur aufs Nötigste beschränkt – den Bass bespielte, begleitete die Musik mit gefälligen Growls, schränkte sich aber in seinem Bewegungsradius ziemlich ein.

VALGRIND – Enter The Eternal Fire Festival 2017

ASSASSIN
Eingeleitet durch mehrstimmige „ASSASSIN“-Zurufe aus dem Publikum marschierte die Düsseldorfer Thrash Metal-Band ein. Dabei war es schön anzusehen, wie sich das Quintett untereinander abklatschte, ehe es sein Set startete. Und die Performance der Musiker war einwandfrei, als dass man den Musikern ihre Spielfreude sichtlich ansah. Dem nicht genug, fanden die Deutschen auch immer wieder Zeit und Gelegenheit, das Publikum mit ins Geschehen einzubinden, was sich schlussendlich auch in einem Moshpit und einer Wall Of Death äußerte. Generell war die Bühnenpräsenz – allen voran durch Bassist Joachim Kremer, Sänger Ingo Bajonczak und Gitarrist Frank „Blackfire“ Gosdzik (Ex-KREATOR, Ex-SODOM) – sehr stark zu spüren. Als weitere Besonderheit galt auch die abschließende Einladung der beiden QUASARBORN-Musiker Luka Matkovic und Dorde Lukovic auf die Bühne, um gemeinsam mit den Routiniers den alten „Assassin“-Song zu performen. Der Auftritt ASSASSINs war somit der beste des ganzen Festivals, als dass man der Band zwar anmerkte, dass sie echte Profis sind, aber denen man auch ihren Spaß an der Musik und ihrem Auftritt abnehmen kann.

ASSASSIN – Enter The Eternal Fire Festival 2017

OUTRE
Auf den Hauptact des Festivals hin hatten es die darauf folgenden OUTRE dann aber schwer, wenngleich sich das Publikum rasch mit dem treibenden Black Metal der Polen anfreunden konnte. Wohl auch, weil die Musik gefällig dahinbretterte und das gewisse diabolische und geheimnisvolle Flair hatte, was auch ein Stück weit an dem Kapuzen tragenden Sänger Mateusz Zborowski gelegen haben mag. Für mich persönlich war es dann auch der Festival-Abschluss, als dass ich auf den letzten Auftritt von MURDER INC. verzichten musste aufgrund meines frühmorgendlich geplanten Aufbruchs zurück in die Heimat.

OUTRE – Enter The Eternal Fire Festival 2017

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Christian Wögerbauer

Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.

Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge