EMILIE AUTUMN im Hirsch, Nürnberg, am 23. Februar 2010

EMILIE AUTUMN im Hirsch, Nürnberg, am 23. Februar 2010

Von EMILIE AUTUMN hatte ich im Netz mal ein recht anständiges Cover von Bohemian Rhapsody gehört. Auch so eine Nummer, die man eigentlich nicht covert, aber okay.

Da sich die Geschichte auch optisch nicht übel anließ, nutzen wir das erneute Gastspiel der Truppe im Hirsch, um uns selbst ein Bild zu machen. Doch wer (wie wir) ein Konzert im herkömmlichen Verständnis erwartet hatte, wurde bitterlich enttäuscht.

Weil wir vorher noch bei Folk-Altmeisterin JOAN BAEZ in der Meistersingerhalle waren (sehr fein, vor allem natürlich Diamonds & Rust), laufen wir im Hirsch ein, als die Sause schon begonnen hat. Doch auf der Bühne scheint gerade Teepause zu sein. Wir erleben die Progagonistinnen gedankenverloren an kleinen Tässchen nippend, ganz so, als würde am Set von Alice im Wunderland gerade eine neue Filmspule eingelegt. Prima, denken wir uns, hammer noch Zeit, kurz aufs Töpfchen zu eilen und ein frisches Bier einzufangen. Aber als wir in den Saal zurückkommen, ist noch immer nix passiert.

Und es passiert auch nichts mehr. In der Stunde, die wir noch erleben, wird ganze zwei mal zum Mikro gegriffen und zu Klängen aus der Konserve völlig übersteuert und mit der Stimme viel zu sehr im Vordergrund ein bisschen geschmachtet. Und einmal greift Miss Autumn zur E-Geige und schreddert ein hartes schräges Solo runter (das Presseinfo spricht von Violindustrial, doch so klingen in meiner Fantasie APOCALYPTICA, wenn sie im Übungsraum ein wenig herumalbern).

Und das war´s dann auch schon. Der Rest der Nacht ist … ein vollendetes Nichts.

Geflegte Langeweile, an der wir teilhaben dürfen wie weiland am C64 bei Little Computer People. Ein Mix aus Nu Burlesque, einer Unterwäscheshow von Viva Maria und den DRESDEN DOLLS ohne Musik. The Asylum For Wayward Victorian Girls, wie die Tourplakate großmündig verkünden? Eher Moulin Rouge backstage, wenn alle Lichter schon aus sind und die Assistentin vom Hausmeister noch einen Sekt ausgibt …

Planlos und ohne Handlungsfaden tollen die Hühnchen in Strümpfen und knappen Höschen über die Bühne, köpfen Champagnerflaschen, wippen ein wenig am Trapez oder verziehen sich zum Knutschen hinter den großen durchsichtigen Spiegel. Erinnert sich noch wer an das großartige Exposed-Homevideo von KISS, wo die Band in diesem Haus mit all diesen Bikini-Mädels lebt, die sich auch alle auf höherer Ebene langweilen, während Paul und Gene ein wenig aus der reichhaltigen Geschichte ihrer Truppe erzählen? EMILIE AUTUMN ist sowas wie die alt-englische Variante davon (ohne Rock´n´Roll – nur die Weiber).

Doch auch als reine Theaternummer versagt Back In The Asylum auf ganzer Linie. Keine Geschichte, kein Spannungsbogen – nix. Nur ein paar hübsche Bilder. Doch dem fesch aufgestylten und stetig kichernden Gothenvolk im Hirsch genügt das vollauf. Ihr seid alle so wunderbar individuell, haucht Dollhouse-Chefin Emilie ins Auditorium, und man blickt sich stauend um, sieht doch das Publikum mehr oder weniger genauso aus wie die US-Truppe auf der Bühne (bißl mehr Stoff am Leib, okay). Kein Wunder, am Merch im Foyer werden statt Tonträgern auch nur T-Shirts, Höschen, Haarschmuck und Kalender der Damen feilgeboten. Um Musik, soviel ist den Gast-Metallern klar, geht´s hier und heute eher nicht.

Ein letztes Mal tippeln die leichtgeschürzten Mädels aufgeregt über die Bretter, bis ein muskulöser Pfleger im weißen Latex kommt, sie einfängt und nach draußen trägt. Peng, Licht an – dat war´s.

Mann, dagegen war Russ Meyers Beyond The Valley Of The Dolls ja Hochkultur. Zumal da wenigstens noch richtig blank gezogen wurde, aber ich weiß schon, heutzutage wird nur noch (Achtung, Fachbegriff-Alarm) geteased.

Ganz maue Nummer, ehrlich wahr.

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