ELÄKELÄISET: Schlachthof, Wiesbaden, 22.09.2015

ELÄKELÄISET: Schlachthof, Wiesbaden, 22.09.2015

Die finnische Polka-Truppe, die Ende der 90er die Herzen der hiesigen Metal-Szene im Sturm eroberte, überrascht inzwischen durch eine unerwartete Nachhaltigkeit. Zwar mögen die Konzertberichte – dieser hier eingeschlossen – repetitiv wirken und die Grundidee niemand mehr überraschen. Doch wenn man vor der Bühne steht, tanzt, hüpft, singt, pogt und trinkt (erfahrene Fans können das alles auf einmal), dann ist die Welt in Ordnung, dann grinst man seine Mitmenschen so fröhlich an, als hätte man im Lotto gewonnen.

Das Alter der selbsternannten Rentner zeigt sich darin, dass die Instrumente nicht mehr zwanghaft kaputt gehauen werden und dass statt Wodka nun eher Bier und Wein fließen. Zudem ist mit Tapio Santaharju ein neues Gesicht hinter dem Schlagzeug. Ihm galt anfangs meine größte Skepsis. Doch schon nach wenigen Takten war klar, dass er ein würdiger Nachfolger von Kristian Voutilainen war. Das Humppa-Herz schlug geradlinig im Rhythmus und zwischen den Stücken versuchte er, seine Bandkollegen mit Kronenkorken zu treffen.

Das Publikum brauchte ein paar Stücke, ehe das Tanzfieber um sich griff. Gut ein Drittel der etwa 300 Zuschauer verwandelte schließlich die Hallenmitte in eine Tanzfläche, wo bis zum Konzertende keine Ruhe mehr einkehrte. Die Setlist enthielt zahlreiche neuere und unbekanntere Stücke, zum Beispiel eine tolle Version des Surfin´ Bird (THE TRASHMEN), deren Text im wesentlichen aus dem Wort Humppa bestand. Klassiker wie Humppaleka, Pöpi und Ranttalihumppa kamen spärlich zum Einsatz. Auch dies dürfte ein Grund für die Nachhaltigkeit von ELÄKELÄISET sein. Denn die Stimmung war auch so sehr gut und die Musiker wirkten spielfreudig und motiviert. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie die Band klingen würde, wenn der Auftritt bloße Pflichterfüllung wäre.

Aus meiner Sicht gab es lediglich zwei Schönheitsfehler an diesem Abend: Zum einen fand ich Humpan kuninkaan hovissa (KING CRIMSON) ausgesprochen langweilig, zum anderen war nach 20 Songs und weniger als 65 Minuten plötzlich Schluss. Glücklicherweise folgte ein längerer Zugabenblock mit sieben weiteren Stücken, darunter auch das unsterbliche Humppalaki, bei dem alle aus voller Kehle mitsangen. Natürlich konnte danach einfach nicht Schluss sein. So kehrte das Quartett abermals auf die Bühne zurück und haute als krönenden Abschluss Humppaa tai kuole raus. Großartig!

ELÄKELÄISET rockten vitaler als die meisten Metalbands, die ich dieses Jahr bislang gesehen habe.

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