EARTHSHAKER FESTIVAL 2003: Der Festivalbericht

EARTHSHAKER FESTIVAL 2003: Der Festivalbericht

Anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens feierten JUSTICE im oberfränkischen Hirschaid ihr großes Jubiläumsfestival, das Earthshaker-Fest. Für Euch vor Ort waren Psycho, der sich überwiegend um die Fotos kümmerte, und logischerweise ich.


Bereits am Freitag, als nur Coverbands auftraten, platzte das große Zelt aus allen Nähten und ca. 3000 Leute waren gekommen, um mit ihren Helden anzustoßen. Am Samstag waren es nicht ganz so viele, was mal wieder aufzeigt wie seltsam das Volk in meiner Heimat ist. Lieber 6 Euro zahlen um Coversongs zu hören, als 22 Euro zu berappen, um sich wirklich bekannte und gute Bands anzusehen. Darüber rege ich mich aber schon lange nicht mehr auf.

Das Festivalgelände war in einem Industriegebiet angesiedelt und die Vorteile lagen auf der Hand: Mc Donalds und Edeka nur einige Schritte entfernt. Auch konnte man in den nur in Kürze zu erreichenden Restaurants gut essen. Die Veranstalter wussten dies wohl auch und es war nur eine Essbude vor Ort, an der man auch keine Wartezeiten zu erwarten hatte. Die Parkmöglichkeiten waren in der Nähe und auch das Campinggelände nur ein Katzensprung entfernt, nämlich direkt auf der Wiese neben dem Zelt. Erfreulicherweise musste man weder fürs Parken noch fürs Campen zusätzlich etwas bezahlen. Ebenso waren die Shirtpreise angenehm niedrig gehalten (sehr gut aussehendes Festivalshirt 15 Euro, Bandshirt zwischen 12,50-20 Euro). Das Festival war perfekt organisiert und ich habe wirklich niemanden gesehen, der sich über irgendetwas aufgeregt hat. Auch die bisher getätigten Einträge im Gästebuch der Festival-Homepage waren durch die Bank positiv. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Festival in Zukunft eine feste Einrichtung wird. Auf eines mehr oder weniger kommt es ja nun auch nicht mehr an. Autogrammstunden mit fast allen Bands und Musikern, die ebenso durchs Zelt liefen, um mit ihren Fans zu plaudern, rundeten die familiäre und absolut unstressige Veranstaltung ab.

Den Anfang durften drei Bands aus der Gegend machen, die aber teilweise vor einem erschreckend uninteressierten Publikum auftraten. Lediglich die Thrasher von HATRED hatten sehr viele Freunde dabei, die für gute Stimmung sorgten. Der old-schoolige Thrash Metal war aber genau das richtige um wach zu werden und gefiel mir streckenweise wirklich sehr gut. Eine Band die man sich merken sollte. CRONOS TITAN hatten sich 1989 aufgelöst und feierten beim Festival ihre wohl einmalige Wiederauferstehung. Nur leider war es genauso wie früher. Es interessierte sich einfach niemand für die Band um Basser Kai Pasemann von PARADOX. Vielleicht gerade mal 15 Leute standen vor der Bühne um dem dreckigen, MOTÖRHEAD angehauchten Sound zu lauschen. Nach einer knappen halben Stunde und Ace Of Spades als Cover war dann wohl für immer Schicht im Schacht. Die Band kam zwar sympathisch rüber, hatte aber nun wirklich keine große Daseinsberechtigung auf diesem Festival. STRYKER konnten mit ihren Hard`n`Heavy Rock auch nicht viel mehr Leute mobilisieren. Trotzdem war es eine schöne und runde Sache mal drei unbekanntere Bands zu sehen.

END OF GREEN
Richtig gefreut habe ich mich auf END OF GREEN. Ihr Auftritt beim letztjährigen Summer Breeze Festival hat mich -um in der Sprache unseres Rachendrachens zu bleiben- angefixt und ihr damaliger Auftritt war einer der Festivalhighlights im letzten Jahr. Es war früher Nachmittag, es hatte an die 25 Grad und das Zelt war hell beleuchtet.

Sicherlich nicht die besten Voraussetzungen um eine rauschende Deprifeier zu feiern. Aber die Band machte das einzig richtige und spielte ihre simplen und flotten Rocker (z. B. Motor, Highway 69, Evergreen) und verzichtete auf Songs mit Überlänge, die wohl auch nur in einem kleinen und dunklen Club richtig zur Geltung kommen. Mittlerweile wurde es vor der Bühne auch etwas voller und die Band hat sicherlich wieder einige Fans dazu gewonnen. Sehr amüsant fand ich wieder das Auftreten von Sänger Michi Huber mit Wollmütze, Girlieshirt und schwarzen Fingernägeln. Ihm zur Seite stand Michael Setzer mit Dauergrinsen und – um in der Sprache unserer heutigen Jugend zu bleiben – sehr viel positiver Energie. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Da END OF GREEN diesen Sommer kaum ein Festival auslassen ist zu hoffen, dass sie viele neue Fans dazugewinnen, um im September als Headliner den naheliegenden Live Club in Bamberg vor einer großen Zuschauerschar in Schutt und Asche legen. Ich freue mich drauf!

FREEDOM CALL
Erst waren sie angekündigt, dann wurden sie aus dem Billing gestrichen, um nur ein paar Wochen vor dem Festival wieder eingeladen zu werden. Die Rede ist von FREEDOM CALL, die 45 Minuten Zeit hatten ihre mittlerweile große Fanschar zu befriedigen.

Selbstredend gelang ihnen dies auch mal wieder und die Publikumsreaktionen waren sehr euphorisch. Meiner Meinung nach und auch der Bekanntheitsgrad spricht sicherlich mittlerweile dafür, war die Band viel zu früh im Billing platziert. Überraschungen in der Setlist gab es keine, lediglich bei der Bandhymne Freedom Call war Mitch (der Sänger von JUSTICE) mit auf der Bühne, um mit seinen Freunden den Song zu singen. Mir persönlich waren die Songs etwas zu gleichförmig, zu einfach gestrickt und oft gehört, aber die Band wird diese oft gehörte Kritik sicherlich mittlerweile verschmerzen können. Der Erfolg gibt ihnen schließlich Recht. Mit der nächsten Scheibe will man etwas riffiger werden, was der Band sicherlich auch anzuraten wäre, um mal aus der GAMMAWEEN-Ecke auszubrechen. Trotzdem sind FREEDOM CALL derzeit einer der heißesten deutschen Bands.

EVIDENCE ONE

Im Anschluss hatten EVIDENCE ONE insofern einen schweren Stand, als nur wenige Leute im Publikum mit den Songs vom Debutalbum Criticize The Truth vertraut schienen. EVIDENCE ONE machten aber das beste aus dieser Situation und rockten trotz der anfänglich verhaltenen Reaktionen des Mobs amtlich das Haus. Die Band hatte neben diversen Songs vom Debut mit Virus und dem Titelsong auch schon zwei Nummern des demnächst erscheinenden zweiten Longplayers Tattooed Heart im Gepäck, die zeigten, dass hier mittlerweile eine Band mit Zukunft zusammen gewachsen ist, die ihren Platz im Bereich des Melodic Rock bereits gefunden hat. Das Five-Piece wurde von Sänger Carsten ´Lizard´ Schulz routiniert durch ein
halbstündiges Programm geführt, und als bei der Bandvorstellung während Criticize The Truth Drummer Rami Ali zu einem für offene Münder sorgenden Solo ansetzte, hatten die fünf sympathischen Hardrocker endgültig das Publikum auf ihrer Seite. Man darf sich also auf das neue Album freuen. (Gastreview)

POWERGOD
Runderneuert, sprich mit neuen Frisuren, zeigte sich das Haupttrio von POWERGOD auf dem Earthshaker-Festival. Gitarrist Andy Brings und der schwäbische Frontmann Alex Koch (alias President Evil) präsentierten eine modische Kurzhaarfrisur. Und Drumtier Haan Hartmann hatte sich sogar einen Irokesen schneiden lassen. Nur der Liveklampfer Mirko Salispahic und Konzertbasser Jörg Andraczek konnten noch ihre Matte im Wind wehen lassen. Neues Outfit – neuer Sound?? Weit gefehlt!!!

Den Einstieg machten POWERGOD mit der METAL CHURCH-Hymne The Dark, welche dank den genialen Vocals von Alex Koch Gänsehautfeeling aufkommen lies. Die Coverversionen der Scheibe Bleed For The Gods waren auch der Schwerpunkt des POWERGOD-Sets. Kill With Power von MANOWAR, Metal Merchants (HALLOWS EVE), Madhouse von ANTHRAX oder auch der WARLOCK-Klassiker Burning The Witches warf man den Metalheads zum Fraß vor, die dann dankend den Teller leer aßen und ordentlich Stimmung machten. Leider muss auch gesagt werden, dass eigene Stücke wie Got Milk oder Back To Attack weniger euphorisch von den Fans aufgenommen wurden und POWERGOD vor allem durch die Covers einen respektablen Erfolg einheimsen konnten. Was auch noch verbesserungswürdig war, ist der Entertaineraspekt von Sänger Alex. Gesanglich macht ihm so schnell niemand etwas vor, nur waren seine Ansagen recht langweilig und oft gehört. Hier sollte der sympathische Fronter noch ein wenig an sich arbeiten, um auch die letzten apathischen Leute aus der Reserve zu locken.
Ansonsten sah ich eine bewegungsreiche Show, eine gut eingespielte Combo und Schlagzeuger Haan gegen später des Sets nur in einem dunkelblauen Stringtanga bekleidet hinter seiner Schießbude sitzen. Yezzz, POWERGOD machen Laune!!! (Psycho)

JUSTICE
Es ist wirklich beeindruckend welche Fanschar sich JUSTICE in den letzten Jahren erspielt haben. Die Band, welche an diesem Nachmittag nur eigene Songs (überwiegend von der The Hammer Of Justice-Scheibe) spielte, kann wirklich stolz auf ihre Fans sein, welche die Band auch wieder nach allen Regeln der Kunst abfeierte.

Mir persönlich sind die Songs, die meist im Death Metal-Bereich angesiedelt sind, etwas zu einfach strukturiert und Sänger Mitch verschenkt hierbei seine Stimme, die viel mehr drauf hat, als wie an diesem Nachmittag gezeigt. Mit This World Is Mine wurde auch ein neuer Song vorgestellt, welchen sich die Fans für lediglich 2 Euro zulegen konnten. Dieser Song groovt wie Hölle, ist ein wirklicher Hit und definitiv ein Weg in die richtige Richtung. Die Stimmung war sehr gut, auch wenn viele Fans, die sonst nur die nachgespielten Hits der Band kennen, schon etwas irritiert bezüglich der Härte der Songs waren. Auf alle Fälle Daumen hoch für die Band und auf die nächsten 15 Jahre!

ANNIHILATOR
Nachdem Kollege Fierce von der Leistung des neuen ANNIHILATOR-Sängers Dave Padden auf dem Bang Your Head 2003 alles andere als begeistert war, wartete ich schon gespannt auf den Auftritt der kanadischen Thrash-Formation. Gegen 19.00 Uhr bestiegen die fünf Herren dann die Bretter und als ich den neuen Frontmann sah, dachte ich mir sogleich, dass er optisch absolut nicht zum Rest der Band passt. Recht jung und ohne Ausstrahlung stand er irgendwie hilflos bzw. fehl am Platze zwischen Jeff Waters und Co.!

Vielleicht braucht der junge Bursche einfach noch ein wenig Zeit, um zu reifen und an Ausstrahlungskraft zu gewinnen.
Gesanglich kann ich allerdings nichts bemängeln, denn Dave erledigte seine Darbietung astrein und lies die Songs aus zahlreichen Schaffensphasen von ANNIHILATOR in neuem Glanz erstrahlen. Als nahezu perfekt kann ich seine Vocalsleistung abhaken. Darüber hinaus war natürlich Mr. Jeff Waters der Blickfang Nummer 1 der Combo. Mit viel Spielwitz und den gewohnt unterhaltsamen Grimassen, bekam Jeff sicherlich noch Kilometergeld bei der Strecke, die er auf der Bühne im Laufe des Sets zurück legte. Mit einem genialen Sound, der fetten Gitarrenwand und einem Randy Black an den Drums, der in sicherer Perfektion sein Kit malträtierte, ließen die Kanadier keine Wünsche der ausrasteten Fans offen.
Mit Songs wie z.B. Alice In Hell, Set The World On Fire, Shallow Grave, Imperiled Eyes oder auch The Box legte das Quintett eine Show hin, die ANNIHILATOR für mich zum Gewinner des Earthshaker-Festivals machte. Mehr davon!!! (Psycho)

DORO
Vor dem Konzert und mit der Gewissheit, dass ich den Bericht schreiben werde, stellte ich mir die Frage ob ich mich ärgern oder freuen soll. Schließlich würde ich nie auf die Idee kommen mir DORO mal als Headliner anzusehen,

bzw. möchte ich es auch nicht Psycho antun, den Gig zu begutachten (Hey Frank, ich habe mir sogar den gesamten Gig reingezogen!!! – Psycho). Soll er in der Zeit besser seinem liebsten Hobby frönen…. Als eifriger Festivalbesucher wird einem DORO ja förmlich Jahr für Jahr aufgedrängt und so durfte ich auch 2003 wieder in den Genuss einer Show der Dame kommen. Ich kann es kurz machen und sagen, es war wie immer. Wirklich coole Songauswahl mit I Rule The Ruins, Burning The Witches, Metal Tango, Earthshaker Rock und natürlich den Hits All We Are bzw. Für Immer. Auch stellte die Metalqueen wieder die Band vor, mit hinzufügen des Jahres seit dem die Musiker schon in der Band sind. Am Anfang war der Sound viel zu laut, dies pendelte sich aber im Laufe des Gigs ein und es war wirklich wie immer. Auch sang ich wieder die alten Klassiker leise vor mir hin und wippte mit dem Fuß. Es war o.k., den Leuten gefiel die Abwechslung und ich mache mir gerade Gedanken, bei welchen Festival ich die Dame im nächsten Jahr wohl ansehen werde.

TESTAMENT
Bisher standen meine livehaftigen Erlebnisse mit TESTAMENT unter keinem guten Stern. Bei den Clash Of The Titans-Festivals spielten sie nur einen kurzen Gig und zur Souls Of Black-Tour streikte das Auto auf halber Strecke.

Dann machte sich die Band recht rar, bzw. ich verlor sie auch ein wenig aus den Augen, da ich mit ihren Stilwechseln nicht immer klar kam. Wacken 2000 sagten sie ab und im Frühjahr bei den No Mercy-Festivals machte ich dann gesundheitlich schlapp, so dass ich mich schon sehr auf den Earthshaker-Gig freute. Es war mittlerweile Mitternacht als die Band loslegte um 13 Songs, größtenteils Klassiker, in das Volk zu schmettern. Am Anfang war es verdammt laut, aber beim zweiten Song (Practice What You Preach) hatte ich dann einen guten Platz gefunden und konnte die bewegungsfreudige Band genießen. Die Setlist war fast genauso wie ich sie zusammengestellt hätte. Fast nur Songs aus den ersten Alben (Into The Pit, Alone In The Dark, Sins Of Omisson, Disciples Of The Watch, etc.). Wenn neueres kam, dann auch Songs die live gut funktionieren (True Believer). Chuck Billy forderte die Leute auf, beim vorletzten Song Over The Wall auf die Bühne zu kommen. Ein Angebot welches keiner annahm und daran merkte man schon, dass die Fans auch einmal müde werden.
Trotzdem feierten die Fans die Band regelrecht ab und obwohl TESTAMENT seit über 4 Jahren kein Studioalbum mehr veröffentlicht haben, so sind sie immer ein gern gesehener Gast bei einem Festival. Auch wenn sie mittlerweile wieder nur von ihren alten Songs leben. Da sich diese aber immer noch so frisch anhören wie vor 15 Jahren, dürfte dies aber nicht als Kritik angesehen werden. Trotzdem sollte die Band jetzt ab ins Studio und ihre doch noch zahlreichen Fans nicht mehr lange warten lassen und ein Album einspielen, dass ihre treue Anhängerschar von ihnen erwartet. Also kein Power Metal-Scheibchen wie The Ritual oder keine Ausflüge ins Death Metal-Lager. TESTAMENT stehen für Thrash Metal. Das haben sie auf ihren ersten Scheiben gezeigt und beweisen es derzeit live auf den Bühnen.

Fazit: Das Earthshaker-Fest ruft nach einer Wiederholung. Und wenn ich mir die großen freien Flächen am Zeltplatz ansehe, da wächst dann schon der Wunsch nach einer zweiten Open-Air Bühne.

Bericht: Frank & Psycho

Layout: Uwe Möllers (axiser)

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