Die EAV live in der Nürnberger Meistersingerhalle [25. März 2010]

Die EAV live in der Nürnberger Meistersingerhalle [25. März 2010]

Die Themen liegen auf der Hand respektive auf der Straße. Die Krise ist´s, die uns im Schwitzkasten hält: Wo sind sie hin, die wunderbaren Stunden, man hat den Kühlschrank aufgemacht und noch etwas gefunden! Einen Strauß an (un)möglichen Antworten und Auswegen bot die ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG bei ihrem Gastspiel in der sehr gut besuchten Nürnberger Meistersingerhalle.

Klevere Kerlchen sind sie ja, die Herren Eberhartinger und Spitzer. Wohl wissend, dass auch sie mit ihrer EAV nach 33 Betriebsjahren knietief im Greatest Hits-Format und der damit einhergehenden Erwartungshaltung ihrer (noch immer zahlreichen) Fans feststecken, setzen sie aufs duale System. Es gibt zwei Shows: Die obligatorische Best Of-Revue mit den beliebten Schlagern und ein frisches Bühnenprogramm, in dem der Schwerpunkt auf den neuen Nummern liegt. Letzteres stellt das AustroPop-Urgestein in Nürnberg vor. Rockstarke Forderung: Neue Helden braucht das Land.

Doch wer taugt schon als ein solcher in finsteren Zeiten? Barack Obama? ,Yes we can’ heißt auch nur ,fang Du schon mal an’, zwinkert Sänger Klaus Eberhartinger, der noch immer ein Charmbolzen vor dem Herrn ist, ein präziser, lippenflotter Conférencier, der die Meistersingerhalle auch im Alleingang problemlos bespaßt.

Ob Toleranz (Genieß ‘mer no an Panikschnaps, gegen den Kulturkollaps), Völkerverständigung (Ihr seid’s Papst, mir nur Gouverneur von Florida), Missbrauch in der Kirche (Da stellt sich doch die Frage, was schlimmer ist für die Kids: Internet oder Internat) oder die Kochshows im Fernsehen (zu Bizarre Cooking als neuen Formatvorschlag liefert die Band eine wunderbare  RAMMSTEIN-Parodie) – kein Thema, zu dem der EAV nicht etwas einfällt. Auf der Hochebene zwischen Kabarett, ComicRock und schrägem Musiktheater ist die Truppe auch nach vielen Jahren noch immer sattelfest.

Der Grat zwischen Klamauk und Kritik mag ein schmaler sein, doch als Seiltänzer halten sich die sechs Hofnarren aus Felix Austria wacker. Mögen sie auch nicht mehr ganz so anarchistisch und bodenlos sein wie in ihrer Frühphase, so kommt das noch immer herzhaft albern und rotzfrech. Und auch hier duales System: Während sich die Kleinen über die lustigen Kostüme und die netten Melodien freuen, grinsen sich die Erwachsenen eins über den doppelbödigen Schmäh und die bitterbösen Seitenhiebe, der der Truppe bis heute regelmäßig Ärger einbringen. Dass im Gegenzug eine Nummer wie Drei weiße Tauben auch im Spannungsdreieck Bierzelt-Ballermann-Skihütt’n-Gaudi funktioniert, ist quasi das subversive Sahnehäubchen obenauf.

Ganz ohne die großen Hits (Märchenprinz, Ba-Ba-Banküberfall, Küss’ die Hand, schöne Frau, Samurai) geht es freilich auch in Franken nicht. Die werden zwischenrein beziehungsweise als Medley im Zugabenteil gereicht. Am Ende zeigt die Stoppuhr 2 Stunden 20 Minuten Powerplay – so was macht man nur, wenn man nach all den Jahren wirklich noch Lust hat auf seinen Job. Ein krisenfester Job.

setlist EAV
[25. März 2010 – Nürnberg, Meistersingerhalle]

Baden in Aden
Dummheit an die Macht
Eloise und die Krise
Ba-Ba-Banküberfall/Kerkermeister
Obama
Ein Huhn
Neue Helden braucht das Land
Koch-Show: Schweinefunk/3 heiße Tauben/Schnurli/Burli/Ding Dong/Bizarre Cooking
Männer brauchen Tritte
Rabatt, Rabatt
Die Russen kommen/Burli
Märchenprinz 2000
Toleranz
Einmal möchte ich ein Böser sein
Simsalabim (Die Esoterroristen)
Nostradamus/Mein Gott
Beim Csejtei im Hof
Wie schön (wär’ diese Welt)

Medley: Bitte Bier/An der Copacabana/Heiße Nächte in Palermo/Ding Dong/Rumsti Bumsti/3 weiße Tauben/Samurai/Küss die Hand, schöne Frau
Fata Morgana

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