DARK FUNERAL, NAGLFAR, ENDSTILLE u. a. live am Montag, 20. März 2006 im Hirsch, Nürnberg

DARK FUNERAL, NAGLFAR, ENDSTILLE u. a. live am Montag, 20. März 2006 im Hirsch, Nürnberg

Dass meine Kantinenkarte auf der Arbeit neulich ein Restguthaben von 6,66 Euro anzeigte, war definitiv ein Zeichen von unten. Ein dezenter Wink des Höllenfürsten, doch bitteschön den Tourneestopp seiner Jünger DARK FUNERAL in Nürnberg mit einer kleinen Besprechung zu würdigen. Also nichts wie hin in den Hirsch, wo das erste Black Metal-Konzert seit langem in der Stadt eine satte musikalische Tracht Prügel versprach.

Der finstere Reigen nimmt bereits am späten Nachmittag seinen Lauf, wenn anständige Menschen noch auf der Arbeit schwitzen. Kein Wunder also, dass sich der Hirsch erst zur Show von ENDSTILLE füllt. Das Quartett aus Kiel hat sich für die räudige Variante der blasphemischen Musizierform entschieden: Kompromissloses Hochgeschwindigkeitsgeknüppel, ein Sound wie direkt aus Oma Meumes Kohlenkeller und instrumental ein bisschen jeder gegen jeden. Das sorgsam auf alte Schule getrimmte Gerumpel kommt bei der jungen Zielgruppe indes prima an, so dass sogar eine Zugabe drin ist.

NAGLFAR aus Schweden zelebrieren im Anschluss die majestätische Spielart der Schwarzwurzel – und beweisen Stil. Schnittig und erhaben gleitet das Drachenboot durch das tosende Eismeer, der Nordwind bläst unermüdlich, die Gitarren übernehmen die Führung und erzählen die Geschichten mit kristalliner Klarheit. So und nicht anders klingt in Moll gegossene Kälte!

Da können DARK FUNERAL keinen mehr draufsetzen. Zur Blütezeit der nordischen Black Metal-Welle Anfang der 90er Jahre waren die Schweden zwar pünktlich zur Stelle, im Gegensatz zur prominenten Kollegenschaft jedoch weder musikalisch noch ideologisch jemals von genretechnischer Bedeutung. Was zumindest den Vorteil hatte, dass sich die vier (jetzt fünf) Satansbraten voll und ganz auf ihren Sound konzentrieren konnten.

Doch wo DARK FUNERAL auf Tonträger mit einer sympathischen Death Metal-Kante inklusive dezenter Gitarrenmelodien aufwarten, ist live Langeweile de Luxe angesagt. Schlagzeug-Motor Matte Modine knüppelt seine Mitstreiter ebenso präzise wie unerbittlich in Grund und Boden, der Gitarrensound jedoch bleibt so dünn wie die Ärmchen seiner Erzeuger. Ansonsten ist auf der Bühne gelangweiltes Rumstehen in schlechten Lederrüstungen mit noch schlechterer Kriegsbemalung angesagt. Unglaublich aber wahr: Da passiert rein gar nichts. Irgendwie hat wer vergessen, diesen Gothic-Püppchen zu sagen, dass Heavy Metal springen, toben, rennen und kämpfen ist. Und rocken was mit schwitzen zu tun hat. Ich kann mir nicht helfen: Irgendwie ist Black Metal auch nicht mehr das, was er mal war.