BONECRUSHER FEST 2010 [Nürnberg, Hirsch – 15. Januar 2010]

BONECRUSHER FEST 2010 [Nürnberg, Hirsch – 15. Januar 2010]

Nachdem alle von Vampster ihren Senf zur Bonecrusher-Tour gegeben haben, gibt´s hier noch meinen nachgereicht.

Konzertauftakt 2010: Endlich wird wieder gerockt! Mit Einbruch der Nacht lockt das Bonecrusher Fest in die große böse Stadt. Ein bunt gemischtes Tourpaket mit sieben internationalen Kapellen walzt sich durch Mitteleuropa und macht Station im feschen Frankenland.

Dem Kraut- und Rüben-Programm entsprechend präsentiert sich das Auditorium im vollbesetzten Hirsch bemerkenswert bunt: True, Death und Black Metaller, jede Menge Core-Kappen, viele junge Emokids und dazwischen eine Fraktion strunzbetrunkener GIs im besten 90er Jahre Look mit Karohemden, kurzen Hosen und Schirmmützen wie aus den alten SUICIDAL TENDENCIES-Videos.

Als wir nach der Arbeit um kurz vor 8 in der Vogelweiherstraße einrocken, ist das Vorprogramm schon so gut wie rum. THE FACELESS stehen noch auf der Bühne: Vier bewegungsfaule Kurzhaarige im knappen Beinkleid, die mit den Gitarren unterm Kinn vertrackten Ami-Death kredenzen. So spannend wie die Teilnahme bei Los Wochos (oder so ähnlich).

Als sich wenig später die ersten Kutten mit Frakturschrift, Schwarzen Sonnen und Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein-Aufnähern durch die dichtgedrängten Reihen nach vorne schieben, kündigt sich der Auftritt von NECROPHOBIC an. Hatte ich schon mal erwähnt, daß die Black Metal-Szene ein Arschlochproblem hat? Licht aus, die Schweden in voller Rüstung auf die Bühne – und fies losgerumpelt.

Kaum ist der Anfangsschwung verpufft, entpuppen sich NECROPHOBIC als die Alemannia Aachen des Black Metal: Solide zweite Liga, aber mehr geht da auch nicht. Anders ausgedrückt: Die schwedische Gitarre hat man auch schon schöner singen hören. Klar, der Rumpelfaktor gehört dazu bei einer derart auf old school getrimmten Veranstaltung. Trotzdem kommen NECROPHOBIC auf ganzer Strecke erschreckend dünn und drucklos und – obwohl showtechnisch sichtlich motiviert – auch ziemlich lahm. Nailing The Holy One zum Beispiel – auf Scheibe ein feiner antiklerikaler Hit, der live jedoch völlig verpufft. Optisch ist der rustikale Auftritt freilich trotzdem lustig. Den blonden Hühnen an der Klampfe würde ich mir zum Beispiel sofort als Action-Figur auf den Schreibtisch stellen. Oder den kleinwüchsigen Sänger in seiner Uniformjacke (der zwischenrein irgendwas schwafelt von wegen der hochinteressanten Geschichte Euerer Heimatstadt) als bösen Schlumpf für die nächste Gartenparty engagieren…
Während das Black Metal-Publikum stocksteif nach vorne starrt, starten ausgerechnet die bunt gewandeten und schon mächtig vorgeglühten Emo-Kids einen satanischen Circle-Pit, werden von dem stolzen Deutschen aber recht schnell und vor allem rabiat in die Schranken gewiesen. Wer schubst, kommt ins Lager (oder so ähnlich). Ist mal wieder alles recht seltsam an diesem Abend.

 Bemerkung am Rande: Ich steh ja drauf, wenn diese ganzen aufgetakelten Höllenfürsten (The next song is for those who stayed satanic!) abposen, als gäbe es kein Morgen mehr… aber wenn du dann genau hinguckst, siehst du an ihren Fingerchen die güldenen Trauringe glitzern. Und du weißt genau, wie das abläuft zu Hause bei Muttern (Sebastian, Du kannst Deine Freunde gleich bitten nach Hause zu gehen, wenn sie am Samstag bei unserer Trauung in der Kirche in diesen fürchterlichen Klamotten aufkreuzen!). Die feiern sicher auch Weihnachten, aber egal.
Nee, war nix.

 Wie’s geht, zeigen nach kurzer Umbaupause 3 INCHES OF BLOOD. Fünf kauzige True Metaller in Kutten und Metalshirts machen völlig unpretentiös ein Fässchen auf und ihrer kanadischen Heimat alle Ehre.
 Die Gitarren geben die Richtung vor, Schlagzeug und Bass machen hinten zu. Am Mikro steht ein Utzelglutzel, der zwar keine Hoden zu haben scheint, dafür jedoch mit einer halfordschen Sirene gesegnet ist (der zweite Sänger mit den kurzen Haaren und der Hornbrille, der früher immer parallel ein paar Death-Grunts eingestreut hat, muß wohl schon vor ein paar Jahren verloren gegangen sein). Herrschaftszeiten macht das Laune.
Auf Platte finde ich 3 INCHES OF BLOOD ja nur so lala, aber live im Hirsch sind diese Goldbuben zur rechten Zeit am rechten Ort und reißen ohne viel Gelaber eine flotte, herzerfrischende Metalshow runter, bei der soweit alles stimmt. Dabei spielen sie nicht mal ihren Hit Deadly Sinners, doch das ist echt der einzige Schönheitsfehler in dieser Nacht. Horns Up!

Den Sack zu macht THE BLACK DAHLIA MURDER mit modernem Schweden Death made in Amiland, erneut mit totgetriggertem Steril-Schlagzeug sowie einem wild dirigierenden(!) Frontgrunzer. Die Nummer hat man aber leider auch schon besser und vor allem origineller gehört. Einen Song lang macht das Spaß, ab dem zweiten beginnt es dezent zu langweilen. Wurscht. Auch diese Truppe ist schon vergessen, als wir nach einem Absackerbierchen im Foyer verfrüht den Rückzug antreten.

Obwohl THE BLACK DAHLIA MURDER den Shirts nach zu urteilen zu Recht Headliner dieses fahrenden Gemischtwarenladens sind, leert sich der Saal vor Mitternacht zusehends.

Wir schießen draußen noch ein Foto von den Emo-Kids, die in T-Shirt und kurzer Hose bibbernd im Schnee stehen und entschließen uns auf dem Weg zur Karre, doch noch ein verspätetes Abendessen beim Imperialisten um die Ecke einzuwerfen.

Geht schon mal gut los, das neue Jahr.