BANG YOUR HEAD – Festival 2000

BANG YOUR HEAD – Festival 2000

Für die bessere Übersicht:

Der kleine Bang Your Head 2000 – Wegweiser:


Ein paar kleine einleitenden Worte… | Donnerstag | Freitag | Evergrey | Destiny´s End | Jacobs Dream | Exciter | Axxis | U.D.O. | Rage | Saxon | Demons & Wizards | Scorpions | Samstag | Lefay | Manilla Road | Watchtower | Virgin Steele | Krokus | Jag Panzer | Running Wild


Ein paar kleine einleitende Worte…

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Zum fünften mal ist das Bang Your Head Festival am Wochenende also wieder über die Bühne gegangen und schaut man zurück auf die letzten Jahre, so wird deutlich, dass das Bang Your Head 2000 mit dem vor 5 Jahren nur noch in ein paar wenigen Punkten was gemein hat.

Doch vor der Kritik erstmal das Resümee: Das Bang Your Head Festival war auch im Jahr 2000 wieder ein großer Erfolg! Es gab einige überragende Shows zu sehen, das Festival lief insgesamt äußerst friedlich ab und nach wie vor verbreitet das Bang Your Head ein Flair, das einzigartig in der Festival-Landschaft dasteht (von einigen Nicht-Schwaben bekam ich – apropos Landschaft – auch desöfteren zu hören, in was für einer tollen Landschaft das Bang Your Head Festival doch stattfindet >g< ).
Das Bang Your Head lebt von seinem guten Ruf im Lager der Metal Fans und vor allem die einzigartigen Reunion-Shows lassen Kult-Metaller aus nah und fern nach Balingen reisen.

Leute, die rein des Randalierens wegen anreisen sucht man auf diesem Festival vergebens und das friedliche Zusammenspiel zwischen Veranstalter, Fans, Security und Behören kann man ohne zu übertreiben als vorbildlich bezeichnen.

Nach wie vor als kurios könnte man die Begegnung zwischen den Besuchern des Festivals und den Einheimischen bezeichnen; da das Festivalgelände mitsamt den Campingplätzen quasi nahtlos in das Balinger Gewerbegebiet übergeht, kann man immer wieder lustige Situationen erleben, wenn Metaller und Normalos aufeinanderstoßen. Meistens läuft das ganze ziemlich lustig ab, doch leider gibt´s auch immer wieder Begebenheiten, die von den Anwohnern wohl weniger mit Lachen quittiert werden. So ist es angesichts der wenig bereitstehenden Dixies relativ verständlich, dass sich die metallische Schar auf die nahegelegenen Gästeklos von McDonalds und Real stürzen, für mich nach wie vor nicht nachvollziehbar ist es jedoch, wie man – besoffen hin oder her – gleich das gesamte Klo vollgekotzt kriegt und zusätzlich auch noch die Klobrillen abgerissen bekommt. Da wundert es doch niemand, dass es dann beschwerden hagelt und evtl. sogar das Festival selbst in Gefahr gerät.

Zu schade, dass es immer wieder Einzelfälle sind, die das Image einer gesamten Gruppe prägen, denn abgesehen von ein paar wenigen Ausfällen, konnte man auf dem Festivalgelände nur nette Menschen kennenlernen, die einfach Spaß an einer großen Party hatten.

Ebenfalls als äußerst positiv zu vermerken ist, dass es auf dem Bang Your Head keine lästigen Wartezeiten gibt, in welcher Beziehung auch immer. Vom Freitag morgen mal abgesehen, an dem man aufgrund des großen Andrangs doch mal zehn Minuten vor dem Festival-Eingang anstehen musste, blieben lange Schlangen das ganze Wochenende über aus. Egal ob vor den Klos, beim Essenskauf, beim Betreten des Festivals, langes Stehen gab´s einfach nicht.

Und wenn wir gerade beim Betreten des Festivals sind…die Security muss einfach lobend erwähnt werden: schon bei der Einfahrt auf das Campinggelände wurden wir freundlich und gut gelaunt empfangen. Und das setzte sich das ganze Festival über fort. Egal, wo man in Berührung mit der Security kam, man wurde stets zuvorkommend behandelt; einen Satz wie Das wird jetzt so gemacht, weil ich das so will – wie wir ihn z.B. letztes Jahr auf dem Wacken hören mussten – wäre hier undenkbar gewesen.

Ein echter Wehrmutstropfen dieses Jahr war jedoch, dass deutlich zu spüren war, dass sich das Bang Your Head in Zukunft in eine weitaus kommerziellere Richtung bewegen soll.

Gewisse Kleinigkeiten, die für das Bang Your Head bisher typisch waren, wurden einfach weggelassen, obwohl dies IMO auch aus finanziellen Aspekten nicht unbedingt hätte sein müssen.

Für die Fans waren vor allem die zahlreichen prominenten Gäste, die sich unter das bangende Volk mischten, ein ganz wichtiger Bestandteil des Bang Your Head Festivals. So liefen einem in den letzten Jahren plötzlich Kultmusiker über den Weg, von denen man glaubte, dass man sie nicht mal jemals wieder auf der Bühne sehen könnte. Doch dieses Jahr: Pustekuchen.

Ganz klar, auch einige Musiker lokalerer Acts waren auf dem Festival anwesend, denen man auch stets über den Weg laufen konnte und auch die Musiker der spielenden Bands mischten sich immer wieder unters Volk, allen voran die Jungs von JAG PANZER, LEFAY und vor allem MANILLA ROAD. Die extra für diesen Event eingeflogenen Special Guests, die vor allem bei den ersten beiden Bang Your Head Festivals für Stimmung unter den Fans sorgten, blieben dieses Jahr jedoch komplett aus (okay, dass auch diese ein enormer Kostenaufwand darstellt seh ich ja noch ein…)

Auch die Interviews, die vor dem eigentlichen Festival und während der Umbaupausen mit Bands auf der Bühne geführt wurden, schienen dieses Jahr für die Veranstalter vom Heavy, oder was!? keine Bedeutung zu haben. Na gut, mit Schmier von DESTRUCTION und den Jungs von HAMMERFALL wurde dieses Feature nicht völlig unter den Teppich gekehrt, aber mal ehrlich: wen interessierten denn tatsächlich ausgerechnet diese beiden Bands, von denen man in der Metal-Presse doch eh schon völlig übersättigt wird?

Wo waren die Musiker der kleinen Underground-Bands? Wo waren die Kult-Stars des Heavy Metal?

Ein weiterer Höhepunkt des Bang Your Head Festivals in den letzten Jahren waren die zahlreichen kultigen Gastauftritte diverser Musiker bei anderen Bands. Der legendäre Auftritt von Bruce Dickinson während des WARDOG Gigs 1998 wird den Fans wohl ewig in Erinnerung bleiben, aber auch die vielen kleineren Gastauftritte haben es zum Kultstatus gebracht.

Ausgerechnet dieser Bestandteil eines jeden Bang Your Head sollte aber dieses Jahr zur reinen Farce verkommen. Denn wenn Klaus Meine von den SCORPIONS als Gaststar James Rivera von der Band DESTINY´S *CHILD* ankündigt, dann dürfte auch dem dümmsten Metaller klar werden, dass hier ein Gastauftritt nur des Gastauftritts wegen stattgefunden hat und weniger aus einer besonderen Verbundenheit der Musiker wegen. Ich musste mich wirklich erstmal bei Ilias erkundigen, ob ich denn da gerade richtig gehört hatte, denn solch einen Faux Pas konnte ich mir nicht mal bei den SCORPIONS vorstellen.

Und dann kommen wir doch gleich zu einem weiteren Punkt, der in diesem Jahr sehr negativ aufgefallen ist: die Preise! Dass ein solches Festival sicherlich ein hohes finanzielles Risiko darstellt, will ich gar nicht bestreiten. Die Frage sollte jedoch nach wie vor sein, was man dem Publikum zur Kleinhaltung dieses Risikos zumuten kann. Wenn ich den Preis von 4,50 DM für 0.33 Liter Bier auf eine Mass hochrechne, dann bin ich ohne ein Mathegenie zu sein ziemlich schnell bei Oktoberfestpreisen angelangt und 6 DM – Schwabe hin oder her – für eine einfach poblige Currywurst (nix mit Extragroß oder sowas) halte ich für eine reine Unverschämtheit.

Doch auch wenig akzeptabel sind meiner Ansicht nach Einnahmequellen wie die oberpeinliche Strip-Show, die das Publikum vor dem Auftritt der SCORPIONS über sich ergehen lassen mussten.

Man konnte es ja eigentlich schon erahnen, als dieser dämliche Blondschopf die Bühne betrat und das Publikum anbellte, ob es denn nun auch mal etwas anderes sehen wollte und auf Reeperbahn-Niveau die Zuschauer zu animieren versuchte. Hoffentlich sagt dem Kerl mal jemand, dass wollt ihr was Erotik sehen schlicht und ergreifend kein deutscher Satz ist! Ja und dann kamen dann auch schon die drei Mädels auf die Bühne. Soweit ich das aus der Ferne beurteilen konnte, sicherlich nicht schlecht anzusehen, aber wenn das Publikum auf einem Metal-Festival mit Kultcharakter plötzlich mit Techno beschallt wird, dann kommt das – Promotioneffekt hin oder her – einer Beleidigung gleich. Hinzu kam, dass das ganze auch noch mies koordiniert und mässig dargebracht wurde. Sicherlich kann sowas wieder zur Finanzierung des Festivals auf recht einfache Art und Weise beitragen, zumal das ganze wohl in Kooperation mit der Fernsehsendung Wahre Liebe (oder war es Liebe Sünde?) ablief, aber irgendwann muss man halt auch mal wieder einen Schlussstrich ziehen und sich sagen: das hat auf dem Bang Your Head einfach nichts verloren! Und wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass aufgrund der SCORPIONS als Headliner – wie im letzten Jahr bei DEEP PURPLE – vorhersehbar war, dass auch ganze Familien mit kleinen Kindern vor Ort sein werden, dann ist sowas einfach fehl am Platz…und nein, das hat nix mit Spießigkeit zu tun, das hat was damit zu tun, dass man manchmal einfach auch auf dem Boden bleiben muss.

So, das soll´s jetzt dann auch gewesen sein, denn ich will auf keinen Fall, dass hier ein zu negativer Eindruck entsteht. Letztendlich war das Festival, wie oben bereits erwähnt, nach wie vor ein Highlight unter den Open Airs und das ganze machte – nicht zuletzt aufgrund des super Wetters (nur nachts war´s Arschkalt!) und der vielen geilen Bands – eine Menge Spaß.

Vielleicht sollten die Veranstalter einfach nochmal überdenken, wie denn eigentlich die Zukunft des Bang Your Head aussehen soll.

Kommen wir also zu den einzelnen Festivaltagen:


Donnerstag, 29. Juni 2000

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Donnerstag, Anreisetag. Eigentlich wollten wir uns an diesem Abend ja noch die Warm-Up-Shows von Cannibal Corpse, Asphyx und Krisuin in der Discothek WOM anschauen, doch es sollte wie immer anders kommen.

Vampi musste ausgerechnet an diesem Abend ja noch unbedingt ein Interview mit einem geschirrspülenden Finnen machen (nein, ich will jetzt gar nicht hören, dass ich auch erst reichlich spät aus dem Geschäft rausgekommen bin – Fierce), weshalb sie die Abfahrt gleich mal ein ganzes Stück nach hinten verschob.

Als wir uns dann endlich auf dem Campingplatz einen Fleck ausgesucht hatten, der uns allen zusagte (Boxi parkte letztendlich irgendwo mitten in der Landschaft, weshalb wir uns sicher schon am ersten Abend den Zorn einiger Camper zuzogen), und wir uns endlich darauf einigen konnten, in welche Richtung wir unsere Zelte nun aufstellen sollten, war es inzwischen also auch schon so spät, dass man an den Besuch des WOMs gar nicht mehr denken brauchte. Und so genehmigte man sich erstmal – wie viele metallische Kollegen auch – einen Imbiss im Motorradclub Donalds und verhockte danach mit einigen Biers vor den Zelten.

Doch das erste persönliche Highlight des Festivals sollte schon wenige Stunden nach Ankunft kommen. Während unsere (um einiges trinkfestere) Mädels nämlich noch ein wenig vor dem Zelt gacker…tratsch…kommunizieren wollten, zog ich (Fierce) es lieber vor, die kalte Alb- mit der warmen Zeltluft zu tauschen und so kuschelte ich mich auf der prall gefüllten Luftmatratze in meinen Schlafsack. Doch schlafen sollte ich nicht lange können, denn irgendwann wachte ich mit fröstelndem Arsch auf und musste feststellen, dass sich dieser auf der kalten Erde befand. Die Luftmatratze hatte tatsächlich ein Loch. Also erstmal raus zu den Mädels (die inzwischen schon eine beachtliche Anzahl von leeren Bierdosen vor sich liegen hatten) und die elektrische Luftpumpe (für die ich nicht nur einmal Spott erntete) angeworfen, um den plötzlichen Luftmangel auf den Grund zu gehen. Doch auch die einfallsreichsten Flickversuche mit Boxis Autoverbandszeug, sollten das Problem einfach nicht lösen und so kam ich also endlich in den Genuß des im höchsten Maße unebenen Balinger Bodens.

Freitag, 30. Juni 2000

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Aber nicht nur ich sollte der einzige sein, der an diesem Wochenende Probleme mit dem Schlafen haben sollte.

Mitten in der Nacht hatte sich nämlich ein mehr oder weniger bierfester Geselle neben Boxi´s und Vampi´s Zelt niedergelassen, der sich zunächst mal kräftig zuschüttete und die beiden dann schon ab 7.30 Uhr mit seinem unglaublichen Geschnarche einfach nicht mehr schlafen lassen wollte. Da Vampi´s unnachahmliche Art des Gemeckers natürlich auch uns anderen den Schlaf raubte, begann dieser erste echte Festivaltag also schon ausgesprochen früh.

Aber wir waren nicht die einzigen. Erstaunlich viele Metaller kamen um diese Uhrzeit schon aus den Betten gekrochen, um zunächst mal den Real-Markt neben dem Camping-Gelände zu stürmen.

Und so schlecht war das auch gar nicht, denn schließlich sollte das Festival bereits um 10.00 Uhr mit dem Auftritt von CHINCHILLA beginnen, weshalb aus unseren Reihen aber niemand wirklich in Hektik geriet und so verfolgten wir diesen Auftritt erstmal aus der Ferne, bzw. vor dem Einlaß. Naja, ich hatte – in Anbetracht dessen, was man so gehört hat – nicht gerade das Gefühl, dass ich was verpaßt hätte, wobei ich zugeben muss, das mir die Version von BLACK SABBATH´s Headless Cross gar nicht so schlecht gefiel.

Naja, letztendlich war mir ja hauptsächlich wichtig, dass wir rechtzeitig zu

Evergrey

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vor der Bühne standen, was auch ohne Probleme funktionieren sollte.

Und ich hätte mir keinen besseren (persönlichen) Auftakt für das Bang Your Head vorstellen können! Diese Band ist einfach geil und auch die enormen Soundprobleme konnten mir die Freude an diesem Auftritt nicht nehmen. Tom S. Englund und seine Mannen schienen mit ihrem eher ins düstere Lager tendierendem Outfit auf diesem Festival zwar eher aus dem Rahmen zu fallen, musikalisch hatte der Auftritt auf dem Bang Your Head jedoch jegliche Berechtigung.

Mit Solitude Within startete die Band wie zu erwarten mit dem Opener des aktuellen Albums, doch schon mit dem zweiten Song gab´s einen Titel vom The Dark Discovery-Album, das auf der zurückliegenden Tour mit CRIMSON GLORY ja völlig unangetastet blieb (achja, bei dem Song handelte es sich übrigens um Blackend Dawn). Und so sollte der Auftritt tatsächlich eine gute Mischung aus dem Material beider Alben von EVERGREY werden. Umso deutlicher wurde, dass der Hauptunterschied zwischen The Dark Discovery und Solitude Dominance Tragedy in erster Linie in der Produktion zu suchen ist, denn Songs wie Nosferatu oder Shadowed gingen nahtlos ineinander über und wirkten wie aus einem Guss.

Leider leider sollte sich das alte Bang Your Head – Syndrom schon bei EVERGREY bemerkbar machen, denn die Band kämpfte wirklich gegen einen hartnäckigen Feind, der sich Soundproblem nannte. Ständige Ausfälle von Instrumenten und ein Sound, in dem einzelne Instrumente gar nicht erst erkennbar waren, sollten die ersten Songs bestimmen, bis nach Nosferatu dann endlich eine Verbesserung zu hören war. Gleiches gilt auch für die Stimme von Tom Englund, der live sicher noch an Erfahrung gewinnen muss, um die Songs ähnlich genial rüberzubringen, wie es auf Platte der Fall ist.

Dennoch, nach jedem Song konnte die Band mehr und mehr mitreißen und auch wenn Tom das Publikum stets fälschlicherweise mit Come on Stuttgart (oder sagte er Stockholm?) anfeuerte – so nah liegen die Städte auch wieder nicht beieinander – waren die Reaktionen des Publikums bereits zu diesem frühen Zeitpunkt begeistert.

Destiny´s End

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Dass das Publikum aber doch eher auf unverfälschten Power Metal der alten Schule stand, konnte man deutlich beim Auftritt von DESTINY´S CHILD…ähm…END spüren. James Rivera hatte das Publikum vom ersten Moment, in dem er die Bühne betrat, im Griff und lenkte das Publikum allein durch seine Gesten.

Doch auch andersherum funktionierte die Sache, denn was Rivera seinem Publikum gab, bekam er sofort wieder von diesem zurück. Die Begeisterung war ihm sichtlich anzumerken, was er auch durch Sätze wie This would never happen in America verdeutlichte.

Bemerkenswert, dass DESTINY´S END nicht den sicheren Weg gingen und einfach das den Fans bekannte Material um die Ohren schlug, nein, gleich 4 Songs vom kommenden Album Transmission gab die Band zum Besten und ich muss sagen, dass mich das neue Material beim ersten Hören ein ganzes Stück mehr begeistern konnte, als es bei Breathe in the Dark der Fall war. Man darf also gespannt sein, ob das neue Album das hält, was beim ersten versprochen wurde (was jetzt nicht heißen soll, dass das erste schlecht wäre!).

Einzig die Tatsache, dass kein einziger HELSTAR-Song den Weg in das Set fanden, könnte dem ein oder anderen negativ aufgefallen sein, aber man kann auch auf dem Bang Your Head nicht immer alles haben.

Jacobs Dream

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Nach DESTINY’S CHILD, äh, pardon, END betrat sogleich der nächste Kult-Act die Bühne: die Amerikaner JACOB’S DREAM, die nach der Absage ÄXEL RÜDI PELLS in letzter Sekunde ins Billing gerutscht waren. Was hatte ich mich gefreut!!! Und was wurde ich enttäuscht!!!!! Das Debüt: phantastisch. Unglaublich. Eines der wenigen Alben der letzten Jahre, die sich jetzt schon ihr Plätzchen auf meinem Regal mit der Aufschrift „Klassiker“ erkämpft hat. Fast klar, dass die Band nur verlieren konnte. Dass es aber eine derart haushohe Niederlage werden würde, hätte ich mir in meinen schweißtreibendsten Albträumen nicht schlimmer ausmalen können! Wo war sie, die dichte Atmosphäre der Studio-Aufnahmen? Wo waren die phantasievollen Details, die das Debüt so prächtigst zierten? Wo war die Magie? Hinfort. Verschwunden. Dahin. Geblieben war eine Durchschnittscombo. Und ein unterdurchschnittlicher Sänger. David Taylor, dessen Kopfstimmen-Organ auf CD noch gewöhnungsbedürftig, aber IMO reichlich genial rüberkommt, quäkte mehr als einmal derart schräg in der Gegend rum, dass Unbeteiligte im hinteren Geländebereich allen Grund zum Glauben gehabt haben dürften, Fledermaus-Beisser Ozzy habe als Überraschungsgast die Bühne erklommen und quäle dort in aller diabolischen Seelenruhe ein paar unschuldige Meerschweinchen. Dem war leider (bzw. zum Glück, verabscheue ich doch als den öffentlichen Missbrauch kleiner knopfäugiger Pelzkugeln zutiefst, und sei es auch im Dienste des einzig wahren Heavy Metals) nicht so: das Meerschwein war ein übergewichtiger Ami, der ungelenk auf der Bühne herumstampfte und keineswegs die Opfer-, sondern die Täterrolle innehatte. Blieben seine Begleiter zwar uninspiriert, aber harmlos, entpuppte sich Mr. Taylor als wahre Nervensäge, der selbst Song-Giganten wie `Kinescope` oder `The Gathering` auf Zwergengröße zurechtquäkte. Traurig, aber wahr. Ich hatte Götter erwartet, aber was sich da auf der Bühne herumquälte, waren allenfalls ein paar flügellahme Aushilfs-Engel. Bleibt nur noch eine Hoffnung: dass die Herren aus Ohio bis zum Wacken Open Air noch mal kräftig proben, einen Gast-Keyboarder mitnehmen und ihren Sänger auf Diät setzen. Soll den Stimmbändern mitunter ausgesprochen gut tun.

Exciter

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Auf die Pleite des Tages folgte das Highlight – zumindest dann, wenn sich Festival-Erfolg an der Bang-Rate pro Kopf festmacht. EXCITER fegten mit Urgewalt alles hinweg, was da nicht richtig Metal war! Die Amis ließen nichts anbrennen: Killerriff um Killerriff hagelte auf die euphorische Menge nieder. Was mich auf CD nach spätestens 20 Minuten doch ein wenig langweilt, war live einfach nur noch G.E.I.L.! Metal pur im Schweinsgalopp! Verschnaufspause? Pah! Breaks? Firlefanz! Immer kräftig auf die Zwölf, jawoll! Dazu markierte Sänger Jacques Belanger den Painkiller, dass es eine Freude war! Und dass selbst die Songs des neuen Albums `Blood Of Tyrants` locker neben Klassikern wie `Violence And Force` bestanden, lässt hoffen für eine Band, die den wahren Metal um ein Vielfaches mehr verkörpert als all die jungen Möchtegern-True Metaller, für die die Geschichte des Heavy Metals mit HAMMERFALL beginnt.

Axxis

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Nee, Leute…wenn AXXIS ihren Schlager-Metal zum besten geben, werfen wir uns lieber nochmal was zum Essen ein…Touch the Rainbow brachte uns aber auch aus der Ferne zum Lachen…

U.D.O.

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Langsam wurden die Namen also größer und das Gefühl weniger familiär. Doch auch U.D.O wußte, was er dem nostalgisch veranlagten Publikum in Balingen zu bieten hatte. Und nachdem er mit Holy und einem weiteren Song neueren Datums das Pflichtprogramm abgeschlossen hatte, war es endlich Zeit für die alten ACCEPT-Klassiker. Und davon gab´s in den 50 Minuten genügend. Neben Balls to the Wall, Metal Heart oder Son of a Bitch gab´s mit London Leatherboys sogar einen Song, den ich nicht unbedingt erwartet hätte, umso besser, dass man auch mal wieder was anderes zu hören bekam als nur das übliche Programm. Dennoch hätte ich mir zu gerne Klassiker wie Shake Your Head oder Neon Nights gewünscht, was aufgrund der relativ kurzen Spielzeit aber einfach nicht möglich war. An neuerem Material wie Independence Day merkte man dann aber doch deutlich, dass U.D.O. eben nicht ACCEPT ist, zumal ich mir dann auch eher eine Song des Kalibers Animal House gewünscht hätte. Mit Fast As a Shark wurde ein solider Gig beendet, der jedoch zu keiner Zeit derart mitreißen konnte, wie es vor zwei Jahren in Wacken der Fall war.

Saxon

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Auch SAXON gehört zu den Bands, die mit der Menge an Klassikern einen ganzen Konzertabend füllen könnten. Dennoch schafften es die Briten, den Abend mit einer großartigen Best-Of-Show zu bestreiten, in dem kein Ausfall zu finden war. Das Publikum wusste dies zu schätzen und feierte Songs wie Motorcycle Man, Dogs of War, 20.000 ft., Denim & Leather und Princess of the Night förmlich ab. Nicht zuletzt die professionelle und dennoch sympathische Art der Band, vorne weg Biff Byford, machte diesen Auftritt zum heimlichen Headlinergig diesen Abends. Vor allem die Gänsehaut-Version von Crusader konnte mich absolut begeistern, bevor der 75minütige Auftritt von SAXON mit Strong arm of the Law und Wheels of Steel beendet wurde. (Erwähnen möchte ich noch das kuule Stageacting des Bass-Manns, der die ganze Show über 100% Power und Spielfreude bot. Lobenswert!! Könnte sich der alte, eklige Poser am Bass bei U.D.O. mal eine Scheibe abschneiden.)

Wenn man bedenkt, vor welch kleinem Publikum die Band teilweise vor wenigen Jahren noch auftreten musste, dürfte auch dieser Gig ein echtes Highlight in der Karriere von SAXON darstellen.

Rage

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Nach SAXON konnten RAGE nur noch den Kürzeren ziehen. In Anbetracht der Bürde, nach einer der souveränsten Live-Bands des Planeten auftreten zu müssen, zog sich das Trio um Peavy Wagner jedoch ausgesprochen gut aus der Affäre. Die Mischung aus neuen Songs wie `Wash My Sins Away` und Klassikern der Marke `Don’t Fear The Winter` oder `Higher Than The Sky` stimmte und die musikalische Performance der Ausnahmemusiker Mike Terrana (Drums) und Viktor Smolski (Gitarre) war ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Unglaublich, welch` dichten Soundwall man zu dritt schaffen kann! Und dennoch fehlte IMO insbesondere den Songs jüngeren Datums ein wenig die Detail-Fülle der Studio-Aufnahmen, zu sehr habe ich mich wohl an die Klassik-Arrangements der letzten Alben gewöhnt. So solide der Auftritt war: RAGE sind schlicht und einfach keine Festival-Band mehr, denn vom reinem Abgeh-Metal vergangener Tage haben sie sich zu weit entfernt. Doch wer weiß, vielleicht machen sie ihre Ankündigung ja wahr und wenden sich auf dem kommenden Album wieder ihren alte Stärken zu. Was aber auch irgendwie bedauerlich wäre.

Demons & Wizards

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Ich war enorm gespannt, ob DEMONS & WIZARDS live das bringen würden, was ich auf Platte so sehr vermisse: der Funke der überspringt um einem eine Gänsehaut zu verpassen. Doch aus dieser Wunsch blieb mir verwehrt, es gab nur Pariser Bier, um es mal mit den Worten J.B.O.´s auszudrücken. Anders als das begeisterte Publikum kam in mir einfach kein echtes Feeling auf, als die Band das Material vom Debütalbum des Bandprojekts um John Schaffer und Hansi Kürsch zum Besten gab. Da konnte auch ein Oli Holzwarth am Bass (war er´s nun oder war er´s nicht?) die Kohlen nicht aus dem Feuer holen, DEMONS & WIZARDS sind gut, kommen aber lange nicht an die beiden Hauptbands ICED EARTH und BLIND GUARDIAN ran. Das wurde deutlich, als die von Hansi als Ersatz für The Bard´s Song angekündigte Hymne Fiddler in the Green angestimmt wurde und im Gegensatz zum Bard Song eben keine Gänsehaut erzeugte. Das wurde deutlich, als die Band mit Travel in Stygian zeigte, wie ein echter Power-Metal-Hammer zu klingen hat (von Hansi Kürsch wirklich genial vorgetragen!!!!). Und das wurde deutlich, als mit Welcome to Dying klargestellt wurde, dass BLIND GUARDIAN in den frühen Jahren schon bessere Songs geschrieben haben, als es auf Demons & Wizards der Fall ist. Versteht mich nicht falsch, ich finde sowohl das Bandprojekt ansich ebenson wie die einzelnen Musiker enorm sympathisch und die Musik ist auch sicher im gehobenen Mittelfeld anzusiedeln, aber wenn es DEMONS & WIZARDS nicht geben würde, würde mir auch nichts fehlen.

Scorpions

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An dieser Stelle über die SCORPIONS herzuziehen wäre irgendwo sinnlos. Die Band spielte nunmal und damit musste man sich eben abfinden.

Letztendlich hat mir der Auftritt sogar gar nicht mal so schlecht gefallen, denn von der Songauswahl her fühlte ich mich ein ums andere mal an die Live-Scheibe World Wide Live erinnert, die ja schließlich einen Teil meiner Jugend begleitet hat.

Blackout, Bad Boys Running Wild, Coast to Coast, The Zoo oder Still loving you versetzten mich in eine Zeit zurück, als man sich allabendlich im selbsteingerichteten Jugendraum des Dorfes traf, um Freunde zu treffen, Spaß zu haben und die ersten Gehversuche in Sachen Heavy Metal (nicht nur darin) zu machen.

Tatsächlich war Wind of Change der neueste Song, den die Scorps an diesem Abend unters Volk brachten, was die meisten Leute im Publikum wohl gefreut haben dürfte.

Wie bereits oben beschrieben, gab´s mit dem Gastauftritt von James Rivera auch noch eine echte Peinlichkeit zu vermelden, die nicht mal durch das Spielen von Songs der neuen Platte hätte überboten werden können. Und auch dass die Gitarrenhelden der Band nicht mehr die jüngsten sind, wurde spätestens bei Still loving you deutlich, dessen Gitarrensolo sowas von verhunzt wurde, dass man das Gefühl hatte, unser Rudi hätte gerade einen Krampf in den Fingern erlitten.

Um 23.00 Uhr war dann also auch Schacht im Schicht, wie unsere Vampi so zu sagen pflegt, und so trotteten wir los zum Campingplatz, wo wir erneut bei Kerzenschein und Bier zusammensaßen um uns noch ein paar Stündchen zu unterhalten, während im Zelt auf dem Campinggelände noch die Metal Disco tobte. Und wir hätten es sicher noch länger ausgehalten, wenn es nicht auch in dieser Nacht bitter kalt gewesen wäre (die Temperaturen fielen auf 5° C). Unglaublich, dass einige besoffene Gestalten tatsächlich mit dem Gesicht auf dem blanken boden schlummerten, ohne sich ernsthafte gesundheitliche Schäden zuzuführen. Tja, echte Älbler sind halt doch härter im Nehmen…

Samstag, 01. Juni 2000

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Heftig schwitzend erwachte Vampi an diesem Samstagmorgen. Doch kein Grund, der euch gerade im Kopf herumspukten sollte (ihr alten Ferkel!) trifft die Wahrheit.

Tatsächlich war es so, dass es unsere Flattermaus in ihrem Zelt einfach nicht mehr aushielt, da ihr sowohl Kälte, als auch das enervierende Geschnarche des Zeltnachbarn, das bereits nachts beim Einschlafen störte, einfach zuviel wurde.

Kurzentschlossen packte sie also ihren Schlafsack und machte es sich im Auto bequem, wo sie dick vermummt am morgen von der lieben Sonne geweckt wurde, die den Autoinnenraum zu einer kleinen Sauna umwandelte. So kann es gehen…die Gerüchte, dass Boxi den ganzen Samstag damit zubringen musste, die Fettflecken von den Scheiben zu wischen, die die vielen Passanten hinterließen, als sie ihre Nasen aufgrund des schlafenden Flatterviehs an den Autofenstern plattdrückten, sind übrigens nicht wahr!

Doch auch wenn Vampi an diesem morgen schon recht früh auf den Beinen war, gelang es uns erneut nicht, den Opener des Samstags, RAWHEAD REXX, live miterleben zu können.

Dennoch ging´s an diesem morgen um einiges hektischer zu und so kamen wir gerade noch rechtzeitig, bevor

Lefay

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die Bühne betraten. Und auch wenn ich die Schweden eindeutig als zu weit unten im Line-Up eingeordnet empfinde, hätte ich mir keinen bessern Wach- und Gute-Laune-Macher vorstellen können.

LEFAY bewiesen erneut, dass sie zu den besten Live-Bands dieses Planeten gehören und das können auch die vielen technischen Probleme, die die Jungs zu bewältigen hatten nicht ändern. Gerade hier merkt man die Proffesionalität dieser Band, denn während andere auf solche Fehler genervt reagieren nehmen es die Jungs locker, unterhalten das Publikum weiterhin, erhalten die gute Stimmung und setzen wieder in den Song ein, als wäre nichts gewesen.

Für mich besonders erfreulich ist die Tatsache, dass auch das neue Material, das mich auf Platte nach wie vor nicht so richtig vom Hocker hauen kann, live enorm gut rüberkommt, und so war Save our Souls ein gelungener Opener und auch When Gargoyles Fly hatte in der Mitte des Sets seine Berechtigung. Doch die wirklichen Hämmer packten LEFAY eben doch mit älterem Material wie Maleficium oder The Source of Pain aus, auch wenn die Band zu keinem Zeitpunkt zu tief in die Bandgeschichte einstieg.

Hinzu kommt, dass LEFAY auch auf größeren Festival-Bühnen wie Blöde über die Bühne fegen, sich gegenseitig zum Narren machen und das Publikum auf diese Weise vollkommen auf ihre Seite ziehen. Es war einfach unglaublich, was für eine Stimmung vor und auf der Bühne herrschte und so konnten LEFAY ohne anzugeben sagen wir haben einen der besten Gigs dieses Festivals gegeben!

Naja, nach diesem Live-Hammer konnten EDGUY eigentlich nur verlieren und der Hungergefühl im Bauch war eindeutig stärker, als das Verlangen, die Band live zu erleben. Angesichts der Bands, die da im Anschluss noch kommen sollten, war es ja auch durchaus ratsam, zunächst mal einen Gang zurückzuschalten um sich für den weiteren Tagen zu wappnen…

Manilla Road

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Der Metal-Kindergarten verließ die Bühne, die Seniorenfront erklomm sie: MANILLA ROAD, US Epic Metal-Urgestein der ersten Stunde, betraten erstmals europäischen Festival-Boden. Ihr Auftritt? Bretthart. Mitreißend. Zwar drohte der beschwörende Gesang Mark „The Shark“ Sheltons ein ums andere Mal in den thrash-lastigen Power-Riffs unterzugehen, zwar gab es mehr als nur eine holprige Passage, zwar waren MANILLA ROAD sicherlich nicht diejenigen, die die größte Zuschauermasse vor der Bühne versammelten, doch den Fans der Band war das alles schnurzegal. Sie feierten ihre Faves, auf die sie schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten vergeblich warten mussten, euphorisch ab. Nicht wenige waren eigens aus allen möglichen und unmöglichen Ecken Europas angereist, um an dem denkwürdigen Ereignis teilhaben zu können und ließen sich ihre Freude ob des Auftritts durch nichts verderben. Und MANILLA ROAD? Die genossen es sichtlich, endlich live vor ihren Anhängern aufspielen zu können und ackerten sich quer durch den reichhaltigen Backkatalog, beschränkten sich dabei allerdings überwiegend auf härtere Stücke. Leider war Ex-Drummer Randy „Foxe“ Thrasher nicht mit von der Partie. Zwar gab sich Troy Olson alle Mühe, ihn zu ersetzen und machte technisch durchaus eine gute Figur, man merkte jedoch, dass er mit dem Material noch nicht voll und ganz vertraut war. Probleme mit dem Monitor-Sound sorgten mehrmals für zusätzliche Konfusion, was jedoch dem Spielspaß der Band und der Freude der Fans keinen Abbruch tat. Noch Stunden nach dem Auftritt konnte man den Shark selig lächelnd über’s Festival-Gelände spazieren, sich freudestrahlend mit Fans unterhalten und Autogramme verteilen sehen. Nach Sympathiepunkten der klare Gewinner des Festivals!

Das Thema PRIMAL FEAR spielt in der Vampster-Redaktion nach wie vor eine besondere Rolle: irgendwie interessiert sich kein einziger von uns für diese Band, weshalb auch dieser Auftritt unserer allmächtigen Ignoranz zum Opfer fiel… 😉

Watchtower

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Die legendären Watchtower-Shows kenne ich nur vom Erzählen her, als nämlich meine Kumpels begeistert von einem Auftritt Ende der Achtziger in der Ludwigsburger Rockfabrik zurück kamen und mit leuchtenden Augen von dem Wahnsinnsauftritt erzählten, als sich die Texaner wild auf der Bühne wälzten und dabei fehlerfrei ihre vertrackten Techno-Metal Songs (ja, das nannte man damals so *g*) runterbolzten. Und nun standen eben jene Texaner an diesem Tag auf dem Billing und die Erwartungen waren groß. Total bescheuert!, Wahnsinnig, Total plemmplemm!! waren so die Kommentare, die vampi los ließ, als das Spektakel auf der Bühne begann. Sie meinte es aber nicht böse (wie es nur gemeine Menschen unterstellen könnten) sondern starrte selbst mit ungläubigem Blick auf die Bühne, um das, was dort oben passierte, verarbeiten zu können. Ein Bassist in einem grünen (ich vermute mal) Wasserball-Kostüm, ein Gitarrist mit Knieschützern (die, wie sich später herausstellte, nicht nur eine optische Funktion hatten) und ein Sänger namens Jason McMaster im Retro-80ies-Thrashmetal-Style mit Stretchjeans und Nietengürtel rannten über die Bühne, drehten sich zu mehreren um eine imaginäre Achse, ließen sich zappelnd zu Boden fallen, starrten wie irre ins Publikum und ließen sich von ihren Fans abfeiern – und das natürlich alles, während sie ihre komplexen Songs ohne auch nur einmal verkehrt mit dem Finger zu zucken runter ratterten. Und spätestens bei den Klängen des Songs Control And Resistance trieb es auch mir die Freudentränen in die Augen. Grandios! Kult! Spitze!! Die Rückkehr der Götter war perfekt – was für ein Erlebnis!

Virgin Steele

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VIRGIN STEELE überraschten gleich zu Beginn ihres Sets mit der Ankündigung, dass die Band den Set nur zu dritt hinlegen können, da ihr Bassist verhaftet worden ist und deshalb nicht spielen konnte. Na da schau her…

Dennoch legte die Band gleich mächtig los und recht schnell wurde klar, dass der Bass bei VIRGIN STEELE nicht gerade im Mittelpunkt der Musik steht. Zwar gab es doch die ein oder andere Lücke, die trotz des engagierten Gitarrenspiels nicht gestopft werden konnten, doch der Power der Musik tat dies keinen Abbruch.

VIRGIN STEELE legten einen Set hin, den man wohl – ähnlich wie bei U.D.O. – als solide bezeichnen kann. Gut, aber nicht der Höhepunkt der Karriere. Mir gefiel´s auf jeden Fall um einiges besser, als es bei der Headliner-Tour zu Invictus der Fall war, dennoch blies mich die Band nicht wirklich um. Vielleicht lag es einfach daran, dass VIRGIN STEELE eben einen VIRGIN STEELE Set ohne irgendwelche besonderen Schmankerl und Höhepunkte spielten…na gut, ohne Höhepunkte ist natürlich falsch ausgedrückt, denn für eingefleischte Fans ist jeder einzelne Song ein Höhepunkt. Was ich meine sind eben die kleinen Überraschungen, die einen Live-Auftritt zu etwas besonderem machen. David DeFeis und seine Mitstreiter versteiften sich meiner Meinung nach auch zu sehr auf Material neueren Datums und verzichteten komplett auf Klassiker der Marke Noble Savage. Auf der anderen Seite hätte ich mir aber auch den ein oder anderen Song mehr von der neuen Scheibe gewünscht, dafür hätte er das Invictus Album von mir aus komplett ignorieren können.

Naja, irgendwie konnten es mir VIRGIN STEELE an diesem Tag wohl überhaupt nicht recht machen…wobei ich auch nicht wirklich enttäuscht war. Der Auftritt war wirklich gut, aber eben nicht super.

Krokus

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Tja, auch KROKUS hat von uns keiner gesehen, jedoch zeigt ein Statement von Jason Mc Master recht deutlich die Qualitäten der Band auf. Der meinte nämlich, sowas wie KROKUS wäre klasse, er liebe JEDE Band, die versuche, wie AC/DC zu klingen und er spiele nebenbei selber in einer Band, die versuche, wie AC/DC zu klingen und es sei überhaupt ziemlich erstrebenswert, wie AC/DC zu klingen, vor allem wie die mit Bon Scott. Tja, was soll man dem noch hinzufügen 😉

Jag Panzer

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Auch der Auftritt von JAG PANZER sorgte für Spannung unter dem metallischen Volk. Wie wird sich die Band wohl mit dem Material von Thane to the Throne in der Hinterhand live darstellen? Wo werden die Schwerpunkte gesetzt? Um die Frage gleich zu beantworten: sehr stark auf Material neueren Datums. Ähnlich wie bei LEFAY war es für mich umso erfreulicher, dass die neuen Songs, die auf Platte nicht ganz die Power der alten Klassiker besitzen, live absolut mitreißen können.

Doch auch JAG PANZER sollten von den technischen Schwierigkeiten, die sich ja schon über das gesamte Festival hin durchzogen, nicht verschont bleiben. Gleich beim ersten Song fielen ständig Instrumente aus, wodurch sich wohl auch die Musiker irritieren ließen und dies mit ständigen Verspielern steigerten. Einzig Harry Conklin war klar und deutlich zu hören und ließ sich von den Problemen im Hintergrund nicht beirren. Aber auch er sollte nicht den ganzen Set hindurch glänzen, denn auch bei ihm gab es stimmlich einige Aussetzer.

Doch es ist nicht zuletzt dem Tyrant zu verdanken, dass das Publikum diese Probleme nicht zu ernst nahm. Die Band war einfach zu agil und aufgedreht, als dass sie die bangende Meute nicht schon von erster Minute an im Griff gehabt hätte. Der Tyrant wußte aber auch genau, wie er die Menge angehen musste, damit diese ihm förmlich aus der Hand fraß. Vor allem fragte ich mich, wie es dieser Kerl machte, in Lederhose, Lederjacke und Jeansweste bei diesen Temperaturen über die Bühne zu fegen, eine gesangliche Höchstleistung zu bringen und dabei keinen Kollaps zu erleiden. Einzig die Tatsache, dass er gegen Ende der Show sich seiner Lederjacke erst unter erhöhter Kraftanstrengung entledigen konnte zeigte, dass er doch ganz schön ins Schwitzen kam.

JAG PANZER gehörten an diesem Wochenende hundertprozentig zu den Bands, denen man anmerkte, wie dankbar sie sind, dass sie für dieses Publikum spielen durften und nicht umgekehrt. Die Begeisterung war den Bandmitgliedern förmlich ins Gesicht geschrieben und diese quittierten sie mit einer energiegeladenen Show.

Die ganze Macht der Band setzten sie aber mit den Bandklassikern Licensed to Kill, Warfare oder Shadow Thief frei! Bittebitte, liebe Musiker von JAG PANZER, so gut das neue Album Thane to the Throne auch ist, schreibt wieder mal ein paar Songs mit dieser Power und dieser Gesangesleistung!

Da konnte auch das mächtige The Moor nicht dagegen anstinken. SO muß sich POWERMETAL anhören!!!! Geil!

Running Wild

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Mmh, was soll man denn über RUNNING WILD noch groß schreiben? RUNNING WILD sind halt RUNNING WILD. Der eine mags, der andere nicht. Mich langweilte die Band an diesem Abend eher, da konnte auch die Pyroshow wenig ändern, die nebenbei gesagt auch völlig hinter meinen Erwartungen zurückblieb. Ganz klar fanden sich auch hier genug Fans ein, die die Band abfeierten, für mich blieb jedoch die Frage offen, inwiefern die Band die Headlinerrolle für dieses Festival verdient hat. Da gibt´s doch wirklich interessantere Acts, was wohl auch eine Menge anderer Leute so sahen, die den Set eher gelangweilt über sich ergehen ließen.

Tja, und damit war es dann also auch schon vorbei, das Bang Your Head Nummer fünf im Jahre 2000. Mal abgesehen von den etwas unglücklich gewählten Headlinern haben uns die Veranstalter mal wieder eine ganze Reihe an hochkarätigen Metal-Acts und erfreulicherweise NUR Metal-Acts vor den Latz geknallt, so dass auch dieses Jahr wieder einmal bewiesen wurde, dass dieses Festival zu den Wichtigsten in Europa zu zählen ist. Zwar erreicht es noch lange nicht die Größe von ähnlichen Veranstaltungen, dafür wurde auch dieses Jahr wieder mit Auftritten von MANILLA ROAD oder WATCHTOWER Metal-Geschichte geschrieben.

Und zum Schluss noch ein kleiner Gruß an all diejenigen, die uns weiß machen wollten, dass Macher von Metal Zines nicht wegen den Bands und der Party, sondern wegen irgendwelchen Business-Sachen oder Interviews auf Festivals zu erscheinen haben: wir hatten eine Menge Spaß, und das auch, ohne ständig im Backstage-Zelt rumzuhängen um sich bei irgendwelchen Leuten anzubiedern und dafür all die coolen Auftritte in den Wind zu schießen! Es war mal wieder eine exzellente Party!

Fierce, Ilias, Boxhamster & Vampi

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