ALCEST beim MEH SUFF FESTIVAL, Hüttikon – 08.09.2018

Das jährlich im September stattfindende MEH SUFF METALFESTIVAL ist wohl das letzte Open Air-Festival der Schweiz, das auch die härter Gesottenen zu befriedigen mag. Dieses Jahr hatten die Organisatoren wieder einmal Glück mit dem Wetter – nachmittags Sonnenschein und bis in den Abend hinein angenehme Temperaturen. Stilistisch zeigt sich das MEH SUFF-Festival wiederum abwechslungsreich – Old Schooler kommen am Freitagabend für VENOM und POLTERGEIST, Pagan Metaller haben mit ARKONA, ENSIFERUM, TROLLFEST und EQUILIBRIUM mehr als einen Motivationsgrund zur Fahrt nach Hüttikon und die brutal Veranlagten geniessen REQUIEM, MISERY INDEX, GORGASM und KRISIUN.

Ausgerechnet letztere zwei Bands holzen am Samstag alles darnieder, doch dazwischen im Billing hat es Platz für ein zartes, melancholisches Pflänzchen. Nach KRISIUN und TANKARD ist es nämlich – es lebe die Genre-Freiheit – Zeit für ALCEST. Die französischen Melancholiker um Mastermind Neige betreten kurz nach Sonnenuntergang die Bühne und beginnen mit ihrem Line-Check. Teile der Brutal-Fraktion im Publikum verziehen sich mit den Augen gen Himmel gerichtet ins Bierzelt, während sich der eine oder andere MARDUK-Fan bewusst wird, dass es das Billing gleich erlaubt, seine sanfteren Gefühle in der Öffentlichkeit auszuleben.

Purpurne Nebelschwaden nehmen gegen 20:45 Uhr die Bühne ein und das Melancholiker-Quartett eröffnet seinen filigranen Reigen mit dem Titeltrack von «Kodama». Die Musiker harmonieren perfekt miteinander, alles fliesst, alles passt zusammen und die melancholische Atmosphäre ergiesst sich über das verzauberte Publikum. Die meisten stehen still und geniessen die Klangreise, die ihnen ALCEST bieten. Ziel ist zum grossen Teil das 2016er-Album «Kodama», von welchem neben dem Titeltrack auch die Songs «Eclosion», «Je suis d`ailleurs» und «Oiseaux de proie» präsentiert werden.

Die spärlichen Ansagen Neiges geschehen allesamt auf Englisch, was angesichts der während des ALCEST-Auftritts grösseren Dichte von französischsprachigen Fans etwas merkwürdig erscheint bei einem Gig in der Schweiz. Das ist allerdings auch der einzige Kritikpunkt, den man an dieser gelungenen Gefühlsperformance anbringen kann. Mit dem epischen «Délivrance» des 2014er-Werkes «Shelter» schliessen ALCEST ihr Set ab und verschwinden geistgleich in den Nebelschwaden, während ihre Musik noch lange in den Herzen des Publikums nachhallt…